Als Parallaxe (griech. Vertauschung, Abweichung) bezeichnet man die scheinbare Änderung der Position eines Objektes, wenn der Beobachter seine Position verschiebt.
Strenger definiert, ist die Parallaxe der Winkel zwischen zwei Geraden, die von verschiedenen Standorten ("Basislinie") auf einen Punkt (ein Objekt) gerichtet sind. Dies ist auch der Winkel, unter dem diese Basislinie vom beobachteten Punkt aus erscheint.
Hält man z. B. die Hand vor sich und betrachtet sie abwechselnd mit dem linken und dem rechten Auge, so verschiebt sich ihr Bild vor dem entfernteren Hintergrund. Die Basis ist hier der Augenabstand (siehe auch Daumensprung). Die Parallaxe ist umso größer, je näher das beobachtete Objekt und je länger die Basislinie ist.
Aufgrund der Parallaxe lassen sich Entfernungen abschätzen (Grundlage des räumlichen Sehens) oder mittels technischer Hilfsmittel berechnen. Letztere werden vor allem in der Astronomie und in der Fotografie angewandt. Bei Messungen an Skalen kann man die Parallaxe nutzen, um genauere Ablesungen zu erzielen.
Ein zweites Messprinzip ist die Benutzung der Erdrotation: Auch von einem einzelnen Standort aus entsteht eine Parallaxe, weil der Ort durch die Drehung der Erde in verschiedene Positionen gelangt. Die Anwendung des Effekts wird Höhenparallaxe genannt. Umgekehrt muss bei genauer Astrometrie dieser Einfluss an die Messungen als Reduktion angebracht (korrigiert) werden.
Die Parallaxe ist selbst bei nahen Fixsternen so klein, dass man sie lange nicht beobachten konnte. Dies wurde in der frühen Neuzeit als wichtigstes wissenschaftliches Argument gegen das neue heliozentrische Weltbild ins Feld geführt. Auf der Suche nach der Parallaxe wurde zunächst ein völlig anderer Effekt, die Aberration entdeckt. Erst 1838 gelang Friedrich Wilhelm Bessel die Parallaxenmessung: er wählte den Schnelläufer (Stern mit großer jährlicher Eigenbewegung) 61 Cygni aus und konnte die halbjährliche Winkeländerung nach längeren Analysen zu 0,3" (0,0002 Grad) bestimmen. Selbst beim sonnennächsten Stern Proxima Centauri (4 Lichtjahre) beträgt die Parallaxe nur 0,772". In den 1990ern gelangen mit dem europäischen Astrometriesatelliten HIPPARCOS genaue Parallaxenmessungen für 118.000 Sterne. Gaia, sein vermutlicher Nachfolger, soll Ende 2011 damit beginnen, noch vierzigmal genauere Messungen an etwa 1 Milliarde Sternen durchzuführen.
Teure Kameras haben daher einen Parallaxenausgleich: Die Entfernungseinstellung der Kamera dient nicht nur zur Fokussierung des Objektivs (Schärfe), sondern verändert auch den Winkel zwischen Sucher und Objektiv bzw. die Sucherfeldbegrenzung und kompensiert so den Großteil des Parallaxenfehlers. Völlig frei von Parallaxenfehlern sind lediglich einäugige Spiegelreflexkameras.
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