Die Region Palästina (auch Kanaan und Terra Sancta/Heiliges Land genannt, Filastīn, hebräisch: ארץ ישראל Eretz Jisra'el/Land Israel) liegt an der südöstlichen Küste des Mittelmeeres und bezeichnet ungefähr das Gebiet des heutigen demokratischen Staates Israel, den Gazastreifen und das Westjordanland (Palästinensische Autonomiegebiete) und das heutige Königreich Jordanien. Sowohl für das Christentum und Islam, besonders aber für das Judentum, besitzt die Region eine besondere gesellschaftliche, geschichtliche und religiöse Bedeutung.
Der Name Palästina geht auf das Volk der Philister zurück, die ab ca. 1175 v. Chr. an der Mittelmeerküste des Landes Kanaan Land nahmen, im Zuge der Wanderungen der Seevölker um 1200 v. Chr.. Nach ihnen benannten assyrische Texte des 8. Jahrhunderts v. Chr. die Region, der etwa dem heutigen Gazastreifen entspricht, "Pilaschtu". Der griechische Historiker Herodot (5. Jh. v. Chr.) verwendete die Bezeichnung "Syria palaistine" für den gesamten Küstenstreifen zwischen Phönikien (etwa dem heutigen Libanon), dessen Südgrenze er vermutlich am Karmelgebirge zog und der Gegend von Gaza, in der die Stadt Kadytis lag (s. Herodot III, 5). Das griechische Wort "Palaistine" wurde im Lateinischen zu "Palaestina".
Nach der Niederschlagung des 2. jüdischen Aufstands (132 - 135 n. Chr.) benannten die römischen Besatzer das Land Israel um. Sie führten den damals nicht mehr gebräuchlichen Namen Palaestina für die gesamte Provinz Judäa ein; auch Jerusalem wurde in "Aelia Capitolina" umbenannt. Juden wurde das Betreten der Stadt und ihrer Umgebung verboten, sie wurden systematisch aus ihrer Heimat vertrieben (siehe Diaspora) und zu 10.000den entlang der Straßen nach Jerusalem gekreuzigt, so dass die Wälder um Jerusalem verschwanden. In der Spätantike wurden auch einige Gebiete östlich des Jordan geographisch zur Provinz Palaestina gerechnet, die im 4. Jahrhundert in drei Teile aufgegliedert wurde. Militärisch blieb Palaestina jedoch eine Einheit. Zur Zeit der Türkenherrschaft wurde die Gegend "balad esch-scham" (das Land von Damaskus) genannt. Zu dieser Zeit wurden als Palästinenser die Juden bezeichnet, die in der Region lebten, die Araber dagegen nur als Araber.
Das Adjektiv palästinisch bezieht sich in der Regel auf das antike Palästina, so zum Beispiel der Begriff "palästinische Juden". Das Wort palästinensisch hingegen bezeichnet etwa seit den 1970er Jahren die heutige arabische Bevölkerung Palästinas, die sich aufgrund der politischen Entwicklung nach dem Sechstagekrieg als eigenständige politische Einheit zu verstehen begann (z.B. "palästinensischer Aufstand").
Gemäß den Unterschieden in der Topographie und im Klima unterscheidet man verschiedene Großräume:
Ab dem 13. Jahrhundert v. Chr. verlor Ägypten an Macht. Neue Einwanderer kamen in die Region, diesmal die Israeliten, eine Gruppe semitischer Nomadenstämme aus Mesopotamien, andere aus dem Sinai und den umliegenden Wüstenzonen (s. a. Hebräer/Habiru in ägypt. u. hurritischen Quellen) und die Philister, ein Volk wahrscheinlich indogermanischer Abstammung aus der Ägäis. Einiges deutet darauf hin, dass hebräische Stämme schon zusammen mit den Hyksos im 17. Jahrhundert v. Chr. nach Kanaan und Ägypten einwanderten und nach der Hyksoszeit aus Ägypten wieder verdrängt wurden und somit von Ägypten aus nach Kanaan einwanderten, siehe biblische Quellen.
