Ein Partisan (von italienisch partigiano Parteigänger) ist ein bewaffneter Kämpfer, der nicht zu den regulären Streitkräften einer Armee gehört. Für den Gegner ist er nicht als Kämpfer erkennbar, weil er keine Uniform oder sonstige Abzeichen trägt. Partisanen gibt es sowohl in Bürgerkriegen oder anderen innerstaatlichen Konflikten als auch in Auseinandersetzungen zur Abwehr von Eroberern, Besatzern oder Kolonialisten.
Partisanen kämpfen meist nur innerhalb ihres eigenen Staatsgebietes, aber nicht immer regional, wie sich im spanischen Bürgerkrieg, im Krieg gegen die Sowjetunion, bei Tito oder Mao zeigte. Die Funktion der Partisanen ist eine defensive, ihr Vorteil ist die genaue Ortskenntnis und die Möglichkeit, in der Bevölkerung unterzutauchen.
Der prominente, aber umstrittenste Rechtsgelehrte des Deutschen Reiches und ehemalige Präsident der Vereinigung nationalsozialistischer Juristen, Carl Schmitt, dekretierte in seiner Theorie des Partisanen 1963 vier Merkmale – Politisierung, Irregularität, Mobilität, tellurischer Charakter – als verbindend. Die einzelnen Merkmale seien im folgenden noch einmal erläutert:
Partisan ist derjenige, der es vermeidet, Waffen offen zu tragen, der aus dem Hinterhalt kämpft, der sowohl die Uniform des Feindes als auch feste oder lose Abzeichen benutzt. Das Agieren in der Dunkelheit aus dem Hinterhalt heraus sind seine stärksten Waffen, auf die er nicht verzichten kann, ohne den Raum der Irregularität zu verlieren. Und damit aufzuhören, Partisan zu sein. Der feindliche Soldat in Uniform ist das eigentliche Schußziel des modernen Partisanen. Der mit der Waffe kämpfende Partisan ist immer auf die Zusammenarbeit mit einer regulären Organisation angewiesen. Der Partisanenkampf kann nur vorbereitend oder begleitend sein (vgl. dazu auch Mao, im Laufe des Bürgerkrieges konnte er sich zunehmend auf reguläre Truppen stützen, die von den Kuomintang zu ihm überliefen, mit ihnen konnte er erst den Sieg im chinesischen Bürgerkrieg erringen).
Der Partisan genießt die Vorteile der Gegend, er kennt Rückzugsgebiete etc. Partisanen können sich ihrer Umgebung bis zur Unkenntlichkeit chamäleonartig anpassen und aus diesem Schutz heraus den Gegner bekämpfen. Beweglichkeit, Schnelligkeit und überraschender Wechsel von Angriff und Rückzug (gesteigerte Mobilität also) sind Merkmale des Partisanen. Der Partisan hat keinen Standort, wie ein Regiment oder die reguläre Truppe. Er bewegt sich viel schneller und viel unberechenbarer. Unter der Mobilität ist vor allem die Unberechenbarkeit seines Auftauchens zu verstehen. Dies wiederum hängt zusammen mit seiner Befreiung von regulären Vorschriften und v.a. von der Uniform. Ein Mensch, der die Uniform oder auch nur ein vorgeschriebenes Abzeichen ohne weiteres ändern kann, ist mobil. Mobilität darf nicht nur im Sinne von Bewegung verstanden werden, sondern auch im Sinne eines rapiden Wechsels, der Art des Auftretens. Der Partisan muss sich wie ein Fisch im Wasser bewegen.
Unterstützt die staatlichen oder privaten Truppen und kämpft für traditionelle Werte/Ideen. Im Unterschied dazu der Guerillero: Kämpft für eine Idee/Ideologie, im Normalfall gegen die staatliche Führung. Das Kriterium des Politischen ist beim Partisanen die Unterscheidung von Freund und Feind, die echte politische Feindschaft ist das entscheidende Moment. Durch das intensive politische Engagement unterscheidet sich der Partisan z.B. vom Verbrecher, dessen Motive auf eine private Bereicherung gerichtet sind. Partisan kämpft in einer politischen Front und gerade der etymologische Charakter verweist darauf. Das Wort Partisan lässt sich von Partei ableiten und verweist auf die Bindung an eine kämpfende, kriegführende oder politisch tätige Partei/Gruppe. Diese Bindungen werden gerade in revolutionären Zeiten (hier v.a.: Guerillero) stark oder/und durch die Repression des Feindes verstärkt. Auf deutsch heißt Partisan soviel wie Parteigänger. Die Art von Partei/Front, mit der der Partisan mitgeht kann hinsichtlich des Mitgehens, Mitkämpfens und Mitlaufens höchst unterschiedlich sein. Carl Schmitt:"Der Partisan ist derjenige, der hundertprozentig Partei ergriffen hat."
