Die Passiva - auch Passivseite oder Passiven genannt - bilden einen Bestandteil der Bilanz eines Wirtschaftssubjekts. Bilanzen, die mit dem Begriff Passiva versehen sind, sind allerdings streng genommen widerrechtlich, da § 266 HGB, der die genaue Aufstellung und Nomenklatur der Bilanz festlegt, nur den Begriff Passivseite kennt. Selbiges gilt für den Begriff "Aktiva" anstelle von "Aktivseite".
Die Passiva werden üblicherweise auf der rechten Seite einer Bilanz aufgezeigt. Ihr Gegenstück bilden die Aktiva, die auf der linken Seite der Bilanz ausgewiesen werden. Die Passivseite zeigt die Mittelherkunft auf, die Aktivseite zeigt die Mittelverwendung.
Die Passiva unterteilen sich i.d.R. in Eigenkapital, Rückstellungen, Verbindlichkeiten und passive Rechnungsabgrenzungsposten, wobei Rückstellungen und Verbindlichkeiten Fremdkapitalcharakter haben. Weitere Posten oder Unterteilungen sind möglich.
Das Eigenkapital ergibt sich zwangsläufig als Saldo zwischen den Wertansätzen auf der Aktivseite und denen auf der Passivseite. Es stellt das erbrachte und in der Unternehmung belassene Kapital dar, auf das die Unternehmensinhaber Residualansprüche haben. Bei Einzelunternehmen erfolgt der Ausweis des Eigenkapitals in der Bilanz als Gesamtposten, bei Personengesellschaft kann nach Haftungscharakter unterschieden werden. Personengesellschaften ohne persönlich haftende Person oder Gesellschafter (siehe § 264a HGB) und Kapitalgesellschaften gliedern das Eigenkapital wie folgt:
| I. | Gezeichnetes Kapital (GmbH: Stammkapital, AG: Grundkapital) | |
| II. | Kapitalrücklage | |
| II. | Gewinnrücklagen | |
| 1. | gesetzliche Rücklage | |
| 2. | Rücklage für eigene Anteile | |
| 3. | satzungsmäßige Rücklagen | |
| 4. | andere Gewinnrücklagen | |
| IV. | Gewinnvortrag/Verlustvortrag; | |
| V. | Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag. |
Oftmals werden die Positionen IV. und V. auch zu einer Position mit der Bezeichnung Bilanzgewinn/Bilanzverlust zusammengefasst.
Rückstellungen sind nach § 249 HGB für ungewisse Verbindlichkeiten und für drohende Verluste aus schwebenden Geschäften zu bilden.
Ungewisse Verbindlichkeiten sind ihrer Eigenart nach genau umschriebene, dem Geschäftsjahr oder einem früheren Geschäftsjahr zuzuordnende Aufwendungen, die am Abschlussstichtag wahrscheinlich oder sicher, aber hinsichtlich ihrer Höhe oder des Zeitpunkts ihres Eintritts unbestimmt sind.
Ferner sind Rückstellungen zu bilden für im Geschäftsjahr unterlassene Aufwendungen für Instandhaltung oder für Abraumbeseitigung sowie für Gewährleistungen, die ohne rechtliche Verpflichtung erbracht werden. Rückstellungen dürfen außerdem für ihrer Eigenart nach genau umschriebene, dem Geschäftsjahr oder einem früheren Geschäftsjahr zuzuordnende Aufwendungen gebildet werden, die am Abschlußstichtag wahrscheinlich oder sicher, aber hinsichtlich ihrer Höhe oder des Zeitpunkts ihres Eintritts unbestimmt sind (Aufwandsrückstellungen).
Für andere Zwecke dürfen Rückstellungen nicht gebildet werden.
Rückstellungen werden unterteilt in
Nach statischer Bilanzaufassung dient die Rückstellungsbildung der vollständigen Erfassung von Schulden. Im Rahmen der Schuldendeckungskontrolle müssen dem auf der Aktivseite ausgewiesenen Schuldendeckungspotential (= Vermögen) auf der Passivseite alle Zahlungsansprüche gegenübergestellt werden, selbst wenn diese dem Grunde und/oder der Höhe nach ungewiss sind. Nach dynamischer Bilanzaufassung gilt die periodengerechte Erfolgsermittlung als vorrangiges Bilanzierungsziel. Dabei gilt es, Aufwand zu antizipieren bzw. Aufwand zeitanteilig zu verrechnen.
Verbindlichkeiten sind Zahlungsverpflichtungen eines Unternehmens, die im Gegensatz zu Rückstellungen sicher und nach Höhe und Fälligkeitstermin eindeutig determiniert sind.
Auf der Passivseite sind als Rechnungsabgrenzungsposten Einnahmen vor dem Abschlussstichtag auszuweisen, soweit sie Ertrag für eine bestimmte Zeit nach diesem Tag darstellen (§ 250 Abs. 2 HGB). Hierzu zählen z.B. im voraus erhaltene Mieten.
Unter bestimmten Umständen kann oder muss die Passivseite um weitere Posten ergänzt werden. Neue Posten dürfen hinzugefügt werden, wenn ihr Inhalt nicht von einem vorgeschriebenen Posten gedeckt wird. Gliederung und Bezeichnung der bestimmter Posten der Bilanz sind zu ändern, wenn dies wegen Besonderheiten (der Kapitalgesellschaft) zur Aufstellung eines klaren und übersichtlichen Jahresabschlusses erforderlich ist (§ 265 Abs. 5 und 6 HGB).
Ein Sonderposten mit Rücklagenanteil hat sowohl Fremd- als auch Eigenkapitalcharakter und ist daher als eigener Posten zwischen dem Eigenkapital und den Rückstellungen auszuweisen.
Bei der Beurteilung der Passiva im Rahmen der Bilanzanalyse wird insbesondere das Verhältnis von Fremdkapital zu Eigenkapital begutachtet. Dabei gelten für jede Branche, aber auch für die Unternehmensgröße unterschiedliche Maßstäbe. So kann ein Unternehmen mit einer Eigenkapitalquote von 40% in einer Branche als gut ausgestattet, in einer anderen Branche jedoch bereits als Risiko angesehen werden.
Des Weiteren ist die Aufteilung des Fremdkapitals in kurzfristig und langfristig fällige Verpflichtungen wichtig. Hierzu haben z.B. Kapitalgesellschaften entsprechende Angaben über die Fristigkeiten ihrer Verbindlichkeiten im Anhang zu machen (§ 285 Satz 1 Nr. 1 HGB). Hierbei ist insbesondere relevant, ob das Unternehmen mit den vorhandenen oder kurzfristig verfügbaren liquiden Mitteln seinen kurzfristigen Verbindlichkeiten nachkommen kann. Konzernabschlüsse müssen daher u.a. eine Kapitalflussrechnung enthalten (§ 297 Abs. 1 HGB).
In den Vermögensbilanzen der VGR setzen sich die Passiva aus den Verbindlichkeiten (Schulden) zusammen. Die Aktiva saldieren sich mit den Passiva zum Reinvermögen.
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