Panorama (Allsicht von Griechisch pan, all, und horama, Sicht) nennt man eine perspektivische Darstellung von Gegenständen, die von einem festen oder beweglichen Punkt aus zu übersehen sind. Erstere sind als Rundbilder oder Rundgemälde bezeichnete zylindrische Flächen, zu deren Betrachtung sich der Beschauer in der Mitte befindet, letztere sind Bildstreifen oder Längenbilder in der Art des Rheinpanorama.
Die von Robert Barker patentierte Inszenierung der zylindrischen Großbildflächen durch an Aussichtsplattformen erinnernde Geländer und durch den Vordergrund einnehmende Naturgegenstände machte sie seit 1792 zur gewinnbringenden populären Kunstunterhaltung, die im Grad ihrer Nachahmung der Wirklichkeit über das einfache breiformatige, aber zweidimensionale Panoramabild hinausging.
Die Vermarktung des Patents in den Metropolen durch Barker und seine Nachahmer hat zu überhöhten Bewertungen geführt: Stephan Oettermann definiert das Panorama in seiner gleichnamigen Monografie als "Maschine, in der die Herrschaft des bürgerlichen Blicks gelernt und zugleich verherrlicht wird, als Instrument zur Befreiung und zur erneuten Einkerkerung des Blicks, als erstes optisches Massenmedium im strengen Sinne" (Das Panorama, S. 9). Albrecht Koschorke bezeichnet das Panorama als "entrahmtes Bild", also als Vorläufer der panoramatischen Apperzeption, Walter Benjamin spricht von "Aquarien der Ferne und Vergangenheit".
Das Panorama des 19. Jahrhunderts bestand häufig aus mehreren begehbaren Ebenen, von den aus der Besucher beispielsweise von einem erhöhten Standpunkt aus auf ein 360° umfassendes Monumentalbild blicken konnte. Die häufigsten Motive waren Stadt- oder Landschaftsansichten, die mit Hilfe einer Camera obscura hergestellt wurden. Auch Kombinationsformen mit einer Projektion mittels der Laterna magica waren verbreitet.
Bei einem Panorama, welches den Beschauer zylinderförmig umgibt, wird das Längenbild entweder langsam vor den Augen des Beschauers vorübergezogen (Cyklorama), oder es bedeckt, in sich zurückkehrend, die Wand eines zylinderförmigen Raums, in dessen Mittelpunkt sich der Beschauer befindet (eigentliches Panorama).
Indem nun durch künstliche, dem Beschauer nicht direkt sichtbare Beleuchtung, sei es von oben durch konzentriertes Tageslicht, sei es durch Lampen, das Gemälde derartig in Wirkung gesetzt wird, dass es dem Natureindruck möglichst nahekommt, so entsteht jene Illusion, welche der eigentliche Zweck des Panoramas ist und zuweilen noch durch künstliche Naturnachahmung atmosphärischer Erscheinungen wie Donner, Regen, Schneefall usw. verstärkt wird.
Panoramen wurden von dem Architekturmaler Breysig in Danzig erfunden und zuerst von dem irischen Maler Robert Barker 1787 ausgeführt. Sein patentiertes Darstellungsverfahren hieß zuerst La Nature à coup d’Oeil, dann erst Panorama. Barker hatte 1787 einen ersten Versuch im kleinen mit der Ansicht von Edinburg gemacht und hatte dann 1791 in London nach seinen inzwischen patentierten Verfahren zunächst London from the Roof of the Albion Mills gezeigt,* dann 1792 eine Rotunde mit einem Durchmesser von 30 Metern ausführen lassen, worin er die Darstellung der russischen Flotte bei Spithead zeigte.
Etwas später stellte man Panoramen in Paris auf, wo sie durch Fontaine, Bourgeois und Prevost verbessert wurden; danach verbreitete sich diese Form der Unterhaltung in allen größern Städten Europas.
Das älteste erhaltene Panorama-Gemälde der Welt ist das Wocher-Panorama von Thun, Schweiz.
Einen neuen Aufschwung nahm die Panoramenmalerei nach dem deutsch-französischen Krieg, nachdem schon 1867 in den Champs-Elysées in Paris ein Versuch mit einem Panorama der Schlacht von Solferino gemacht worden war. Dasselbe wurde 1875 durch ein kolossales, die Verteidigung von Paris darstellendes Rundbild von Philippoteaux ersetzt, auf welchem der Künstler nicht bloß mit malerischen, sondern auch mit plastischen Mitteln die Illudion der Wirklichkeit zu erreichen suchte.
Dieses Prinzip blieb fortan für die Panoramenmalerei maßgebend und gelangte durch zahlreiche Schöpfungen hervorragender Künstler als Schlachtenpanoramen, Panoramen von den deutschen Kolonien, Szenen aus der biblischen Geschichte etc. in zahlreichen deutschen Städten wie Berlin, München, Frankfurt a. M., Leipzig, Hamburg u.a., für welche besondere Gebäude errichtet wurden, zur Aufführung.
Die Erfindung des Panoramas zog in den 1830er Jahren die Entwicklung zahlreicher anderer Oramen nach sich. Dazu gehören außer dem Diorama das Georama, das Neorama und das Myriorama sowie das Kosmorama, das Pleorama und das Cyklorama.
Alle diese "Oramen" sind entweder durch Panoramen verdrängt oder auf das Schaubudenniveau herabgedrückt worden. Stephan Oettermann fasst zusammen: "Die Geschichte des Panoramas umfasst ein Jahrhundert, das neunzehnte – und nur dieses. Vor- und Nachläufer lassen sich wie überall finden, sie sind bedeutungslos" (Das Panorama, S. 7).
Weltweit existieren heute noch etwa 70 Panoramen. In Wuhan City (China) befindet sich mit dem Panoramabild Chi-Bi-Krieg, 135 x 18 m, 2430 m², das größtes Panorama der Welt.
Österreich:
Großbritannien:
Niederlande:
Belgien:
Frankreich:
Ungarn:
Tschechien:
Polen:
Bulgarien:
Russland:
Ukraine:
USA:
Kanada:
Ägypten:
Syrien:
Irak:
Nordkorea:
Australien:
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