Die Pferdestärke (engl. horsepower) ist eine veraltete, besonders in der Technik bis Ende 1977 üblich gewesene Einheit der Leistung mit dem Einheitenzeichen PS. An ihrer Stelle soll die SI-Einheit Watt bzw. ein dezimaler Teil oder ein dezimales Vielfaches des Watt verwendet werden.
Obwohl die Pferdestärke in Deutschland seit über 20 Jahren keine gesetzliche Einheit im Messwesen ist, hat sie sich vor allem bei Verbrennungskraftmaschinen, speziell bei Fahrzeugen, im allgemeinen Sprachgebrauch erhalten. Gegenwärtig (2005) darf in der Automobilwerbung PS nur als Zusatzangabe zu kW aufgeführt werden. Ab 2009 ist auch die zusätzliche Aufführung dieser Einheit nicht mehr zulässig.
Ein Kilowatt entspricht 1,359 621 617 PS, also
Die Leistungsangaben von Antriebsmaschinen, speziell bei Fahrzeugmotoren, sind nicht immer vergleichbar, da nach verschiedenen Normen die Bedingungen für die Angabe der Motorleistung unterschiedlich sind. So wird in Deutschland die Leistung angegeben, die der Motor im eingebauten Zustand an das Getriebe abgibt ("DIN-PS"). In den USA wird beispielsweise die Einheit "SAE-PS", in Italien die "Cuna-PS" verwendet. Nach diesen Normen wird die Leistung des Motors ohne den Antrieb bzw. Betrieb von Nebenaggregaten wie Lichtmaschine, Luftfilter, Auspuff usw. angegeben. Der Unterschied kann nicht genau definiert werden, in der Praxis kann von 5–15 % ausgegangen werden. Diese Unterschiede treten auch bei den Leistungsangaben in kW auf, da nicht die Einheit, sondern die Messbedingungen unterschiedlich sind. Zu diesen Messbedingungen zählen auch Luftdruck und Temperatur.
Historisch gesehen wurde als Pferdestärke die durchschnittliche nutzbare Dauerleistung eines Arbeitspferdes verstanden, etwa beim Antrieb einer Mühle. Tatsächlich kann die Leistung eines Pferdes jedoch erheblich abweichen: Ein Pferd etwa beim Galopp oder beim Springreiten kann kurzfristig deutlich mehr, nämlich über 20 PS leisten, während es im Durchschnitt nur etwa 2/3 PS leistet.
1 PS ist definiert als die Leistung, die erbracht wird, wenn eine Masse m = 75 kg auf der Erde (bei Erdbeschleunigung 9,80665 m/s²) mit einer Geschwindigkeit von 1 m/s hochgehoben wird.
Umgerechnet entspricht dieses etwa der Leistung eines Zugpferdes, das mit Schrittgeschwindigkeit (5,4 km/h) einen 500 kg schweren Karren eine 10-prozentige Steigung hochzieht.
| Staat | lokale Fuß·Pfund·G/Sekunde | kpm/s | W |
|---|---|---|---|
| Sachsen | 530 | 75,045 | 735,940 |
| Württemberg | 525 | 75,240 | 737,852 |
| Preußen | 480 | 75,325 | 738,686 |
| Hannover | 516 | 75,361 | 739,039 |
| Österreich | 430 | 76,119 | 746,472 |
Der heute noch in Deutschland gültige Tarif der Kraftfahrzeugsteuer, PKW nach Hubraum zu besteuern, ist historisch entstanden aus dem Versuch, die Höchstleistung der Antriebsmotoren als Besteuerungsmerkmal heranzuziehen: der Hubraum wurde hilfsweise als Maß für die Motorleistung benutzt. Weil man damals Motorleistungen nicht gut messen konnte, half man sich mit ihrer näherungsweisen Berechnung. Diese Berechnungsformel ist für 2-Takter und 4-Takter unterschiedlich; sie enthält im wesentlichen den Hubraum, die damals erreichbaren Höchstdrehzahlen und einen geschätzten mittleren Verbrennungsdruck. Als mit Hilfe verbesserter Konstruktionen deutlich höhere Leistungen erreicht wurden, veränderte man diese Formel unter Berücksichtigung von besonderen Konstruktionsmerkmalen. So gibt es z. B. einen Zuschlag für "obengesteuerte Motoren". Dem technischen Fortschritt folgend, klafften bei modernen Konstruktionen die "Leistung nach Steuer-PS", also die nach der Steuerformel berechnete, und die technisch wirksame Leistung weit auseinander. In der Fahrzeug-Werbung waren damals Doppel-Angaben üblich, z. B. "4/12 PS" mit der Bedeutung: Für 4 Steuer-PS Steuern zahlen und mit 12 PS fahren. Vergleiche die Darstellung unter "Französische CV".
Literatur hierzu: Wiscott, Carl Theodor: Die Besteuerung der Kraftfahrzeuge und Kraftstoffe. Zur Schaffung eines zeitgemäßen Straßennetzes. Berlin: VDI, 1928 (Dissertation TH Braunschweig).
Die englische Pferdestärke hat das Einheitenzeichen hp (manchmal auch bhp für brake horsepower (Leistung an der Bremse)) und basiert auf den englischen Einheiten Pfund (lbf.) und Fuß (ft.). Sie wird pro Minute definiert:
Die Umrechnung beträgt
In Europa wird zur Korrektur der Motorleistung die EU-Richtlinie 80/1269 angewandt.
Die Bezugszustände der europäischen Richtlinie und der SAE-Richtlinie unterscheiden sich nicht. Der SAE-Korrekturfaktor beinhaltet allerdings einen Wirkungsgrad-Korrekturwert, so dass sich geringfügige Unterschiede der Leistungswerte ergeben.
Eine DIN-Korrektur nach Richtlinie 70020 wird nicht mehr durchgeführt.
Siehe auch: Technik/Themenliste Fahrzeugtechnik
Alte Maße und Gewichte | Leistung (Physik) | Motorradtechnik
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