Ob es ein Einheitsbewusstsein, wie es die Bibel schildert, in so früher Zeit tatsächlich gab, ist nicht nachgewiesen. Die Einheitsideologie wird von Historikern als eine Schöpfung des 7. Jahrhunderts v. Chr. angesehen. Nach der Assyrischen Zeit waren die Israeliten bemüht, ihre Stämme zu sammeln und zu einen. Dazu gehörten auch einige inzwischen eingewanderte nichtisraelitische Stämme. Der Bericht von den 12 Stämmen wird als ein ätiologischer Mythos betrachtet, wie er auch im alten Griechenland typisch war. Er diente dieser Theorie zufolge dazu, die Zusammengehörigkeit und Abhängigkeit der Bevölkerung, den gemeinsamen Ursprung der Nation zu erklären. Der Zahl Zwölf wird rein magische Bedeutung zugeschrieben, hinter der sich sowohl tatsächliche Verwandtschaft wie auch konstruierte und postulierte Zusammengehörigkeit verbirgt.
Die Hauptquelle für die Geschichte Palästina ist die hebräische Bibel, das in seinen wesentlichen Teilen wohl während des "Babylonischen Exils" der hebräischen Oberschicht in Babylonien im 6. Jahrhundert v. Chr. entstand. Eine erste bedeutende Sammlung und Redaktion der Schriften erfolgte bereits im vorausgehenden 8. Jahrhundert nach der Eroberung durch die Assyrer. Seine Angaben sind unter Historikern im Einzelnen umstritten. Daneben gibt es heute umfangreiche Archäologische Erkenntnisse, die teilweise nicht mit den Berichten der Bibel übereinzustimmen scheinen, aber geeignet sind, diese in einem neuen Licht zu analysieren und einzuordnen, und eine Fülle außerbiblischer Zeugnisse, die ebenfalls zu den Berichten in Beziehung gesetzt werden.
Die Israelitenstämme wanderten demnach in das Gebiet teilweise wahrscheinlich schon etwa 1800-1700 v. Chr. zur biblischen Zeit des Abraham, vor der in der Bibel berichteten Versklavung in Ägypten und der Befreiung daraus durch JHWH (bis 1270 v. Chr.) ein. Josua eroberte 1230 v. Chr. Teile des damals Kanaan genannten Gebiets - laut der Tora. Kanaan lag im Einflussgebiet Ägyptens, im Sinai und im Süden befand man sich auf ägyptischem Gebiet. Das Ägyptische Joch könnte sich durchaus auf diese Tatsache beziehen, daneben ist es denkbar, dass kleine Gruppen von Hebräern am Nil in der Sklaverei oder als Untertanen tätig waren (Josefslegende), zumal in der Hyksoszeit. Die biblischen Berichte ziehen vermutlich solche Überlieferungen zusammen.
Ein Teil der moderne Forschung geht davon aus, dass es eine Wieder-Einwanderung der Israeliten in Kanaan mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht gegeben habe. Der biblische Bericht von Exodus und Landnahme ist nach Ansicht einiger Wissenschaftler eine literarische Fiktion. Viele der Städte, deren Einnahme die Erzählungen der Tora schildern, wären zur fraglichen Zeit längst in Ruinen gelegen oder hätten noch nicht existiert. Der archäologische Befund belegt hingegen, dass die Israeliten einheimische Beduinenstämme waren, die die Schwächeperiode der Städte und Ägyptens um 1200 ausnutzen und Siedlungen nehmen konnten.
Die Historizität der biblischen Angaben wird heute von einem großen Teil der Gelehrten bezweifelt. Kaum bezweifelt wird jedoch, dass die biblischen Schriften tatsächlich archaisches Material enthalten oder auf solchem basieren, deshalb sind sie nach wie vor für Historiker interessant.
Die Israeliten organisierten sich nach diesen Berichten als ein lockerer 12-Stämmebund um ein jeweiliges Stammesheiligtum. In Zeiten der Gefahr waren die Stämme unter Führung eines Richters zu gegenseitiger Hilfe verpflichtet (Buch der Richter). Diese Richter waren sporadisch berufene charismatische Führergestalten. Man glaubte, dass Gott in Zeiten der Gefahr einen Menschen mit besonderen Fähigkeiten ausstattet (salbt), um dem Volk zu helfen. Ihre Macht war nicht, wie bei Stammesoberhäuptern, durch ihre Herkunft begründet, und auch nicht erblich. Das hebräische Wort schofet, welches traditionell mit Richter wiedergegeben wird, bedeutet eigentlich "der zum Recht verhilft". Eine juristische Tätigkeit ist damit nicht unbedingt gemeint.
