Das Byzantinische Reich (verkürzt auch nur Byzanz) bezeichnet, nach dem ursprünglichen Namen seiner Hauptstadt Byzantion (später Konstantinopel), das aus griechischer bzw. hellenistischer Kultur, dem Römischen Staatswesen und der christlichen Religion entstandene Kaiserreich im östlichen Mittelmeerraum. Die Bezeichnung als "Byzantinisches Reich" ist modern. Das Reich entwickelte sich aus dem östlichen Teil des Römischen Reiches (Oströmisches Reich, Ostrom). Während das Westreich im Jahr 476 bzw. 480 endgültig unterging, bestand das Byzantinische Reich bis zur Eroberung seiner Hauptstadt Konstantinopel durch die Osmanen im Jahre 1453, verlor aber nach den arabischen Eroberungen im 7. Jahrhundert weitgehend seinen spätantiken Charakter. Das Byzantinische Reich sah sich zeit seines Bestehens als unmittelbar und einzig legitimes, weiterbestehendes Römisches Kaiserreich. In diesem Sinne beanspruchte der byzantinische Kaiser die Oberhoheit (Supremat) über alle christlichen Staaten des Mittelalters. Dieser Anspruch konnte aber spätestens seit etwa 600 n.Chr. nicht mehr durchgesetzt werden.
Das byzantinische Reich war zwar ein polyethnischer Staat, der außer Griechen auch Armenier, Illyrer und Slawen sowie in frühbyzantinischer Zeit auch Syrer und Ägypter einschloss, aber die meisten Gebiete, über die er sich erstreckte, waren seit Jahrhunderten hellenisiert, also dem griechischen Kulturkreis angeschlossen. Hier lagen bedeutende Zentren des Hellenismus wie Konstantinopel, Antiochia, Ephesus, Thessalonike und Alexandria, und hier bildete sich auch die griechisch-orthodoxe Form des Christentums heraus.
Das Gebiet des heutigen Griechenlands spielte im byzantinischen Reich lange keine sonderlich bedeutende Rolle, da die neben der Hauptstadt wirtschaftlich und militärisch bedeutsamsten Gebiete die orientalischen Provinzen des Reiches waren. Als diese verloren gingen, spielte Kleinasien eine wichtige Rolle, erst seit dem Hochmittelalter auch wieder vor allem der Balkan. Als Kleinasien nach 1071 teilweise und im 14. Jahrhundert endgültig an Invasoren fiel, begann der Abstieg von der Groß- zur Regionalmacht und schließlich zum Kleinstaat.
Das Byzantinische Reich besaß – im Gegensatz zu den meisten anderen Reichen des Mittelalters – auch nach dem Einfall der Araber noch lange eine recht straff organisierte Bürokratie, deren Zentrum Konstantinopel war. Das Reich verfügte weiter über einen effizienten Verwaltungsapparat und ein organisiertes Finanzwesen sowie über eine stehende Armee. Kein Reich westlich des Kaiserreichs China konnte etwa über so große Beträge verfügen wie Byzanz. Die wirtschaftliche Kraft und Ausstrahlung von Byzanz war so groß, dass der goldene Solidus zwischen dem 4. und 11. Jahrhundert die Leitwährung im Mittelmeerraum war (siehe auch byzantinische Währung). Der Kaiser wiederum herrschte de facto fast uneingeschränkt über Reich und Kirche, und dennoch war in keinem anderen Staat eine so große Durchlässigkeit der Aristokratie nach unten gegeben wie in Byzanz, welches eine Mischung aus römischem Staatswesen, griechischer Kultur und christlichem Glauben darstellte und sich immer noch dem Gedanken der antiken Universalmacht verpflichtet fühlte. Nur Byzanz, so die zeitgenössische Vorstellung, war die Wiege des wahren Glaubens und der Zivilisation. In der Tat war das kulturelle Niveau in Byzanz zumindest bis ins Hochmittelalter hinein höher als in allen anderen Reichen des Mittelalters, abgesehen vielleicht vom islamischen Bereich. Dabei spielte auch der Umstand eine Rolle, dass in Byzanz wesentlich mehr vom antiken Erbe bewahrt wurde als in Westeuropa; ebenso war der Bildungsstandard lange Zeit höher als im Westen.
