Palace.of.westminster.arp.jpg | PalaceOfWestminsterAtNight.jpg Der Palace of Westminster (deutsch Westminster-Palast, oft auch Houses of Parliament genannt) ist ein monumentales, im neugotischen Stil errichtetes Gebäude in London, in dem das aus dem House of Commons und dem House of Lords bestehende britische Parlament tagt. Der Palast befindet sich in der City of Westminster am Parliament Square, in unmittelbarer Nähe zu Whitehall. Er wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.
Der älteste erhaltene Teil des Palastes ist die Westminster Hall aus dem Jahr 1097. Ursprünglich diente er als Residenz der englischen Könige, doch seit 1529 hat kein Monarch mehr hier gelebt. Vom ursprünglichen Gebäude ist nur wenig erhalten geblieben, da es im Jahr 1834 bei einem verheerenden Großbrand fast vollständig zerstört wurde. Der für den Wiederaufbau verantwortliche Architekt war Charles Barry. Der wohl bekannteste Teil des Palastes ist der Uhrenturm (Clock Tower oder auch "St. Steven's Tower") mit der Glocke Big Ben.
Die wichtigsten Räume des Palastes sind die Ratssäle des House of Commons und des House of Lords. Daneben gibt es rund 1.100 weitere Räume, darunter Sitzungszimmer, Bibliotheken, Lobbys, Speisesäle, Bars und Sporthallen. Der Begriff Westminster ist im britischen Sprachgebrauch oft gleichbedeutend für den Parlamentsbetrieb, ist also ein Metonym für Parlament.
Unter der Herrschaft des vorletzten angelsächsischen Königs, Eduard dem Bekenner, entstand ein Palast. Dies geschah im selben Zeitraum, als er in unmittelbarer Nachbarschaft die Westminster Abbey errichten ließ (1045 bis 1050). Thorney Island und das umliegende Gebiet wurden bald darauf Westminster genannt, eine Kombination aus west und monastery (Kloster), da es westlich der City of London lag. Nach der Invasion Englands durch die Normannen im Jahr 1066 ließ sich Wilhelm I. zunächst im Tower of London nieder, zog aber später nach Westminster um. Weder die angelsächsischen noch die ersten normannischen Gebäude sind erhalten geblieben. Unter der Herrschaft von Wilhelm II. entstand die Westminster Hall. Diese Halle war zum Zeitpunkt ihrer Errichtung im Jahr 1097 die größte in ganz Europa.
Palace of Westminster Westminster Hall south.jpg | Palace of Westminster from Roque's map (1745).jpg | Turner-The Burning of the Houses of Lords and Commons.jpg beobachtete den Brand des Palastes und fertigte mehrere Gemälde zu diesem Thema an, darunter The Burning of the Houses of Lords and Commons (1835).]] Während des späten Mittelalters war der Palace of Westminster die Hauptresidenz der englischen Könige. Aus diesem Grund konzentrierten sich mit der Zeit die wichtigsten Regierungsinstitutionen im Gebiet um Westminster. Beispielsweise trat die Curia Regis, der königliche Rat, in der Westminster Hall zusammen. Das Model Parliament, das erste offizielle Parlament Englands, tagte erstmals 1295 in der Westminster Hall. Seither diente der Palast bis heute allen Parlamenten als Versammlungsort, von wenigen Ausnahmen abgesehen.
Östlich und südlich der Westminster Hall lagen die Wohnräume des Königs. Dieser besuchte den Gottesdienst in der St Stephen’s Chapel (erbaut 1292-1297), die Höflinge in der darunter liegenden Kapelle der Krypta. Oft war es nicht möglich, dass das gesamte Parlament im Palast tagen konnte. Die Parlamentseröffnung fand deshalb gelegentlich in den privaten Gemächern des Königs statt, im Painted Chamber. Die Lords zogen sich dann in den White Chamber zu Diskussionen zurück. Das Unterhaus besass keinen festen Versammlungsort und wich oft auf den Kapitelsaal oder das Refektorium der Westminster Abbey aus.
