Als Patenschaft wird die freiwillige Übernahme einer Fürsorgepflicht bezeichnet. Eine Patenschaft unterscheidet sich von einer Partnerschaft (z.B. Städtepartnerschaft) darin, dass die beiden Teilnehmer nicht gleiche Rechte und Pflichten besitzen, sondern eine einseitige Fürsorgeaufgabe wahrgenommen wird.
Das vielleicht bekannteste Beispiel ist die Taufpatenschaft, welche besonders in früheren Jahrhunderten eine sehr wichtige soziale Rolle besaß und vielerorts auch noch heute besitzt.
Für eine Stiftung oder ein Projekt im weitesten Sinne können Menschen oder juristische Personen eine Patenschaft übernehmen. Viele Kinderhilfswerke (z.B. die Deutsche Humanitäre Stiftung, Plan International, World Vision oder SOS Kinderdorf) bieten Menschen aus reichen Nationen (Geberländern) die Möglichkeit an, Patenschaften für Kinder aus armen Regionen (Programmländern) zu übernehmen. Die Patenschaftsbeiträge finanzieren dabei Projekte, mit denen die Lebensumstände der Kinder, deren Familien und der ganzen Gemeinde dauerhaft verbessert werden sollen. Kritiker sehen darin ein "paternalistisches" Verhältnis zwischen Gebern und Nehmern und bevorzugen eine gleichberechtigte Partnerschaft.
Ebenfalls können Gebietskörperschaften (z.B. Landkreise, Städte und Gemeinden) Patenschaften für andere Gebietskörperschaften übernehmen. Dies ist in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg häufig geschehen, als westdeutsche Städte, Landkreise und Bundesländer Patenschaften für die Bewohner der ehemaligen Landkreise in der DDR, im Sudetenland oder in den ehemaligen deutschen Ostgebieten übernommen haben. Manche Städte und Gemeinden legen hier die Betonung auf Patenschaft für die in ihrem neuen Wohnort lebenden Bewohner bzw. deren dortigen Kultureinrichtungen, andere auf eine Patenschaft mit der Herkunftsregion bzw. -gemeinde. Letztere Art der Patenschaft beruhte, zumindest zum Zeitpunkt der Patenschaftserklärung (Kalter Krieg), praktisch durchweg offiziell auf Einseitigkeit. Es gibt auch Patenschaften von westdeutschen Gemeinden mit Kirchengemeinden der genannten Gebiete. Einzelne Patenschaftserklärungen wurden später wieder rückgängig gemacht (1989 die Patenschaft des Wetteraukreises in Hessen über den Heimatkreis Tepl-Petschau), aus anderen Patenschaften wurden seit Ende des Kalten Krieges Städtepartnerschaften.
Nach dem verheerenden Seebeben im Indischen Ozean 2004 übernahmen einige Städte ebenfalls Patenschaften für Gemeinden in den betroffenen Regionen.
Mehrere deutsche Städte haben eine Patenschaft über eine Kaserne der Bundeswehr oder ein Schiff der Bundesmarine übernommen.
Der deutsche Bundespräsident übernimmt auf Antrag die Ehrenpatenschaft für das siebente Kind einer Familie, um das soziale Ansehen kinderreicher Familien zu erhöhen. Bislang gibt es ca. 72.000 Ehrenpatenschaften.
Durch schriftlichen Kontakt erfährt das Kind näheres vom Paten/der Patin. Aber auch der Pate/die Patin erhält ein Foto mit einer Beschreibung des sozialen Umfeldes vom geförderten Kind beziehungsweise vom unterstützten Student. Diese Förderung verläuft im Prinzip über mehrere Jahre. Über den Verwaltungsaufwand, die Auswahl der begünstigten Kinder oder die Miteinbeziehung des sozialen Umfeldes wird oft kaum oder nur lückenhaft informiert. In manchen Ländern gibt es unabhängige Beobachtungsstellen (zum Beispiel das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen / DZI), die die Vertrauenswürdigkeit von Patenschafts- beziehungsweise Spendenorganisationen einschätzen und Interessierte informieren. Zahlreiche Informationen sind auch via Internet unter "Kinderpatenschaften" in den Suchmaschinen abrufbar.
Gegner der Kinderpatenschaftsprogramme meinen, dass diese dem Kind und allgemein mehr Schaden als Nutzen bringen würden. Das wird in verschiedener Weise begründet:
Befürworter der Kinderpatenschaftsprogramme sehen diese ganze Situation aus einer anderen Perspektive:
Da die Vergangenheit gezeigt hat, dass das Kinderpatenschaftsprogramm nicht nur positive Auswirkungen hat, haben viele Organisationen ihr Programm geändert, um diese negativen Auswirkungen zu kompensieren. Wenn man sich entschieden hat ein Kind finanziell zu unterstützen, sollte man sich die Organisation, ob karitativ oder religiös motiviert, genau anschauen. Folgende Fragen sind dabei besonders wichtig: Ist die Organisationsweise und Arbeit der Organisation transparent? Wenn nein, sollte man versuchen näheres zu erfahren, warum das nicht so ist. Es kann durchaus ganz logische und organisatorische Gründe geben.
Wenn man Infomaterial bekommt sollte auf folgende organisatorische Strukturen geachtet werden:
- Kinder werden nur über einen gewissen Zeitraum (ca. 3-7 Jahre) unterstützt um den Familien nicht den Sinn für Finanzangelegenheiten zu nehmen und um die Suche nach Arbeit zu fördern. Verlängerung ist bei besonderen Umständen und wirklicher Hilfsbedürftigkeit möglich. Dabei ist...
- ...Kommunikation mit dem Kind und den Familien besonders wichtig. Die Kontakte sollten persönlich über eine Person laufen, die die Familien regelmäßig besucht und deren Umstände erfährt. Sie kann auch bei Arbeitssuche und gesetzlichen Regelungen helfen und die positiven oder negativen Auswirkungen registrieren. (persönlicher Kontakt würde mindestens einen länger andauernden Besuch im Monat beinhalten. Logischerweise kann eine Kontaktperson dann keine 50 oder gar 100 Kinder betreuen.)
- Es sollte Programme geben um die Isolation zu vermeiden. Beispielsweise, dass auch die Familie in einem gewissen Rahmen von dem Patenschaftsprogramm profitiert.
- Gibt es Übergangszeiten, in denen ein Pate durch einen anderen ersetzt werden kann?
- Wird ein (extremer) Gewissensdruck aufgebaut?
Diese Punkte sind nur Vorschläge und müssen nicht immer zutreffen. Bei all diesen Programmen gilt jedoch, wie bei jeder Dienstleistung, genaues Informieren hilft vor bösen Überraschungen.
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