Die Passung ist eine Bezeichnung für den minimalen Maßunterschied zweier Teile, die zum Zwecke einer technischen Funktion ineinander stecken. Sie legt das Spiel zwischen beiden Teilen fest.
Historie
Schon vor 1914 hatten mehrere Firmen Paßsysteme für eigene Zwecke entwickelt. Nach dem ersten Weltkrieg wurde daraus das System der DIN-Passungen entwickelt. Die
1926 gegründete
International Federation of the National Standardizing Associations (ISA) vereinheitlichte
1928 die Passsysteme verschiedener Nationen. Die ISA-Passungen lösten daraufhin die DIN-Passungen ab. Seit
1964 heißt die Oraganisation
''International Organization for Standardization und die Normen ISO 286-1 und 286-2 für Rund- und Flachpassungen gingen unverändert als DIN-ISO ins Deutsche Normenwerk über.
Normung
Passungen sind genormt. Die zuständige Norm ist die Europanorm EN 20286. Sie besteht aus zwei Teilen und wurde am 1. August 1993 ausgegeben. Die Norm entspricht im Wesentlichen der Norm ISO 286 Ausgabe 1988.
Kennzeichnung
Bei Passungsangaben werden Innenmaße (z.B.
Innendurchmesser eines
Rohres) und Außenmaße (z.B.
Außendurchmesser eines Rohres) getrennt betrachtet, wobei für Innenmaße Groß- und für Außenmaße Kleinbuchstaben verwendet werden.
Die Passungsangabe selbst besteht immer aus einem Buchstaben und einer Zahl. Der Buchstabe gibt dabei die Lage des Toleranzfeldes an, aus der Zahl ergibt sich dessen Größe. Wenn man Außenpassung und Innenpassung kombiniert, entsteht die Passung.
- Es gibt drei verschiedene Grundpassungsarten, Spielpassung, Übergangspassung und Übermaßpassung.
Mit den Buchstaben A-ZC wird die Lage des Toleranzfelds zur Nulllinie (Nennmaß) angegeben. Die H-Passungen liegen von oben direkt an der Nullinie, die h-Passungen von unten.
Beispielsweise gilt:
Ø10e6 = Ø10-25; Ø10f6 = Ø10-13; Ø10h6 = Ø10+0; Ø10j6 = Ø10+4;
Hier fällt auf, dass die Höchstmaße mit zunehmendem Alphabet zunehmen.
Die der Toleranzreihe zugeordnete Zahl ist das Kennzeichen für die Qualität.
Beispielsweise gilt:
Ø10D9 = Ø10+76+40 d.h. Mindestmaß 10 + 40µm,
Höchstmaß 10 + 76µm
Ø10D11 = Ø10+130+40 d.h. Mindestmaß 10 + 40µm
Höchstmaß 10 + 130µm
Je größer die Zahl desto größer ist das Toleranzfeld
Für Nennmaße größer 3 mm bis 500 mm sind die Werte der Qualitäten größer oder gleich 5 als Vielfaches der Toleranzeinheit i festgelegt.
Die Toleranzeinheit i ergibt sich rechnerisch zu:
i in µm (Mikrometer); D in mm (Millimeter).
D in mm ist das geometrische Mittel aus den Grenzwerten D1 und D2 des jeweiligen Nennmaßbereiches:
Die Formel ist empirisch ermittelt, es wurde berücksichtigt, das unter gleichen Herstellbedingungen die Beziehung zwischen Herstellfehler und Nennmaß in etwa eine parabolische Funktion aufweist.
Das Glied 0,001 x D berücksichtigt die mit wachsendem Nennmaß linear zunehmende Unsicherheit beim Messen. Die Faktoren 0,45 und 0,001 sind somit Erfahrungswerte.
Theoretisch können Bohrungen und Wellen beliebig miteinander kombiniert werden.
Je nach Auswahl entstehen so genannte Spiel-, Übergangs- oder Presspassungen.
Einige Beispiele:
- Abmaße der Bohrung: Ø30H7 = Ø30+21+0
- Toleranzbereich: (21 - 0) µm = 21 µm
- Abmaße der Welle: Ø30f6 = Ø30-20-33
- Toleranzbereich: (33 - 20) µm = 13 µm.
- Da die Abmaße der korrekt gefertigten H7-Bohrung immer größergleich 0 sind und die Abmaße der f6-Welle immer keiner als mindestens -20 µm ist, besteht ein minimales Spiel von
- (0 µm der Bohrung + 20 µm der Welle) = 20 µm
- und ein Größtspiel von
- (21 µm der Bohrung + 33 µm der Welle) = 53 µm
- Eine solche Passungswahl wird als Spielpassung bezeichnet.
- Ø6H7 = Ø6+12+0
- Toleranzbereich: (12 - 0) µm = 12 µm.
- Ø6m6 = Ø 6+12+4
- Toleranzbereich: (12 - 4) µm = 8 µm.
- Hier findet eine teilweise überschneidung der Abmaße einer korrekt gefertigten H7-Bohrung und der m6-Welle statt. Je nach Ausführung entsteht ein maximales Spiel von
- (+12 µm der Bohrung - (+ 4 µm der Welle) = 16 µm
- oder ein Übermaß von
- (0 µm der Bohrung + 12 µm der Welle) = 12 µm
- Eine solche Passungswahl wird als Übergangspassung bezeichnet.
