Palast der Republik Panorama.jpg | Palast der Republik 2003.jpg | Palast der Republik Fernsehturm.jpg | Palast der Republik facade.jpg | Palast der Republik 2004-10.jpg | Palast der Republik Zweifel.jpg | Berlin Palast der Republik 2005.jpg Der Palast der Republik ist ein Gebäude auf der Spreeinsel am Schloßplatz im Zentrum Berlins, das auf dem Gelände des Berliner Stadtschlosses errichtet wurde. Er beherbergte die Volkskammer der DDR und wurde des Weiteren als volksoffenes Kulturhaus genutzt. Die stadtplanerische Entwicklung des Berliner Schloßplatzes ist aufgrund der zentralen Lage des Platzes und der geschichtlichen Bedeutung von Schloss und Palast seit der Wiedervereinigung Gegenstand intensiver Diskussionen. Seit dem 6. Februar 2006 wird der Palast derzeit schrittweise abgetragen. Bis Ostern 2007 sollen die Arbeiten beendet sein.
Der Palast wurde teilweise auf dem Gelände des im Zweiten Weltkrieg teilzerstörten und ausgebrannten Berliner Stadtschlosses gebaut, das im Jahr 1950 wegen Ablehnung der Rekonstruktion und Subventionierung eines Symbols des preußischen Militarismus und Adels und wegen Finanz- und Baumittelknappheit in den Jahren nach Kriegsende gesprengt wurde. Nach dem Abriss wurde das Areal 23 Jahre als Fest- und Aufmarschplatz, Politikertribüne und Parkplatz genutzt.
Das Gebäude hat die Form eines Quaders mit einer Länge von 180 m, einer Breite von 85 m und einer Höhe von 32 m. Die Höhe orientiert sich an der des benachbarten Marstalls und des Staatsratsgebäudes.
Der Palast der Republik zeigte sich vor allem mit seinen umfangreichen Foyers, den Restaurants, der Kegelbahn, aber auch mit dem Großen Saal für Veranstaltungen als Kulturpalast. Auf Grund des weitgehenden Fehlens ähnlicher Anlagen im Zentrum Ost-Berlins war ihm die Publikumsgunst sicher. Auftritte nationaler und internationaler Künstler wie beispielsweise Udo Lindenberg oder Harry Belafonte, ein eigenes kleines Theater im Palast (TiP) mit einer mobilen Studioregieanlage für Ton, Licht, Regie (Design: Jürgen Frenkel). Ausstellungen, Restaurants mit bevorzugter Belieferung, ein Eiscafé, eine Milchbar, eine Diskothek, ein auch sonntags geöffnetes Postamt, Bowlingbahnen, großformatige Gemälde von 16 prominenten DDR-Künstlern im Foyer (Willi Sitte, Walter Womacka, Wolfgang Mattheuer und andere unter dem Motto „Wenn Kommunisten träumen“), zahlreiche weitere Kunstwerke und aus Schweden importierter weißer Marmor machten aus diesem Bau etwas für DDR-Verhältnisse Einzigartiges.
Der kleine Saal des Palastes diente als Sitz der Volkskammer, des Parlaments der DDR. Der große Saal diente als Ort für große Kulturveranstaltungen. Er hatte die Form eines symmetrischen Sechsecks mit 67 Meter Breite und 18 Meter Höhe. Hubeinrichtungen ermöglichten verschiedene Höhen der Bühne für verschiedene Kongress- oder Konzertzwecke. Die Aktionsfläche war so von 170 bis 1000 Quadratmeter wandelbar. Sechs schwenkbare Parkettteile, absenkbare Deckenplafonds und flexible Trennwände ermöglichten eine äußerst variable Einrichtung und Bestuhlungen zwischen etwa 1000 und 4500 Plätzen. Wichtige repräsentative Nutzungen waren die alle fünf Jahre stattfindenden SED-Parteitage, auf deren Delegiertenzahl die Größe des Saals abgestimmt war.
Für den Palast der Republik gab es zahlreiche satirische Bezeichnungen wie Palazzo (prozzo), Ballast der Republik oder Erichs Lampenladen. Letzterer spielte auf die zahllosen Leuchten der Foyerdeckenbeleuchtung und den Staats- und Parteichef Erich Honecker an. Diese niemals offiziell gebrauchten Bezeichnungen waren unter den Berlinern bekannt, gehörten aber nicht zum häufigen Sprachgebrauch.
Im Oktober 1983 wurde überraschend dem westdeutschen Rocksänger Udo Lindenberg ein Konzert im Palast der Republik vor ausgewähltem Publikum (FDJ) erlaubt, nachdem er in seinem Hit „Sonderzug nach Pankow“ darüber geklagt hatte, dass ihm Auftritte in der DDR versagt blieben. Die in Aussicht gestellte DDR-Tournee wurde dann aber doch nicht genehmigt.
