Ostfriesland (Ostfriesisches Plattdeutsch: Oostfreesland) ist eine Region zwischen dem 53. und 54. Breitengrad im Nordwesten des Landes Niedersachsen und kommunalpolitisch ein Landschaftsverband.
Ostfriesland CoA.svg | Flag of East Frisia.svg | Emden_city_hall.jpg
Ostfriesland besteht aus der kreisfreien Stadt Emden sowie den Landkreisen Aurich, Leer und Wittmund. Diese bilden - von kleineren Grenzkorrekturen abgesehen - das Gebiet des ehemaligen Fürstentums Ostfriesland (1464 bis 1744), das später als Regierungsbezirk Aurich (bis 1978) innerhalb Preußens und später Niedersachsens fortbestand. Die Einwohner dieses Landstriches sind die einzigen, die sich auch heute noch uneingeschränkt als Ostfriesen bezeichnen. Zudem sind die Stadt und die drei Kreise das Gebiet, das von der Ostfriesischen Landschaft, dem "Kulturparlament" der Ostfriesen, betreut wird.
Geografisch umfasst Ostfriesland darüber hinaus den Landkreis Friesland mit Sitz in Jever, die kreisfreie Stadt Wilhelmshaven sowie das Saterland. Wilhelmshaven und der Landkreis Friesland befinden sich interessanterweise östlich von Ostfriesland. Grund für diesen - für Außenstehende verwirrenden - Umstand ist, dass die Benennung "Landkreis Friesland" (auch "Oldenburger Friesland" genannt) sich auf dessen nördliche Lage im ehemaligen Land Oldenburg bezieht. Ostfriesland im geografischen Sinne umfasst also den Landstrich zwischen Emden im Westen und Wilhelmshaven im Osten, zwischen den Mündungen von Ems und Jade sowie deren Mündungsbuchten Dollart und Jadebusen. Neuerdings wird für die Gesamtheit dieser Gebiete (Städte Emden und Wilhelmshaven, Landkreise Aurich, Friesland, Leer und Wittmund) gerne die Schreibweise Ost-Friesland verwendet, um den Unterschied zum "politisch-historischen" Ostfriesland hervorzuheben. Diese - eher "künstliche" - Schreibweise trifft jedoch nicht in allen Städten und Kreisen der genannten Region auf uneingeschränkte Gegenliebe.
Dem Unterschied zwischen historisch-politischer und geografischer Auffassung von Ostfriesland verdankt auch die Insel Wangerooge eine "zwiespältige" Zuordnung: Einerseits wird sie geografisch zu den Ostfriesischen Inseln gezählt. Andererseits gehört sie politisch-historisch seit Jahrhunderten zum Jeverland und damit seit 1818 zu Oldenburg, heute also zum Landkreis Friesland. Sie ist also gewissermaßen die einzige "oldenburgische" unter den (bewohnten) Ostfriesischen Inseln.
Die Begrenzung des "geografischen" Ostfrieslands nach Osten bildet der Raum um Oldenburg (Stadt Oldenburg, Landkreise Ammerland und Wesermarsch), nach Süden der stark katholisch geprägte cloppenburgisch-emsländische Raum (ehemaliges Niederstift Münster). Spricht man von Ostfriesland im engeren Sinne, so wird es im Osten durch den oldenburgischen Landkreis Friesland begrenzt.
Eine Sonderrolle spielt das Saterland. Es gehört zwar kulturhistorisch und sprachgeschichtlich zu Ostfriesland, kam aber aufgrund seiner isolierten Lage schon früh unter den Einfluss des Bistums Münster, während Ostfriesland dem Bistum Bremen unterstellt war. Diese Trennung aus der Zeit des Spätmittelalters wirkt sich bis in die Gegenwart hinein aus: Das Saterland gehört heute zum Landkreis Cloppenburg. Dank der Isolierung konnte das Saterfriesische als einzige Varietät der ostfriesischen Sprache bis heute überleben, während im Rest ostfriesische Dialekte der Niedersächsischen Sprache gesprochen werden (Ostfriesisches Platt).