Ein Feuer zerstörte 1529 einen Teil des Gebäudes, woraufhin König Heinrich VIII. beschloss, aus dem Palast auszuziehen. Ein Jahr später kaufte er von Kardinal Thomas Wolsey das benachbarte York Palace und benannte es in Palace of Whitehall um. Obwohl Westminster offiziell eine königliche Residenz blieb, wurde es nun ausschließlich von den beiden Parlamentskammern und den hohen Gerichten genutzt. Der 1547 im Zuge der Reformation erlassene Chantries Act führte zur Auflösung aller religiösen Orden. Darunter fiel auch der Orden der Kanoniker von St Steven, welcher bis anhin die Gottesdienste in der St Stevens Chapel durchgeführt hatte. 1550 wurde die Kapelle zum permanenten Versammlungsort des Unterhauses bestimmt, was einige Umbauarbeiten nach sich zog.
Am 16. Oktober 1834 wurde der größte Teil des Palastes durch ein verheerendes Feuer zerstört (zur Brandursache siehe auch Kerbholz). Nur die Westminster Hall, der Jewel Tower, die Krypta der St Stevens Chapel und der Kreuzgang entgingen der Vernichtung. Eine königliche Kommission wurde eingesetzt, um den Wiederaufbau in die Wege zu leiten. Die Kommission entschied, dass der Palast am selben Standort wieder aufgebaut werden sollte, entweder im gotischen oder im klassizistischen Stil. Über die Frage des Baustils entbrannte eine hitzige Debatte. Anhänger des Klassizismus argumentierten, dass Gotik zu „roh“ und deshalb unangemessen für ein Parlament sei. Die Befürworter der Gotik hielten dagegen, dass es der „wahre“ christliche Architekturstil sei; sie brachten den Klassizismus mit dem Heidentum der Antike in Verbindung. Außerdem hielten sie Gotik für „britisch“, während Klassizismus mit „französisch“ assoziiert wurde.
Nach der Prüfung von 97 Wettbewerbsvorschlägen wählte die Kommission den Plan von Charles Barry aus, der einen Wiederaufbau im gotischen Stil vorsah. Die Grundsteinlegung erfolgte am 27. August 1840, die Lords Chamber konnte 1847 eingeweiht werden, die Commons Chamber 1852 (in diesem Jahr wurde Barry zum Ritter geschlagen). Zum Zeitpunkt von Barrys Tod im Jahr 1860 waren die meisten Arbeiten abgeschlossen, bis 1870 erfolgten noch einige Detailverbesserungen. Der Jewel Tower konnte nicht in den neuen Gebäudekomplex integriert werden und steht deshalb auf der anderen Seite der nach dem Brand gebauten Abingdon Street.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Gebäude zweimal von der deutschen Luftwaffe bombardiert. Am 6. September 1940 richtete eine hoch explosive Bombe massive Schäden an der Südfassade an. Am 10. Mai 1941 trafen insgesamt zwölf Bomben das Gebäude, dabei starben drei Menschen. Die Commons Chamber, der Saal des Unterhauses, wurde dabei ein Raub der Flammen. Das Feuer breitete sich auf die angrenzende Members' Lobby aus und brachte dort die Decke zum Einsturz. Das Dach der Westminster Hall wurde durch Feuer beschädigt. Eine kleine Bombe oder Luftabwehrrakete traf den Clock Tower, wobei das Glas des Zifferblattes auf der Südseite zu Bruch ging; die Glocken waren nicht betroffen. Eine weitere Bombe fiel in die Lords Chamber, ohne jedoch zu explodieren. Darüber hinaus wurden zahlreiche Büros vollständig zerstört. Das Parlament beauftragte im Januar 1945 den Architekten Giles Gilbert Scott mit dem Wiederaufbau. Dieser entschied sich dafür, die wesentlichen Merkmale von Charles Barrys Design beizubehalten und nur minimale Modernisierungen vorzunehmen (darunter den Einbau einer Klimaanlage). Nach Abschluss der Arbeiten konnte die Commons Chamber am 26. Oktober 1950 eingeweiht werden.
Über dem Mittelteil des Palastes ragt der Central Tower (Zentralturm) in die Höhe. Er ist 91,44 Meter (oder genau 300 Fuß) hoch und ist damit der niedrigste der drei Haupttürme. Im Gegensatz zu den anderen Türmen ist das Dach des Central Tower spitz zulaufend.
