Otto Habsburg 001.jpg Otto von Habsburg (* 20. November 1912 in der Villa Wartholz bei Reichenau an der Rax, Niederösterreich, als Franz Joseph Otto Robert Maria Anton Karl Max Heinrich Sixtus Xaver Felix Renatus Ludwig Gaetan Pius Ignatius von Österreich, Kronprinz von Österreich und Ungarn, offizieller Name in Österreich seit 1919 (bestätigt 1957) als Otto Habsburg-LothringenSiehe http://www.kfunigraz.ac.at/sozwww/agsoe/soz/oes/oes_h.htm) ist ein deutschösterreichischer Publizist, EU-Abgeordneter und CSU-Mitglied, Journalist und Schriftsteller. Als ehemaliger Kronprinz der Kaisermonarchie Österreich-Ungarn ist er seit 1922 auch Chef des Hauses Habsburg. Er besitzt die Staatsbürgerschaften der Bundesrepublik Deutschland, Österreichs, Ungarns und Kroatiens.
Von 1919 bis 1921 lebte Otto von Habsburg mit seinen Eltern im Exil in der Schweiz, später auf Madeira und in Spanien. Seine Ausbildung stand unter strenger Aufsicht seiner Mutter, welche ihn zu einem katholischen Monarchen zu erziehen versuchte. So wurde er in den Sprachen der Völker der K.u.k.-Monarchie unterrichtet und musste den alt-österreichischen und alt-ungarischen Stundenplan eines Gymnasiums nebeneinander absolvieren. Seine Reifeprüfung (Matura) absolvierte er 1930 in Lequeitio (Baskenland) mit Auszeichnung. Die Großjährigkeitserklärung und damit das Ende der Vormundschaft seiner Mutter Zita erfolgte am 20. November 1930. Damit wurde Otto Oberhaupt der Adelsfamilie Habsburg und Souverän des Ordens vom Goldenen Vlies. 1935 schloss er das Studium der politischen und sozialen Wissenschaften an der Universität Löwen (Belgien) mit Auszeichnung ab. Die Einreise in das ”deutsche Restösterreich” war ihm durch das Habsburgergesetz von 1919 untersagt.
OvH.jpg Vor allem ab ungefähr 1930 gab es in der 1. Republik Österreich ernsthafte Bestrebungen - so auch von Engelbert Dollfuß und dem ausgewiesenen Legitimisten Kurt Schuschnigg - die Monarchie wieder herzustellen und den Kronprinzen Otto von Habsburg als konstitutionellen Monarchen einzusetzen in der Hoffnung, damit die politischen Grabenkämpfe überwinden zu können, aber auch um in Rückbesinnung auf die k.u.k. Monarchie ein stärkeres "deutsches Österreichbewusstsein" seiner Bürger zu schaffen. Damit versuchte man sich auch den starken Anschlussbestrebungen der deutschen Bevölkerung Österreichs an das Deutsche Reich zu widersetzen. Im Gegensatz zur Christlich-Sozialen Partei waren die Kommunisten (Sozialistische Partei) und politisch Linken anti-Habsburgisch eingestellt.
Parallel dazu entstanden seit etwa 1922 zahlreiche kleinere traditionalistische Vereinigungen (z.B. "Ottonen"), die ebenfalls eine konstitutionelle Monarchie mit Otto Habsburg und ein Mehrparteiensystem anstrebten. Bis 1938 wurde dem fürstlichen Emigranten in 1.603 österreichischen Gemeinden die Ehrenbürgerschaft verliehen. Erster Ehrenbürger wurde er in der Gemeinde Ampass in Tirol am 7. Dezember 1931. Noch am 11. Februar 1938, kurze Zeit vor dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich, gab es monarchistische Massenveranstaltungen mit etwa 80.000 Teilnehmern in Wien und den Landeshauptstädten.