In weiten Teilen wissen wir nur wenig über das „Neue Rom“. Relativ wenige Aktenstücke sind uns überliefert, und in Teilen schweigt auch die byzantinische Geschichtsschreibung, die in der Spätantike mit Prokopios von Caesarea einsetzte und im Mittelalter mit Michael Psellos, Johannes Skylitzes, Anna Komnena und Niketas Choniates über einige ganz hervorragende Vertreter verfügte. Wenn uns daher für einige Zeiträume nur "kirchliche" Quellen zur Verfügung stehen, so darf dies nicht zu der Annahme verleiten, Byzanz sei ein theokratischer Staat gewesen. Die Religion war wohl oft bestimmend, aber die Quellenlage ist in Teilen und besonders für die Periode vom 7. bis 9. Jahrhundert zu dürftig, um ein klares Bild zu erhalten. Umgekehrt hat sich die Forschung heute auch von der Vorstellung eines byzantischen Cäsaropapismus, in dem der Kaiser fast absolut über die Kirche geherrscht habe, verabschiedet.
Die ältere Forschungsmeinung sah in Byzanz oft nur eine dekadente, halborientalische "Despotie" (so etwa Edward Gibbon). Dieses Bild wurde längst verworfen (vgl. John B. Bury, Cyril Mango, Ralph-Johannes Lilie und andere). Es wird inzwischen immer darauf hingewiesen, dass Byzanz als der Vermittler von kulturellen Werten und dem Wissen der Antike Unschätzbares geleistet hat. Es war zudem der „Schutzschild“ Europas über viele Jahrhunderte hinweg, erst gegenüber den Persern und Steppenvölkern, später gegenüber dem Islam. Erst nach der verheerenden Plünderung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer im Jahr 1204 konnte das Byzantinische Reich diese Funktion nicht mehr wahrnehmen.
Im späten 4. Jahrhundert, zur Zeit der beginnenden Völkerwanderung, war zunächst die östliche Reichshälfte Ziel germanischer Stämme, wie der West- und der Ostgoten. In der Schlacht von Adrianopel erlitt das oströmische Heer 378 eine schwere Niederlage gegen die Goten, die wenig später südlich der Donau Land zugewiesen bekamen. Seit Beginn des 5. Jahrhunderts richteten sich die germanischen und hunnischen Angriffe dann aber zunehmend auf das militärisch schwächere Westreich. Vereinzelt musste sich Ostrom der Angriffe der Sassaniden erwehren, des einzigen gleichrangigen Konkurrenten Roms, mit dem aber zwischen 387 und 502 fast durchgängig Frieden herrschte. 410 wurde die Stadt Rom zum ersten Mal von den Westgoten erobert, während die östliche Reichshälfte (abgesehen vom Balkanraum) weitgehend unbehelligt blieb. Ostrom versuchte allerdings mitunter durchaus, das Westreich zu unterstützen (die erfolglose Flottenexpedition gegen die Vandalen wurde 467/68 von Ostrom getragen). Allerdings hatte das Reich unter Kaiser Leo I. schwer mit dem Problem der germanischen Hilfstruppen zu kämpfen. Meistens handelte es sich bis Ende des 5. Jahrhunderts bei dem amtierenden Magister militum um einen Germanen.
Doch konnte das Problem dann um 480 durch die Heranziehung der Isaurier in den Militärdienst gelöst werden, die ein Gegengewicht zu den Germanen bildeten. Im oströmischen Heer kämpften fortan wieder überwiegend Reichsangehörige. Die Kaiser konnten ihre Stellung im Osten auch innenpolitisch stabilisieren. Während der letzte weströmische Kaiser Romulus Augustulus im Jahr 476 von dem germanischen Heerführer Odoaker abgesetzt wurde (der letzte von Ostrom anerkannte Kaiser war allerdings Julius Nepos, der 480 in Dalmatien verstarb), erstarkte das Ostreich zusehends. Die Germanenreiche erkannten seither den oströmischen Kaiser als ihren nominellen Oberherren an. Kaiser Anastasios I. stärkte zudem die Finanzkraft des Reiches, was später der Expansionspolitik unter Justinian I. zugute kam.