Ostfriesen fühlen sich als Teil der friesischen Kultur - als Friesen, die in den Nationalstaaten der Niederlande, Deutschlands und Dänemarks an der Nordseeküste wohnen. Zur "Sektion Ost" des Friesenrates gehören daher neben Ostfriesland, dem Oldenburger Friesland und dem Saterland auch die Landstriche Butjadingen (Landkreis Wesermarsch) und Land Wursten (zwischen Bremerhaven und Cuxhaven).
Eine Besonderheit Ostfrieslands ist unter anderem, dass es nicht von einer größeren Stadt geprägt ist, sondern dass sein Reiz vielmehr in der Vielfalt der zahlreichen Mittelstädte und Dörfer liegt.
Die Jahrhunderte dauernde Isolation durch die Nordsee im Norden und Moore im Süden bedingte eine sehr eigenständige Entwicklung Ostfrieslands. Deshalb gibt es noch heute einen latenten Hang zum Separatismus, der sich aber vor allem in kulturellen Belangen zeigt und politisch als ein Bemühen um den Erhalt historisch gewachsener Strukturen bzw. die Vermeidung der Verschmelzung mit außerostfriesischen Institutionen oder verwaltungstechnischen Einheiten hervortritt.
Auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet allerdings sind Kooperationen mit Städten und Kreisen außerhalb Ostfrieslands mittlerweile gang und gäbe. Die regionale Industrie- und Handelskammer etwa heißt "Industrie- und Handelskammer für Ostfriesland und Papenburg" und umfasst aus auch die emsländische Stadt Papenburg, da die dortigen Hafenunternehmen und die Meyer Werft aus wirtschaftsgeografischen Gründen besser dem Küstenlandstrich Ostfriesland zuzuordnen sind - historisch-politisch wäre Papenburg sonst Osnabrück zuzuordnen. Im Tourismus-Sektor wirbt das oldenburgische Ammerland inzwischen unter der Dachmarke "Ostfriesland" - gemeinsam mit dem Oldenburgischen Friesland (Landkreis Friesland, Wilhelmshaven) und Ostfriesland. Ähnliche Kooperationen bestehen beispielsweise beim ÖPNV. Auch die so genannte Ems-Achse (Ostfriesland, Landkreise Emsland und Grafschaft Bentheim), die der wirtschaftlichen Zusammenarbeit der Gebietskörperschaften entlang der Ems dient, ist Ausdruck einer Kooperation Ostfrieslands mit den umgebenden Landkreisen.
Zwischen den Inseln und dem Festland befindet sich das Wattenmeer, ein einzigartiges Biotop, das seine Entstehung den Gezeiten verdankt indem es bei Ebbe weitgehend trocken fällt, bei Flut dagegen völlig unter Wasser liegt. Das Wattenmeer ist durchzogen von Prielen, über die das Wasser ab- oder zuströmt.
An vielen Stellen folgen dem Watt Salzwiesen, die nur noch gelegentlich bei besonders hohem Wasserstand ganz oder teilweise überflutet werden. Auch diese bilden einen ganz eigenen Lebensraum, der besonders durch eine eigenwillige Pflanzengesellschaft geprägt ist, deren Pionierpflanze der Queller ist.
Vor etwa 1000 Jahren begannen die Menschen, sich durch Deiche gegen die Nordseefluten zu schützen. Dennoch kam es im Zuge großer Flutkatastrophen immer wieder zu teilweise erheblichen Landverlusten. Im Gegenzug aber begannen schon bald die Menschen, Neuland aus dem Meer zu gewinnen. Es entstanden sogenannte Polder.
Der Küstenraum des Festlandes ist Marschland, das weiter landeinwärts in Niedermoore, Geest und Hochmoore übergeht.
An Hochmooren zu nennen ist insbesondere das Gebiet um das Ewige Meer bei der Ortschaft Eversmeer. Zahlreiche weitere Flächen, die Reste der ehemals großen Hochmoore darstellen, und darin gelegene kleinere Seen wie z. B. das Lengener Meer sind heute ebenfalls Schutzgebiete. In jüngerer Zeit wurde vielfach durch Wiedervernässungsmaßnahmen der ursprüngliche Charakter annähernd zurückgewonnen, nachdem diese Flächen über lange Zeit wegen ihrer Insellage inmitten von Kulturland stark entwässert und anschließend verbuscht waren.
