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Unter Parallel-Sprung-Technik wird eine bestimmte Skisprung-Technik verstanden, bei der die Skier in der Flugphase parallel geführt werden. Diese Parallel-Technik wurde vom Beginn des Skispringens im 19. Jahrhundert bis Ende der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts von allen Skispringern verwendet. Im Laufe der Jahre änderte sich die Sprungtechnik, deshalb gibt es mehrere Parallel-Techniken, wie z.B.:

Heute wird unter dem Parallel-Sprung-Stil hauptsächlich der Fisch-Stil verstanden. Dieser Stil wurde vom schweizer Flugzeugingenieur Dr. Reinhard Straumann, entwickelt.

Fisch-Stil


Dr. Reinhard Straumann, ein schweizer Flugzeugingenieur und selbst ehemaliger Skispringer, erkannte bereits 1924 an den Sprüngen von Thams als erster den entscheidenden Einfluss der Luft als tragender Faktor. Daher beschäftigte er sich ab 1926 erstmals wissenschaftlich mit dem Skispringen und untersuchte die Beziehung von Geschwindigkeit, Technik, Körperhaltung und Schanzenprofilen. Er führte hierzu Messungen bei Sprungveranstaltungen durch und experimentierte mit Springerpuppen im Windkanal der Universität Göttingen. Er veröffentlichte 1926/27 seine Theorie über die aerodynamisch günstigste Körperhaltung. Er kam zu der Erkenntnis, dass der Springer die besten Weiten erzielen kann, wenn er eine Flughaltung annimmt, die dem aerodynamischen Prinzip von Flugzeugtragflächen nachempfunden ist. Seine Theorie wurde jedoch erst 20 Jahre später praktisch umgesetzt. In den 40er Jahren studierte er diesen theoretisch entwickelten Stil mit einigen Springern ein. Die Technik variierte dabei im Ausprägungsgrad der Körpervorstreckung und ging teilweise in eine fast gestreckte Flughaltung über. Weiter instruierte er die Springer nach dem Absprung die Arme ganz ruhig an den Körper zu legen und die Hände neben die kaum noch geknickten Hüften wie Flossen zum Steuern des Fluges zu benutzen. Bisher "ruderten" viel Springer wild mit ihren Armen in der Luft herum, um Balance zu halten, oder streckten die Arme nach vorne. Diese neue Technik wurde zunächst als Dänischer-Stil bezeichnet. Später wurde sie, wegen der Körperhaltung, auch Tropfen-Stil oder Fisch-Stil genannt. Eine weitere Bezeichnung ist Finnischer-Stil, da der neue Stil von Straumann zu einer Domäne einiger junger finnischer Springer wurde. Ab 1953, bei der ersten Vier-Schanzen-Tournee, etablierte sich dieser Stil, jedoch wurde bis in die 60er Jahre weiterhin von einigen Springern die Variante mit ausgestreckten Armen bevorzugt.

Eine weitere Neuentwicklung fand 1975 in der DDR statt. Hier entdeckten Techniker, dass es beim Anlauf aerodynamisch günstiger ist, die Arme nach hinten zu nehmen, anstatt wie bisher nach vorne. Diese Anlaufhaltung setzte sich sehr schnell durch. Bis in die 80er Jahre hinein dominierte, mit leichten Variationen, die nach vorne gestreckte Flughaltung mit paralleler Skiführung. Besonders zu erwähnen sind hier vielleicht drei Skispringer: Toni Innauer, Matti Nykänen und Jens Weißflog. Toni Innauer sprang 1976 bei der Oberstdorfer Skiflugwoche einen so perfekten Fisch-Stil, dass er fünfmal die beste Haltungsnote 20 erhielt. Matti Nykänen und Jens Weißflog dominiert die 80er Jahre und lieferten sich erbitterte Zweikämpfe um den Sieg. Besonders dramatisch war dies bei den olympischen Spielen 1984 in Sarajevo, wo Nykänen Sieger auf der Großschanze mit einem riesigen Vorsprung von 17.5 Punkten wurde und Weißflog auf der Normalschanze triumphierte (Video und Bilder Nykänen; Video und Bilder Weißflog).

Das Ende der Parallel-Sprung-Technik


Ende der 1980er Jahre entwickelte der schwedische Skispringer Jan Boklöv den sogenannten V-Stil, bei dem nun die Skier ein "V" bilden und nicht mehr parallel geführt werden. Durch die V-Stellung der Skier erhält der Skispringer höheren Auftrieb, was zu größeren Weiten führt.

In den ersten Jahren wurde der neue V-Stil nur von wenigen Skispringern verwendet, da es hohe Abzüge in den Haltungsnoten gab, weil der alte Parallel-Stil als ästetisch schöner empfunden wurde. Nachdem Jan Boklöv aber in der Saison 88/89 den Weltcup im neuen Sprungstil gewann stellten sich nach und nach mehrere Springer um. Das endgültige Aus für den Parallel-Stil kam dann in der Saison 91/92, in dem das österreichische Team und der junge finnische Springer Toni Nieminen mit V-Technik dominierten. Nach dieser Saison stellten schließlich alle Mannschaften auf "V" um und der Parallel-Stil verschwand.

Weblinks


Skispringen | Ski | Wintersportart

 

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