An der Nordwestecke befindet sich der bekannteste der drei Türme, der 96,32 Meter hohe Clock Tower (Uhrenturm). Die Turmfassade wird von einer großen Turmuhr geprägt, der Great Clock of Westminster, mit einem Zifferblatt auf jeder der vier Turmseiten. Fünf Glocken, die Westminster Chimes, schlagen jede Viertelstunde. Die größte und weitaus bekannteste Glocke ist Big Ben (offiziell Great Bell of Westminster genannt). Sie ist mit einem Gewicht von 13,8 Tonnen die drittschwerste Glocke Englands und schlägt jeweils zur vollen Stunde. Obwohl der Name Big Ben sich korrekterweise nur auf die Glocke bezieht, wird damit umgangssprachlich der ganze Turm gemeint.
Der Jewel Tower (Juwelenturm) war einst ein Teil des Palastes und blieb während des Brandes von 1834 unversehrt. Er ist aber seither durch die damals neu gebaute Abingdon Street vom restlichen Gebäude getrennt. Der Turm wurde 1365/66 gebaut, um die Juwelen und Roben von König Eduard III. aufzubewahren. Von 1621 bis 1864 wurde der Turm als Bürogebäude und Archiv des House of Lords verwendet. Von 1869 bis 1938 war hier das Amt für Maße und Gewichte untergebracht. Heute beherbergt der Turm ein Museum zur Geschichte des Palastes.
Ursprünglich wurde der Palast formell durch den Lord Great Chamberlain verwaltet, dem obersten königlichen Kämmerer, da es eine königliche Residenz war (und theoretisch noch immer ist, da der Besitzanspruch nie aufgegeben wurde). 1965 beschloss jedoch das Parlament, dass beide Parlamentskammern die Verantwortung für ihre jeweiligen Räumlichkeiten selbst tragen sollten. Diese werden seitdem vom Speaker und dem Lordkanzler verwaltet. Der Lord Great Chamberlain ist noch für einige zeremonielle Räume verantwortlich.
Die Lords Chamber, der Ratssaal des House of Lords (Oberhaus), befindet sich im südlichen Teil des Palace of Westminster. Der üppig geschmückte Saal ist 80 Fuß (24,38 m) lang und 45 Fuß (13,72) m breit. Die Sitzbänke wie auch alle weiteren Möbel auf der Lords-Seite des Gebäudes sind in Rottönen gehalten. Der obere Teil des Saales ist mit Buntglasfenstern und mit sechs allegorischen Fresken dekoriert, die Religion, Ritterlichkeit und Gesetz symbolisieren.
House of Lords Microcosm edited.jpg Am Ende des Saales befindet sich ein mit Gold verzierter Thron mit Baldachin. Obwohl der Monarch theoretisch jeder Sitzung beiwohnen kann, weilt er oder sie lediglich während der zeremoniellen Parlamentseröffnung hier. Andere Mitglieder der königlichen Familie, die die Parlamentseröffnung mitverfolgen, sitzen in den Staatssesseln (Chairs of State). Vor dem Thron liegt der Woolsack, ein großes mit Wolle gestopftes rotes Kissen ohne Rücken- und Armlehne, das die historisch wichtige Bedeutung des Wollgewerbes symbolisiert. Auf dem Woolsack sitzt der Ratsvorsitzende (der Lordkanzler oder sein Stellvertreter). Der Amtsstab (ceremonial mace), der die königliche Autorität repräsentiert, wird auf den hinteren Teil des Woolsacks gelegt. Vor dem Woolsack befinden sich die „Judges' Woolsacks“, auf denen während der Parlamentseröffnung die zwölf Lordrichter (Law Lords) sitzen sowie der Tisch des Hauses (Table of the House), der von den Protokollführern besetzt wird.
Die Mitglieder des Oberhauses sitzen auf roten Bankreihen auf drei Seiten des Saales. Die Bankreihen rechts des Woolsacks werden „geistliche Seite“ (Spiritual Side) genannt, jene links des Woolsacks „weltliche Seite“ (Temporal Side) Auf der Spiritual Side sitzen die Bischöfe und Erzbischöfe der Church of England (Lords Spiritual). Die weltlichen Lords (Lords Temporal) sitzen gemäß ihrer Parteizugehörigkeit. Mitglieder der Regierungspartei nehmen auf der Spiritual Side Platz, Mitglieder der Opposition auf der Temporal Side. Die zahlreichen Peers, die parteipolitisch ungebunden sind, sitzen auf den Bänken gegenüber dem Woolsack und werden „cross-benchers“ genannt.
