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Der Pansen (lat.: rumen) ist ein Hohlorgan, welches bei Wiederkäuern (Ruminantia) die Funktion eines so genannten Vormagens hat. Entgegen landläufiger Meinung handelt es sich somit nicht um einen Magen im eigentlichen Sinne, sondern um eine Gärkammer (Gärung), welche dem Magen (welcher bei Wiederkäuern als Labmagen bezeichnet wird) vorgeschaltet ist.

Funktion


Der Pansen wird bei Kälbern nach Ende der Säugezeit mit der Aufnahme von Rauhfutter funktionsfähig. Über die Nahrung gelangen Mikroorganismen in den Pansen, die sich hier ansiedeln und in ihrer Gesamtheit die Pansenflora darstellen. Es handelt sich um Bakterien und Einzeller (sogenannte „Infusorien“).

Von der Pansenflora werden die ß-Bindungen von Strukturkohlenhydraten aufgebrochen, vor allem die von Zellulose, die von den Verdauungsenzymen der Säugetiere nicht gespalten werden kann. Der so entstehende Traubenzucker (Glucose) dient den Mikroorganismen als Substrat, die Produkte ihres Stoffwechsels sind unter anderem flüchtige Carbonsäuren wie zum Beispiel Essigsäure, Buttersäure und vor allem Propionsäure. Zum Wachstum benötigen die Mikroorganismen neben fermentierbaren Kohlenhydraten auch Stickstoff, der durch das im Futter enthaltene Protein, aber auch nicht-Protein-Stickstoff (NPN) geliefert wird. Dieses wird zu unterschiedlichen Anteilen durch die Mikroorganismen im Pansen unterschiedlich weitgehend zu Peptiden, Aminosäuren oder Ammoniak gespalten. Diese Verbindungen dienen den Mikroorganismen anschließend als Stickstoffquelle zum Wachstum.

Der Wiederkäuer stellt also den Mikroorganismen die Fermentationskammer und Substrat zur Verfügung. Die Mikroorganismen liefern dem Wiederkäuer:

  1. Energie: Ein wesentliches Produkt der Mikroorganismen sind flüchtige Carbonsäurederivate. Diese werden durch die Pansenwand vom Wiederkäuer resorbiert.
  2. Proteine: Die Mikroorganismen selbst verbleiben nicht dauerhaft im Pansen, sondern verlassen diesen nach und nach (während neue wachsen). Im Dünndarm werden die Mikroorganismen selbst dann vom Wiederkäuer weitgehend verdaut und liefern dem Wiederkäuer dadurch Proteine. Daher sind die Mikroorganismen selbst eine wichtige Proteinquelle für die Wiederkäuer und ermöglichen es, auch andere Stickstoffquellen als Proteine zu verwerten.
  3. Vitamine u. a.: Neben Energie und Protein liefern die Mikroorganismen dem Wiederkäuer auch verschiedene Vitamine u. a.; beispielsweise können die Mikroorganismen Cobalamin (Vitamin B12) und viele andere synthetisieren.

Zur Aufrechterhaltung des für Mikroorganismen erforderlichen Milieus sind verschiedene Mechanismen vorhanden, beispielsweise wirken die flüchtigen Fettsäuren im Pansen pH-senkend. Ab einem pH von 6,0 - 5,5 wird das Milieu für die Mikroorganismen ungünstig. Dem wird u. a. durch den beim Wiederkauen mit abgeschlucktem Speichel entgegengewirkt, da hier puffernde Substanzen (u. a. Bikarbonat; HCO3) enthalten sind. Je nach Futteraufnahme des Wiederkäuers (Hochleistungskühe: >25 kg Trockenmasse) können pro Tag über 150 Liter Speichel gebildet werden.

Im Pansen liegt eine Schichtung des Inhalts vor. Im unteren Abschnitt befindet sich die flüssige Phase. Darauf schwimmen in der mittleren Abschnitt festere Bestandteile des Nahrungsbreis und oben entsteht eine Gasblase. Die Flüssigphase mit festen Schwebeteilchen und Mikroorganismen wird als Pansensaft bezeichnet. Die von den Mikroorganismen gebildeten Gase werden über den Ruktus (eine Art Rülpsen) abgegeben. Diese Schichtung, das Wiederkäuen und der Weitertransport des Futterbreis werden durch eine komplizierte Pansenmotorik aufrechterhalten.

Erkrankungen


Wenn es aufgrund von Fütterung mit zu rohfaserarmem Futter zu schaumiger Gasblasenbildung im Pansen kommt entsteht eine Pansentympanie. Dann muss diese Schaumbildung entweder durch schaumbindende Medikamente oder durch einen Pansenstich, bei dem das Gas mit Hilfe eines Trokars abgeführt wird, beseitigt werden.

Eine Störung der Pansenmotorik kann durch Schädigung des Nervus vagus beim sogenannten Hoflund-Syndrom auftreten.

Bei einer Schädigung der Pansenflora, z. B. durch Antibiotika oder toxische Stoffe, muss diese durch Übertragung von Pansensaft von einem anderen Tier wieder hergestellt werden.

Kutteln


Pansen, der zum Essen bestimmt ist, wird auch als Kutteln bezeichnet; siehe dort.

Verdauungsapparat

Rumen | Rumeno | Pötsi | Panse | Бураг | Pens | Våm | Panse

 

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