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Pariah
 

Der Begriff Paria wird im Deutschen im Sinne von Ausgestoßener bzw. Außenseiter verwandt.

Indien


Parias oder Dalits ("Unterdrückte"), wie sie sich heute selbst nennen, sind die Unberührbaren im indischen Kastensystem.

Ursprünglich wurde der Begriff Paria in Tamil Nadu als Bezeichnung für die Angehörigen einer niederen Kaste benutzt, wurde aber mit der Zeit über ganz Indien ausgedehnt. Paria dient auch als Bezeichnung für Kastenlose. Sie werden gesellschaftlich gemieden und sind diejenigen, die die als unrein angesehenen Arbeiten verrichten, darunter fallen auch die Arbeiten, bei denen man mit Blut in Berührung kommt. Zu den Paria können zum Beispiel Hebammen, Schlachter, Strassenfeger oder Wäscher gehören. Die Ausgrenzung und Diskriminierung hält bis heute in bestimmten Teilen an.

Japan


In Japan existiert ein ähnliches gesellschaftliches Phänomen, da eine Minderheit der japanischen Bevölkerung Nachkommen einer als Burakumin ("Bewohner der Sonderweiler") bezeichneten Minderheit sind. Im deutschen Sprachraum wird diese gesellschaftliche Problematik oft als japanische "Paria-Kaste" bezeichnet.

Paria als politischer und soziologischer Begriff


Hannah Arendt benutzt den Begriff des Paria in Anlehnung an den Journalisten Bernard Lazare. Nach Arendt ist das jüdische Volk ein Pariavolk. Die Juden lebten vor dem 20. Jahrhundert außerhalb der Gesellschaft, waren nicht integriert. Im 19. und 20. Jahrhundert assimilierten sich fast alle Juden im westlichen Europa, wurden aber trotzdem von der Gesellschaft nicht als ebenbürtig anerkannt. Angesichts der Dreyfus-Affäre wollte Lazare den jüdischen Paria in einen politischen Kampf gegen die Gesellschaft und den jüdischen Parvenü, d. h. Emporkömmling, führen.

Der Paria ist nach Arendt ein Mensch, der wegen seines Andersseins zum Außenseiter gemacht wird (siehe auch: Etablierte und Außenseiter) und von der Gesellschaft verachtet wird. Der Parvenü verleugnet unbewusst sein Anderssein, um von der herrschenden Gesellschaft anerkannt zu werden.

Lazare und Arendt unterscheiden weiter zwei Pariaformen – den Revolutionär und den auch außerhalb der herrschenden Gesellschaft stehenden Schnorrer. „In beiden Formen, als Revolutionär in der Gesellschaft der anderen wie als Schnorrer in der eigenen lebend, bleibt der Paria dem Parvenu verhaftet, ihn schützend und unter seinem Schutz“. (Arendt, Die verborgene Tradition, 1973, S. 55) Der bewusste Paria steht wirklich außerhalb der Gesellschaft und erlangt durch diese Distanz bessere Einblicke in diese. Als Beispiel nennt Arendt Franz Kafka und Rahel Varnhagen. Arendt sagt zu Varnhagen: „Sie ist Jüdin und Paria geblieben. Nur weil sie an beidem festgehalten hat, hat sie einen Platz gefunden in der Geschichte der europäischen Menschheit.

Auch Max Weber bezeichnet die Juden als ein Pariavolk: „Das eigentümliche religionsgeschichtlich - soziologische Problem des Judentums läßt sich weitaus am besten aus der Vergleichung mit der indischen Kastenordnung verstehen. Denn was waren, soziologisch angesehen, die Juden? Ein Pariavolk.“ (Aus: Max Weber: Die Wirtschaftsethik der Weltreligionen.)

Paria als Name


Paria ist auch ein Name. In Persien wird darunter ein Wesen mit Flügeln verstanden - eine Art Fee oder Engel.

Hinduismus | Soziologie (Indien)

Dalit (outcaste) | Intouchable | Paria | アンタッチャブル | Dalit

 

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