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Im 6. Jahrhundert eroberten unter Kaiser Justinian I. (527-565) die beiden oströmischen Feldherren Belisar und Narses große Teile der weströmischen Provinzen – Italien,
Justinian_Byzanz.png Justinian hinterließ seinen Nachfolgern jedoch leere Kassen, und sie waren nicht imstande, mit den neuen Angreifern fertig zu werden, die ab der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts an den Grenzen auftraten. Die Langobarden besetzten Italien, die Slawen überrannten seit etwa 580 große Teile des Balkans. Mit dem gewaltsamen Tod des Kaisers Maurikios, der einen vorteilhaften Frieden mit den Sassaniden hatte schließen können und energisch gegen die Slawen vorgegangen war, eskalierte die militärische Krise. Seit 602 erlangten die sassanidischen Perser unter Chosrau II. zeitweilig die Herrschaft über die meisten östlichen Provinzen. Bis 619 hatten sie sogar Ägypten und Syrien, und somit die reichsten oströmischen Provinzen, erobert. Diese wurden zwar durch Kaiser Herakleios (610-641) zurückerobert, der das Sassanidenreich 627 schließlich entscheidend schlug. Nach dieser Anstrengung waren die Kräfte des Reichs jedoch erschöpft, und auch die Senatsaristokratie, die ein wesentlicher Träger der antiken Traditionen gewesen war, war stark geschwächt worden.
Der plötzlichen Expansion der von ihrem neuen, muslimischen Glauben angetriebenen Araber hatte Herakleios nicht mehr viel entgegenzusetzen. In der Schlacht am Jarmuk am 20. August 636 unterlagen die Römer einem Heer des zweiten Kalifen Omar, und der ganze Südosten des Reichs, einschließlich Syriens und Palästinas, ging verloren (siehe auch Islamische Expansion).
Im Gegensatz zu seinem langjährigen Rivalen, dem Perserreich der Sassaniden, konnte sich das oströmische bzw. byzantinische Reich jedoch immerhin erfolgreich gegen eine vollständige islamische Eroberung verteidigen; es musste sich aber nach Kleinasien zurückziehen. Dabei führte die militärische Krise und der endgültige Verlust der reichsten Provinzen zu einer massiven Veränderung im Reich, in dem nun Griechisch endgültig das Lateinische verdrängte. Die spätantiken Strukturen von Staat und Gesellschaft verschwanden in dieser Zeit zu großen Teilen. Von nun an ist es angebracht, statt von Ostrom von Byzanz zu sprechen.
Was das Reich an Gebieten verlor, gewann es an Gleichförmigkeit. Die antike Zivilisation war seit Jahrhunderten von der Existenz zahlreicher größerer und kleinerer Städte (poleis) geprägt gewesen; diese Zeit endete nun. Die meisten Städte wurden aufgegeben oder schrumpften auf die Größe von (oft befestigten) Dörfern. Nur Konstantinopel blühte und widerstand innerhalb eines Jahrhunderts drei schweren Belagerungen (626, 674–678 und 717–718).
Die südlichen bzw. orientalischen Provinzen unterschieden sich kulturell nicht unerheblich vom Norden und gehörten seit dem 5. Jahrhundert mehrheitlich den orientalisch-orthodoxen, monophysitischen Kirchen an, die mit der griechisch-orthodoxen Kirche der nördlichen Provinzen im Streit lagen. Dieser Streit war vielleicht einer der Gründe für die baldige Akzeptanz der neuen muslimischen Herren in Syrien und Ägypten. Der Norden gelangte so aber zu größerer Geschlossenheit und höherer Kampfbereitschaft.
Allerdings wurde das berühmte System von Militärprovinzen - die so genannten Themen - wohl erst nach der Regierungszeit des Herakleios geschaffen, um den ständigen Angriffen und dem Verfall des städtischen Lebens außerhalb der Hauptstadt zu begegnen. Tendenzen, die bereits seit langem vorhanden waren, kamen nach 636 in vielen Bereichen von Staat und Gesellschaft voll zum Tragen, zugleich endeten zahlreiche Traditionsstränge - die spätantike Phase des oströmischen Imperiums gelangte an ihr Ende, und es entstand das byzantinische Reich des Mittelalters.
Justinian II. (685–695 und 705–711), in dessen Regierungszeit Byzanz wenigstens teilweise wieder in die Offensive ging, war der letzte Kaiser der herakleischen Dynastie. In einer später oft wiederholten Praxis wurden Slawen vom Balkan nach Kleinasien deportiert und dort angesiedelt. Ziel war eine Stärkung der byzantinischen Grenzverteidigung, es kam in der Folgezeit aber auch immer wieder zu Desertionen; ebenso wurden teils Bevölkerungsgruppen von Kleinasien auf den Balkan transferiert. Justinian fiel 695 jedoch einer Verschwörung zum Opfer, wurde verstümmelt und ins Exil geschickt, wo er eine Chasarenprinzessin heiratete. Er gelangte schließlich mit bulgarischer Unterstützung wieder an die Macht, bevor er 711 umgebracht wurde.