Der Kampf gegen die Philister erwies sich allerdings als besonders schwierig. Diese hatten an der südlichen Mittelmeerküste einen aus fünf Stadtstaaten bestehenden Bund gegründet und fielen von dort ins Landesinnere ein. Sie waren militärisch besser organisiert und setzten bereits Eisenwaffen ein, so dass die Israeliten um 1050 v. Chr. eine schwere Niederlage erlitten. Die Bedrohung durch die Philister veranlasste die Israelitischen Stämme dazu, sich zu vereinigen. Es entstand der Wunsch, die Herrschaft einer charismatischen Führergestalt zu "veralltäglichen".
Der erste König wurde Saul, er führte vermutlich ein Stadtkönigtum um Hebron. Er konnte sich zeitweise gegen die Philister behaupten, letztlich aber wurde er von ihnen geschlagen. Sein Nachfolger David besiegte die Philister um 1000 v. Chr. und eroberte den Thron Sauls. Er war von 1004 bis 965 der König des Reiches. Die Erstarkung Israels und die Schwäche der angrenzenden Reiche ermöglichten es David, einen großen, unabhängigen Staat zu schaffen, dessen Hauptstadt er nach Jerusalem verlegte. Bei der Eroberung durch die Israeliten ist Jerusalem ein altes, aber strategisch unbedeutendes Dorf mit wenigen hundert jebusitischen Einwohnern und etwa zwei Hektar Ausdehnung auf einer Kuppe südlich des heutigen Tempelberges. Aber es liegt an der Nahtstelle zwischen Juda und Israel. Zur Zeit Davids wird Jerusalem kultisches Zentrum der Juden und Aufbewahrungsort der Bundeslade. Das Reich hatte – glaubt man der Bibel – etwa die vierfache Größe des heutigen Israel. Nach den archäologischen Befunden und weiteren Quellen wird es sich um ein eher kleines Reich um Jerusalem gehandelt haben. Die wesentlich bedeutenderen Städte und Stadtstaaten des Nordens sind vermutlich nie unter die Vorherrschaft Jerusalems gekommen.
Unter der Herrschaft von Davids Sohn und Nachfolger König Salomo genoss das Land eine Zeit des Friedens und des Wohlstandes. Nach Salomos Tod im Jahr 922 v. Chr. weigerten sich die nördlichen Stämme, den Sohn Salomos als neuen König anzuerkennen. So soll das Reich wieder zerfallen sein. Das Königreich Israel im Norden mit dem Hauptheiligtum Sichem, nahm in der Folge auf Grund der politischen Schwäche der Großreiche Ägyptens und Assyriens unter der Omridendynastie einen enormen Aufschwung. Juda im Süden blieb hingegen so unbedeutend, dass Assyrien es später nicht einmal angriff. Die politische Unabhängigkeit und Blütezeit vor allem des Nordreiches Israel währte über 200 Jahre.
Die umliegenden Reiche erstarkten und fingen an, sich erneut auszudehnen. Vor allem Assyrien begann im ausgehenden 8. Jahrhundert, die wohlhabenden Städte des Nordens anzugreifen, und besiegte das Nordreich Israel zwischen 722 und 721 v. Chr. Die Bevölkerung wurde an den Euphrat deportiert und Assyrer wurden angesiedelt. Die Bevölkerung nannte man von nun an nach der Hauptstadt Samaria Samariter.
Jerusalem mit dem Staat Juda wurde nicht angegriffen und konnte in der Folgezeit wachsen. Als die Macht der Assyrer schwand, war die Chance gekommen, von Jerusalem aus unter der ideologischen Führung der Jawehpriesterschaft und dem König Josia das Land wieder zu einigen. Es gab starke Bemühungen, die heterogenen Bevölkerungsgruppen und Stämme über die alten Traditionen zu einen und auf die israelitische Vergangenheit einzuschwören, was aber nur teilweise gelang. In dieser Zeit erfuhr die Biblische Schrift ihre erste umfassende Redaktion. Die alten Geschichten und Bücher wurden zusammengetragen und unter einer nationalen Ideologie redaktionell bearbeitet mit dem Ziel, ein einiges Königreich Israel zu schaffen. Das gelang nur zum Teil. Nach über 100 Jahren erstarkte Babylon zur Großmacht und versuchte, die Macht Jerusalems zu brechen.