Die Altmoränenlandschaft der Geest zeichnet sich durch vorwiegend sandiges Geschiebematerial der Saale-Eiszeit aus und ist heute weitgehend als land- oder (in geringem Umfang) forstwirtschaftliche Fläche kultiviert.
Nach Auflösung der Allmende entstand dank der den Bauern auferlegten Pflicht, ihre Parzellen abzugrenzen und das Ausbrechen des Weideviehs zu verhindern, die typische Wallheckenlandschaft mit kleinen Weideflächen, die von busch- und baumbestandenen Erdwällen umgeben sind, deren Zugangsöffnungen mit den ebenso typischen grob gezimmerten Holztoren (Platt: hek) verschlossen werden.
Heutzutage findet man in Ostfriesland auch Wald- bzw. Forstgebiete. In früherer Zeit dagegen waren größere geschlossene Waldbestände dort weitgehend unbekannt.
Man findet in Ostfriesland auch eine größere Anzahl natürlicher (Niedermoor-)Seen, deren größter das "Große Meer" bei Bedekaspel, Gemeinde Südbrookmerland, ist.
Im frühen Mittelalter war eine Besiedelung nur in höher gelegenen Geestgebieten und auf so genannten Warften (Erdhügel; sekundärem -t- richtiger: Warf; vgl. die vielen Ortsnamen auf -Warf, z. B. Anderwarfen, Möhlenwarf, Tichelwarf) im regelmäßig von der Nordsee überfluteten Marschland möglich. Erst der Deichbau (ab ca. 1000 n. Chr.) ermöglichte es den Friesen die gesamte Marsch zu besiedeln ("Gott schuf das Meer, der Friese die Deiche").
Unter Karl d. Gr. wurde Ostfriesland in zwei Grafschaften geteilt. Zu dieser Zeit setzte auch die Christianisierung durch die Missionare Liudger und Willehad ein. Ostfriesland wurde dann zum Teil dem Bistum Bremen, zum anderen dem Bistum Münster zugeschlagen.
Mit dem Verfall des Karolingerreiches löste sich Ostfriesland aus den früheren Bindungen und es entstand ein Verbund selbständiger, selbst verwalteter Bezirke, die jeweils jährlich als ihre Vertreter so genannte "Redjeven" (Rechtsprecher, Ratsmänner) wählten, die sowohl die Gerichtsbarkeit ausübten als auch die Verwaltung und Organisation ihrer Bezirke regelten. So blieb der im Mittelalter in Europa verbreitete Feudalismus in Ostfriesland unbekannt. Vielmehr verstanden sich die Friesen als freie Menschen, die keiner Obrigkeit verpflichtet waren.
Alljährlich versammelten sich während dieser Zeit der so genannten Friesischen Freiheit, die vom 12. bis ins 14. Jahrhundert währte, Abgesandte der 7 friesischen Seelande am Upstalsboom nahe Aurich, um dort Recht zu sprechen und politische Entscheidungen von überregionaler Bedeutung zu treffen.
Es folgte eine Zeit, geprägt vom ständigen Streit der Häuptlingssippen um Machtbereiche, Einfluss und Vorherrschaft, die erst endete, nachdem um 1430 Edzard Cirksena sich als Anführer eines Bundes der Freiheit durchgesetzt hatte. Ulrich Cirksena, ein Angehöriger eines der letzten einflussreichen Häuptlingsgeschlechter, wurde von Kaiser Friedrich III. in den Reichsgrafenstand erhoben und wurde mit Ostfriesland als Reichsgrafschaft belehnt. Es gehörte zum Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis.
Unter der Herrschaft des später in den Fürstenstand erhobenen Hauses Cirksena entwickelte sich Ostfriesland gesellschaftlich und wirtschaftlich vorteilhaft. Die größte Ausdehnung erreichte die Grafschaft unter Edzard dem Großen, dem bedeutendsten Cirksena-Herrscher, unter dessen Herrschaft auch die Ausbreitung der Reformation in Ostfriesland begann und das Ostfriesische Landrecht konzipiert wurde. In dieser Zeit (1547 - 1625) lebte auch Ubbo Emmius, der bedeutende ostfriesische Humanist, Historiker und Gründungsrektor der Universität Groningen.