Die wohl bedrohlichste Belagerung Konstantinopels durch die Araber fand 717–18 statt; nur dank den Fähigkeiten Kaiser Leos III., den erfolgreichen Flottenoperationen (wobei die Byzantiner wieder das sog. Griechische Feuer einsetzten) und einem extrem harten Winter, der den Arabern schwer zu schaffen machte, konnte sich die Hauptstadt halten. Auf dem Balkan befand sich Byzanz ebenfalls in der Defensive, konnte aber Griechenland nach und nach von den Slawen zurückgewinnen, die seit dem 7. Jahrhundert in diesen Raum (Sklaviniai) eingezogen waren. Dafür erwuchs dem Reich ein neuer Gegner, nämlich in Gestalt der Bulgaren, die erfolgreich eine eigene Staatsbildung anstrebten.
Der militärisch erfolgreiche Kaiser Leo III. entfachte jedoch auch, wohl aus ernsthafter persönlicher Überzeugung, 730 den Bilderstreit, der über 110 Jahre andauern sollte und mehrmals Bürgerkriege aufflackern ließ, zuletzt den von 843 bis 872 währenden Krieg gegen die Paulikianer. Allerdings sind die Schriften der bilderfeindlichen Autoren (Ikonoklasten) nach dem Sieg der Bilderverehrer (Ikonodulen) vernichtet worden, sodass die Quellen für diese Zeit fast ausschließlich aus der Perspektive des Siegers geschrieben wurden und dementsprechend problematisch sind. Leo ging in Kleinasien offensiv gegen die Araber vor, wobei sein Sohn Konstantin sich als fähiger Kommandeur erwies. Als Konstantin seinem Vater schließlich 741 als Konstantin V. auf den Thron nachfolgte, setzte er, nachdem er einen Aufstand seines Schwagers Artabasdos niedergeschlagen hatte, die bilderfeindliche Politik Leos fort (siehe Konzil von Hiereia 754). Obwohl militärisch erfolgreich, wird er in den meisten Quellen als grausamer Herrscher beschrieben – wohl zu Unrecht. Leo IV., Konstantins Sohn, betrieb eine eher gemäßigte bilderfeindliche Politik, musste sich jedoch mehrerer Umsturzversuche erwehren und starb nach nur fünfjähriger Herrschaft 780. Für seinen minderjährigen Sohn Konstantin VI. übernahm dessen Mutter Irene die Regentschaft; bald allerdings zeigte sich, dass sie diese nicht beabsichtigte abzugeben. Konstantin wurde später geblendet, starb aber an den Folgen der Blendung. Irene betrieb wieder eine bilderfreundliche Politik und versuchte, die Kaiserkrönung Karls des Großen ohne Erfolg zu verhindern (Zweikaiserproblem). 802 wurde sie gestürzt, womit auch die durch Leo III. begründete Syrische Dynastie endete. Erst Michael II. sollte es gelingen, wieder eine Dynastie zu begründen (Amorische Dynastie).
Außenpolitisch war auf dem Balkan gegen die Bulgaren vorerst wenig auszurichten. 811 wurde sogar ein byzantinisches Heer unter Führung Kaiser Nikephoros' I. durch den Bulgarenkhagan Krum vernichtet, Nikephoros fiel im Kampf. Im 9. und vor allem im 10. Jahrhundert wurden dennoch einige bedeutende außenpolitische Erfolge erzielt, auch wenn unter der Amorischen Dynastie (ab Michael II.) Byzanz zunächst Gebietsverluste hinnehmen musste (Kreta und Sizilien). Unter Michaels Sohn und Nachfolger, Theophilos, kam es schließlich zu einem letzten Aufflackern des Ikonoklasmus, welcher aber unter Michael III., dem letzten Kaiser der amorischen Dynastie, endgültig überwunden wurde. In Michaels Regierungszeit vollzog sich die Annahme des Christentums durch die Bulgaren – und zwar in dessen östlicher Form, womit die byzantinische Kultur auch zur Leitkultur für das bulgarische Reich werden sollte. Michael erhob 866 Basileios zum Mitkaiser, doch ließ Basileios Michael im folgenden Jahr ermorden, bestieg selbst den Thron und begründete damit die Makedonische Dynastie. Michaels Andenken wurde stark verunglimpft – zu Unrecht, wie die neuere Forschung betont. Kulturell erlebte Byzanz jedoch wieder eine neue Blüte (so genannte makedonische Renaissance), wie etwa zur Zeit Konstantins VII., der von Romanos I. Lakapenos zunächst von den Regierungsgeschäften ausgeschlossen worden war. Außenpolitisch gewann das Reich zudem nach und nach an Boden: Unter Nikephoros II. Phokas wurde Kreta von den Arabern zurückerobert. Johannes I. Tzimiskes, wie Nikephoros II. nur als Regent für die Söhne Romanos' II. regierend, weitete den byzantinischen Einfluss bis nach Syrien und Palästina aus, während die Bulgaren nieder gehalten wurden. Byzanz schien wieder auf dem Weg zur Hegemonialmacht zu sein.