Von Seiten Hitlers, der im Deutschen Reich an die Macht gekommen war, Ungarns und der Tschechoslowakei wurden diese Selbständigkeitsbestrebungen der Austrofaschisten mit Einmarschplänen beantwortet und die österreichische Regierung begnügte sich vorerst mit inoffiziellen Kontakten, der Rückstufung der Habsburgergesetze vom Verfassungsrang in den einfachen Gesetzesrang, der Rückgabe von enteignetem Vermögen und der zeitweisen Auszahlung einer Apanage. Im Zuge der Rückbesinnung auf das k.u.k. Erbe wurde auch der Doppeladler im Staatswappen wieder eingeführt und beim österreichischen Bundesheer die monarchische Tradition betont. Otto von Habsburg wurde allerdings mehrfach von Bundeskanzler Schuschnigg ersucht, nicht in Österreich einzureisen, um damit anderen Staaten keinen Angriffsgrund zu geben. Ähnliche monarchische - aber nicht regierungsgelenkte - Bestrebungen gab es in Ungarn, wo Miklós Horthy als Reichsverweser regierte und Otto von Habsburg seinem Vater nachfolgend nominell noch bis 1946 König war. In Ungarn wurde die Republik erst am 2. Februar 1946 ausgerufen, denn Ungarn war vom 16. November 1918 (Proklamation der Republik) bis zum 23. März 1920 (Proklamation Ungarns als Monarchie mit vakantem Thron durch Horthy) Königreich.
Als Adolf Hitler versuchte Otto von Habsburg, unter Vorspielung vermeintlicher Unterstützung der monarchischen Idee, in seine Bewegung einzubeziehen und ihn für seine Zwecke zu missbrauchen lehnte dieser das Ansinnen allerdings strikt ab. Habsburg war als Verfechter der alten monarchischen Herrschaftsordnung und als konservativ-christlicher Europäer ein Gegner Hitlers und des Anschlusses Österreichs an das Deutsche Reich. In späteren Jahren erst setzte er sich für die Einigung Europas ein, aber bereits 1936 wurde er Mitglied der Paneuropa-Union (PEU).
Nach dem Zweiten Weltkrieg 1946 begann Otto von Habsburg eine Tätigkeit als Vortragsreisender bzw. wurde Schriftsteller.
Otto von Habsburg ist Oberhaupt der Familie Habsburg-Lothringen, Mitglied der Mont Pèlerin Society, und er war bis zur Übergabe an seinen Sohn Karl im Jahr 2000 Souverän des Ordens vom Goldenen Vlies.
Als Staatsbürger der neu gegründeten Republik Deutschösterreich, respektive Ersten Republik Österreich („das deutsche Restösterreich”)- das nach der Auflösung der Donaumonarchie am Ende des 1. Weltkrieges entstanden war - fiel er 1919 unter das neue von der republikanischen Regierung erlassene "Adelsaufhebungsgesetz", durch das sein bisheriger Adelsname in Österreich verbürgerlicht wurde und er sich nach einer ministeriellen Entscheidung aus dem Jahr 1957 bis heute in Österreich nur noch als Otto Habsburg-Lothringen benennen darf.
1951 heiratete er in Nancy Regina Prinzessin von Sachsen-Meiningen (* 1925). Mit ihr hat er sieben Kinder und 22 Enkelkinder:
Seit 1982 ist Habsburg Mitglied der CSU. Er hat keine Parteiämter übernommen.
Von 1979 bis 1999 war er, nachdem er neben der österreichischen Staatsbürgerschaft auch die bundesdeutsche Staatsbürgerschaft angenommen hatte, für die bayerische CSU Mitglied des Europäischen Parlaments und zweimal dessen Alterspräsident. So war er Obmann der Europäischen Volkspartei im Politischen Ausschuss von 1981 bis 1999, Vorsitzender der Delegation im Gemischten Parlamentarischen Ausschuss EU - Ungarn, Mitglied im Politischen Ausschuss für Recht und Bürgerrechte und Stellvertretendes Mitglied im Entwicklungsausschuss und im Ausschuss für Haushaltskontrolle.
Otto von Habsburg spricht Deutsch, Ungarisch, Kroatisch, Englisch, Spanisch, Französisch und Latein. Durch seine Sprachkenntnisse konnte er hier die Sitzungen fast immer ohne Dolmetscher bestreiten, mit einem italienischen Professor und einem Mitglied der Fraktion der Grünen führte er im Parlament sogar Stegreif-Debatten auf Latein, die mangels Dolmetscher aber nicht protokolliert werden konnten. Auch seine Bücher schrieb er in deutscher, ungarischer und französischer Sprache.