Die wichtigste Zeremonie, die in der Lords Chamber stattfindet, ist die feierliche Parlamentseröffnung jeweils zu Beginn einer neuen Parlamentssession oder bei der konstituierenden Sitzung nach jeder Unterhauswahl. Der auf dem Thron sitzende Monarch hält die Thronrede und verliest dabei das Regierungsprogramm für das kommende Jahr. Die Mitglieder des House of Commons betreten bei dieser Zeremonie die Lords Chamber nicht, sondern versammeln sich an der Schranke am Eingang des Saales (Bar). Eine weitere Zeremonie wird am Schluss einer Parlamentssession abgehalten, wobei der Monarch hier üblicherweise nicht teilnimmt, sondern durch mehrere Lord Commissioners vertreten wird.
House of Commons Microcosm.jpg Die Commons Chamber, in der das House of Commons (Unterhaus) tagt, befindet sich im nördlichen Gebäudeteil. Der Saal ist 68 Fuß (20,73 m) lang, 46 Fuß (14,02 m) breit und ist weitaus nüchterner ausgestattet als die Lords Chamber. Die Sitzbänke wie auch alle weiteren Möbel auf der Commons-Seite des Palastes sind in Grüntönen gehalten. Parlamente anderer Commonwealth-Staaten wie zum Beispiel Kanada oder Australien haben ebenfalls dieses Farbschema übernommen: Grün wird mit dem Unterhaus in Verbindung gebracht, Rot mit dem Oberhaus bzw. Senat.
An einem Ende des Saales befindet sich der Stuhl des Speakers, ein Geschenk der australischen Regierung an das britische Parlament. Vor diesem Speaker's Chair steht der Table of the House, der Arbeitsplatz der Protokollführer. Auf diesen wird der Amtsstab des Unterhauses gelegt. An den Längswänden sind je fünf Sitzbankreihen angeordnet. Die Abgeordneten der Regierungspartei sitzen rechts vom Speaker, jene der Opposition auf der linken Seite. Im Gegensatz zum Oberhaus gibt es keine Querbänke. Der Saal ist relativ klein und bietet lediglich Platz für 437 der insgesamt 646 Unterhausabgeordneten. Allerdings sind bei Routinesitzungen bei weitem nicht alle Abgeordneten anwesend. Während der Fragestunde des Premierministers und bei wichtigen Geschäften stehen Abgeordnete, die keinen Platz mehr gefunden haben, an beiden Enden des Saales.
Traditionsgemäß betritt der Monarch nie die Commons Chamber. Der Letzte, der dies tat, war König Karl I., als er am 4. Januar 1642 den Antrag stellte, fünf Abgeordnete wegen Hochverrats verhaften zu lassen. Dies wurde jedoch vom damaligen Speaker abgelehnt. Dieses Ereignis gilt als einer der Auslöser des englischen Bürgerkriegs.
Die Halle wurde im Laufe der Jahrhunderte für mehrere verschiedenartige Zwecke genutzt. Sie war hauptsächlich ein Ort der Rechtsprechung. Hier tagten drei der wichtigsten Gerichte des Landes, der Court of King's Bench, der Court of Common Pleas und der Court of Chancery. 1873 wurden diese drei Gerichte zum High Court of Justice zusammengefasst, welches dann 1882 in die Royal Courts of Justice umzog. Neben den gewöhnlichen Gerichten fanden in der Westminster Hall auch wichtige Staatsprozesse statt, darunter jene gegen William Wallace (1305), Thomas Moore (1535), die Verschwörer des Gunpowder Plot (1606), König Karl I. (1649) und Warren Hastings (1788).