Der Partisan ist grundsätzlich trotz der enormen taktischen Beweglichkeit defensiv. Der Partisan wird hingegen zum Guerillero, wenn er einen offensiven Charakter annimmt und sich mit der absoluten Aggressivität einer weltrevolutionären Ideologie identifiziert. Der tellurische Charakter beschreibt die Defensive des Partisanen, seinen autochthonen Charakter, d.h. die Begrenzung der Feindschaft auf einen bestimmten Raum, die Verbindung mit seinem Boden („seiner Scholle“) bleibt bestehen. Nach erfolgreichem Kampf kehrt der Partisan zu seinem Boden zurück, er ist an keinem langandauernden Kampf, auf keine expansiven Absichten ausgerichtet. Schmitt: „Der Partisan wird mindestens noch so lange einen spezifisch terranen Typus des aktiven Kämpfers darstellen, wie antikolonialistische Kriege auf unserem Planeten möglich sind.“ (S.27) Allerdings: Auch der autochthone Partisan agraischer Herkunft wird in das „Kraftfeld des unwiderstehlichen, technisch-industriellen Fortschritts hineingerissen.“ Seine Mobilität wird durch die Motorisierung so gesteigert, dass er völlig entortet werden kann. Frage: Ist Partisan deshalb eine überholte Figur? Ein motorisierter Partisan verliert sukzessive seinen tellurischen Charakter, er ist nur noch das transportable und auswechselbare Werkzeug einer „mächtigen, Weltpolitik treibenden Zentrale.“ (Beispiele: Expansion des Kommunismus oder Versuche, die kubanische Revolution z.B. nach Angola zu transportieren).
Im Nachhinein sei noch angeführt, dass Carl Schmitt keinen Unterschied zwischen Partisan und Guerillero machte, er setzte beide gleich. Doch es gilt entscheidende Unterscheidungsmerkmale zu beachten:
a) Der Charakter des Partisan ist defensiv, nach dem Kampf kehrt er zu seiner Scholle zurück (tellurischer Charakter). Der Guerillero hingegen kämpft offensiv, für eine Ideologie (revolutionärer Charakter).
b) Daraus folgt: Der Partisan will die bestehende Ordnung erhalten, bzw. zur vorher existierenden Ordnung (z.B. vor der Invasion) zurückkehren der Guerillero will die bestehende Ordnung abschaffen.
Diese Unterscheidung wurde aber nicht von Carl Schmitt geschaffen. Vielmehr später z.B. den Munkler, der den "Partisan der Tradition" (also Partisan) und den "Partisan der Revolution" (Guerillero) einführte. Über die Unterscheidung zwischen Partisan und Guerillero besteht jedoch keine Einigkeit. Zweifelsohne ist es jedoch Carl Schmitt, der mit seinem Werk begann, den Partisanen theoretisch zu manifestieren.
Gerade hierhin zeigt sich das herrschende Missverständnis gegenüber der Kampfform des Partisanen. Partisan ist gerade derjenige, der es vermeidet, Waffen offen zu tragen, der aus dem Hinterhalt kämpft, der sowohl die Uniform des Feindes als auch feste oder lose Abzeichen benutzt. Das Agieren in der Dunkelheit aus dem Hinterhalt heraus sind seine stärkste Waffen, auf die er nicht verzichten kann, ohne den Raum der Irregularität zu verlieren. Und damit aufzuhören, Partisan zu sein.
Die Haager Landkriegordnung von 1907 ist nach dem Zweiten Weltkrieg durch die vier Genfer Konventionen (12.August) von 1949 weitergeführt worden. Immer weitergehende Kategorien von Kriegsteilnehmern, die auch als Kombattanten gelten, wurden entwickelt, um u.a. dem Phänomen des Partisanentums gerecht zu werden. Auch einige Facetten des Partisanen wurden nun den regulären Kämpfern gleichgestellt und haben deren Rechte. Die Genfer Konventionen ist jedoch recht eurozentrisch und erfasst zuwenig neue Phänomene wie den chinesischen Bürgerkrieg unter Mao Tse-Tung. (Der nach Schmitt ein Partisan war, nach unserer Definition jedoch ein Guerillero ist. Mao verwandelte sich vom revolutionären Guerillero im Kampf gegen die Kuomintang zum tellurischen Partisanen gegen die japanischen Besatzer, und zum regulären General in der letzten Phase des chinesischen Bürgerkrieges.)
Partisanen verletzen in der Regel geltendes Kriegsrecht, das zur Unterscheidung zwischen Kombattanten und Zivilisten u. a. Uniformen, das sichtbare Tragen von Waffen usw. zwingend vorschreibt. Dies dient zum Schutz der nicht-uniformierten Zivilisten, denn nach Kriegsrecht ist es einer Armee verboten, Zivilisten anzugreifen. Umgekehrt folgt daraus, dass Zivilisten aber auch keine Armeeangehörigen angreifen dürfen. Dieses beiderseitige Angriffsverbot liegt darin begründet, dass Kriege meist in besiedeltem, nicht abgeschlossenem Gebiet stattfinden.
Handelt eine der beiden Parteien gegen dieses im Kriegsrecht definierte Angriffsverbot, tritt nach üblicher Sicht das Recht auf Selbstverteidigung an seine Stelle. Werden Soldaten also von Nicht-Uniformierten angegriffen, dürfen sie mit den ihnen zur Verfügung stehenden Waffen zurückschlagen – meistens sind sie dabei nicht sehr selektiv, zum Schaden unbeteiligter Zivilisten. In der Kriegshistorie gibt es zahlreiche Kriegsverbrechen, bei denen ganze Dorfbevölkerungen aufgrund von Partisanentätigkeit hingerichtet wurden.
In der Verteidigungsdoktrin der Roten Armee war der Partisanenkampf seit Mitte der 1930er Jahre fest eingeplant. In der jugoslawischen Armee wurde der Partisanenkampf nach 1945 zur Hauptstrategie erhoben, und die französische Résistance musste auch im Kampf gegen Kollaborateure tätig sein.
Siehe auch: Widerstandskämpfer, Guerilla, Befreiungsbewegung
Fachsprache (Militär) | Irreguläre Truppen | Kriegs- und Gefechtsführung | Politischer Widerstand
Partisan (military) | Partizano | Partisano | פרטיזן | Partigiano | 빨치산 | Partizanen | Partisan | Partyzant | Partizani | Partisan
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