Während des Dreißigjährigen Krieges litt Ostfriesland große Not unter der Heimsuchung durch die Truppen des Grafen von Mansfeld. Die einzige Ausnahme bildete Emden, da der kurz zuvor fertig gestellte Emder Wall die Stadt vor der Einnahme durch fremde Truppen schützte.
1726/27 kam es zum so genannten Appell-Krieg, der sich in einem erneuten Konflikt zwischen dem Fürsten Georg Albrecht und einem Teil der Stände äußerte, die sich in gehorsame und renitente Stände aufspalteten. Der Fürst ging als Sieger aus diesem Konflikt hervor. Selbst die an der Spitze der renitenten Stände stehende Stadt Emden unterwarf sich. Durch das schlechte Verhandlungsgeschick des Kanzlers von Georg Albrecht, Enno Rudolph Brenneysen, kam es in der Folge jedoch nicht zu einer friedlichen Einigung der an dem Konflikt beteiligten Parteien. Obwohl Kanzler und Fürst eine strenge Bestrafung der Renitenten forderten, wurden diese 1732 vom Kaiser amnestiert. Als Fürst Georg Albrecht am 11. Juni 1734 starb, übernahm Carl Edzard im Alter von 18 Jahren die Amtsgeschäfte als letzter noch lebender Nachkomme von Georg Albrecht. Auch er konnte die Konflikte mit den Ständen jedoch nicht lösen.
Zu dieser Zeit wurden die Weichen für die Machtübernahme Preußens in Ostfriesland gestellt. Eine bedeutende Stellung hierbei nahm die Stadt Emden ein, die nach dem Appell-Krieg politisch isoliert und wirtschaftlich stark geschwächt war. Ziel musste es nun sein, Emden die Stellung als "ständische Hauptstadt" und Handelsmetropole zurückzugeben. Ab 1740 setzte sich in Emden die Meinung durch, dass dieses Ziel mit preußischer Hilfe erreicht werden könnte. Dazu sollte ein Vertragswerk geschaffen werden, das die preußische Anwartschaft in Ostfriesland anerkannte. Die wirtschaftliche Position Emdens sollte durch vertraglich festgelegte Schutzmaßnahmen und Förderungen gestützt und die bestehenden Privilegien der Stadt bestätigt werden. Die Verhandlungen auf preußischer Seite führte der Direktorialrat im niederrheinisch-westfälischen Reichskreis, Sebastian Anton Homfeld, der am 8. November 1740 einen ersten Entwurf über die Verfahrensweise beim Eintreten des Erbfalls vorlegte. Homfeld galt als einer der führenden Vertreter der renitenten Stände. Nach anfänglichen Schwierigkeiten kam es darauf aufbauend am 14. März 1744 zum Abschluss von zwei Verträgen. Zum einen war dies die Königliche Special-Declarations- und Versicherungsakte, zu anderen die Agitations- und Konventionsakte, in der vornehmlich wirtschaftliche Regelungen getroffen wurden. Des weiteren stütze sich Preußen auf das von Kaiser Leopold I. 1694 ausgestellte Expektanz, das das Recht auf Belehnung des Fürstentums Ostfriesland für den Fall fehlender männlicher Erben sicherstellte. Trotz des Widerstands des Königreichs Hannover sollte sich Preußen im Bemühen um Ostfriesland durchsetzen. Nach dem Tode des letzten Herrschers Karl Edzard aus dem Hause Cirksena übernahm Friedrich der Große 1744 die Grafschaft Ostfriesland.
