Mit Panlatinismus (auch: Panlateinismus) und Panromanismus (auch Panrumänismus) werden oftmals zwei völlig verschiedene politische Ideologien fälschlicherweise synonym bezeichnet.
Minimalziel war eine gemeinsame Abwehrhaltung gegen den zivilisatorischen Missionsdrang angelsächsischer bzw. angloamerikanischer Kultur in Europa und beiden Amerika, vor allem aber ein Gegengewicht zu überlegener wirtschaftlicher Macht und politischem Einfluß der USA und Großbritanniens. Maximalziel sollte die Errichtung politischer Allianzen zwischen Frankreich und lateinamerikanischen Staaten bzw. einer Konföderation des Südens unter französischer Führung sein. Vor allem in Mittelamerika (und der Karibik) hätte ein mächtiges, aber von Frankreich abhängiges katholisches Reich entstehen sollen.
Die Idee der gemeinsamen kreolischen bzw. lateinischen Rasse war trotz des antiken römischen Erbes, des römisch-lateinischen Katholizismus und der romanischen Sprachverwandtschaft zwar weit hergeholt, führte aber doch zur Etablierung des Begriffs Lateinamerika. Französische Siedler unter Gaston de Raousset-Boulbon im mexikanischen Sonora gegen nordamerikanisches Vordringen (ab 1853), das Aufgreifen der Ideologie durch den mexikanischen Liberalen Ignacio Ramirez (ab 1855) und die gemeinsame Intervention mit Spanien in Amerika (ab 1861) waren weitere hoffnungsvolle Ansätze.
Politisch jedoch scheiterte das Konzept am massiven Widerstand der USA bzw. mit der Niederlage der von Frankreich unterstützten Südstaaten im US-Bürgerkrieg (1865), dem von den USA erzwungenen französischen Rückzugs aus Mexiko und der Niederlage des dort installierten Kaisertums Maximilians I. (1867). Die Niederlage Frankreichs gegen Deutschland (1871) führte schließlich zum Untergang des französischen Kaisertums selbst. Auch bei der (mit französischer Hilfe geeinten) „kleinen“ lateinischen „Schwester“ Italien stieß die französische Hegemonialpolitik auf Ablehnung und führte (1881) zum deutsch-italienischen Bündnis (Dreibund). Dennoch griff später Benito Mussolini das Ideal der "lateinischen Rasse" wieder auf, zwar gegen Frankreich, zumindest doch aber mit Franco-Spanien als Juniorpartner und Ausläufern bis zur italienischen Minderheit in Südamerika.
In Lateinamerika hingegen entwickelte sich aus dem Panlatinismus ein machtvoller kreolischer Patriotismus (La Raza) gegen die von USA ausgehende Amerikanisierung Mexikos, aber auch innerhalb der USA (Latinos, Hispanics). Der Begriff Pankreolismus bezieht sich auf die lateinamerikanische Musik.
Im Bestreben um seine Einheit stand Rumänien Mitte des 19. Jahrhundert zunächst unter der Protektion des französischen Kaisers. Wie der Panlatinismus gegenüber dem angelsächsischen Kulturimperialismus so stellte der Panromanismus eine deutliche Abgrenzung gegenüber den Einflüssen der österreichisch-ungarischen und slawisch-türkischen Nachbarn dar, z.B. gegenüber russisch-bulgarischem Panslawismus bzw. Panrussismus. Bukarests Betonung des Panromanismus legt den Schwerpunkt zwar auf die Abstammung von den Romanen (Römern) und Sprachverwandtschaft, grenzt sich jedoch vom lateinischen Ritus des Christentums ab, die meisten Balkan-Romanen sind bis heute christlich-orthodox.
Im engeren Sinne war und ist er ein Instrument der Romanisierungspolitik (Rumänisierung) der nichtromanischen Minderheiten Rumäniens (Deutsche, Ungarn, Türken, Juden und Roma).
Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 kamen auch Bestrebungen zum Anschluß Moldawiens wieder auf und stellen Rumäniens Nachbarland bis heute im Konflikt mit der russisch-ukrainischen Minderheit (Konflikt um Transnistrien) vor die Zerreißprobe. Dieser Konflikt ist somit zu einem großen Teil das Resultat des Aufeinandertreffens von Panslawismus und Panromanismus.
Der Panromanische Wortschatz (seltener auch: Panlateinisch) wiederum ist die Gesamtheit der gemeinsamen oder ähnlichen Worte oder Wortstämme aller romanischen und vergleichbar beeinflußten europäischen Sprachen (Eurokomprehension).
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