Das Passage tomb ist eine für den Norden Irlands und Schottlands charakteristische Form der Megalithanlage. Diese Benennung kommt (in jeweils übertragener Form - Ganggrab, Galerie) auch im kontinentalen Europa vor. Derart bezeichneten Anlagen sind aber weder baugleiche noch kulturgleiche Schöpfungen.
Im Gegensatz zum kontinentalen Ganggrab, das meist einen lateralen Zugang hat, führt der Gang der Passage tombs axial in eine gerade oder leicht abgeknickte, sich erweiternde bzw. in eine polygonale oder kreuzförmig Kammer. Beim Untertyp der Stalled oder Orkney-Cromarty-Cairns ist der Gang entweder die Kammer selbst oder zumindest kein wesentliches Merkmal. Bekannte Anlagen sind Knowth mit Knick- und Kreuzkammer und Newgrange im Co. Meath und Maes Howe auf Orkney.
Irland
Irische Passage tombs finden sich oft einzeln, aber an neun Stellen der
Insel, auch auf so genannten Friedhöfen mit 3 bis 60 Exemplaren konzentriert (
Carrowmore und Carrowkeel Co.
Sligo, Loughcrew und im Boyne Valley Co.
Meath). Ihren Namen verdanken die 230 irischen Passage tombs einem bis zu 40 m langen (zumeist aber viel kürzeren) Gang, der in einer Kammer mündet, die schräg abknickt (Knowth Westtomb) oder kreuzartig (cruciform) drei (Knowth Easttomb, Newgrange) fünf oder mehr (Loughcrew Co. Meath) in etwa ahornblattartig angeordnete Nischen aufweist. Die Mittelkammern der cruciformen Typen sind hoch und haben
tholosartige Deckengewölbe. Sie können recht klein sein, wie in Newgrange (ca. 6 m
2) aber auch, wie in Fourknocks, im Co. Meath mit 6 – 7 m Durchmesser 33 m
2 groß sein.
Knowth (das nach langjähriger Grabung jetzt 1 km von Newgrange besichtigt werden kann) erbrachte den Beleg dafür, das die beiden Grundformen (Knick und Kreuz) aufeinander und zwar in einer plötzlichen Abwendung vom älteren Muster (Knowth West) erfolgten. Dieser Bruch, das
Schisma von Knowth ist einer der wenigen Fälle, wo ein architektonischer Paradigmenwechsel den Hinweis auf damit zu verbindende weiterreichende Umbrüche im Bereich der Religion erbrachte. Eine in diesem Kontext entstandene Besonderheit ist die Ausrichtung einige weniger Anlagen des jüngeren Kreuzkammertyps auf die Wintersonnenwende. Siehe:
Newgrange und
Maes Howe.
Schottland
In Schottland sind Passage tombs auf den äußersten Norden konzentriert. Sie lösen auf Orkney die gemäß traditioneller britischer Einteilung als Untertyp geführten so genannten "Stalled Cairns" ab (Blackhammer, Midhowe) die auf Rousay vorherrschen, da sie aber auch zeitlich vor den cruciformen Typen liegen, eigentlich einen eigenen Gattungsnamen verdienten. Während die nordschottischen Passage tombs auf der Hauptinsel zunächst unter runden oder heel-shaped (absatz- oder hufeisenförmigen) Hügeln liegen, werden sie z.B. in Tulach an t´Sionnaich und beim Camster Long Cairn nachträglich mit
gehörnten langen
Cairns überbaut. Als gehörnte oder Lobster Cairns werden die für
Court- und
Clyde tombs typischen Hügel mit einer ellipsoiden
Exedra bezeichnet.
Siehe auch: Britische Megalithik, Court tomb und Clyde tomb.
Literatur
- Lynch F. Megalithik tombs and Long Barrows in Britain 1997 ISBN 0 74780341 2
- Shee Twohig E.: Irish Megalithic tombs 1990. ISBN 0-7478-0094-4
- Walkowitz J.E.: Das Megalithsyndrom. 2003. ISBN 3-930036-70-3
Archäologischer Fachbegriff | Megalith
Jættestue | Passage grave | Gånggrift