Oswald Pohl (* 30. Juni 1892 in Duisburg; † 7. Juni 1951 Landsberg, hingerichtet) war ein maßgeblich an der Durchführung des Holocaust beteiligtes Mitglied der SS.
Durch sein organisatorisches Talent fiel Pohl dem Reichsführer-SS Heinrich Himmler auf, der nun versuchte, ihn von der SA abzuwerben. Pohl wurde Mitglied des Freundeskreises Reichsführer-SS.
1934 wechselte Pohl schließlich von der SA zur SS (Mitgliedsnummer: 147.614), wurde im Stab RFSS eingesetzt und stieg dort schnell zum Verwaltungschef des SS-Hauptamtes auf. Schon seit 1936 bemühte sich Pohl, aus der Zwangsarbeit von Häftlingen wirtschaftlichen Nutzen für die SS zu ziehen.
1939 wurde Pohl von Himmler zusätzlich zum Ministerialdirektor des Reichsinnenministerium ernannt.
Durch dieses Amt erlangte Pohl eine Schlüsselstellung im Holocaust-Gefüge, da ihm nun auch die "Generalinspektion Konzentrationslagerwesen", also die Konzentrationslager (KZ) als solche, unterstellt wurden. Im Sommer 1942 ersetzte Pohl fast ein Drittel aller KZ-Kommandanten. Pohl beabsichtigte, die Arbeitskraft der KZ-Häftlinge verstärkt für die Rüstungsproduktion zu nutzen. In einem Befehl vom 30. April 1942 ordnete er an:
Pohl griff ebenfalls ein, als die gewaltige Vernichtungsaktion ins Stocken geriet, bei der rund 350.000 von 458.000 ungarischen Juden sofort nach ihrer Ankunft im KZ Auschwitz-Birkenau vergast wurden. Die ersten Transportzüge erreichten Auschwitz am 15. April 1944. Im Mai 1944 wurden die drei Kommandanten des KZ Auschwitz I (Stammlager), des KZ Auschwitz III Monowitz und des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau ihrer Ämter enthoben und durch andere ersetzt. Oswald Pohl, der ein halbes Jahr zuvor Rudolf Höß als Chef des Amtes D1 in die Zentrale seiner Behörde geholt hatte, schickte diesen vom Mai 1944 bis Juli 1944 als Standortältesten nach Auschwitz, um die reibungslose Durchführung der Vernichtungsaktion zu organisieren.
Verantwortlich war Pohl auch für die Verwertung der bei solchen Aktionen anfallenden Güter wie Kleidung, Schmuck und Gold. Erhalten ist ein Schreiben an Heinrich Himmler mit einer Bestandsliste von über 100.000 Uhren sowie tausenden von Füllfederhaltern und dergleichen, die zur Tarnung als jüdisches Hehlergut ausgewiesen wurden. http://www.rgolz.de/d-wirtschaftsverwaltungshauptamt.html Dokument Raubgut
Pohl warf der Anklagebehörde vor, von jüdischen Vertretern dominiert und von Rachsucht und blindem Hass erfüllt gewesen zu sein. Pohl bestritt nicht seine Mitwisserschaft am Holocaust. Auf seine eigene Initiative hin sei jedoch kein einziger Jude deportiert oder vernichtet worden. Er sei nur stellvertretend verurteilt worden, weil andere sich durch Selbstmord dem Verfahren entzogen oder sich - als Kronzeuge ihn belastend - durch Verrat freigekauft hätten. Er habe 33 Jahre lang seinem Vaterland makellos gedient und sei sich keines Verbrechens bewusst.
Pohl bekehrte sich zum katholischen Glauben und gewann in seiner Rolle als Märtyrer weitere Unterstützer. Zum Skandal kam es jedoch, als der Papst ihm in Unkenntnis der Sachlage den erbetenen “Apostolischen Segen” aussprechen ließ. Die Forderungen nach einem Schlussstrich rissen nicht ab; nach einem Ausspruch von Robert Kempner lag Deutschland damals im Gnadenfieber. Am 9. Januar 1951 begab sich eine Abordnung des Deutschen Bundestages zu John Jay McCloy: Bundestagspräsident Hermann Ehlers, NRW Ministerpräsident Peter Altmeier (CDU), Carlo Schmid (SPD) sowie Walter Strauss (Staatssekretär im Justizministerium). Ihr Bittgang um Amnestie blieb erfolglos. Oswald Pohl wurde am 7. Juni 1951 hingerichtet.
50 Jahre nach der Hinrichtung, im Jahre 2001, hat die Anstaltsleitung von Landsberg die Grabkreuze auf dem Spöttinger Friedhof (auf dem Pohl u.a. bestattet sind) überholen lassen, mit einem Kupferdach versehen und für einen einheitlichen Blumenschmuck gesorgt.
NSDAP-Mitglied | SS-Mitglied | SA-Mitglied | Mitglied der Waffen-SS | Freundeskreis Himmler | Mann | Kriegsverbrecher | Geboren 1892 | Gestorben 1951
Oswald Pohl | Oswald Pohl | Oswald Pohl | Oswald Pohl | Oswald Pohl | Oswald Pohl
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