Nach der Schlacht bei Jena und Auerstedt wurde Ostfriesland in das Königreich Holland und damit in den französischen Machtbereich eingegliedert. 1810 kam es als Departement "Ems-Oriental" ("Osterems") unmittelbar zum französischen Kaiserreich. Nach der Niederlage Napoleons und des Zusammenbruchs seiner Herrschaft, kam es in den Jahren 1813 bis 1815 erneut zum Einzugs Preußen in Ostfriesland. Ostfriesische Soldaten nahmen während dieser Zeit an den Schlachten von Ligny und Belle-Alliance (Waterloo) teil. Die Hoffnungen Ostfrieslands preußisch zu bleiben, wurden jedoch mit dem Wiener Kongress 1814/15 enttäuscht. Nach dem Abtreten Napoleons sollte in Wien eine neue territoriale Ordnung Europas begründet werden. Preußen wurde ein Teil des Großherzogtums Warschau, nämlich Posen, zugesprochen. Außerdem erhielt Preußen noch Vorpommern, Westfalen und die Rheinprovinz, musste Ostfriesland jedoch an das Königreich Hannover abtreten. Federführend hierbei war England, das die Festsetzung Preußens an der Nordseeküste verhindern wollte. Dazu heißt es in Artikel 27 der Schlussakte des Wiener Kongresses: "Der König von Preußen tritt an den König von Großbritannien und Hannover das Fürstentum Ostfriesland ab unter den Bedingungen, die im Artikel 5 über die Emsschiffahrt und den Handel im Emdener Hafen gegenseitig festgelegt sind. Die Stände des Fürstentums werden ihre Rechte und Privilegien behalten." Die dann folgende Zeit war geprägt von Stillstand und teilweisem Rückschritt. Deshalb waren die Ostfriesen froh, als ihr Land mit der Annexion des Königreiches Hannover durch Preußen 1866 wieder preußisch wurde und sich daraus tatsächlich umgehend ein Entwicklungsschub ergab.
Über die Zeit des Nationalsozialismus in Ostfriesland finden sich umfangreiche Darstellungen, die die besondere Problematik und die zum Teil sehr unterschiedlichen Reaktionen und Verhaltensweisen in der Region beleuchten. Es würde den Rahmen sprengen, das an dieser Stelle weiter ausführen zu wollen.
Seit 1946 ist Ostfriesland Teil des neugegründeten Landes Niedersachsen. 1978 wurde der Regierungsbezirk Aurich, der Ostfriesland umfasste, mit den Bezirken Osnabrück und Oldenburg im Regierungsbezirk Weser-Ems zusammengefasst. Im Jahre 2004 wurden im Zuge einer Verwaltungsreform alle Regierungsbezirke und damit auch der Bezirk Weser-Ems aufgelöst. Für kulturelle Belange in Ostfriesland ist die Ostfriesische Landschaft verantwortlich.
Ostfriesland ist bei Wahlen eine traditionelle SPD-Hochburg. So erreichte die SPD bei den Bundestagswahlen 2002 im Wahlbezirk 25 (Emden-Aurich) 61,4 Prozent der Zweitstimmen (CDU: 25,2 %, Bündnis90/Die Grünen: 7,1 %, FDP: 4,7 %, PDS: 1,4 %). Auch im Wahlkreis Unterems erreicht die SPD im ostfriesischen Teil (Landkreis Leer) besonders hohe Anteile, im Gegensatz zum Emsland.
Im Jahr 2005 begann in den ostfriesischen Kreistagen eine Diskussion über einen möglichen Zusammenschluss zu einem "Landkreis Ostfriesland".
Die drei gekrönten Bügelhelme über dem ostfriesischen Wappen sind Bestandteile der Wappen der Cirksena (mittlerer Helm, welcher als als Helmzier eine goldene Lilie vor sechs goldenen Straußenfedern trägt) und des Harlingerlandes (rechter Helm mit zwei schräggekreuzte Geißeln und eine Lilie) sowie der Tom Brok (mit rot-goldener Helmdecke)
Eingeführt wurde das sechsschildrige ostfriesische Wappen von Graf Rudolf Christian, der von 1625 bis 1628 regierte.
Die ostfriesische Flagge besteht aus den Farben schwarz, rot und blau, welche die sich aus den Farben der Häuptlingsfamilien erklären, nämlich Schwarz (Cirksena), Rot (tom Brok), Blau (Harlingerland). Die Flagge wurde durch Kaiser Leopold I. zusammen mit dem Wappen am 24. Januar 1678 offiziell verliehen.
