Die Palmarianisch-Katholische Kirche oder auch Heilige, katholische und apostolische palmarianische Kirche ist eine von Clemente Domínguez y Gómez gegründete religiöse Gemeinschaft, welche sich als — nach der als Verfall angesehenen Entwicklung der römisch-katholischen Kirche seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil — als einzig verbliebener Rest der wahren katholischen Kirche betrachtet. Seitens der römisch-katholischen Kirche wird sie hingegen als schismatische und häretische Sekte bzw. apparitionistische Kirche angesehen.
1976 erblindete Clemente infolge eines Autounfalls und nannte sich — nach seinen Angaben damit einer Eingebung Marias folgend — nunmehr Bischof Fernando. Papst Paul VI. exkommunizierte nach den Bischofsweihen 1976 Erzbischof Ngo Dinh Thuc und die fünf von ihm zum Bischof geweihten Männer. Ngo Dinh Thuc kam aber schon kurz nach den Weihen zur Schlussfolgerung einen "grossen Fehler" gemacht zu haben, obwohl in gutem Glauben. Er wurde davon überzeugt, dass die Erscheinungen doch nicht authentisch gewesen waren. Erzbischof Ngo Dinh Thuc bat den Vatikan um Vergebung, leistete Abbitte und empfing die Aufhebung der Exkommunikation sowie die Lossprechung kirchlicher Strafen.
Als Papst Paul VI. am 6. August 1978 verstarb, ließ sich Bischof Fernando von seinen Kardinälen aufgrund einer neuen Vision zum Papst Gregor XVII. krönen. Er bezeichnete sich als das neue Haupt der Kirche, als "Pontifex von Palmar de Troya" und als Patriarch von Palmar de Troya und des Westens. Den Heiligen Stuhl habe Gott von Rom nach Palmar verlegt.
Von der offiziellen römisch-katholischen Kirche wurden Clemente Domínguez (Gegenpapst Gregor XVII.) und die von ihm geweihten Priester, Bischöfe und Kardinäle 1983 nochmals exkommuniziert. Am 22. März 2005 starb Clemente Domínguez völlig überraschend während einer von ihm zelebrierten Messe. Seine Anhänger sehen dadurch seine seinerzeitige, in der Folge mehrfach wiederholte Prophezeiung, er werde „auf Calvaria“ sterben (was bis dahin auf eine apokalyptisch motivierte Rückkehr des palmarianischen Gegenpapstes ins Heilige Land gedeutet wurde), als erfüllt an, da in römisch-katholischer Symbolik der Platz des Altares in der Messe als Repräsentation von „Calvaria“ (also dem Ort der Kreuzigung Jesu Christi) angesehen wird.
Mittelpunkt der palmarianischen Kirche bildet die Gottesmutter Maria. Sie ist die Spenderin aller Gnaden, Miterlöserin und Königin des Himmels und der Erde. In der Eucharistie (Messfeier) ist auch sie gegenwärtig mit Leib und Blut, nach einem palmarianischen Dogma. Diese Gedanken wären nach den Anhängern der Palmarianischen Kirche vielfach den (Privat-)Offenbarungen an die Ehrw. Maria von Agreda (veröffentlicht in deren Hauptwerk Die geheimnisreiche Stadt Gottes. Geschichte des Lebens der heiligsten Jungfrau Maria, wie sie der ehrwürdigen Klosterjungfrau Maria von Agreda geoffenbart wurde, Madrid 1670) entnommen bzw. aus diesen weiterentwickelt. Der schon 1673 in Rom eingeleitete Seligsprechungsprozess für die spanische Äbtissin und Visionärin ist in der römisch-katholischen Kirche noch nicht abgeschlossen, von der palmarianisch-katholischen Kirche wird sie jedoch als Heilige und sogar Kirchenlehrerin verehrt. Auch der Heilige Joseph gilt als universeller Miterlöser; er wurde nach der Lehre der palmarianischen Kirche beim Tode Jesu auferweckt und in den Himmel aufgenommen mit Leib und Seele. Die palmarianische Kirche erwartet die Wiederkunft Christi vor dem Jahr 2015, der ein interplanetarischer Krieg vorausgehe, so das Lehramt von Palmar de Troya.
Die palmarianische Kirche vertritt den Standpunkt, dass das Heil nur in ihr gegeben sei. Die Gläubigen sind gefordert, sich vollumfänglich dem Papst (Gegenpapst) und Patriarchen von Palmar de Troya zu unterwerfen und mit der offiziellen römisch-katholischen Kirche und dem Vatikan zu brechen. Außerdem haben sie sich an strenge Lebensregeln zu halten (Röcke für Frauen, kein Radio, kein Fernsehen, keine Zeitschriften etc.).
Von der Palmariansch-Katholischen Kirche haben sich deshalb und/oder auch aus lehrmäßigen Differenzen mehrere Gruppen abgespalten: in Deutschland eine St.-Michaelsbruderschaft in München (die nicht mit der 1931 gegründeten evangelischen Michaelsbruderschaft oder der tridentinischen Kirche St. Michael zu verwechseln ist) und die sogen. „Erzdiözese Konstanz“. In Spanien existiert eine Dissidentenbewegung in Málaga.
Ein ehemaliger Bischof der Palmarianisch-Katholischen Kirche, Bischof Alfred Athanasius Seiwert-Fleige — er war u.a. Mitkonsekrator von Pater Norbert Szuwart zum Bischof — aus Rosenheim bei München, wurde 2001 mit Papst Johannes Paul II. versöhnt und seither als römisch-katholischer Priester vom Vatikan anerkannt. Seiwert-Fleige war 1975 in Palmar de Troya von Ngo Dinh Thuc zum Priester geweiht worden, und zwei Jahre später zum Bischof von Dominguéz konsekriert worden. Seine Bischofsweihe wird zwar als gültig anerkannt, jedoch bei der Versöhnung 2001 kanonisch 'abgenommen', so dass es Seiwert-Fleige nicht erlaubt ist, Weihehandlungen als Bischof in der katholischen Kirche vorzunehmen. Im Jahre 2001 konzelebrierte Seiwert-Fleige öffentlich mit Johannes Paul II. bei einer grossen Papstmesse auf dem Petersplatz und wurde nachher vor laufenden Kameras von Johannes Paul II. umarmt.
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