Das Südreich Juda wurde 586 v. Chr. durch die Babylonier unter Nebukadnezar II. besiegt und die Bevölkerung nach Babylon umgesiedelt. Jerusalem wurde zerstört und die meisten der dort lebenden Juden verbannt. Die Juden im babylonischen Exil konnten ihre nationale und religiöse Identität bewahren. Hier liegen die Wurzeln des Judentums mit der Neubildung der Synagoge und des pharisäischen Judentums. Als Kyros der Große von Persien Babylon 539 v. Chr. erobert hatte, erlaubte er den Juden, nach Judäa zurückkehren, und gab ihnen eine relative Selbständigkeit. Die Juden bauten die Stadtmauern von Jerusalem, der Stadt Davids, wieder auf.
Eine Auswirkung der Hellenistischen Herrschaft war die Veränderung der ethnischen Zusammensetzung der Bevölkerung. Bis zur Eroberung des Landes lebten in der Region Judäer, Phönizier, Samariter, Edomiter und Nabatäer in ihren angestammten Gebieten. Das Landesinnere war vorwiegend von den Judäern und Samaritanern bewohnt, die nördliche Küstenebene von Phöniziern, der Süden von Nabatäern, die die Edomiter etwas nach Norden abgedrängt hatten. Dazu kamen die griechischen (mazedonischen) Besatzer, die sich hier ansiedelten.
Die hellenistische Kultur färbte besonders auf die Städte ab, die sich die sozialen Verhaltensweisen der Polis zueigen machten. Am stärksten passten sich die Phönizier an. Die Orte im Landesinneren behielten dagegen weitestgehend ihren semitischen Charakter. Obwohl die ptolomäische Besatzungsmacht hohe Steuern erhob, erlaubte es eine zügellose Ausbeutung und Versklavung der Einheimischen nicht.
Die Region profitierte in dieser Zeit von der wirtschaftlichen Blüte, die das Ptolemäerreich gerade erlebte. Die Handelsbeziehungen dehnten sich aus und in die Landwirtschaft wurden neue Methoden eingeführt.
Im 2. Jahrhundert v. Chr. revoltierten die Juden jedoch unter Führung der Makkabäer gegen die Seleukiden. Sie errichteten zwischen 141 v. Chr. und 63 v. Chr. einen unabhängigen jüdischen Staat, bis das Land von Pompeius für Rom erobert wurde und zu einer römischen Provinz wurde, die von jüdischen Königen regiert wurde.
Die muslimische Religion wurde der Bevölkerung jedoch nicht aufgezwungen. Es dauerte mehr als 100 Jahre, bis die Mehrheit der Bevölkerung zum Islam konvertiert war.
Die Region profitierte nun vom Handel des Reiches und von seiner religiösen Bedeutung während der ersten Kalifendynastie der Umayyaden von Damaskus, unter denen die arabischen Eroberungen ihren Höhepunkt erreichten. Nachdem die Abbasiden im Jahr 762 Bagdad zum politischen Zentrum gewählt hatten, nahm die Bedeutung Palästinas ab. Das Gebiet war wiederholt Schauplatz von Kämpfen und wurde von Seldschuken, Fatimiden (siehe Kalifat) und europäischen Kreuzfahrern beherrscht. Palästina profitierte jedoch auch von den Errungenschaften der muslimischen Welt, als diese ihr goldenes Zeitalter der Wissenschaft, Kunst, Philosophie und Literatur erlebte. Erst unter den Mamelucken brach die Weiterentwicklung Palästinas ab.
Mit dem Beginn der Kreuzzüge und der Errichtung der Kreuzfahrerstaaten im Jahr 1099 wurde der Konflikt zwischen Islam und den Nachfolgestaaten des Weströmischen Reiches nach Palästina getragen.