Nach aufwändiger und kostenintensiver Asbestbeseitigung in den Jahren 1998 bis 2001 und mehreren Architekturwettbewerben zum Umgang mit dem historischen Schloss-Gelände beschloss der Bundestag 2003 den Abriss des Palastes sowie die zwischenzeitliche Anlage einer Grünfläche, bis einmal das so genannte Humboldt-Forum errichtet wird. Dieses soll die Museen außereuropäischer Kulturen (derzeit in Berlin-Dahlem), die Berliner Zentral- und Landesbibliothek und die wissenschaftshistorischen Sammlungen der Humboldt-Universität fassen. Deren nicht der Spree zugewandten Fassaden sollen nach dem Vorbild der barocken Fassaden des 1950 gesprengten Berliner Schlosses rekonstruiert werden. Allerdings hat der Bundestag weder die Finanzierung des Humboldt-Forums, dessen Baukosten auf 590 Millionen Euro geschätzt werden, noch die eines Architekturwettbewerbs oder der Zwischennutzung abgesichert. Lediglich der Abriss des Palastes ist finanziert, er wird nach umstrittenen Planungen der Berliner Senatsbauverwaltung auf 20 Millionen Euro geschätzt, andere Zahlen gehen von bis zu 60 Millionen Euro aus. Im Frühjahr 2004 begann die so genannte Zwischennutzung des Palastes der Republik unter der Bezeichnung Volkspalast. Zu den vielfältigen Nutzungen gehörten Kunstausstellungen und Theateraufführungen, die im nur noch als Rohbau bestehenden Innenraum des Palastes mit Hilfe provisorischer Zuschauertribünen stattfanden. Für kurze Zeit bestand sogar die Möglichkeit, im teilweise gefluteten Palast eine Gondelfahrt zu machen.
Am 26. Januar 2005 installierte der norwegische Künstler Lars Ramberg auf dem Dach des Palastes mehr als 6 Meter hohe Neon-beleuchtete Buchstaben, die das Wort ZWEIFEL bilden. Der Schriftzug dient als Logo für das Projekt Palast des Zweifels. Ramberg wollte mit diesem Projekt die Diskussionen um den Palast fördern und mit dem Diskurs um verloren gegangene Utopien, dem Suchen nach neuen Perspektiven und Identitäten verbinden. Die Aktion lief bis zum 10. Mai 2005. Auf Betreiben des Künstlers wurde eine Abbildung des Palastes mit dem Schriftzug ZWEIFEL aus urheberrechtlichen Gründen aus der Ausstellung ZeitSchichten – Erkennen und Erhalten – Denkmalpflege in Deutschland in Dresden genommen, die sich unter anderem mit den denkmalpflegerischen Aspekten der Diskussion um den Abriss des Palastes auseinandersetzt. Der Künstler wurde vor der Ausstellung weder um seine Zustimmung gebeten, noch darüber informiert das ein Bild seines Kunstwerkes als Teil einer Installation verwendet werden würde.
Mit der Ausstellung „Fraktale“ entstand genau in der Mitte des Palastes ein großer weißer Raum, der zum Leitbild der neuen künstlerischen Nutzung des Palastes werden könnte. Die Ausstellung „White Cube Berlin“ versuchte, anhand dieses Raumes mit international renommierten Künstlern diese neue Nutzung den Abrissplänen entgegenzustellen. Die Ausstellung und den Prozess des Aufbaus vom White Cube hat der Dokumentarfilm "AltlastPalast" dokumentiert. Im Dezember 2005 wurde in Berlin eine Stiftung für den Erhalt des Palastes der Republik gegründet.
Der Abriss des Palastes der Republik verschob sich immer wieder. Am 19. Januar 2006 beschloss der Deutsche Bundestag, Anträgen der Grünen und der Linkspartei zur Verschiebung des Abrisses bzw. zur Erhaltung des Bauwerks nicht stattzugeben.
Nach Terminen im Frühjahr 2005 und im Oktober 2005 wird das Gebäude seit Februar 2006 langsam zurückgebaut. Von einer Sprengung des Gebäudes wurde abgesehen, weil Beschädigungen umliegender Gebäude durch den Auftrieb der Bodenwanne und das dadurch bedingte Absinken des Grundwasserspiegels befürchtet wurden. Stattdessen wird das abgetragene Material gemessen und im gleichen Maß dann mit Wasser versetzter Sand in die Bodenwanne geleitet. Dieser Prozess soll bis Mitte 2007 abgeschlossen sein, wodurch vorerst an dieser Stelle eine Grünfläche über der verbleibenden Bodenwanne als neues Spreeufer verbleibt.
Der Architekt und Städteforscher Philipp Oswalt hat im Februar 2006 ein Konzept vorgestellt, nach dem die Kellergeschosse des Palastes weitergenutzt werden könnten. Es ist im Rahmen des Abrisses geplant, den Keller ab Mitte März 2006 sukzessive mit insgesamt 205.000 Tonnen Sand vollständig zu verfüllen. Nach Berechnungen zweier Ingenieursbüros würden bereits 21.600 Tonnen ausreichen, um die Stabilität des Baus und der umliegenden Gebäude zu sichern und gleichzeitig den Keller weiter nutzen zu können. Damit wäre es einerseits möglich, dem Bundestagsbeschluss zum Abriss zu genügen und eine Terrasse etwa auf Spreehöhe entstehen zu lassen. Andererseits könnten mit dem eingesparten Mitteln zur Sandverfüllung die Kellergeschosse zu einem modernen Flachbau von etwa 12.000 Quadratmetern Nutzfläche für Ausstellungen, Veranstaltungen und zur Nutzung durch Bibliotheken umgebaut werden. Die Berliner Zentral- und Landesbibliothek, zu der auch noch ein Tunnel existiert, hat bereits ihr dahingehendes Interesse bekundet. Eine Umsetzung des Planes wurde bereits von der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung abgelehnt.
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