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Otto Dix (* 2. Dezember 1891 in Gera-Untermhaus; † 25. Juli 1969 in Singen am Hohentwiel), war ein deutscher Maler der Neuen Sachlichkeit und des Expressionismus.

Otto Dix' Werk ist von stilistischer Vielfalt geprägt, obwohl hauptsächlich seine Kriegsbilder einem breiten Publikum bekannt sind. Er galt als exzellenter Zeichner und hinterließ mehr als 6000 Zeichnungen und Skizzen. Außerdem entstanden Gemälde und Aquarelle, die stark an Werke aus der Renaissance erinnern, sowie diverse Porträts. Dix wird zu den bedeutendsten deutschen Künstlern des 20. Jahrhunderts gezählt.

Leben


Kindheit und Jugend

Otto Dix Haus in Gera.jpg

Otto Dix wurde in der Gemeinde Untermhaus geboren, die im Verlauf der Industrialisierung rasch kleinstädtische Züge angenommen und sich zu einer Vorstadt von Gera entwickelt hatte. Sein Vater, Franz Dix, war in einer Eisengießerei als Former tätig. Die Mutter Louise war musisch und künstlerisch interessiert, ein Onkel war Kunstmaler in Naumburg. So wuchs Otto Dix, der sich selbst immer als Arbeiterkind sah, in zwar einfachen, jedoch nicht mittellosen und keineswegs ungebildeten Verhältnissen auf.

Nachdem ihn während seiner Schulzeit der Zeichenlehrer Ernst Schunke sehr gefördert hatte, absolvierte Dix von 1905 bis 1909 eine Lehre bei dem Geraer Dekorationsmaler Carl Senff. Senff lehnte die ersten künstlerischen Gehversuche seines Lehrlings ab und prophezeihte ihm keine große Zukunft. Ein Stipendium des Fürsten von Reuß ermöglichte Dix das Studium an der Kunstgewerbeschule in Dresden (1909-1914), unter anderen bei Professor Johann Nikolaus Türk. Dabei setzte er sich mit der Tradition der deutschen Malerei der Renaissance auseinander und schuf 1914 einige Selbstbildnisse. Dix experimentierte mit kubistischen, futuristischen und später dadaistischen Formen.

Erster Weltkrieg und Weimarer Republik

Dix meldet sich im 1. Weltkrieg freiwillig zum Kriegsdienst, den er bei der Feldartillerie und als MG-Schütze in Frankreich und Russland leistet. Als Unteroffizier meldet er sich gegen Kriegsende noch zu einer Fliegerausbildung. Das Grauen des Krieges wird zum Grundbestandteil seiner Bilder. Nach der Rückkehr nach Dresden gründet er 1919 gemeinsam mit Conrad Felixmüller (1897-1977) die "Gruppe 1919" der Dresdner Secession. Im Jahre 1920 malt Dix vorwiegend kritische dadaistische Gesellschafts-Collagen. Zwei Jahre später zieht Dix nach Düsseldorf. Dort tritt der der Künstlervereinigung Das Junge Rheinland bei und heiratet 1923 Martha Koch. Zwischen 1925 und 1927 lebt und arbeitet Dix wieder in Berlin, wo seine kritisch-analytische Malerei ihren Höhepunkt erreicht. Die Neue Sachlichkeit prägte Dix dabei wesentlich mit, wobei er sich selbst sogar zu deren Erfindern zählte. Von 1927 an hält er eine Professur an der Kunstakademie in Dresden.

Nationalsozialismus

Nach der „Machtergreifung“ 1933 ist Dix einer der ersten Kunstprofessoren, die durch die Nationalsozialisten entlassen werden. Im selben Jahr beginnt Dix eine "Innere Emigration" in Südwestdeutschland: ab 1933 in Randegg, ab 1936 in Hemmenhofen am Bodensee (Hauptwohnsitz). Er zeichnet und malt die Landschaft des Hegau. Ab 1937 werden seine Werke von den Nationalsozialisten als "entartete Kunst" und "gemalte Wehrsabotage" diffamiert. 260 von ihnen werden aus deutschen Museen beschlagnahmt, verkauft und zum Teil verbrannt. Dennoch können auch die Nationalsozialisten Dix' Ruhm nicht ganz unterbinden: 1937, zur selben Zeit, in der die Ausstellung Entartete Kunst in ganz Deutschland zu sehen ist, werden zwei Dix-Werke in der Sonderausstellung zum 700. Stadtjubiläum von Gera gezeigt. Dort müssen sie jedoch auf Anweisung des Gauvorstandes nach zwei Wochen entfernt werden.

1938 wird Dix durch die Gestapo (nach einem Hitler-Attentat) zwei Wochen lang inhaftiert. Mitten in dieser schwersten Zeit seiner Laufbahn erhält Dix einen seiner größten Auträge: Für den Besitzer der Köstritzer Brauerei malt er im altmeisterlichen Stil eine Darstellung des heiligen Christophorus. Im Jahr 1945 wird er schließlich zum Volkssturm eingezogen und gerät in französische Kriegsgefangenschaft, aus der er im Februar 1946 nach Hemmenhofen zurückkehrt.

Nachkriegszeit und Tod

Nach Kriegsende bleibt Dix bis zu seinem Tod ein Außenseiter zwischen den sich auch künstlerisch mehr und mehr voneinander entfernenden deutschen Staaten: Er kann sich weder mit dem Sozialistischen Realismus der DDR noch mit der abstrakten Nachkriegskunst der Bundesrepublik identifizieren. Dennoch erfährt er in beiden Staaten hohe Anerkennung und zahlreiche Ehrungen.