1881, zu Beginn der jüdischen Einwanderung lebten 457.000 Menschen in Palästina. 400.000 waren Muslime, 13.000-20.000 Juden und 42.000, meist griechisch-orthodoxe Christen. Hinzu kamen einige tausend Juden, die zwar dauerhaft in Palästina lebten, aber keine osmanischen Bürger waren. Die im Lande wohnenden Juden (der alte Jischuw), sowohl Sepharden als auch Aschkenasi, waren meist orthodox und recht arm; sie wurden von Glaubensgenossen aus dem Ausland unterstützt. Siedlungszentren waren die vier heiligen Städte Jerusalem, Hebron, Safad und Tiberias. Etwa ein Drittel der Bevölkerung lebte um diese Zeit in Städten. Jerusalem zählte 30.000 Seelen (davon waren die Hälfte Juden), Gaza 19.000, Jaffa 10.000 und Haifa 6.000.
Von der Ankunft der ersten jüdischen Einwanderer in den Achtzigerjahren des 19. Jahrhunderts gingen Impulse für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes aus. In den folgenden Jahrzehnten wanderten – auch deshalb – viele weitere Menschen, Juden wie Araber, in Palästina ein. Ein anderer Grund waren religiöse Motive. Bei den jüdischen Einwanderern handelte es sich nicht unbedingt um Zionisten. Sie kamen nicht überwiegend aus Europa, sondern aus orientalischen Ländern. Hier ist auch zu erwähnen, dass es damals auch viele arabische Juden gab.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts suchten zahlreiche Juden aufgrund des zunehmenden Antisemitismus und Pogromen in Europa eine neue Heimat. Die erste Masseneinwanderung (Alija) von Juden nach Palästina erfolgte um 1882. Diese Einwanderer waren geprägt von Armut, Ausgrenzung, Verfolgung, sowie von politischer und religiöser Unterdrückung in ihren Herkunftsländern. Die größte Einwanderung zu dieser Zeit fand in die Neue Welt statt (1880-1929 rund 2.885.000).
Im Jahre 1897 berief Theodor Herzl den ersten Zionistenkongress in Basel ein und legte damit einen wichtigen Grundstein für die spätere Gründung eines jüdischen Staates. Erst bei der zweiten Einwanderungswelle spielte der Gedanke des Zionismus eine Rolle. Im religiösen und historischen Bewusstsein der Juden (und abgeschwächter Weise im Bewusstsein des Okzidents) war Israel immer das "Heilige Land" geblieben, das mit der Bibel und der Geschichte des jüdischen Volkes verbunden ist. Die Bedürfnisse der arabischen Bevölkerung spielten in dieser Tradition kaum eine Rolle. Führende Zionisten waren sich der Problematik allerdings bewusst und strebten neben einer internationalen Legitimation auch eine Einigung mit den Arabern an. Die Region stand schon zu dieser Zeit, in der noch kolonialistische Denkweisen herrschten, im geopolitischen und strategischen Interesse der Großmächte. Im 19. Jahrhundert engagierten sich europäische Staaten auf der Suche nach Rohstoffen und neuen Absatzmärkten im Nahen Osten.
Nach Angaben der "Jewish Colonization Association" für das Jahr 1903 lebten im Jahre 1898 5200 Juden in Palästina in landwirtschaftlichen Mustersiedlungen (Siehe auch "Altneuland", 1904 Heft 11, Seite 339). Altneuland02.gif 104 (Heft 11, Seite 339; aus 1904), jüdische Einwohnerzahl landwirtschaftlicher Siedlungen im Jahre 1898]]
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts besaßen viele Landbewohner nicht mehr ihren eigenen Grund, sondern bestellten ihn als Pächter. Beinahe alle Großgrundbesitzer (Effendis) waren Stadtpatrizier, einige lebten außerhalb des Landes, viele in Beirut, Damaskus und Paris. Zwischen 1904 und 1914 erfolgte die zweite Alijah. Bereits im Jahre 1909 wird mit Tel Aviv die erste moderne jüdische Stadt gegründet.
