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Der Passauer Vertrag aus dem Jahre 1552 zwischen dem römisch-deutschen König Ferdinand I. und den protestantischen Reichsfürsten unter der Führung Moritz von Sachsen nach dem Fürstenaufstand stellte die formale Anerkennung des Protestantismus dar, die mit dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 reichsrechtlich festgeschrieben wurde.

Infolge der hastigen Flucht der Truppen des Kaisers Karl V. aus Innsbruck hatte Moritz sein oberstes Kriegsziel erreicht. Er wollte Verhandlungen mit Ferdinand I., dem Bruder Karls und zeitweisem Regent für das Reich, aufnehmen und zu einer Lösung der Religionsfrage im Reich gelangen. Dies war mit Karl nicht möglich, da er nicht zu einer friedlichen Regelung bereit war.

Reichsrechtliche Bedeutung


Dieser Vertrag war zugleich auch eine Kompromissvereinbarung zwischen Ferdinand und Moritz. Ferdinands Wahl wurde durch die deutschen Protestanten unterstützt. Ferdinand seinerseits verpflichtete sich, Landgraf Philipp von Hessen, der ja der Schwiegervater von Moritz von Sachsen war und sich seit 1547 in kaiserlicher Gefangenschaft befand, freizulassen. In den Aufgabenbereich des Kaisers fiel es auch, für den Schutz des Heiligen Römischen Reiches gegen die Bedrohung durch die Türken zu sorgen. Die Protestanten ihrerseits unter Moritz von Sachsen verpflichteten sich, ihn hierbei zu unterstützen.

Da Karl nicht den ihm zugeleitenen Vertragsentwurf unterzeichnen wollte und auf einer Befristung des vereinbarten Gewaltverzichtes bestand, war der Vertrag trotz seiner grundlegenden Bedeutung für den Frieden im Reich tatsächlich nur ein Waffenstillstand zwischen den beiden Konfessionen. Dieses Provisorium, vor diesem waren alle religionspoltischen Entscheidungen des Reichstages ebenfalls befristet, sollte bis zum nächsten Reichstag gelten, der dann nach Wegen zu einer religiösen Wiedervereinigung des Reiches zu suchen habe.

Insofern waren die dem Vertrag vorangegangenen Passauer Verhandlungen wesentlich wichtiger. Sie werden von Historikern als das eigentlich Bahnbrechende angesehen. Denn fast alle an den Verhandlungen Beteiligten waren an einem stabilen, tragfähigen Ausgleich auf der Grundlage des Status quo interessiert. Das war insofern interessant, als die katholische Kirche bis dahin immer darauf bestand, dass die Einheit der Kirche unbedingt gewahrt bleiben müsse. Zweitens war man sich darin einig, dass dem Frieden vor der Wiedervereinigung der Kirche Vorrang einzuräumen sei. Die Glaubensauseinandersetzungen müssten verrechtlicht und damit politisch neutralisiert werden. Man wollte einen stabilen Frieden, mochten die theologischen Fragestellungen auch weiterhin ungelöst bleiben. Auch diese Ansichten hatten kurz zuvor noch kaum Anhänger im Reich besessen. Und drittens waren die in Passau versammelten Fürsten der Überzeugung, dass die Reichsstände selbst die Probleme zu lösen hätten. Es wäre nicht nur eine Aufgabe des Kaisers oder des Papstes, Frieden zu schaffen, sondern das Reich müsste von innen heraus befriedet werden. Die Ansichten der Kurie wurden nicht zur Kenntnis genommen und auch das bisherige Provisorium von Karl V. in Form des Augsburger Interims wurde stillschweigend preisgegeben.

Trotz der Ablehnung des Vertrages als dauerhafte Regelung durch Karl stimmte auch Moritz der Befristung zu. Er wollte sich lieber als Retter des Protestantismus sehen, als den Krieg gegen die Habsburger weiter fortzusetzen, zumal der Krieg langfristig auf Grund der Ressourcen des Kaisers wahrscheinlich sowieso nicht zu gewinnen gewesen wäre.

Literatur


  • Volker Henning Drecoll: Der Passauer Vertrag (1552). Einleitung und Edition. Berlin, New York: Walter de Gruyter, 2000 (Arbeiten zur Kirchengeschichte 79) ISBN 3110166976
  • Der Passauer Vertrag von 1552. Politische Entstehung, reichsrechtliche Bedeutung und konfessionsgeschichtliche Bewertung, hrsg. von Winfried Becker. Neustadt a.d. Aisch 2003 (Einzelarbeiten aus der Kirchengeschichte Bayerns 80) ISBN 3768642216
  • Axel Gotthard: Das Alte Reich 1495 - 1806. Darmstadt 2003 ISBN 3534151186

Weblinks


  • http://www.bistum-passau.de/mader.phtml?action=4&ID=1022
  • http://www.bautz.de/bbkl/m/moritz_k_v_s.shtml

Reformation | Deutsche Geschichte (Heiliges Römisches Reich) | 1552

Peace of Passau | Paix de Passau

 

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