Shepherd-byzanz_1000-enhanced_1-1900x1500.jpg Das Reich erreichte unter den makedonischen Kaisern des 10. und frühen 11. Jahrhunderts denn auch seinen Höhepunkt. Durch die im Jahre 987 vollzogene Heirat der Schwester von Kaiser Basileios II. mit dem russischen Großfürsten Wladimir breitete sich der orthodoxe Glaube allmählich in Russland aus. Die russische Kirche unterstand dem Patriarchen von Konstantinopel. Basileos II. eroberte in jahrelangen Kämpfen das donaubulgarische Reich, was ihm den Beinamen Bulgaroktonos ("Bulgarentöter") einbrachte. Im Jahre 1018 wurde Donaubulgarien byzantinische Provinz, was einen weiteren Höhepunkt in der Geschichte des Byzantinischen Reiches darstellte, und auch im Osten wurde Basileios expansiv tätig.
Wie Rom zuvor, fiel das Byzantinische Reich trotzdem bald in eine Periode von Schwierigkeiten, die in hohem Grade durch das Wachstum des Landadels verursacht wurden, der das Themensystem untergrub. Ein Problem dabei war, dass das stehende Heer durch teils unzuverlässige Söldnerverbände ersetzt wurde bzw. ersetzt werden musste (was sich 1071 in der Schlacht gegen Türken bereits bitter rächen sollte). Bloß mit seinen alten Feinden, dem Heiligen Römischen Reich und dem Kalifat der Abbasiden konfrontiert, hätte es sich vielleicht erholen können, aber um die gleiche Zeit erschienen neue Eindringlinge – die Normannen, die Italien eroberten, und die Seldschuken, die hauptsächlich an Ägypten interessiert waren, aber auch Raubzüge nach Kleinasien, dem wichtigsten Rekrutierungsgebiet für die byzantinische Armee, unternahmen. Nach der Niederlage von Kaiser Romanos IV. im Jahr 1071 bei Mantzikert gegen Alp Arslan, den seldschukischen Sultan, ging der Großteil Kleinasiens verloren, unter anderem auch deshalb, da innere Kämpfe um den Kaiserthron ausbrachen und keine gemeinsame Abwehr gegen die Seldschuken errichtet wurde. Die bedeutendste Provinz des byzantinischen Reiches ging aber nicht unmittelbar nach der Niederlage verloren, vielmehr begann der Einfall der Seldschuken erst drei Jahre danach, als der neue Kaiser sich nicht an die Abmachungen hielt, die zwischen Romanos VI. und dem Sultan getroffen wurden. Dies lieferte den Seldschuken einen Vorwand zur Invasion.
Alexius_I.jpg Die letzten Jahrhunderte der byzantinischen Geschichte wurden durch einen Usurpator, Alexios I. Komnenos, geprägt, der 1081 an die Macht gelangte und anfing, die Armee auf Basis eines Feudalsystems (Pronoia) wiederherzustellen. Es gelangen ihm bedeutende Fortschritte gegen die Seldschuken und auf dem Balkan gegen die Petschenegen. Sein Aufruf um westliche Hilfe brachte ungewollt den ersten Kreuzzug hervor, der ihm half, Nicäa und die Westküste Kleinasiens zurück zu erobern. Allerdings hatte der Kreuzzug (auf dem es bereits zu Spannungen zwischen den Kreuzfahrern und den Byzantinern gekommen war) schwerwiegende Folgen, denn die späteren Kreuzzüge entwickelten sich zunehmend feindselig. Alexios gewährte venezianischen Händlern Zugang zu vielen byzantinischen Häfen, doch die Republik Venedig – paradoxerweise einst selbst ein Vorposten byzantinischer Kultur im Westen – wurde zu einer ernsten Bedrohung für das Reich.