Durch den Sieg der Briten im 1. Weltkrieg wurde 1917 die osmanische Herrschaft beendet. Von Ägypten her eroberte General Allenby Südpalästina. Nach der Kapitulation des Osmanischen Reichs besetzten Großbritannien und Frankreich die von ihnen im Sykes-Picot-Abkommen ausgehandelten Gebiete: Frankreich den Libanon und Syrien; Großbritannien Palästina und den Irak. Der Amerikanische Präsident Thomas Woodrow Wilson vertrat die Auffassung, Gebietsgewinne durch den Weltkrieg sollten möglichst verhindert werden. Allerdings war man der Ansicht, die vorher von den unterlegenen Mächten kontrollierten Länder nicht sich selbst überlassen zu können. Die Lösung, die von dem damaligen südafrikanischen Premier Jan Christiaan Smuts vorgeschlagen wurde, war die Einrichtung eines Mandats in diesen Gebieten. Palästina gehörte wie Syrien in die Kategorie A, das heißt die Unabhängigkeit war ein mittleres Ziel, die Staaten wurden als relativ entwickelt angesehen aber noch nicht reif für diesen Schritt. Auf der Völkerbundkonferenz von San Remo 1920 wurde Palästina von den Siegermächten Großbritannien als Mandatsgebiet übertragen. Im Jahre 1922 übertrugt der Völkerbund auf der Friedenskonferenz von Paris Großbritannien das Mandat für Palästina für das Gebiet, das heute gemeinsam von Israel und Jordanien eingenommen wird. Zu den Mandatsbedingungen gehörte, dass die Briten die Verwirklichung der Balfour-Deklaration ermöglichen sollen, in der sie am 2. November 1917 die "Gründung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk" versprochen hatten, deren Grenzen jedoch nicht bestimmt waren. Hierzu wurde die Mandatsmacht aufgefordert, die jüdische Einwanderung zu ermöglichen, diese jüdischen Einwanderer geschlossen anzusiedeln und hierfür auch das ehemalige osmanische Staatsland zu verwenden. Es sollte dabei ausdrücklich dafür Sorge getragen werden, dass "nichts getan werden soll, was die bürgerlichen und die religiösen Rechte bestehender nichtjüdischer Gemeinschaften in Palästina oder die Rechte und die politische Stellung, deren sich die Juden in irgendeinem anderen Lande erfreuen, präjudizieren könnte".
Das nicht eingehaltene Versprechen der arabischen Unabhängigkeit richtet den bisher anti-osmanischen arabischen Nationalismus gegen die Mandatsmächte. Die im Zusammenhang mit der Balfour-Deklaration zunehmende Anzahl jüdischer Einwanderer werden von den Arabern als Helfer der neuen Kolonisatoren aufgefasst.
Das Ziel der arabischen Bevölkerungsmehrheit war ein arabischer Staat im gesamten Gebiet mit eingeschränkter (oder unterbundener) jüdischer Einwanderung. In diesem Staat sollten Juden allenfalls eingeschränkte Rechte (siehe Dhimmi) genießen. Der Landkauf durch Juden sollte unterbunden werden. Diese Position wird im Wesentlichen noch heute von der palästinensischen, islamistischen Hamas vertreten, die PLO gab sie 1993 auf.
Die Ziele der jüdischen Bevölkerungsminderheit waren eine Forcierung der Einwanderung, ein möglichst großer jüdischer Staat und – zu diesem frühen Zeitpunkt – eine Beibehaltung des britischen Mandats. Diese positive Einstellung zur britischen Mandatsmacht änderte sich in den 1930er- und 1940er-Jahren. Zwischen 1924 und 1932 kam es zur vierten Immigrationswelle, von 1933 bis 1939 kam die fünfte, wodurch die jüdische Bevölkerung in Palästina stark wuchs.
Die Araber hofften während des Krieges zu großen Teilen auf einen Sieg Deutschlands. Bekanntestes Beispiel ist der Großmufti von Jerusalem Hadsch Mohammed Amin al-Husseini, der enge Kontakte zum Deutschen Reich pflegte, und nach seiner Flucht aus Palästina (1937) im Jahre 1941 an einem pro-deutschen Putschversuch im Irak beteiligt war. Ab 1941 lebte er als persönlicher Gast Hitlers in Deutschland und war als SS-Mann am Aufbau von moslemischen Hilfstruppen der Wehrmacht und der Waffen-SS in Bosnien beteiligt. Auch in Ägypten gab es pro-deutsche Bestrebungen, die etwa von Anwar as-Sadat unterstützt wurden.