Vom 12. bis zum 19. Jahrhundert fanden in der Westminster Hall zu Ehren der neuen Monarchen Krönungsbankette statt. Das letzte Krönungsbankett war 1821 jenes von Georg IV. Sein Nachfolger Wilhelm IV. brach mit der Tradition, da er die Bankette für zu teuer und aufwändig hielt. In der Halle findet auch jeweils die Totenwache vor Staatsbegräbnissen statt. Eine solche Ehre ist üblicherweise dem Monarchen und dessen engstem Familienkreis vorbehalten. Nur wenige Nichtmitglieder der königlichen Familie wurden hier aufgebahrt; im 20. Jahrhundert waren dies Generalfeldmarschall Frederick Sleigh Roberts (1914) und Premierminister Winston Churchill (1965). Die bislang letzte Totenwache fand 2002 zu Ehren von Königinmutter Elizabeth Bowes-Lyon statt.
Bei wichtigen offiziellen Anlässen überbringen beide Parlamentskammern hier der Krone ihre Grußbotschaften. Beispiele dafür sind das silberne und das goldene Thronjubiläum von Königin Elizabeth II. (1977 bzw. 2002), der 300. Jahrestag der Glorious Revolution (1988) und der 50. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs (1995).
Seit 1999 nutzt das House of Commons einen eigens dafür umgebauten Raum neben der Westminster Hall als zusätzlichen Versammlungsort. Dieser Raum, der die Form eines verlängerten Hufeisens aufweist, wird als Bestandteil der Westminster Hall betrachtet. Hier finden dreimal wöchentlich informelle Sitzungen statt. Es werden weder wichtige noch kontroverse Themen diskutiert. Eine lockere Sitzordnung unterstreicht den unparteiischen und informellen Charakter dieser Gespräche.
Der Prince's Chamber ist ein kleiner Vorraum unmittelbar südlich des Lords Chamber. An den Wänden hängen Porträts verschiedener Mitglieder der Tudor-Dynastie. Nördlich der Lords Chamber befindet sich die Peers' Lobby, wo sich die Mitglieder des House of Lords während der Parlamentssitzungen zu informellen Gesprächen treffen.
Der Mittelteil besteht aus der achteckigen Central Lobby, die sich neben der Peers' Lobby und direkt unterhalb des Central Tower befindet. Dieser Raum ist geschmückt mit Statuen von Staatsmännern sowie einem Mosaik, welches die Schutzheiligen der Teilstaaten des Vereinigten Königreichs zeigt: Der Heilige Georg für England, Apostel Andreas für Schottland, David von Menevia für Wales und der Heilige Patrick für Nordirland. In der Central Lobby können sich die Wähler mit dem Abgeordneten ihres Wahlkreises treffen. Jenseits der Central Lobby, neben der Commons Chamber, befindet sich die Members' Lobby, wo die Unterhausabgeordneten diskutieren oder Verhandlungen führen können. In der Members' Lobby stehen Statuen verschiedener ehemaliger Premierminister, darunter von David Lloyd George, Winston Churchill und Clement Attlee.
Im Palast gibt es auch je ein Appartement für die Vorsitzenden der beiden Parlamentskammern. Der Speaker wohnt am nördlichen Ende des Palastes, während die Wohnung des Lordkanzlers sich am südlichen Ende befindet. Jeden Tag nehmen der Speaker und der Lordkanzler auf dem Weg zu den jeweiligen Parlamentskammern an einer formellen Prozession teil.
Der bekannteste Versuch, die Sicherheit des Palastes zu gefährden, war der Gunpowder Plot am 5. November 1605. Katholische Extremisten planten, während der Parlamentseröffnung einige Tonnen Schießpulver zur Explosion zu bringen. Dabei sollten der protestantische König Jakob I., seine Familie und ein Großteil der Aristokratie getötet werden. Die Verschwörung wurde allerdings aufgedeckt, als der katholische Peer William Parker einen anonymen Brief erhielt. Darin warnten ihn die Verschwörer, nicht an der Parlamentseröffnung teilzunehmen. Die Behörden ordneten die Durchsuchung des Palastes an und entdeckten im Keller das Schießpulver sowie Guy Fawkes, den Anführer der Verschwörer. Den Verantwortlichen wurde später in der Westminster Hall wegen Hochverrats der Prozess gemacht; sie wurden zum Tode durch Vierteilung verurteilt. Seit 1605 führt die königliche Leibwache jedes Jahr vor der Parlamentseröffnung eine zeremonielle Durchsuchung des Kellers durch.
