Otto John (* 19. März 1909 in Marburg; † 26. März 1997 in Innsbruck) war von 1950 bis 1954 der erste Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz in der Bundesrepublik Deutschland. Sein Aufenthalt in der DDR im Juli 1954 war einer der größten politischen Skandale der Nachkriegszeit und eine der schwerwiegendsten Geheimdienstaffären in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.
John wuchs in Wiesbaden auf und studierte in Frankfurt und Berlin Jura. Er promovierte 1934. Ab 1936 war er bei der Lufthansa tätig, sein Vorgesetzter in der Rechtsabteilung war Klaus Bonhoeffer, der Bruder des Theologen Dietrich Bonhoeffer. Durch Klaus Bonhoeffer bekam John noch vor dem Krieg Kontakt zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Am Putschversuch des 20. Juli 1944 war er im Berliner Bendlerblock beteiligt. Nach dem Scheitern des Attentats floh John über Portugal nach Großbritannien und arbeitete für die Briten unter Sefton Delmer beim Propagandasender "Soldatensender Calais". Nach Kriegsende war John Zeuge der Anklage bei den Nürnberger Prozessen.
1950 wurde er Präsident des neu gegründeten Bundesamts für Verfassungsschutz in Köln; vor allem durch britische Unterstützung und gegen den Willen von Kanzler Adenauer.
Mit seiner Ernennung zum Präsidenten des Bundesamts für Verfassungsschutz im Jahr 1950 war Otto John eine der wenigen Personen aus den Reihen der Widerständler und Emigranten, die eine hohe Position in der jungen Bundesrepublik erlangen konnten. Auf der anderen Seite waren zahlreiche Funktionsträger aus der Zeit des Nationalsozialismus wieder in Amt und Würden, so war 1953 Hans Globke Staatsminister im Bundeskanzleramt von Konrad Adenauer geworden.
Im Jahr 1954 kam es - wie viele meinen im Zusammenhang mit der Wiederbewaffnung - erstmals zu einer öffentlichen Ehrung der Attentäter des 20. Juli 1944 durch die Bundesregierung.
Am 20. Juli 1954 nahm John an einer Gedenkfeier für die Widerständler im Bendlerblock teil. Am Abend des gleichen Tages fuhr Wolfgang Wohlgemuth, ein Freund, der - vermutlich ohne Johns Wissen - für den sowjetischen Geheimdienst KGB arbeitete, mit ihm in den Ostsektor. Es ist bis heute nicht gänzlich klar, ob es sich dabei um eine Entführung handelte - wie zunächst von Bundesinnenminister Gerhard Schröder und später von John selbst behauptet - oder ob er freiwillig "die Seiten gewechselt" hatte, wie am 23. Juli in Radio DDR und auf einer Pressekonferenz am 11. August erklärt.
Bei diesen und späteren Auftritten, während seines Aufenthalts in der DDR, begründete er sein Überwechseln mit Kritik an Bundeskanzler Adenauer, dessen Politik der Remilitarisierung und Westbindung das Ziel der deutschen Einheit gefährde:
John wurde von KGB-Offizieren Ende August bis Mitte Dezember 1954 in Moskau verhört. Kopien der Protokolle dieser Verhöre wurden damals dem Staatssicherheitsdienst (MfS, Stasi) der DDR überlassen. Nachdem er vier Monate lang in Moskau verhört worden war, stellte ihm die DDR zwei komfortable Wohnungen und ein Büro und John nahm - ständig unter Bewachung - eine Propagandatätigkeit auf, während der er in vielen Vorträgen und Veröffentlichungen die erwähnten Vorwürfe gegen die BRD wiederholte.
Aufgrund der inzwischen vorliegenden Akten des Staatssicherheitsdienstes, die 1999 in den Vierteljahrsheften für Zeitgeschichte vorgestellt und kommentiert (Der Fall Otto John) wurden, weiß man heute mit ziemlicher Sicherheit, daß John Dienstgeheimnisse und Amtsinterna preisgegeben hat.
Am 12. Dezember 1955 setzte sich John mit Hilfe des dänischen Journalisten Henrik Bonde-Henriksen wieder von Ost- nach West-Berlin ab. In der Bundesrepublik wurde er wegen Landesverrats angeklagt - was ihn anscheinend überraschte - und vom Dritten Senat des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe am 22. Dezember 1956 zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt, die er nahezu vollständig absitzen musste.
Nach seiner Freilassung bemühte sich John bis an sein Lebensende vergeblich um seine Rehabilitierung. Prominente Politiker wie Herbert Wehner, Willy Brandt und Franz Josef Strauß setzten sich für eine Wiederaufnahme des Prozesses ein. Sein früherer Chef beim Soldatensender Calais, Sefton Delmer, widmete John im 1962 erschienenen zweiten Teil seiner Memoiren Die Deutschen und ich in distanzloser Weise zwei Kapitel (60 und 62), in denen er allein aufgrund der John´schen Darstellungen versuchte, diesen als Märtyrer zu präsentieren, der als Überlebender des Widerstandes gegen Hitler bei den tonangebenden Politikern und Beamten jener Zeit zum "Prügelknaben" und "ersten Opfer des Vierten Reichs" geworden sei.
Der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker gewährte ihm 1986 eine Sonderrente („Gnadenunterhaltsbeitrag”) von 4.200 DM monatlich, „um mit den bescheidenen Mitteln, die meinem Amt zur Verfügung stehen, einen Schlußstrich zu ziehen”.
Der Politikwissenschaftler Hartmut Jäckel kommt in seinem Artikel in der Zeit aufgrund der inzwischen vorliegenden Unterlagen aus den Stasi-Beständen zu folgendem Schluss:
Mann | Deutscher | 20. Juli 1944 | Verfassungsschutz (Person) | Geboren 1909 | Gestorben 1997
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