In den letzten Kriegsjahren versuchte Ben Gurion, die Kontakte in die USA zu verbessern, die er als neue Macht im Nahen Osten aufsteigen sah, während bei Chaim Weizmann der Fokus weiterhin auf dem Vereinigten Königreich lag.
In den Jahren 1945 und 1946 häuften sich die Terroranschläge jüdischer Untergrundbewegungen auf britische Einrichtungen in Palästina. Polizeistationen und Militärcamps waren bevorzugte Objekte dieser Angriffe. Aber auch die Dörfer der Templer in Palästina waren immer wieder Ziele für Übergriffe. Die britische Verwaltung konnte diesen Zustand nicht länger dulden. Die Palestine Police plante darum zusammen mit dem britischen Militär eine Operation, die die jüdischen Gruppen schwächen sollte. Darum begann die britische Armee mit massiven Schlägen gegen die jüdischen Untergrundbewegungen. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich 100.000 Mann der britischen Armee in Palästina. Es gab Ausgangssperren in den größeren Städten; das Gebäude der Jewish Agency wurde durchsucht und Akten beschlagnahmt. 4.000 Juden, unter ihnen etwa Mosche Scharet und Jitzchak Rabin, wurden verhaftet. Golda Meir wurde als Frau verschont. Ben Gurion hielt sich gerade in Frankreich auf. Als Antwort darauf planten die drei großen Untergrundorganisationen einen Anschlag auf den Südflügel des King David Hotel in Jerusalem, in dem sich das Hauptquartier des Vereinigten Königreichs befand, auch um die beschlagnahmten Akten zu vernichten. Im letzten Moment zog die Hagana zurück und der Irgun unter Führung des späteren Premierministers Menachem Begin führte die Aktion alleine aus. Obwohl die Briten von ihnen gewarnt wurden und auch eine Nachrichtenagentur sowie die Palestine Post (Jerusalem Post), als auch die Franzosen informiert worden waren, kamen bei dem Anschlag 91 Menschen ums Leben.
Seit Mai 1946 verfolgte Ben Gurion eine neue Strategie, um Druck auf die USA auszuüben. Er förderte nach Pogromen etwa in Polen die Einwanderung von osteuropäischen Juden nach Deutschland, Österreich und Italien, damit diese in den Einflussbereich der Amerikaner kämen und diese damit zum Handeln zwängen. Dies wurde als die Bricha-Bewegung bekannt. Die Hagana begann, osteuropäische Juden schon in Deutschland im Hebräischen zu unterrichten. Im Lande wurden jüdische Siedlungen an strategisch wichtigen Orten eingerichtet. Beispielsweise wurden an Jom Kippur 1946 zehn Siedlungen im Nördlichen Negev gegründet. Gleichzeitig begannen die Vorbereitungen für den Krieg. Man begann militärisch nicht mehr in kleinen Einheiten wie im Widerstand gegen die Mandatsmacht zu denken. Wichtige Organisatoren der Hagana zu dieser Zeit waren Mosche Sneh, Jisrael Galili und Jaakow Dori; Chef der Operationsabteilung der Hagana war Jigael Jadin.
Es ist unter Historikern immer noch umstritten, wer oder was den Rückzug der Briten letztlich bewirkte. Es gab unbestreitbar wichtige britische Interessen in der Region. Die Interessen der Briten in diesem Gebiet lagen insbesondere in der Mittellage zu Indien begründet. Und tatsächlich, als Indien 1947 geteilt und unabhängig wurde, versuchte das Vereinigte Königreich das Mandat erst an die USA dann an den Völkerbund zurückzugeben. Ein wichtiger Punkt waren die Ölreserven der Region - eine Pipeline ging etwa von dem Irak in den wichtigen Hafen Haifas. Die Lage des Landes am Mittelmeer und in relativer Nähe zum Sueskanal war ebenfalls von strategischer Bedeutung. Der britische Generalstab sah die Region deshalb für den Fall eines dritten Weltkrieges als unverzichtbar an. Allerdings waren sich die Briten der Tatsache bewusst, dass sie weder von Juden noch von Arabern im Land gewünscht waren. Sie erkannten, dass zumindest die Juden im Land bereits ein halbstaatliches Gebilde, mit regem kulturellem Leben aufgebaut hatten. Das militärische Engagement war zudem sehr kostspielig, auch kam es zu nicht unerheblichen Verlusten an Menschenleben. Die öffentliche Meinung im Königreich stand dem Mandat, besonders aufgrund der Meldungen über den jüdischen Widerstand, zunehmend ablehnend gegenüber. Hinzu kam der Druck der USA, die die unmenschliche Behandlung der Holocaustflüchtlinge kritisierte. Die Abhängigkeit des Königreiches von amerikanischer Wiederaufbauhilfe in Milliardenhöhe gerade nach dem harten Winter wird deshalb sicherlich eine Rolle gespielt haben.