1979 initiierte Otto von Habsburg gegen großen Widerstand jene Resolution, welche durch einen leeren Stuhl im Europäischen Parlament medienwirksam auf die Völker hinter dem Eisernen Vorhang aufmerksam machte.
Aufgrund der entschiedenen Gegnerschaft Habsburgs zum Nationalsozialismus und weil zeitweilig vom Deutschen Reich eine Habsburg-Restauration in Österreich durch das austrofaschistische Regime Schuschniggs befürchtet wurde, liefen die Vorbereitungen des Diktators Hitler zum Anschluss seiner österreichischen Heimat an das Deutsche Reich unter dem Decknamen Operation Otto.
Kurz bevor Hitler die Wehrmacht in Österreich einmarschieren ließ, ersuchte Otto Habsburg den damaligen Bundeskanzler Schuschnigg, ihm die Kanzlerschaft der Republik zu übertragen, um militärischen Widerstand zu organisieren und zu leisten. In seinem Schreiben vom 17. Februar 1938 an Schuschnigg forderte Habsburg neben einer aktiven Verteidigung und strikten Ablehnung des Nationalsozialismus weiters „Vorerst muss die Befriedung nach links aktiv betrieben werden. Die Arbeiter haben in den letzten Tagen bewiesen, dass sie Patrioten sind. Diese Gruppe kann durch den Nationalsozialismus nicht vergiftet werden, wird daher stets am sichersten für Österreich eintreten, wogegen die Regierung ihr die Möglichkeit geben muss, an der Gestaltung des Vaterlandes - für welches sie sich einzusetzen bereit ist - aktiv mitzuwirken.“ Schuschnigg lehnte jedoch ab.
Als die nationalsozialistische Ära begann wurde Otto von Habsburg steckbrieflich wegen Hochverrats zur Fahndung ausgeschrieben und sein persönliches Vermögen und das von ihm verwaltete Familienvermögen der Familie Habsburg auf persönlichen Befehl von Hitler enteignet. Die Spitzen der legitimistischen Bewegung wurden sofort verhaftet und großteils hingerichtet. Zwischen 1938 und 1942 dürften 4000 bis 4500 österreichische Monarchisten verhaftet worden sein; etwa 800 bis 1000 von ihnen wurden hingerichtet oder in Konzentrationslagern umgebracht. Otto von Habsburg, seiner Mutter und Geschwistern auf persönlichen Befehl von Hitler die deutsche Reichsbürgerschaft entzogen. Das enteignete Vermögen fiel an das Großdeutsche Reich und wurde nach dessen Untergang nach dem Krieg von der neuen 2. Republik Österreich übernommen.
Nach der Flucht aus Belgien - nach dem Einmarsch der Wehrmacht, über Paris nach Spanien (Otto von Habsburgs Name befand sich auf der "Wiesbadener Liste", einer Liste jener Personen, die Frankreich im Falle der Kapitulation sofort zu verhaften und an das Deutsche Reich auszuliefern hatte), wirkte er bei der Flucht von ca. 15.000 Menschen nach Spanien mit und organisierte Visa nach Übersee.
In den USA und Großbritannien versuchte er neben seinen intensiven persönlichen Kontakten zu Präsident Franklin Roosevelt bzw. Sir Winston Churchill durch diverse Maßnahmen (Initiierung des "Austrian Day", Aufnahme Österreichs in die Briefmarkenserie "Occupied Nations", Versuch der Bildung einer Exilregierung und eines "Austrian Batallion" (beides scheiterte am mangelnden Willen der Sozialisten mit Otto Habsburg zu kooperieren), Teilnahme an der 2. Konferenz von Quebec, etc.) die (nicht selbstverständliche) staatliche Eigenständigkeit Österreichs nach dem Krieg zu erreichen, die Zonenplanung der Alliierten im Nachkriegsösterreich zugunsten der Westmächte zu verändern bzw. Ungarn aus der Allianz mit „Hitlerdeutschland” herauszubrechen. Hinsichtlich Ungarns wurden die westalliierten Pläne einer ungarischen Kapitulation gegenüber den Westmächten, einer Luftlandung alliierter Truppen in Ungarn bzw. Landung in Jugoslawien zur Unterstützung und einer beabsichtigten Einsetzung Otto von Habsburgs im Rahmen bzw. an der Spitze der ungarischen Regierung durch die dem zuvorkommende überraschende deutsche Besetzung Ungarns zunichte gemacht. Gerade Churchill war ein Verfechter dieser Pläne, um dem bevorstehenden Vormarsch der Sowjets nach Mitteleuropa Einhalt zu gebieten.
