Otis Spann (* 21. März 1930 in Jackson, Mississippi; † 24. April 1970 in Chicago, Illinois) war ein US-amerikanischer Blues-Pianist und -Sänger.
Schon früh in den 50er Jahren etablierte sich Spann als Haupt-Studiopianist des Chess-Labels in Chicago; dort begleitete er u. a. Howlin' Wolf, Bo Diddley, Chuck Berry um nur die bekanntesten Namen zu nennen. 1958 spielten Spann und Muddy Waters mit der Band des britischen Posaunisten Chris Barber auf einer England-Tournee zusammen. Da das Publikum damals noch eine reichlich enge und antiqierte Vorstellung von dem hatte, wie ein Bluesmusiker zu klingen hatte, geschah es, dass Spann seinen Elektrogitarre spielenden Boss die Schau unbeabsichtigt stahl. 1960 nahm Spann für das CANDID-Label eine Langspiel-Platte mit Robert Junior Lockwood auf, die bei Kritikern hochgelobt wurde und als eine seiner besten gilt. Während der American-Folk-Blues-Festival-Tournee nahm er im Oktober 1963 eine Soloplatte für das Storyville-Label in Kopenhagen auf – nur Gesang und Piano; am gleichen Tag begleitete er noch Lonnie Johnson, der für das gleiche Label eine LP einspielte. 1965/66 spielte er Aufnahmen unter eigenem Namen für das Testament-Label ein (solo oder mit dem Drummer Robert Whitehead), 1966 begleitete er Johnny Shines, Eddie Taylor und Floyd Jones auf dem gleichen Label bei deren Veröffentlichungen. 1965 spielte die damalige Besetzung der Muddy Waters Band ein Album für Prestige Records ein; Muddy Waters selbst trat bei diesen Aufnahmen wegen eines Exklusivvertrags mit dem Chess-Label als Dirty Rivers auf. Obwohl die Platte unter Spann's Name herausgebracht wurde, war James Cotton gleichberechtigter Frontman. Die Musik ist sehr gut, aber leider war Prestige eher eine auf Jazz spezialisierte Plattenfirma und die Toningenieure haben den Chicago Blues in diesem Fall einfach etwas zu sauber aufgenommen.
Die gesamten 60er waren sehr produktive Jahre für den Studiopianisten Spann: Neben seiner Tätigkeit für das Chess-Label nahm er unter eigenem Namen für das Vanguard-Label mit kompletter Band oder nur dem Drummer S.P. Leary auf, spielte als Mitglied der Band Muddy Waters LPs mit John Lee Hooker für Bluesway und Big Mama Thornton für Arhoolie ein. Auf dem letzteren Label wurde 1968 eine Langspiel-Platte des Gitarristen und Mandolinisten Johnny Young durch das Pianospiel von Spann veredelt.
In den späten 1960ern spielte er auf Alben von Buddy Guy, Peter Green und Fleetwood Mac. Seit seiner Trennung von Muddy unterstützte er seine Ehefrau Lucille Spann (geboren 1938) bei ihrer Gesangskarriere. Seine letzten musikalischen Akzente setzte er auf Southside Blues Jam (Delmark Records) des Sängers und Bluesharpspielers Junior Wells, eine der besten Blues-LPs überhaupt. Drei Monate später verstarb Spann, der nur wenige Meter von seinem alten Bandleader entfernt wohnte, an Krebs; die Musikzeitschrift Rolling Stone widmete ihm einen längeren Artikel.
1980 wurde Otis Spann in die Blues Hall of Fame aufgenommen.
Der Schweizer Bluespianist Mike Huber ist einer der Ausnahmen der den Stil von Otis Spann glaubwürdig weiterführt.
Mann | US-Amerikaner | Blues-Musiker | Geboren 1930 | Gestorben 1970
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