Die Strategie der Hagana war zu dieser Zeit nur defensiv, Vergeltungsschläge sollten, aus Angst die internationale Unterstützung kurz vor der Staatsgründung nicht zu verlieren, nach Willen der Führer um Ben Gurion nur mit Begrenzung ausgeführt werden.
Am 9. April 1948 kam es allerdings zu einem Massaker in dem palästinensischen Dorf Deir Jassin. Der Ort wurde von Truppen des Irgun Menachem Begins angegriffen, also nicht der Hagana, die der politischen Mitte zuzurechnen war. Zwischen 107 und 120 Palästinenser, darunter Kinder, Frauen und Greise, wurden getötet bzw. ermordet. Die Aktion erfüllte ihren Zweck - Panik unter der arabischen Bevölkerung auszulösen. Bis zum Beginn des eigentlichen so genannten Unabhängigkeitskrieges flohen schon zwischen 250000 und 300000 Palästinenser oder wurden vertrieben.
Waffen konnten nur von der Tschechoslowakei bezogen werden. Der Verkauf begann noch zu vorkommunistischen Zeiten und in der Folge wurden auch von der Tschechoslowakei produzierte deutsche Waffen geliefert, unter anderem auch Messerschmitt-Flugzeuge. Die finanziellen Mittel hierfür wurden nach Spendenkampagnen der Jewish Agency (besonders Golda Meir tat sich hier hervor) vornehmlich von amerikanischen Juden bereitgestellt.
Kurz vor dem Ende des Mandats erlitt die jüdische Diplomatie eine herbe Niederlage, als das Außenministerium der USA eine Sondersitzung der UNO einberief um den Teilungsbeschluss zurückzunehmen bzw. die Teilung zu verschieben. Zuvor gab es bereits massiven Druck auf den Präsidenten. George F. Kennan etwa bezeichnete die Teilung als Katastrophe und auch der republikanische Präsidentschaftskandidat Thomas Dewey lehnte sie ab.
1964 wurde die PLO gegründet mit dem Ziel, den Traum der Palästinenser von einem eigenen Staat zu verwirklichen und den jüdischen Staat Israel zu zerstören. Im Sechstagekrieg 1967 eroberte Israel die von Jordanien und Ägypten besetzten Teile Palästinas. Von nun an war es das Ziel der PLO, die 1967 den Arabern verloren gegangenen Gebiete zurückzuerhalten, und in diesen einen unabhängigen Staat „Palästina“ zu gründen. In mehreren Erklärungen ab 1988 hat die PLO ihr ursprüngliches Ziel, die Zerstörung des Staates Israel und die Errichtung eines Staates "Palästina" auf dem gesamten Territorium des historischen Palästina aufgegeben. Der Verwirklichung eines lebensfähigen Staates im Westjordanland und Gaza, das wären noch 22 % des ursprünglichen Palästina, steht nach Ansicht der Palästinenser die Siedlungspolitik entgegen, die Israel ohne Rücksicht auf vielfachen Protest der UNO und anderer Organisationen durchführt.
Im Jahre 1974 wurde die PLO von der UNO als einzig legitime Vertreterin des palästinensischen Volkes anerkannt. Im Oslo-Abkommen von 1994 wurde den Palästinensern ein Autonomiestatus gewährt. Die international ausgearbeitete Roadmap for Peace sieht als wichtigstes Ziel die Errichtung eines lebensfähigen Palästinenserstaates im Westjordanland sowie im Gazastreifen vor.
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