Eine weitere realistische Restaurationsmöglichkeit für Otto von Habsburg bestand während des Zweiten Weltkrieges, indem er Winston Churchill für das Konzept einer Donauföderation gewann bzw. Otto von Habsburg in Plänen der britischen Diplomatie für solche Überlegungen geführt wurde: Auf dem vormaligen Gebiet Österreichs und Ungarns sollte nach seinen Vorstellungen ein neuer Staat "Österreich-Ungarn" nach dem Vorbild der Verfassung Belgiens entstehen, das ebenfalls zwei große Bevölkerungsgruppen vereinigte, während die Länder Bayern, Baden, Württemberg und Hohenzollern-Sigmaringen ebenfalls als Monarchien wiederhergestellt werden und in einem so genannten ”Süddeutschen Bund” vereinigt werden sollten. Es gab von Churchill auch einen Vorschlag zur Isolierung Preußens und zur Schaffung eines erweiterten Donaubundes.
Churchill wollte als Gegengewicht zum Deutschen Reich eine modernisierte Auflage des alten Österreich-Ungarn schaffen, wobei er hinsichtlich letzterem meinte: "Wenn es nicht existierte, müsste man es erfinden". Churchills diesbezügliche Konzepte scheiterten jedoch an der Ablehnung durch Franklin D. Roosevelt und vor allem Josef Stalin auf der Konferenz von Teheran.
Durch persönliche Kontakte zum "Bomb Target Command" erreichte Otto von Habsburg bis Mitte 1943 eine Verschiebung bzw. Unterlassung der Luftangriffe auf die „Alpen- und Donaureichsgaue“.
1940 bis 1944 lebte Habsburg in den USA, 1944 bis 1951 hauptsächlich in Frankreich, später wieder in Spanien und seit 1954 in Pöcking in Bayern.
Das wiedergegründete Österreich wies den nach Kriegsende nach Innsbruck (französische Zone) eingereisten Otto von Habsburg 1946 aus dem Land und untersagte ihm die Wiedereinreise - trotz seines positiven Eintretens für Österreich während des Krieges. Dies geschah einerseits aus verfassungsrechtlichen Gründen, da 1945 die gesamte österreichische Verfassung aus dem Jahr 1929 wieder inkraftgesetzt worden war und damit automatisch das Habsburgergesetz von 1919, das einen Landesverweis für Mitglieder des Hauses Habsburg vorsah, die nicht ausdrücklich auf die Mitgliedschaft im Haus Habsburg und ihre Herrschaftsansprüche in Österreich verzichteten und sich als getreue Staatsbürger der Republik bekannten. Aus realpolitischen Gründen erfolgte die für Otto Habsburg bittere Ausweisung trotz Widerstand der Franzosen wohl zur Besänftigung der Sowjets, welche 1955 zur Zustimmung zum österreichischen Staatsvertrag auch die völkerrechtliche Verankerung der Geltung der Habsburgergesetze verlangten. Wahrscheinlich fürchtete die UdSSR eine allfällige von Österreich und Otto Habsburg ausgehende Habsburgerrenaissance in ihrer Einflusssphäre.
Hinsichlich des Habsburgergesetzes von 1919 ist zu ergänzen, dass die Republik Österreich zu dessen Aufrechterhaltung nach 1945 bei internationalen Übereinkommen wie bei der Ratifizierung der Europäischen Menschenrechtskonvention, der Durchführung des internationalen Übereinkommens zur Beseitigung aller Formen rassischer Diskriminierung (öst. BGBl. 1973/390) und dergleichen Vorbehalte gemacht hat und daher das Habsburgergesetz weiter bestehen und anwendbar bleibt. Ob diese auch hinsichtlich der im "Dritten Reich" erfolgten Enteignungen anwendbar sind ist unklar und diesbezüglich steht eine in die Sache gehende Entscheidung des österreichischen Verfassungsgerichtshofes aus (vgl. Bericht der Historikerkommission - Univ. Prof. Dr. Graf). Auch ist zu erwähnen, dass in der Republik Österreich gemäß seiner Bundesverfassung Mitglieder regierender Häuser oder solcher Familien, die ehemals regiert haben von der Wählbarkeit zum Bundespräsidenten ausdrücklich ausgeschlossen sind (Art. 60 Abs. 3 B-VG) und die Aufhebung dieser Passage im Hinblick auf Otto Habsburg schon öfters Gegenstand politischer Polemik war.
