Als Oasenkultur (auch Oxus-Kultur oder Oxus-Zivilisation, nach dem antiken Namen des Amudarja) wird eine bronzezeitliche Kultur in der Wüste Karakum im heutigen Turkmenistan und Teilen Afghanistans bezeichnet. Sie existierte vermutlich zwischen 2200 und 1700 v. Chr. in etwa zeitgleich mit der Indus-Kultur, dem Reich Elam in Mesopotamien und dem Mittleren Reich in Ägypten. Das Verschwinden der Kultur ist nicht genau erklärt, wurde aber vermutliche durch klimatische Veränderungen verursacht, die eine Landflucht zur Folge hatten.
Die Oasenkultur zeigt ein für diese Region und vor allem für diese Zeit (spätes 3., frühes 2. Jahrtausend v. Chr.) außergewöhnlich hohes Niveau an Töpferware und Metallverarbeitung. Massive Steinarbeiten sind ebenso zu finden wie fein gearbeitete Skulpturen, deren Stil in keiner anderen Kultur zu finden ist. Die (zum Teil monumentalen) Gebäude sind nach Plan errichtet worden, und lassen somit auf mathematisches, geometrisches und astronomisches Wissen schließen.
Die Menschen der Oasenkultur domestizierten Schafe und Ziegen. Als Reittiere nahmen sie keine Pferde, aber Esel und vor allem Kamele, fast tausend Jahre bevor diese in Arabien domestiziert wurden. Durch ausgeklügelte Anlagen wurden Felder bewässert, auf denen Gerste, Weizen und Hülsenfrüchte angebaut wurden. Allgemein wird angenommen, dass die Karakum die fünfte Wiege der Zivilisation in der Alten Welt ist, neben Mesopotamien, Ägypten, Indien und China.
Erst in den 1970er Jahren wurde die untergegangene Oasenkultur von dem russischen Archäologen Wiktor Iwanowitsch Sarianidi entdeckt, in einem Gebiet das von ihm Bactria-Margiana Archaeological Complex (BMAC, nach den antiken Bezeichnungen für die Regionen, Baktrien und Margiana) genannt wurde. Sarianidi widmete der Erforschung jener Kultur Jahrzehnte seines Lebens. Seit ein paar Jahren gräbt der italienische Ärchäologe Gabriele Rossi-Osmida unter anderem in Adji Kui nach neuen Erkenntnissen über die Oasenkultur.
2001 fand man Hinweise, dass die Oasenkultur eine eigene Schrift entwickelt hatte. Diese entstand etwa 2300 v. Chr., zwar später als die Schrift in Ägypten und Mesopotamien, aber weit früher als in China. Strittig ist allerdings, ob es sich wirklich um eine Schrift oder bloß um Piktogramme handelt.
Viele Wissenschaftler sind der Meinung, dass es einen Zusammenhang zwischen der Oxus-Kultur und der Urheimat der als Indoiraner bezeichneten Völker bzw. ihnen benachbarten Völkern gibt. So sagt James P. Mallory in der "Encyclopedia of Indo-European Culture" 73:
Ausgegrabene Ruinen haben verblüffende Ähnlichkeiten mit Komplexen, die in der Rig Veda beschrieben sind, und es scheint auch z.T. Belege für den Soma-Kult zu geben.
Zentralasiatische Geschichte | Bronzezeit
Бактрийско-маргиански археологически комплекс | Bactria-Margiana Archaeological Complex | Complejo Arqueológico Bactria-Margiana | Complexe archéologique bactro-margien | 박트리아 마르기아나
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