Unter Kaiser Johannes II. Komnenos (1118-1143), dem Sohn des Alexios I., und dessen Sohn Manuel I. Komnenos (1143-1180) gelang es, die byzantinische Stellung in Kleinasien und auf dem Balkan zu festigen. Manuel I. Komnenos hatte sich nicht nur mit den Angriffen des Normannischen Königreiches von Süditalien her und dem zweiten Kreuzzug (1147-1149) auseinanderzusetzen, er betrieb auch eine ehrgeizige Westpolitik, die auf territoriale Gewinne in Italien und Ungarn abzielte; dabei geriet er auch in Konflikt mit Kaiser Friedrich I. Barbarossa. Im Osten konnte er gegen die Seldschuken Erfolge erzielen. Sein Versuch, ihr Reich völlig zu unterwerfen, endete allerdings in der vernichtenden Niederlage in der Schlacht von Myriokephalon 1176. In der Folge konnten die Seldschuken ihre Macht auf die benachbarten muslimischen Reiche in Kleinasien (Danishmendiden) und auch gegen Byzanz zur Mittelmeerküste hin ausdehnen. Andronikos I., der letzte Komnenenkaiser, errichtete eine kurze, aber brutale Schreckensherrschaft (1183–85), infolgedessen aber auch das von Alexios I. begründete Regierungssystem, das vor allem auf die Einbindung der Militäraristokratie beruhte, zusammenbrach.
Das Reich wurde unter den nachfolgenden Kaisern aus dem Hause Angeloi von schweren inneren Krisen erschüttert, die schließlich dazu führten, dass sich Alexios IV. an die Kreuzfahrer wandte und sie dazu bewog, für ihn und seinen Vater um den Thron zu kämpfen. Als die erhoffte Bezahlung ausblieb, kam es zur Katastrophe: Unter dem Einfluss Venedigs eroberten die Ritter des vierten Kreuzzugs 1204 Konstantinopel und gründeten das kurzlebige Lateinische Kaiserreich. Damit schwächten sie jedoch die byzantinische Macht dauerhaft, was fatale Folgen haben sollte.
Nach der Eroberung Konstantinopels durch die Lateiner entstanden drei byzantinische Nachfolgestaaten: Nicäa, wo Kaiser Theodor I. Laskaris im Exil die byzantinische Tradition aufrecht erhielt, das Despotat Epirus und das Kaiserreich Trapezunt, das sich unter den Nachkommen der Komnenen bereits vor der Eroberung Konstantinopels abgespalten hatte. Theodoros I. Laskaris und seinem Nachfolger Johannes III. Dukas Batatzes (1222-1254) gelang es, in Westkleinasien ein wirtschaftlich blühendes Staatswesen aufzubauen und die Grenze zu den Seldschuken, die sich seit ihrer Niederlage gegen die Mongolen 1243 im Niedergang befanden, zu stabilisieren. Gestützt auf diese Machtbasis konnten die Laskariden erfolgreich auch in Europa expandieren, Thrakien und Makedonien erobern und die Konkurrenten um die Rückgewinnung Konstantinopels (Reich von Epiros, das nach einer Niederlage gegen die Bulgaren 1230 stark geschwächt war, und das Bulgarenreich, das auch durch den Mongoleneinfall 1241 stark beeinträchtigt wurde) aus dem Feld schlagen. Nach der kurzen Regierung des hochgebildeten Theodoros II. Laskaris (1254-1258) übernahm der erfolgreiche Feldherr Michael Palaiologos die Regentschaft für den minderjährigen Johannes IV. Laskaris, den er schließlich blenden und in ein Kloster schicken ließ und begründete so die neue Dynastie der Palaiologen, die das Reich bis zu seinem Untergang regieren sollte.