In den Jahren 1947-1966 verbringt Dix jährliche Arbeitsaufenthalte in Dresden. 1955 nimmt er an der documenta 1 in Kassel teil und wird Mitglied der Akademie der Künste, Berlin-Dahlem und 1956 wird er Korrespondierendes Mitglied der Deutschen Akademie der Künste, Berlin (Ost). Im Jahr darauf wird eine umfassende Retrospektive seiner Arbeit in der Akademie der Künste, Berlin (Ost) gezeigt. 1959 erhält er, zusammen mit Ernst Jünger, das Bundesverdienstkreuz. Für den Nationalpreis der DDR war er bereits 1950 erfolglos vom Geraer Kulturbund vorgeschlagen worden.

In den sechziger Jahren veranstaltet Dix zahlreiche Ausstellungen und erhält Ehrungen und Preise in beiden Teilen Deutschlands. Zu seinem 75. Geburtstag erhält er 1966 den Alfred-Lichtwark-Preis in Hamburg und den Martin-Andersen-Nexö-Preis in Dresden, außerdem wird er Ehrenbürger von Gera. 1968 erhält er den Rembrandt-Preis der Goethe-Stiftung in Salzburg.

Dix stirbt am 25. Juli 1969 nach einem zweiten Schlaganfall in Singen am Hohentwiel. Sein Grab befindet sich in Hemmenhofen.

Zitate


  • "Ich möchte nicht viel Worte machen: ein Künstler bildet, redet nicht!" (1966, zur Verleihung der Ehrenbürgerwürde in Gera)
  • "Ich mal’ weder für die noch für die. Tut mir leid. Ich bin eben 'n derartig souveräner Prolete, nicht wahr, daß ich sag: ‘Das mach ich! Da könnt ihr sagen, was ihr wollt.’ Wozu das gut ist, weiß ich selber nicht. Aber ich mach's. Weil ich weiß, so ist das gewesen und nicht anders." (1963)

Werke


  • 1914 - „Selbstbildnis als Soldat“
  • 1914 - „Selbstbildnis mit Artillerie-Helm“
  • 1914 - „Geißelung Christi“, Stadtkirche St. Johannes Bad Saulgau
  • 1915 - „Selbstbildnis als Mars“
  • 1920 - "Streichholzhändler I" (Staatsgalerie Stuttgart)
  • 1921 - „Bildnis der Eltern“, Kunstmuseum Basel
  • 1922 - „An die Schönheit“
  • 1923 - „Bildnis Frau Martha“, Kunstmuseum Stuttgart
  • 1924 - „Der Krieg“, Zyklus aus fünfzig Radierungen
  • 1924 - "Die Eltern des Künstlers II" (Sprengel Museum Hannover)
  • 1925 - „Bildnis der Tänzerin Anita Berber“, Kunstmuseum Stuttgart
  • 1926 - „Schützengraben“, verschollen
  • 1926 - „Porträt der Journalistin Sylvia von Harden
  • 1926 - „Der Kunsthändler Alfred Flechtheim“, Mischtechnik auf Holz, 120 x 80 cm, Nationalgalerie Berlin
  • 1928 - Triptychon „Großstadt“, Kunstmuseum Stuttgart
  • 1932 - Triptychon „Der Krieg“, Gemäldegalerie Dresden
  • 1933 - „Die sieben Todsünden“, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe
  • 1933 - „Die Tänzerin Tamara Danischewski“, Kunstmuseum Stuttgart
  • 1934 - "Der Triumph des Todes", Kunstmuseum Stuttgart
  • 1935 - „Waldrand mit Buche“, Galerie Michael Hass Berlin
  • 1936 - „Flandern“, Neue Nationalgalerie Berlin
  • 1939 - „Der heilige Christophorus“, Otto-Dix-Haus Gera

Nachlass


Der schriftliche Nachlass liegt seit 1976 im Archiv für Bildende Kunst im Germanischen Nationalmuseum. Der Bildnachlass liegt im Archiv der Otto-Dix-Stiftung in Schaffhausen.

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Literatur


  • Eva Karcher:Otto Dix - 1891 1969 - Leben und Werk, Köln 1988, ISBN 3822800716
  • Florian Karsch: Otto Dix. Das graphische Werk (Text: Hans Kinkel), Hannover 1970
  • Fritz Löffler: Otto Dix 1891–1969. Œuvre der Gemälde, Recklinghausen 1981
  • Fritz Löffler: Otto Dix Leben und Werk, Dresden 1977
  • Ulrike Lorenz: Otto Dix. Das Werkverzeichnis der Zeichnungen und Pastelle. Printausgabe und Datenbank auf DVD, Verlag und Datenbank für Geisteswissenschaften (VDG) Weimar
  • Ulrike Lorenz: Dix avant Dix. Das Jugend- und Frühwerk 1909–1914, Jena: Glaux, 2002, ISBN 3-931743-36-5
  • Dix. Ausst.-Kat. Galerie der Stadt Stuttgart, Nationalgalerie Berlin 1991
  • Suse Pfäffle Otto Dix. Werkverzeichnis der Aquarelle und Gouachen, Stuttgart 1991
  • Diether Schmidt: Otto Dix im Selbstbildnis, Berlin 1981
  • Dietrich Schubert. Otto Dix - Der Krieg. 50 Radierungen von 1924. Jonas Verlag, Marburg 2002.
  • Birgit Schwarz: Großstadt, Frankfurt/M. 1993

Weblinks


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