Der Panslawismus (allslawische Bewegung) entstand zu Beginn des 19. Jahrhunderts als eine Form des romantischen Nationalismus. Sein Ziel war die kulturelle und politische Einheit aller slawischen Völker Europas.
Die Ziele der Panslawisten reichten von der Errichtung eines homogenen slawischen Staates über einen losen Staatenbund bis hin zum bloßen kulturellen Austausch. Die Frage nach den Grenzen eines slawischen Reiches mit oder ohne Russland wurde heftig diskutiert, was an ähnliche Bemühungen für ein Groß- oder Kleindeutsches Reich erinnert. Auch die Führungsrolle Preußens im deutschen Reich ab 1871 findet eine Entsprechung im russischen Führungsanspruch über alle slawischen Völker oder jenem Serbiens über die Slawen auf dem Balkan.
1848 wurde der erste panslawistische Kongress in Prag abgehalten, worauf es in Folge während der Märzrevolution zum Prager Pfingstaufstand gegen die österreichische Vorherrschaft in Böhmen kam. Der Aufstand wurde jedoch bald von den österreichischen Truppen niedergeschlagen. Auf dem Kongress gab sich die Bewegung eine Fahne, die als panslawische Farben in den meisten Fahnen späterer slawischer Nationen auflebte, und wählte eine Hymne, „Hej Sloveni“ von Samuel Tomášik, die spätere Nationalhymne Jugoslawiens.
Siehe auch: Slawenkongresse
Während des Ersten Weltkrieges nutzte Russland den Panslawismus erfolgreich um slawische Soldaten in den deutschen und habsburgischen Reihen zum Überlaufen zu bewegen. Am Ende des Zweiten Weltkrieges waren fast alle slawischen Völker siegreich, dennoch kam es nicht zur beabsichtigten Gründung eines slawischen Großreiches. Zum einen erschwerte die Existenz nichtslawischer Minderheiten, etwa der Ungarn und Rumänen, eine sinnvolle Festlegung von Staatsgrenzen, andererseits verhinderten die nationalen Interessen von Polen, Tschechen und Serben die Einigung. Schließlich wandte sich auch Russland von der panslawistischen Idee ab, nicht zuletzt weil die Bolschewisten sie als rassistischen Nationalismus brandmarkten. Letztendlich mussten sich Panslawisten mit der Gründung der Tschechoslowakei und Jugoslawiens zufrieden geben.
Heute gilt der Panslawismus als politisch gescheitert, aber kulturell erfolgreich: Wie in anderen romantischen nationalistischen Bewegungen hatten Gelehrte mit der Entwicklung von Geschichte, Philologie und Folklore zur Stärkung des nationalen Zusammengehörigkeitsgefühles bleibende Werte geschaffen.
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