Michael VIII. Palaiologos (1259-1282) konnte eine Allianz seiner Gegner (Epiros, Fürstentum Achaia, Königreich Sizilien, Serbien und Bulgarien) 1259 in der Schlacht bei Pelagonia in Makedonien besiegen und 1261 durch einen glücklichen Zufall Konstantinopel wieder einnehmen. Das Reich war somit wiederhergestellt, aber große Teile des ehemaligen Reichsgebietes unterstanden nicht mehr der Kontrolle der Reichsregierung, denn die Herrscher, die sich nach dem Zusammenbruch im Jahr 1204 in diesen Teilgebieten etabliert hatten, waren nicht geneigt, sich Konstantinopel unterzuordnen. Auch Konstantinopel war nicht mehr die glanzvolle Metropole von einst. Die Einwohnerzahl war geschrumpft, ganze Stadtviertel waren verfallen und beim Einzug des Kaisers waren zwar noch reichlich die Spuren der Eroberung von 1204 zu sehen, aber nirgendwo sah man Zeichen des Wiederaufbaus. Byzanz war nicht mehr die alte Großmacht, sondern nur noch ein Staat unter vielen in der Region. Michael VIII. Palaiologos' Hauptsorge galt aber nun der Sicherung des europäischen Besitzstandes und vor allem der Hauptstadt gegen erneute Kreuzzugsversuche aus dem Westen (vor allem durch Karl I. Anjou, der die Staufer in Unteritalien ablöste); deshalb ging Michael VIII. 1274 auch die innenpolitisch höchst umstrittene Union von Lyon mit der Westkirche ein, um den Papst von der Unterstützung von Kreuzzügen abzuhalten. Als Karl I. Anjou dennoch einen Angriff vorbereitete, setzte die byzantinische Diplomatie 1282 einen Aufstand in Sizilien (Sizilianische Vesper) in Gang. Daneben aber vernachlässigten die Palaiologen die Grenzverteidigung im Osten, was den verschiedenen türkischen Staaten, die sich während des Zerfalls des Seldschukenreiches etablierten, die Expansion nach Westkleinasien ermöglichte, das sukzessive bis in die 1330er Jahre fast vollständig dem Reich verloren ging.
Während sich in Kleinasien auf dem ehemaligen Reichsgebiet verschiedene türkische Emirate etablierten (Menteshe, Aydin, Germiyan, Saruhan, Karasi und die Osmanen in Bithynien), leistete sich das Reich mehrere Bürgerkriege (die längsten zwischen Andronikos II. Palaiologos (1282-1328) und seinem Enkel Andronikos III. Palaiologos in den Jahren von 1321 bis 1328; zwischen Johannes V. Palaiologos und Johannes VI. Kantakuzenos von 1341 bis 1347 und 1353/1354); dabei suchten beide Parteien die Hilfe der Nachbarn (Serben, Bulgaren, aber auch Aydin und Osmanen). Dies ermöglichte dem Serbenreich unter Stefan Uroš IV. Dušan den Aufstieg zur beherrschenden Macht des Balkans und die Eroberung Makedoniens, Albaniens und Thessaliens. Mit seiner Krönung zum Zaren der Serben und Selbstherrscher der Griechen beanspruchte Stefan Dušan auch den byzantinischen Kaiserthron und die Herrschaft über Konstantinopel (slawisch Zargrad). Es gelang ihm aber nicht einmal, die zweite Hauptstadt Thessalonike zu erobern, und sein Reich zerfiel nach seinem Tod 1355 in mehrere Teilstaaten.
Während also die christliche Staatenwelt des Balkan zerstritten war, setzten sich seit 1352 die Osmanen auch in Europa fest und expandierten in das noch byzantinische Thrakien, das sie bis in die 1370er Jahre großteils eroberten. Nach einem ersten Sieg über die Serben 1371 an der Maritza nahmen sie sukzessive auch Makedonien ein; das zu einem Kleinstaat gewordene Byzanz (Konstantinopel samt Umland, Thessalonike mit Umland, einige Ägäisinseln, Despotat von Mistra auf der Peloponnes) wurde den Osmanen tributpflichtig. Mehrmals ersuchte Byzanz im Westen um Hilfe und bot dafür sogar die Kirchenunion (1439 auf dem Konzil von Ferrara und Florenz) an, was jedoch am Widerstand der byzantinischen Bevölkerung scheiterte ("lieber den Sultansturban als den Kardinalshut"). Nach der Schlacht auf dem Amselfeld 1389 und der Niederlage der westlichen Kreuzfahrer 1396 bei Nikopolis schien die Lage des Reiches aussichtslos, doch gewährte die Niederlage der Osmanen gegen Timur Leng bei Angora 1402 den Byzantinern einer kurze Atempause.
Nachdem sich das Osmanenreich aber wieder stabilisiert hatte, wurde Konstantinopel wieder schnell zum Ziel der osmanischen Expansionspolitik und fiel nach einem ersten, erfolglosen Angriff im Jahre 1422 am 29. Mai 1453 nach knapp zweimonatiger Belagerung an Mehmed II. Die Stadt wurde drei Tage lang geplündert. Der letzte byzantinische Kaiser, Konstantin XI., fiel während der Kämpfe um die Stadt.