Assassination of Spencer Perceval.jpg Am 11. Mai 1812 fand der bisher einzige erfolgreiche Mordanschlag auf einen Premierminister statt. Auf dem Weg zu einer parlamentarischen Kommission, die den Ludditen-Aufstand untersuchen sollte, wurde Spencer Perceval von John Bellingham durch einen Pistolenschuss ins Herz getötet.
Am 30. März 1979 kam Airey Neave, ein prominenter konservativer Politiker und Anwärter auf den Posten des Nordirland-Ministers, durch eine Autobombe ums Leben, als er gerade aus dem Parkhaus des Palastes fuhr. Sowohl die Irish National Liberation Army als auch die Provisional Irish Republican Army übernahmen die Verantwortung für den Anschlag. Sicherheitskräfte gehen davon aus, dass erstere das Attentat verübt hat. Um die Möglichkeit auszuschließen, dass ein mit Sprengstoff beladener Lastwagen in das Gebäude hineinfahren kann, platzierte man 2003 eine Reihe von Betonblöcken auf den Zufahrtsweg.
Der Palast war auch der Schauplatz einiger auffälliger Protestaktionen. 1970 wurde ein Kanister mit Tränengas in die Commons Chamber geworfen, um gegen die Verhältnisse in Nordirland zu protestieren. 1978 warfen andere Personen, darunter die Tochter des maltesischen Ministerpräsidenten Dom Mintoff, Kübel voller Mist. Bedenken, dass bei solchen Zwischenfällen auch biologische oder chemische Kampfstoffe verwendet werden könnten, führten anfangs 2004 zur Errichtung einer Glastrennwand in der Besuchergalerie, der Strangers' Gallery.
Allerdings umfasste die neue Trennwand nicht die vordersten drei Reihen der Besuchergalerie (die so genannte Distinguished Strangers' Gallery). Im Mai 2004 bewarfen Aktivisten von Fathers 4 Justice (eine Organisation, die sich für die Rechte geschiedener Väter einsetzt) von dieser Stelle aus Premierminister Tony Blair mit Mehlbomben. Im September 2004 störten lautstark protestierende Anhänger der mittlerweile verbotenen Fuchsjagd die Sitzung des Unterhauses. Trotz dieser Störungen bleibt der Zugang zur Besuchergalerie weiterhin offen.
Seit dem 1. August 2005 ist es verboten, ohne vorherige Bewilligung der Metropolitan Police in einem Umkreis von einem Kilometer rund um den Palace of Westminster zu demonstrieren.
Einwohner des Vereinigten Königreiches können beim Abgeordneten ihres Wahlbezirks Eintrittskarten für die öffentlichen Besuchergalerien reservieren, um die Debatten im House of Commons oder im House of Lords mitzuverfolgen. Sowohl Einwohner des Vereinigten Königreiches wie auch solche anderer Länder können jeweils am Morgen vor Beginn der Parlamentsdebatten am Besuchereingang anstehen, doch die Zahl der Eintrittskarten ist begrenzt und es besteht keine Garantie auf Einlass. Nur ein kleiner Teil des Palastes kann überhaupt besichtigt werden. Falls die Abgeordneten unter sich bleiben möchten, werden die Besuchergalerien geschlossen.
Einwohner des Vereinigten Königreiches können beim Abgeordneten ihres Wahlkreises oder einem Peer eine Eintrittskarte für eine der wenigen Führungen während der Parlamentssessionen beantragen. Auch Bildungseinrichtungen können über einen Abgeordneten eine Führung organisieren lassen. Einwohnern anderer Länder steht diese Möglichkeit nicht offen.
Während der zweimonatigen Sitzungspause im Sommer (üblicherweise August und September) finden regelmäßig Führungen durch den Palace of Westminster statt, die sowohl Einwohnern Großbritanniens wie auch auswärtigen Besuchern offen stehen. Eine vorherige Anmeldung für den 75 Minuten dauernden Rundgang ist empfehlenswert (siehe *).
Der Palace of Westminster ist gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Unterhalb des Parliament Square und des benachbarten Portcullis House befindet sich die Station Westminster der London Underground. Über den Platz selbst verkehren mehrere Buslinien. Über die Westminster Bridge gelangt man zum Bahnhof Waterloo.
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