In der Zeit nach seiner Ausweisung 1946 behielt Otto Habsburg seine österreichische Staatsbürgerschaft. Da er keinen gültigen Reisepass hatte, erhielt er über Vermittlung von Charles de Gaulle einen monegassischen Reisepass, bzw. einen Pass des Malteserordens. Später erhielt er weiters einen spanischen Diplomatenpass.
1957 bis 1973 war er Vizepräsident, 1973 bis 2004 war er als Nachfolger des Gründers Richard Nikolaus Graf von Coudenhove-Kalergi Präsident der internationalen Paneuropa-Union; seit 2004 ist er deren Ehrenpräsident.
1961 erklärte er nach langwierigen Verhandlungen mit der österreichischen Bundesregierung den Verzicht auf sämtliche Erbfolgeansprüche und sonstige Vorrechte seines Hauses. Über die rechtliche Bewertung dieser Erklärung entstand in der Bundesregierung ein Streit bzw. eine Koalitionskrise, da die Sozialistische Partei die Ernsthaftigkeit der Erklärung in Frage stellte. Erst seit 1966 darf er wieder nach Österreich einreisen, da der österreichische Verwaltungsgerichtshof die Rechtmäßigkeit und die Einreise erlaubte. Bis dahin verwehrte der sozialistische Innenminister Franz Olah die Einreise Otto Habsburgs und die österreichische Polizei rückte mehrmals zur Verhaftung des vermeintlich in Österreich eingereisten "Staatsfeindes" aus. Die österreichische Linke sprach hinsichtlich der VwGH-Entscheidung von einem Juristenputsch und organisierte in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Gewerkschaftsbund die heute infolge Peinlichkeit verdrängten Anti-Habsburg-Demonstrationen.
Immer wieder wurde Otto von Habsburg innerösterreichisch die Verfassung eines Briefes an den amerikanischen Präsidenten Truman vorgeworfen, in dem er im Sommer 1945 diesen vor einer vorschnellen Anerkennung der Regierung Renner zu warnen versuchte. Der Verlauf der Geschichte hinsichtlich Österreichs hat Habsburg diesbezüglich nicht recht gegeben, doch der Blick auf die Geschichte der östlichen Nachbarländer Österreichs zeigt, dass Vorsicht angebracht war, insbesondere weil die Regierung Renner von der UdSSR einseitig eingesetzt war und die UdSSR laut neueren Quellen auch an eine "Volksdemokratisierung" Österreichs dachte. Auch war Renner, obwohl er rückblickend die Republik Österreich geschickt durch die Wirren nach 1918 und nach 1945 schiffte, durch sein "Ja" zum Anschluss von 1938 und einen Brief an Stalin im Frühjahr 1945 diskreditiert.
Die erste Einreise in Österreich seit 1919 erfolgte am 31. Oktober 1966. Hinsichtlich der Restituierung von enteignetem Habsburgervermögen, aber vor allem hinsichtlich der Bewertung des Habsburgergesetzes in Bezug auf die Verzichtserklärung gab es bis 1966 diverse heftige Regierungskrisen zwischen der Volkspartei und der Sozialistischen Partei (heute: Sozialdemokraten). Erst nach persönlichen Kontakten und einem offiziellen Handschlag zwischen Otto Habsburg und Bundeskanzler Bruno Kreisky 1972 anlässlich eines Paneuropakongresses entspannte sich das Verhältnis zwischen der österreichischen Sozialdemokratie und der Familie Habsburg.
1961 gab es von Seiten des spanischen Diktators und Staatschefs Franco Überlegungen, zur Veranlassung des geordneten Übertrittes Spaniens zur Demokratie nach seinem Tod Otto von Habsburg als König einzusetzen, da die Habsburger das Land fast 200 Jahre lang regiert hatten. Gemäß den vorliegenden Quellen hat dies Otto von Habsburg nach langen Gesprächen mit Franco wegen der langen Abwesenheit der Habsburger Dynastie aus Spanien abgelehnt und Franco die Einsetzung des nunmehrigen Königs Juan Carlos I., des Enkels von Alfons XIII. aus der Dynastie der Bourbonen, empfohlen.