Der 29. Mai gilt auch heute noch bei den Griechen als Unglückstag, denn es begann die lange türkische Fremdherrschaft, während der nur die Religion als bindende Kraft erhalten blieb. Die Anfangs- und Enddaten der Unabhängigkeit der Hauptstadt, 395 und 1453, galten lange auch als zeitliche Grenzen des Mittelalters. Bis 1461 wurden auch die restlichen Städte – wie Trapezunt am östlichen Schwarzen Meer und Misthra auf der Halbinsel Morea (Peloponnes) – ebenfalls erobert. Lediglich Monemvasia auf dem Peloponnes blieb frei und unterstellte sich 1464 dem Protektorat Venedigs. Der Fall von Byzanz ist ein Wendepunkt der Geschichte. Das Byzantinische Reich, das sich als eines der langlebigsten der Weltgeschichte erwiesen hatte, war damit untergegangen.
Bis heute wirkt die byzantinische Kultur fort vor allem im Ritus der östlich-orthodoxen Kirchen. Durch byzantinische Missionsarbeit verbreitete sich das orthodoxe Christentum bei vielen slawischen Völkern und ist bis in die Gegenwart die vorherrschende Konfession in Osteuropa und Griechenland wie auch in Teilen von Südosteuropa und Kaukasien sowie bei den meisten arabischen Christen. Die byzantinische Kultur und Denkweise hat alle orthodoxen Völker tief geprägt.
Die slawischen Reiche auf dem Balkan und am Schwarzen Meer übernahmen neben der orthodoxen Kirche auch profane byzantinische Bräuche. Vor allem Russland sollte das Erbe des Byzantinischen Reiches fortführen. Schon im 9. Jahrhundert kamen die Rus mit Byzanz in Kontakt, und in Folge entwickelten sich – trotz immer wiederkehrender Versuche von Seiten der Rus Konstantinopel zu erobern – intensive wirtschaftliche und diplomatische Beziehungen zwischen dem Byzantinischen Reich und der Kiewer Rus, die 988 zum Übertritt der Rus zum orthodoxen Glauben führten. In den folgenden Jahrhunderten wurden auf ostslawischem Gebiet zahlreiche prachtvolle Kirchen nach byzantinischem Vorbild gebaut, byzantinische Priester und Mönche brachten die kyrillische Schrift mit und machten die Russen mit rudimentärer griechischer Philosophie vertraut. Die russische Architektur und Kunst hat neben skandinavischen und slawischen vor allem byzantinische Wurzeln.
Nach dem Untergang des Byzantinischen Reichs übernahm dann das russische Moskowiterreich in vielen Teilen byzantinisches Zeremoniell. Der Patriarch von Moskau errang bald eine ähnlich prominente Stellung innerhalb der orthodoxen Kirche wie vormals der Patriarch von Konstantinopel. Moskau sah sich bald als Drittes Rom in der Nachfolge Konstantinopels. Iwan III., Herrscher des Großfürstentums Moskau, heiratete die Nichte von Konstantin XI., Zoe, und übernahm den byzantinischen Doppeladler als Wappentier. Iwan IV., genannt „der Schreckliche“, war der erste moskowitische Herrscher, der sich schließlich offiziell zum Zaren (Caesar) krönen ließ.
Die beinah kontinuierlich betriebene panslawistische Hegemonialpolitik Russlands kann in diesem Sinne als Fortwirken des römisch-byzantinischen Gedanken eines universalen Kaiserreichs interpretiert werden. Die russische Außenpolitik richtete sich vor allem gegen das Osmanische Reich und hatte bis in das 20. Jahrhundert hinein die Rückeroberung Konstantinopels für die orthodoxe Christenheit zum Ziel.
Aber auch die osmanischen Sultane betrachteten sich als legitime Erben des Byzantinischen Reiches, obwohl die seldschukischen und osmanischen Türken jahrhundertelang Erzfeinde der Rhomäer gewesen waren und das Byzantinische Reich letztlich vernichtet hatten.
Schon Sultan Mehmed II. bezeichnete sich als „Kayser-i Rum“ (Kaiser von Rom) - die Sultane stellten sich somit ganz bewusst in die Kontinuität des (Ost-)Römischen Reiches, um sich zu legitimieren. Das Osmanische Reich, das sich in der Auseinandersetzung mit Byzanz entwickelte, hatte mit diesem mehr als nur den geografischen Raum gemeinsam. Der Historiker Arnold J. Toynbee bezeichnete das Osmanische Reich - allerdings sehr umstritten - als Universalstaat des „christlich-orthodoxen Gesellschaftskörpers“. Eine staatsrechtliche Fortsetzung fand das byzantinische Reich jedenfalls nicht.
Bezüglich aktueller bibliographischer Informationen sei vor allem auf die Byzantinische Zeitschrift hingewiesen.
Vgl. vor allem die Bibliographie Spätantike.
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