Die Ostfriesische Sprache, die in zwei Varianten - einer ems- und einer weserfriesischen Form existierte - überlebte etwas länger auf den Inseln, z. B. auf Wangerooge (Wangerooger Friesisch), und ist bis heute erhalten im nicht zu Ostfriesland gehörenden Saterland, das in früherer Zeit abgewanderten Ostfriesen als Zuflucht diente, wo sich die Sprache als Saterfriesisch (Seeltersk) wegen der Abgelegenheit der Region bis in die Gegenwart erhalten konnte und heute eine der kleinsten Sprachinseln Europas bildet.
Im Saterland gibt es seit dem Jahr 2000 zweisprachige (deutsch/saterfriesisch) Ortsschilder. Seit 2004 dürfen auch einige Gemeinden in Ostfriesland zweisprachige Schilder (deutsch/plattdeutsch) aufstellen, nämlich die Stadt Aurich (Auerk), die Gemeinde Großheide (Grootheid) und seit 2006 auch die Gemeinde Lütetsburg (Lütsbörg). In weiten Gebieten haben sich allerdings die plattdeutschen Ortsnamen auch erhalten (Beispiele: Moorhusen, Rechtsupweg), so dass keine zweisprachigen Schilder notwendig sind.
So bildete sich eine ganz eigene Ostfriesische Teekultur, die man bei den Ostfriesen zu Hause oder z. B. in dem Teemuseum der Stadt Norden erleben kann.
Der Tee wird aus relativ kleinen Tassen getrunken, bei den Geschirrherstellern "Moccatassen" genannt. Dabei darf die Tasse nur zu dreiviertel gefüllt werden. Im Gegensatz zum "Kaffeelöffel" versteht man in Ostfriesland unter einem "Teelöffel" einen kleinere Variante, als der Rest der Republik. Diese Größe wird bei den Besteckherstellern als "Moccalöffel" geführt. Die Teekanne wird auf einem kerzenbeheizten Stövchen serviert.
Gezuckert wird ausschließlich mit Kluntje. Zum Weißen nutzt man im Original den abgeschöpften Rahm von frischer Kuhmilch, die offen auf dem Tisch steht oder ersatzweise ungeschlagene Sahne, die mit einem kleinen Schöpflöffelchen kreisförmig in den Tee gegeben wird. Gelungen ist das Ostfriesenritual dann, wenn der Kluntje unter leisem Knistern zerspringt und der Rahm in Wölkchen nach oben aufwallt. Am besten schmeckt der Tee, wenn er mit dem braunem Wasser eines Moorbrunnens gebrüht wurde.
Ein weiteres Getränk ist der Kruiden. Ein 32 %-iger Kräuterbitter mit besonders bekömmlichen Geschmack, der schon fast als Medizin gehandelt wird. Besonders bekannt ist der Folts-Fruiden, der Firma Folts und Speulda, den es seit 1879 gibt.
Überhaupt wird in Ostfriesland bei entsprechenden Anlässen verhältnismäßig viel Schnaps getrunken. Eine Flasche "Klarer" und "Roter" auf dem Tisch zur freien Bedienung durch die Gäste sind weitverbreitet obligatorisch.
Gruenkohlgericht.jpg Das für Ostfriesland bekannteste Hauptgericht ist zu Winterszeiten der Grünkohl mit Pinkel oder Kassler. Um die deftig, würzige ostfriesische Variante des Grünkohls zu erreichen, muss das Fleisch zwingend im Grünkohl und niemals getrennt garen. Außerdem wird durch Einrühren von nicht zu scharfem Senf abgeschmeckt.
Eine andere Spezialität Ostfrieslands sind die ausschließlich zu Silvester gebackenen Neujahrshörnchen (plattdeutsch: Rullekes/Nijaahrskook). Es handelt sich hierbei um eine zum Hörnchen geformte, harte Waffel.
Auch ausschließlich zu Silvester gebacken, werden die sogenannten Speckendicken. Ein besonderes Gebäck, welches in der Pfanne gebraten wird.
Die typische Form des ostfriesischen Bauernhauses ist das Gulfhaus.