Am 13. Juli 1988 reiste Otto Habsburg erstmalig seit 1918 unter großem Jubel der Bevölkerung in das noch kommunistische Ungarn nach Budapest.
Am 19. August 1989 war er Mitinitiator und Schirmherr des Paneuropäischen Picknicks, bei dem an der ungarisch-österreichischen Grenze erstmals für drei Stunden der Eiserne Vorhang zunächst symbolisch geöffnet wurde, was 661 DDR-Bürger zur Flucht in den freien Westen nutzten und als Schlüsselereignis den friedlichen Fall des Eisernen Vorhanges mitbewirkte.
Sein erster Besuch in Sarajevo erfolgte am 5. April 1997.
Heute lebt Otto von Habsburg in seiner "Villa Austria" in Pöcking am Starnberger See (Deutschland) und arbeitet dort als Publizist. Zudem ist er trotz seines hohen Alters viel auf Reisen durch Europa.
Neben zahlreichen inner- und außereuropäischen Auszeichnungen, Ehrenbürgerschaften und Ehrendoktoraten ehrten ihn zahlreiche europäische Staatsoberhäupter bzw. Regierungschefs in einem großen Festakt in der Wiener Hofburg zu seinem 90. Geburtstag für sein Lebenswerk für Europa, gegen den Nationalsozialismus und den Kommunismus. Bei dieser Veranstaltung erwähnte der ehemalige französische Staatspräsident und spätere Präsident des Europäischen Konvents, Valéry Giscard d’Estaing, die heute in Österreich weitgehend in Vergessenheit geratene bzw. infolge des historisch belasteten Verhältnisses der Republik Österreich zur Familie Habsburg unbeachtete Tatsache, dass Otto von Habsburg durch verschiedene Interventionen der heimischen Bevölkerung die Qualen des Bombardements im Zweiten Weltkrieg zu ersparen versuchte.
Als Oberhaupt der Familie Habsburg-Lothringen war er von 1922 bis 2002 auch Oberster Bandinhaber des Akademischen Bundes der Katholisch-Österreichischen Landsmannschaften. Dieses Amt übergab er zu seinem 90. Geburtstag in einem feierlichen Akt in der Wiener Augustinerkirche an seinen Sohn und präsumtiven Erben Karl.
2005 wurde Otto von Habsburg mehrfach in den österreichischen Medien genannt, nachdem eine internationale Schiedskommission ihre Zuständigkeit aus verfassungsrechtlichen (Habsburgergesetz) und völkerrechtlichen (Staatsvertrag) Gründen zurückwies hinsichtlich der Rückgabe von vom nationalsozialistischen Deutschland enteigneten und von der Republik Österreich übernommenen Habsburgervermögen zu entscheiden, da das die Kommission ermächtigende Gesetz nicht, wie das Habsburgergesetz bzw. der Staatsvertrag, in Verfassungsrang steht.
Während international seine Leistungen umfassend gewürdigt werden, pendelt lokal-innerösterreichisch die Diskussion je nach Weltanschaung hinsichtlich seiner Historie bzw. Leistungen zwischen Ablehnung als rechtskonservativer Abkömmling von Weltkriegverursachern und monarchischem Heilsbringer. Innerösterreichisch ist diesbezüglich ("die Linke im Habsburgerkannibalismus kontra Christlich-Sozial im nie Verwinden der Ausrufung der Republik") seit 1918 in der Literatur keine einheitliche objektive Darstellung möglich. Dies auch weil in diese Diskussion oft staatsrechtliche Fragen (Republik, konstitutionelle Monarchie, absolute Monarchie, Demokratie, etc.) einfließen und diese je nach Weltanschung auch innereuropäisch verschieden gelöst werden.
Mann | Deutscher | Österreicher | Haus Habsburg-Lothringen | Korporierter im CV | Korporierter im KÖL | Geboren 1912 | Politiker (Europa) | MdEP für Deutschland | CSU-Mitglied | Erzherzog | historische Thronfolger | Träger des Bundesverdienstkreuzes
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