article

Das Panopticon oder Panoptikum ist ein vom britischen Philosophen Jeremy Bentham stammendes Konzept zum Bau von Fabriken, Gefängnissen und ähnlichen Anstalten. Der französische Philosoph Michel Foucault griff diese Idee auf und bezeichnete es als wichtiges Ordnungsprinzip westlich-liberaler Gesellschaften, von ihm auch Disziplinargesellschaft genannt.

Jeremy Bentham (1748 - 1832): Architektur


Panopticon.jpg Allen Bauten des Panopticon-Prinzips gemeinsam ist, dass von einem zentralen Ort aus alle Fabrikarbeiter oder Gefängnisinsassen beaufsichtigt werden können. Dazu werden etwa Gefängniszellen ringförmig um einen Beobachtungsturm herum gebaut. Die permanente und totale Überwachung ist gegeben, weil mit sehr wenig personellem Aufwand eine große Zahl von Menschen überwacht werden kann.

Von diesem Konstruktionsprinzip erhoffte sich Bentham, dass sich zu jeder Zeit alle Insassen regelkonform verhalten, da sie jederzeit davon ausgehen müssten, beobachtet zu werden. Dies führe zu einer massiven Kostensenkung im Gefängnis- und Fabrikwesen, denn das Verhältnis zwischen effektiv geleisteter Überwachungsarbeit und erzeugter Angst, beobachtet zu werden, ist sehr effizient.

1811 wurde das erste Projekt zum Bau eines Gefängnisses nach dem Panopticon-Prinzip abgebrochen, Bentham wurde für seine Umtriebe mit £23'000 entschädigt. Doch viele Gefängnisse der viktorianischen Zeit entsprachen durchaus der Idee des Panopticons, indem Korridore so gebaut wurden, dass sie sternförmig auf einen zentralen Beobachtungsposten zulaufen.

Michel Foucault (1926 - 1984): Philosophie


Foucault griff dieses Prinzip als wichtiges Ordnungsprinzip westlich-liberaler Gesellschaften auf: Die permanente Möglichkeit der Überwachung führt zur Selbstdisziplinierung der Individuen, weitgehend ohne dass eine soziale Kontrolle stattfinden muss. Die Menschen werden dazu erzogen, eine Funktion im System wahrzunehmen; die grundlegenden Funktionsregeln werden internalisiert, ohne dass den Menschen im Normallfall die von externen Normen geleitete Regelhaftigkeit ihres Verhaltens bewusst würde. Foucault lehnt diese Macht-Mechanismen ab und regt zum Ausbruch aus diesen Strukturen durch opponieren an.

Literatur

  • David Lyon, From Big Brother to Electronic Panopticon, in David Lyon, The Electronic Eye: The Rise of Surveillance Society, University of Minnesota Press, Minneapolis 1994, S. 57-80.
  • Janet Semple, Bentham's Prison. A Study of the Panopticon Penitentiary, Clarendon Press, Oxford 1993.
  • Robin Evans, Bentham's Panopticon: An Incident in the Social History of Architecture, in Architectural Association Quarterly 3, 2, April-Juli 1971, Oxford, New York 1971, S. 21-37.
  • Michel Foucault, Überwachen und Strafen - Die Geburt des Gefängnisses

Im Roman 1984 von George Orwell wird das Panopticon-Prinzip angewendet, indem in allen Wohn-, Aufenthalts- und Arbeitsräumen Kameras installiert sind.

Weblinks

Sozialphilosophie | Philosophie der Aufklärung | Gefängnis

Panoptisk fængsel | Panopticon | Panopticón | Panoptikon | Panoptique | Panopticon | パノプティコン | Panoptikon

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Panoptikum (Philosophie)".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld