Partizipatorische Demokratie (von Partizipation Teilhaben, Teilnehmen und Demokratie Volksherrschaft) will politische Mitwirkung möglichst vieler in möglichst vielen Bereichen maximieren. Die erzieherischen Funktionen der Demokratie, die öffentliche Willensbildung und der Aufbau einer Zivilgesellschaft sind dabei zentrale Anliegen. Dabei steht die Ausdehnung des Demokratieprinzips auf alle gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereiche sowie der Privatsphäre im Mittelpunkt (siehe auch feministische Demokratietheorie). Dabei handelt es sich um eine alternative Demokratietheorie, die so in der Praxis (bisher) nur in Ansätzen umgesetzt ist.
Eine partizipatorische Demokratie soll gemeinsame Interessen auflegen, mobilisieren und ausgleichen, und ein Regieren durch Mitwirken und rege Diskussion umsetzen. Die Basis dabei ist Deliberation, also verständigungsorientierte Kommunikation. So wird eine authentische Partizipation möglichst vieler an möglichst vielen öffentlichen Angelegenheiten (siehe auch Ochlokratie, ursprünglich jedoch negativ geprägt) ermöglicht.
Die einzelnen Verfechter der partizipatorischen Demokratie haben dabei unterschiedliche Vorstellungen über die Umsetzung von Partizipation: Zum Beispiel stellt sich die Frage in wie weit Zivilgesellschaft in Bezug auf Vereine und andere Initiativen an Entscheidungen und Aufgaben beteiligt werden sollten, oder eher die vorhandenen (staatliche) Institutionen mit mehr Bürgerbeteiligung am Entscheidungs- und Umsetzungsprozess arbeiten sollten (siehe dazu z.B. Benjamin R. Barbers „Starke Demokratie“).
allgemeine Unterschiede:
Kritik an klassischer repräsentativer Demokratie:
Unterschied zur direkten Demokratie:
In der Theorietradition taucht partizipatorische Demokratie (geprägt durch Pateman, Bachrach, Botwinek) auch unter folgenden Begriffen auf:
In der deutschen Verfassung gibt es fast keine direktdemokratischen Elemente, trotzdem hat die Zivilgesellschaft durch bürgerschaftliches Engagement, beispielsweise durch Vereine und Initiativen, einen immer stärkeren Einfluss auf die Politik und die Gestaltung der Gesellschaft. Dafür sehen einige Länderverfassungen - wie z.B. Brandenburg und Bayern - konkrete direktdemokratische Elemente vor wie Bürgerbegehren, Bürgerentscheide. Freiwilligensurvey '99, die Enquête-Kommission Zukunft des bürgerlichen Engagements des Bundestags, das Internationale Jahr der Freiwilligen (IJF) sind nur einige Meilensteine, die zeigen wie kräftig der dritte Sektor (Ehrenamt) heute ist und auch durch den Staat und die Politik wahrgenommen wird. Bürgerbeteiligung wird immer stärker praktiziert.
Eine Initiative Demokratische Bürgerbeteiligung in Potsdam führte zur Einrichtung eines Ständigen Forums der Potsdamer Zivilgesellschaft (Zusammenkunft von Bürgern und Bürgervereinen), um den von den Stadtverordneten beschlossenen Weg zur Bürgerkommune Potsdam Realität werden zu lassen. Die Zivilgesellschaft hat dem mit der Ausarbeitung einer Konzeption Bürgerkommune Potsdam beauftragten Oberbürgermeister den Willen der Bürger übermittelt, die Stadtverwaltung bereits bei der Ausarbeitung dieser Konzeption zu begleiten. Dabei soll insbesondere der kompetente Bürger seine Meinung einbringen können (siehe auch http://www.potsdamer-zivilgesellschaft.de). Zur Zeit wird zwischen der Bürgerschaft und der Stadtverwaltung beraten, wie die konkrete Form der Partizipation in der Stadt gewehrt werden kann, so z.B. bei der Erarbeitung des Haushalts (Bürgerhaushalt). Angedacht ist die Einrichtung von Bürgerkommissionen, in denen kompetente und betroffene Bürger ihre Meinung zu konkreten Sachfragen erarbeiten und diese dann dem zuständigen Dezernat des Stadtverwaltung übermitteln könnten.
Eine weitere Form der Beteiligung von Bürgern, eine Bürgerwerkstatt, hat die Stadt Bonn im Oktober 2005 zur Gestaltung des Bereiches vor dem Hauptbahnhof eingerichtet.
Siehe auch:
Zahlreiche Kommunen und Regionen Europas wenden in der einen oder anderen Form das Prinzip der partizipativen Demokratie an. Siehe einige Beispiele:
in Frankreich
in Belgien
in Deutschland
in Dänemark
Folgende Kritikpunkte (1-6 nach Schmidt, Demokratietheorien):
Auch in den Verfassungsentwürfen der Europäischen Union ist die partizipatorische Demokratie verankert. Zum Beispiel wird im 2. Entwurf der Verfassung * dieses Thema in Artikel 46 behandelt:
Grundsatz der partizipativen Demokratie
(1) Die Organe der Union geben den Bürgerinnen und Bürgern und den repräsentativen Verbänden in geeigneter Weise die Möglichkeit, ihre Ansichten zu allen Bereichen des Handelns der Union öffentlich bekannt zu geben und auszutauschen.
(2) Die Organe der Union pflegen einen offenen, transparenten und regelmäßigen Dialog mit den repräsentativen Verbänden und der Zivilgesellschaft.
(3) Um die Kohärenz und die Transparenz des Handelns der Union zu gewährleisten, führt die Kommission umfangreiche Anhörungen der Betroffenen durch.
(4) Mindestens eine Million Bürgerinnen und Bürger aus einer erheblichen Zahl von Mitgliedstaaten können die Kommission auffordern, geeignete Vorschläge zu Themen zu unterbreiten, zu denen es nach Ansicht der Bürgerinnen und Bürger eines Rechtsakts der Union bedarf, um diese Verfassung umzusetzen. Die Bestimmungen über die besonderen Verfahren und Bedingungen, die für eine solche Bürgerinitiative gelten, werden durch ein Europäisches Gesetz festgelegt.
Siehe auch: Ochlokratie, Öffentlichkeit, Kommunitarismus, Selbstbestimmung, Radikaldemokratie, Graswurzel-Journalismus, Soziales Kapital, Soziales Vertrauen
Demokratie | Direkte Demokratie | Politischer Begriff
Participatory democracy | Démocratie participative | 참여 민주주의 | Demokracja uczestnicząca | Партисипативная демократия (хартия Зелёных) | ประชาธิปไตยแบบมีส่วนร่วม
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"Partizipatorische Demokratie".
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