Auch das Bogenmachen zum Anlass einer (Jubel-) Hochzeit ist sehr beliebt. Hierzu trifft sich die Nachbargemeinschaft meist einige Tage vorher. Die Männer bauen vorzugsweise in einer Garage das Bogengestell, welches dann mit Tannenzweigen bestückt wird, während die Frauen im Haus die Rosen und Girlanden aus Papier herstellen. Bei einer silbernen und goldenen Hochzeit sind die Rosenfarben entsprechend. Bei einer hölzernen (zehnjährigen) Hochzeit werden die Tannenzweige durch große, sauber gehobelte Holzspäne ersetzt. Ausrichter ist zumeist ein unmittelbarer Nachbar. Dieser Bogen wird anschließend gemeinsam zu dem (Jubel)paar getragen und an dessen Hauseingang befestigt, woran sich oft noch eine Stehparty auf der Hauseinfahrt anschließt. Hochzeiten werden in Ostfriesland zumeist recht groß gefeiert. Selten unter fünfzig und oft über hundert Personen sind eingeladen.
Ebenfalls sehr verbreitet ist das Fegen meist einer Rathaus oder Kirchentreppe für Unverheiratete an ihrem 30-jährigen Geburtstag, wobei der Jubilant erst durch "Freiküssen" einer Jungfrau von dieser Pflicht entbunden ist. An ihrem 25-jährigen Geburtstag werden die Männer als "Alte Socke" und die Frauen als "Alte Schachtel" bezeichnet und erhalten oft auch einen entsprechend behangenen Bogen.
Es gibt auch besondere Festtagsbräuche wie z. B. das Aufstellen des Maibaums am Vorabend des 1. Mai das in eine große eurasische Traditionslinie gehört, in Ostfriesland aber eine eigene Form und eigene Regeln ausgeprägt hat. Ähnlich dem oben beschriebenen Bogenmachen wird auch der Maibaum hergestellt. Hier sind es aber neben den Nachbarsgemeinschaften auch Vereine, Dörfer und Städte, die Ihren Maibaum aufstellen. Der Maibaum muss bis zum Morgengrauen bewacht werden, was sich durch dauerndes Handanlegen eines der Besitzer ausdrückt. Ansonsten kann der Maibaum durch drei symbolische Spatenstiche "geklaut" werden und ist am nächsten Tag meist durch einen Kasten Bier und Schnaps wieder auszulösen.
Weitere Bräuche sind das Martinisingen und das Brautpfadlegen zu Himmelfahrt. Einige besondere Traditionen haben sich zudem auf den ostfriesischen Inseln erhalten.
Während sich die christlichen Konfessionen im Rahmen der Ökumene immer weiter annähern, sind sie in Ostfriesland überraschend breit gefächert. Dabei ist die ostfriesische Bevölkerung überwiegend protestantisch. In der Krummhörn, der Küstengemeinde zwischen Norden und Emden sowie entlang der niederländischen Grenze (Rheiderland) herrscht das reformierte Bekenntnis vor. Die anderen ostfriesischen Regionen sind lutherisch geprägt.
Evangelische Freikirchen sind in Ostfriesland ebenfalls überdurchschnittlich stark vertreten. Die Geschichte der Emder Mennonitengemeinde reicht in die Reformationszeit zurück. Die Baptistengemeinden (offizieller Name heute: Evangelisch-Freikirchliche Gemeinden) entstanden in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Ausgangspunkt waren die Gemeinden in Jever und Westoverledingen-Ihren. Es folgte die Evangelisch-methodistische Kirche, die mit ihren ostfriesischen Gemeindegründungen ebenfalls im 19. Jahrhundert begann. Freie evangelische Gemeinden begannen erst Anfang der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts mit ihrer Wirksamkeit. Sehr verbreitet ist etwa die Neuapostolische Kirche mit 16 Gemeinden. Weiterhin ist in Ostfriesland die Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten mit drei Gemeinden vertreten.
Die Römisch-katholische Kirche ist trotz des Zuzugs vieler katholischer Flüchtlinge in der Nachkriegszeit eine Minderheitskirche geblieben. Ostfriesland wurde dort bis vor wenigen Jahren noch als Diaspora bezeichnet, was aber im Zuge der Ökumene aufgegeben wurde.
Die lutherischen Kirchengemeinden gehören zur Evangelisch-Lutherischen Kirche Hannover. Die reformierten Christen sind Glieder der Evangelisch-reformierten Landeskirche Nordwestdeutschland. Die Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden Ostfrieslands gehören zum Landesverband Baptisten im Nordwesten und bilden hier den Regionalverband Ems-Jade. Die katholischen Kirchengemeinden gehören zum Bistum Osnabrück.
Die jüdische Gemeinde in Ostfriesland bestand über einen Zeitraum von ca. 400 Jahren von ihren Anfängen im 15. Jahrhundert bis zu ihrem Ende 1942. Siehe dazu den Hauptartikel Geschichte der Juden in Ostfriesland.
Als Reaktion auf die ärmlichen Verhältnisse suchten junge Leute vielfach als Wanderarbeiter z. B. in den Niederlanden ein Auskommen (sog. „Hollandgänger“) oder verließen ihre Heimat ganz. Viele Ostfriesen wanderten z. B. in die Vereinigten Staaten von Amerika aus, wo noch heute ein starker Gemeinschaftssinn zu finden ist. Insbesondere die Älteren sprechen dort heute noch Ostfriesisches Platt.
Ostfriesland hat als vordringlich landwirtschaftlich orientierte Region einige eigenständige Nutztierrassen hervorgebracht. Hervorzuheben sind dabei das Ostfriesenpferd, das Ostfriesische Milchschaf, das mittlerweile nur noch in wenigen reinen Exemplaren vertretene schwarzbunte Rind und die Emder Gans sowie die Hühnerrasse "Ostfriesische Möwen" in verschiedenen Farbschlägen. Das zum Typ des Niederungsviehs gehörende schwarzbunte Rind gehört zu den bedrohten alten Rassen. Es wurde seit langem durch Hochleistungszuchten wie die sog. Holstein Friesian, eine in den USA entstandene Hybridrasse, verdrängt.
Ostfriesland ist heute eine Hochburg der Windenergie-Nutzung in Deutschland. Durch die kräftigen Winde an der Küste und die dünnen Besiedelung gibt es viele große Windparks in der Region. Geplant sind auch so genannte Offshore-Windparks, die sich die weitaus stärkeren Winde auf See zu Nutze machen und im Niedersächsischen Wattenmeer errichtet werden sollen. Die Firma Enercon, der größte deutsche Hersteller von Windenergieanlagen, hat seinen Hauptsitz in Aurich. Enercon betreibt in Ostfriesland Produktionsstätten in Aurich und Emden.
Dennoch gehört mit einzelnen Ausnahmeorten Ostfriesland zu den geburtenstärksten Regionen Deutschlands, so dass entgegen dem allgemeinen Trend die Bevölkerungszahl aktuell noch steigt. Auch Gewinne durch Zuwanderung sind zu verzeichnen. Dies gleicht statistisch zwar Abwanderungsverluste aus, reduziert aber nicht die Probleme. Für die nachwachsende Generation bestehen erheblich Mängel im Bildungs- und Ausbildungsangebot. Für Mitbürger nichtdeutscher Herkunft gibt es allenfalls geringe Integrationsförderung. Zuwanderer sind vielfach Rentner, die Ostfriesland von früheren Urlaubsaufenthalten kennen und sich nach Ausscheiden aus dem aktiven Arbeitsleben dort niederlassen, oder Spätaussiedler aus Osteuropa.
Die Stadt Aurich ist derzeit nicht ans Eisenbahnnetz angeschlossen, die Reaktivierung ist jedoch beschlossen und wird voraussichtlich im Juni 2006 stattfinden. Allerdings wird diese Strecke (zumindest vorerst) ausschließlich für den Güterverkehr genutzt werden.
Museumseisenbahn Dornum-Norden
Häfen gibt es in Pogum, Ditzum, Midlum, Jemgum, Bingum, Weener, Leer, Oldersum, Petkum, Emden, Greetsiel, Norddeich, Neßmersiel, Dornumersiel, Bensersiel, Neuharlingersiel, Carolinensiel, und Harlesiel, sowie auf den Ostfriesischen Inseln. Als Seehafen gelten dabei die Häfen in Emden und Leer.
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