Otto II. (* 955; † 7. Dezember 983 in Rom) aus dem Herrscherhaus der Ottonen war Herzog von Sachsen und Kaiser des Römischen Reiches von 973 bis 983.
Er war der Sohn Kaiser Ottos I. und seiner dritten Frau Adelheid von Burgund.
Am 25. Dezember 967 wurde Otto von Papst Johannes XIII. in Rom in Anwesenheit seines Vaters zum Mitkaiser gekrönt. Damit hatte Otto I. seine Nachfolge endgültig geregelt. Während dieser Italienfahrt verschärften sich die Konflikte zwischen Otto I. und dem byzantinischen Kaiser um die Vorherrschaft in Italien. 968 bis 970 führten beide Reiche in Apulien Krieg gegeneinander. Allerdings tauschten sie gleichzeitig Gesandtschaften aus, von Ottos I. Seite mit dem Ziel, eine byzantinische Prinzessin als Gattin für seinen Sohn zu erhalten. Kaiser Nikephoros II. verlangte als Gegenleistung für eine Prinzessin die Abtretung Roms und Ravennas an Byzanz; für Otto I. eine unannehmbare Forderung. Ein gewaltsamer Thronwechsel in Byzanz brachte politische Entspannung. Im Herbst 971 sandte Otto Erzbischof Gero von Köln nach Byzanz. Der neue oströmische Kaiser Johannes Tsimiskes ging auf die Brautwerbung der Ottonen ein und sandte mit seiner Nichte Theophanu eine zwar nicht „unter dem Purpur geborene“, aber doch aus dem Kaiserhaus stammende Prinzessin nach Rom. 972, direkt nach der Hochzeit, wurde auch Theophanu am 14. April vom Papst zur Kaiserin gekrönt.
Zu ersten größeren Kräfteverschiebungen auf Reichsebene kam es im November 973. Nach dem Tod Herzog Burkhards III. setzte Otto nicht dessen Witwe Hadwig als Regentin ein, sondern machte seinen Vetter Otto, den Sohn seines Halbbruders Liudolf, zum Herzog. Dies widersprach den Interessen des bayerischen Herzogshauses. Heinrich der Zänker verbündete sich darauf mit Bischof Abraham von Freising sowie mit Boleslaw von Böhmen und Mieszko von Polen. Dieses Bündnis stellte an sich bereits eine Verschwörung gegen den König dar, wenn auch eine minder schwere, weil es nicht zum bewaffneten Aufstand gekommen war. Wohl deshalb erschien Heinrich wie von Otto befohlen zu einem Hoftag. Dort wurde er aber nicht wie erwartet wieder in die königliche Huld aufgenommen, sondern zu einer längeren Haftstrafe verurteilt. Diese harte Behandlung führte zum Auseinanderbrechen des ottonischen Hauses. Die Nachkommen Ottos I. standen gegen die von Ottos Bruder Heinrich I. von Bayern. Doch auch Adelheid trat ihrem Sohn entgegen.
Anfang 976 befreite sich Heinrich der Zänker aus der Haft in Ingelheim und stellte sich an die Spitze des nun offenen Aufstands, dem sich auch viele Adlige Sachsens anschlossen. Obwohl sich Heinrich zunächst in Regensburg einigelte, musste er sich nach kurzer Zeit dem Druck Ottos geschlagen geben, vor allem nachdem der Reichsepiskopat ihn und seine Anhänger exkommuniziert hatte. Schließlich floh er zu Boleslaw nach Böhmen. Noch 976 erklärte Otto Heinrich für abgesetzt und gliederte das Herzogtum Bayern neu. Kärnten wurde als eigenständiges Herzogtum abgespalten und dort ein Vetter Heinrichs des Zänkers, Heinrich III., eingesetzt. Das verkleinerte Herzogtum Bayern wurde Otto von Schwaben unterstellt. Nach kurzer Zeit schlug sich jedoch auch der neue Herzog von Kärnten auf die Seite Heinrichs des Zänkers. Otto II. setzte ihn 978 ab und verbannte ihn zusammen mit dem ebenfalls aufständischen Bischof Heinrich von Augsburg. Der Salier Otto, Sohn Konrads des Roten und Liudgards, der Halbschwester Ottos II., wurde neuer Herzog von Kärnten. Auf dem Osterhoftag 978 unterwarf sich Heinrich der Zänker dem König bedingungslos und wurde zur Haft in Utrecht verurteilt, wo er bis zum Tod Ottos II. blieb.
Kurz darauf stabilisierte sich Ottos Stellung entscheidend: Nach mehreren Töchtern gebar Theophanu Ende Juni 980 einen Sohn, den späteren Otto III. Damit war die Erbfolge in der Herrscherfamilie gesichert.