- Ø3X7 = Ø3-20-30
- Toleranzbereich: (30 - 20) µm = 10 µm.
- Ø3h6 = Ø3+0-6
- Toleranzbereich: (0 - 6) µm = 6 µm.
- Hier findet immereine überschneidung der Abmaße einer korrekt gefertigten H7-Bohrung und der m6-Welle statt.
- Je nach Ausführung entsteht ein minimales Übermaß von
- (20 µm der Bohrung - 6 µm der Welle) = 14 µm
- oder ein maximales Übermaß von
- (30 µm der Bohrung - 0 µm der Welle) = 30 µm
- Eine solche Passungswahl wird als Presspassung bezeichnet.
Passungsarten
Durch die Wahl der Toleranzklassen ergibt sich beim Zusammenbau entweder Spiel oder Übermaß zwischen den zu verbindenden Teilen.
Spielpassung
Das Mindestmaß der Bohrung ist immer größer, im Grenzfall auch gleich groß wie das Höchstmaß der Welle.
Übermaß- oder Presspassungen
Das Höchstmaß der Bohrung ist immer kleiner, im Grenzfall auch gleich groß wie das Mindestmaß der Welle.
Übergangspassungen
Bei einer Übergangspassung entsteht je nach Istmaßen von Bohrung und Welle beim Fügen entweder ein
Spiel oder ein Übermaß.
Prüfen von Passungen
Um Passtoleranzen nach der Fertigung zu Prüfen verwendet man für Bohrungen z. B. den
Grenzlehrdorn: ein zylindrischer Stift mit zwei sehr genau gefertigten Prüfzylindern an den Seiten. Nur wenn der kleinere davon in die Passbohrung passt
und der andere nicht, ist die Passung in Ordnung. Zur Überprüfung von Wellen ist eine Rachenlehre erforderlich: Diese Lehre enthält an beiden Seiten einen länglichen Spalt, der durch zwei ebene, parallele Flächen begrenzt ist. Auch hier darf und muss die Welle nur in genau eine der beiden Spalte passen. Beachten Sie jedoch, dass für jede einzelne Passung ein eigener Lehrdorn bzw. eine eigene Rachenlehre benötigt wird. Lehren liefern keinen Messwert, deshalb verwendet man in der Serienfertigung häufig induktive
Messtaster oder pneumatische Messgeräte, deren Ergebnisse werden dann in der Statistischen Prozesskontrolle weiterverarbeitet.
Ausgewählte Passungen nach Passungssystem "Einheitsbohrung"
- Spielpassungen
- H8/d9: Teile mit sehr reichlichem Spiel: Transmissionsteile, Lager für Baumaschinen
- H8/e8: Teile mit reichlich Spiel: Hauptlager für Kurbelwellen, Kolben in Zylinder
- H8/f7: Teile mit merklichem Spiel beweglich: Mehrfach gelagerte Welle, Kolben in Zylinder
- H8/h9: Teile leicht einschieben bis der "Saft" heraus rinnt: Verschiebbare Zahnräder und Kupplungen
- H7/g6: Teile ohne merkliches Spiel beweglich: Zahnräder und Kupplungen
- H7/h6: Teile von Hand gerade noch verschiebbar: Führungen an Werkzeugmaschinen, Stellringe
- Übergangspassungen
- H7/j6: Teile mit dem Holzhammer fügbar: Leicht ausbaubare Zahnräder, Lagerbuchsen
- H7/m6: Teile mit dem Schlosserhammer fügbar: Zahnräder und Kupplungen auf Zapfen
- H7/n6: Teile mit geringem Druck fügbar: Spurkränze auf Radkörper
- Presspassungen
- H7/p6: Teile mit Druck fügbar: Passfederverbindungen
- H7/r6: Teile mit größerem Druck fügbar: Welle-Nabe-Verbindungen, Hebelverbindungen
- H7/s6: Teile mit größerem Druck und zusätzlicher Erwärmung fügbar: Welle-Naben-Verbindungen
Wurfpassung
Der Begriff
Wurfpassung ist eine pseudofachliche Umschreibung für eine nicht bemerkte, besonders misslungene Passung mit ungewünscht viel Spiel.
Der Begriff rührt daher, dass man sich zutrauen würde die Welle notfalls auch noch durch Werfen aus der Entfernung in die Bohrung zu bekommen.
Ein oder beide Passungsteile sind außerhalb der Toleranz gefertigt. Üblicherweise werden diese Teile sofort geprüft und nicht konforme Teile gelten als Fehlproduktion auch Ausschuss genannt, der nicht oder nur mit erheblichen Aufwand auf das korrekte Maß gebracht werden kann.
Üblicherweise ist ein solches Teil unbrauchbar und wird der Verwertung, beispielsweise dem Schrott überführt. Zudem muss das Teil - vor allem bei Unikatteilen mit hoher Fertigungstiefe - mit hohem Aufwand neu hergestellt werden.
Aus oft nicht nachvollziehbaren Gründen werden Ausschussteile doch der Montage zugeführt, wo dann der Ausschuss offensichtlich wird.
Weblinks
Konstruktionslehre |
Maschinenbau |
Fügen
- http://www.metalltechnik-online.de/javascripts/online-pass-b-w.htm