Palatalisierung ist ein Begriff, der sowohl in der synchronischen als auch in der diachronischen Sprachwissenschaft benutzt wird.
Allgemein bezeichnet man mit Palatalisierung die stellungsbedingte Änderung eines Lautes durch Hebung des Zungenrückens in Richtung des harten Gaumens, lat. palatum.
Die Palatisierung wird in der IPA-Lautschrift mit dem Zeichen dargestellt: [, , etc. In der Keltologie und in der Slawistik wird üblicherweise eine Umschrift mit den Konsonanten nachgestellten Strichen verwendet: /g’/, /d’/, /f’/ usw. im Gegensatz zu /g/, /d/, /f/ usw.
Ein russisches hartes „p“ und ein palatisiertes (weiches) „p“ sind zwei verschiedene Phoneme der russischen Sprache. So unterscheiden sich цеп („Dreschflegel“) und цепь [ („Kette“) durch die unterschiedliche Aussprache des п.
Dieses Merkmal der goidelischen Sprachen ist bereits im archaischen Irisch (vor ca. 600 n.Chr.) während komplexer phonologisch-morphologischer Prozesse durch Apokope (Endsilbenwegfall) und Synkope (Binnensilbenwegfall) entstanden. Im 1974 ausgestorbenen, aber wiederbelebten Manx ist die Palatalität nur noch in einigen Fällen phonemisch.
Bemerkenswert ist dabei, dass sich durch das Vorhandensein/die Abwesenheit der Palatalisierung in einem Konsonanten nicht nur lexikalisch auswirkt, sondern auch grammatisch-morphologisch. So werden zum Beispiel in der ersten nominalen Flexionsklasse der Genitiv und der Plural ausschließlich durch Palatalisierung des Auslautes gebildet: amhrán („Lied“, Nom. Sg.) und amhráin („Liedes“ bzw. „Lieder“, Gen. Sg. und Nom. Pl.).
Jedoch muss bei jedem einzelnen Konsonanten jedes Wortes die Palatalität unterschieden werden. Konsonantengruppen werden stets als Ganzes palatalisiert bzw. nicht palatalisiert gesprochen. In der Schreibung wird dies im Irischen und im Schottischen fast immer durch Umgebung von „a“, „o“ und/oder „u“ (nicht palatalisiert) bzw. „e“ und/oder „i“ (palatalisiert) auf beiden Seiten des Konsonanten/der Konsonantengruppe kenntlich gemacht. Diese Buchstaben werden bisweilen nur zu diesem Zweck eingefügt und dann nicht gesprochen. Im Manx ist dies aufgrund der auf dem Englischen beruhenden Orthographie nicht der Fall.
Bemerkenswert ist die Rolle der Palatalität in der Lyrik. In der traditionellen irischen Lyrik reimen sich die Wörter entsprechend der in den Traktaten zur Lyrik beschriebenen Konsonantenklassen, die sich von heutigen Klassifizierungsmustern zum Teil deutlich unterscheiden. Palatalisierte und nicht palatalisierte Versionen eines Konsonanten gehören jedoch nicht einer Klasse an und können sich daher nicht reimen. So reimt sich dhamh zwar mit gar (/v/ und /r/ gehörten einer Klasse an), jedoch nicht mit déanaimh .
In diachronischer Betrachtung wurde festgestellt, dass sich im Laufe der Entwicklung die Laute einer Sprache ändern. Einer der phonetisch bedingten Gründe, die zu Lautveränderungen einer Sprache beitragen, ist die Palatalisierung.
Ein Beispiel für diese Art der Palatalisierung ist das Altenglische: aus griechisch kyriacos wurde altenglisch cirice (*). Durch Palatalisierung ist auch der Unterschied zwischen englisch chin und deutsch Kinn zu erklären.
Palatalisierung liegt auch im Falle des Unterschieds zwischen altenglisch dæg und deutsch Tag vor, da infolge der Palatalisierung des /-g/ zu /-gj/ und später /-j/ eine Hebung der Zunge gegen das Palatum erfolgte und das /a/ sich in /æ/ änderte.
Phonologie | Historische Linguistik
Palatalització | Palatalization | Liudennus | Palatalisation | עיצורים מחונככים | Palatalizacija | Palatizzazione | 口蓋化 | 구개음화 | Palatalizacja | Palatalisering | 顎音化
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