Im Norden lag das Reich im Konflikt mit den Dänen unter König Harald Blauzahn.
Die Hauptaufgabe Ottos II. in Italien war die Stabilisierung der vollkommen außer Kontrolle geratenen Verhältnisse des Reichsteils. Nach dem Tod Johannes' XIII. im November 972 und dem Tod Ottos I. waren Auseinandersetzungen zwischen Adelsfamilien um den Papstthron ausgebrochen. Darüber hinaus erhob Byzanz weiter Anspruch auf Süditalien. Otto unterstützte zunächst Papst Benedikt VII. und half diesem, sein Papsttum zurückzugewinnen. Herbst und Winter 981 verbrachte Otto in Salerno, von wo er im Januar 982 mit einem ungewöhnlich großen Heer nach Süditalien zog, um die Sarazenen aus Kalabrien zu vertreiben, das allerdings byzantinisches Territorium war. Die Kampagne endete nach einem nur langsamen Vormarsch in einer verheerenden Niederlage am 13. Juli in der Schlacht am Cap Colonna. Otto selbst musste ins Meer flüchten und konnte nur knapp dem Versuch einer griechischen Schiffsbesatzung entgehen, ihn als Geisel zu nehmen. Die Reste seines geschlagenen Heeres führte er nach Salerno zurück. Sein Ansehen im Reich war durch diesen Misserfolg nachhaltig beschädigt, da er darauf schließen ließ, dass der Herrscher die Huld Gottes verloren hatte. Zudem waren zahlreiche hoch- und mittelrangige Verbündete Ottos gefallen oder starben noch im Jahr 982, wodurch sein Herrschaftsnetzwerk beträchtlich geschwächt wurde. Otto entließ nach der Schlacht sein Heer.
Darauf scheint eine Phase der politischen Passivität und Isolation des Hofes gefolgt zu sein, die wohl weitgehend in Rom verbracht wurde. Dokumente entscheidender Aktivitäten Ottos datieren erst wieder auf Pfingsten 983, als in Verona ein Hoftag abgehalten wurde. Wichtigstes Anliegen Ottos war, seine Nachfolge zu regeln, vermutlich als Reaktion darauf, dass er am Cap Colonna nur knapp dem Tod entgangen war. Tatsächlich wählten die Großen Italiens und Deutschlands den dreijährigen Otto III. in Verona zum König. Mit den abziehenden Teilnehmern des Hoftages reiste Otto III. über die Alpen, wo er Weihnachten 983 von den Erzbischöfen von Mainz und Ravenna in Aachen zum König gekrönt wurde. In Verona ordnete Otto II. auch einige Herzogtümer neu. Der 977 abgesetzte Herzog von Kärnten erhielt als Heinrich III. das Herzogtum Bayern. Schwaben kam an den Konradiner Konrad I. Heinrich der Zänker wurde gezielt von neuen Herrscherwürden fern und weiter in Haft gehalten. Damit hatte Otto II. das Verwandschaftssystem zwischen Herrscherhaus und Herzogtümern weitgehend aufgelöst, das sein Großvater und Vater aufgebaut hatten.
Durch einen großen Slawenaufstand im Jahr 983 ging das ostelbische Gebiet verloren. Die Missionierungspläne Ottos waren damit gescheitert.
Am 7. Dezember 983 starb Otto II. überraschend in Rom, wahrscheinlich an der Überdosis Aloe, die ihm als Abführmittel gegen Malaria verabreicht worden war. Als einziger mittelalterlicher Kaiser ist er im Petersdom beigesetzt, in einem antiken Sarkophag aus Porphyr in der Vorhalle der Kirche.
Otto II. und Theophanu hatten vier Kinder:
Obwohl Otto II. in früherer Zeit in der Geschichtswissenschaft häufig als schwacher König dargestellt wurde, der an der Italienpolitik scheiterte, ergibt sich bei näherer Betrachtung ein differenzierteres Bild.
Sein Einfluss auf das Papsttum erfuhr keine Einschränkung und auch zum byzantinischen Kaiser konnten durch seine Frau Theophanu gute Beziehungen aufgebaut werden. Durch die Aufnahme des alten römischen Kaisertitels Romanorum Imperator Augustus erfuhr das Kaisertum sogar eine Aufwertung. Auch die Probleme mit seinen Gegnern, allen voran Heinrich dem Zänker, konnte er lösen und seine Herrschaft festigen, sodass sein Sohn noch zu Lebzeiten zum König gewählt werden konnte.
Wäre er nicht unerwartet im Alter von nur 28 Jahren gestorben, hätte er womöglich die militärischen Niederlagen in den letzten Jahren seiner Regentschaft wettmachen und als würdiger Nachfolger seines Vaters in die Geschichte eingehen können.
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