Ostfildern ist eine
Stadt in der Mitte
Baden-Württembergs, direkt südöstlich der Landeshauptstadt
Stuttgart. Die erst
1975 im Rahmen der
Gemeindereform entstandene Stadt hatte bereits bei ihrer Gründung mehr als 20.000 Einwohner. Daher wurde sie bereits mit Wirkung vom
1. Juli 1976 zur
Großen Kreisstadt erklärt. Heute ist sie nach
Esslingen am Neckar,
Filderstadt,
Nürtingen,
Kirchheim unter Teck und
Leinfelden-Echterdingen die sechstgrößte Stadt des
Landkreises Esslingen und gehört zum
Mittelbereich Esslingen innerhalb des
Oberzentrums Stuttgart.
Geografie
Ostfildern liegt im Osten der Landschaft
Filder, einer fruchtbaren Hochebene südlich von Stuttgart. Die geografische Lage gab der Stadt ihren Namen. Im Süden der Gemarkung fließt die
Körsch mit ihren nördlichen Nebenbächen dem Neckar entgegen.
Nachbargemeinden
Folgende Gemeinden grenzen an die Stadt Ostfildern. Sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Nordosten genannt:
Esslingen am Neckar,
Denkendorf,
Neuhausen auf den Fildern (alle
Landkreis Esslingen) sowie die kreisfreie Stadt
Stuttgart.
Stadtgliederung
Das Stadtgebiet Ostfildern besteht aus den vier
Gemarkungen Kemnat, Nellingen, Ruit sowie Scharnhausen. Im Stadtgebiet gibt es die sechs
Stadtteile Kemnat, Nellingen, Parksiedlung, Ruit,
Scharnhausen und Scharnhauser Park. (alphabetisch geordnet)
Der Stadtteil Scharnhauser Park entstand erst in den 1990er Jahren. Bis März 2006 gab es nur vier Stadtteile, die Parksiedlung und der Scharnhauser Park gehörten zu Nellingen. Darüber hinaus gibt es weitere räumlich getrennte Wohnplätze mit eigenem Namen, die aber nur sehr wenige Einwohner haben. Hierzu gehören Stockhausen, die Neumühle und der Kemnater Hof in Kemnat sowie die Nellinger Mühle in Nellingen.
Geschichte
Die Stadt Ostfildern entstand am
1. Januar 1975 durch Zusammenschluss der ehemals selbständigen Gemeinden des Landkreises Esslingen
Nellingen,
Ruit,
Kemnat und
Scharnhausen zunächst unter dem Namen Gemeinde Ostfildern.
Mit Wirkung vom 1. Januar 1976 erhielt die neue Gemeinde das Stadtrecht und ein halbes Jahr später, zum 1. Juli 1976 wurde sie von der baden-württembergischen Landesregierung zur Großen Kreisstadt erklärt. Inzwischen wurde die ehemals von der US-Armee genutzte Kaserne Nellingen Barracks als Scharnhauser Park im Zentrum der Stadt neu besiedelt. Dadurch entstand ein neuer Stadtteil. Die vier ehemaligen Gemeinden haben jedoch eine sehr lange Geschichte.
- Kemnat wurde 1229 als Kemnaten erstmals erwähnt. Der Name kommt von Keminaton, was soviel wie beheizbarer Wohnraum bedeutet. Der Ort war im Besitz der Klöster Bebenhausen und Denkendorf. Da Württemberg die Vogtei über beide Klöster ausübte, hatte Württemberg 1451 alle obrigkeitlichen Rechte über den Ort. 1449 wurde Kemnat im Städtekrieg niedergebrannt, doch danach wieder aufgebaut. Die Gemeinde gehörte zum Amt bzw. Amtsoberamt Stuttgart und kam 1938 zum Landkreis Esslingen.
- Nellingen auf den Fildern wurde 1120 als Nallingen erstmals erwähnt. Der Ortsadel, die Edelfreien von Nellingen, legten durch eine Stiftung an das Kloster St. Blasien den Grundstein für die spätere Propstei, die durch das Kloster St. Blaisen schließlich um 1250 gegründet wurde. Vermutlich übte bereits damals Württemberg die Vogtei über die Propstei aus, doch tauschte Württemberg erst 1649 die Vogtei gegen anderen Rechte St. Blasiens ein. Die Gemeinde gehörte zum Amt bzw. Amtsoberamt Stuttgart und kam 1810 zum Oberamt Esslingen, aus dem 1938 der Landkreis Esslingen hervorging.
- Ruit auf den Fildern wurde 1173 als Rutte erstmals erwähnt. Der Name bedeutet soviel wie Rodung und wurde wohl von Nellingen aus angelegt. Mit Nellingen kam Ruit schon im 13. Jahrhundert an Württemberg und gehörte ab 1382 zur Vogtei Nellingen. Das Kloster St. Blasien hatte jedoch einige Güter in Ruit. 1519 wurde der Ort durch die Reichsstadt Esslingen eingeäschert, danach aber wieder aufgebaut. Die Gemeinde gehörte zum Amt bzw. Amtsoberamt Stuttgart und kam 1938 zum Landkreis Esslingen. Den Zusatz auf den Fildern erhielt der Gemeindename im Jahre 1967.
- Scharnhausen wurde 1242 als Husen erstmals erwähnt. Der spätere Zusatz Scharn kam wohl durch einen adligen Besitzer Scharre zur Unterscheidung von anderen Orten hinzu. Das Kloster St. Blasien hatte Güter im Ort. Nach den Scharre kamen die Melzener, dann Rüdiger von Staige. Württemberg hatte spätestens seit dem Erwerb der Vogtei Nellingen auch über Scharnhausen alle obrigkeitlichen Rechte. Ein Teil der Güter wurden jedoch zu Lehen ausgegeben. Die Gemeinde gehörte zum Amt bzw. Amtsoberamt Stuttgart und kam 1938 zum Landkreis Esslingen.
2002 war Ostfildern Gastgeber der Landesgartenschau Baden-Württemberg, die im neuen Stadtteil Scharnhauser Park stattfand.
Religionen
Die Bevölkerung der vier ehemaligen Gemeinden der heutigen Stadt Ostfildern gehörten ursprünglich zum
Bistum Konstanz. Da die Orte politisch schon früh zu
Württemberg gehörten, wurde auch hier ab
1535 durch Herzog
Ulrich die
Reformation eingeführt, daher waren sie über Jahrhunderte überwiegend protestantisch. In den vier Orten gibt es daher auch jeweils eine evangelische
Kirchengemeinde mit einer Kirche. In Nellingen wurde infolge der Besiedelung in den
1950er Jahren im Stadtteil Parksiedlung eine eigene Pfarrei errichtet.
1968 wurde dort die Dietrich-Bonhoeffer-Kirche erbaut. Heute gehört zur Dietrich-Bonhoeffer-Kirche eine eigene Gemeinde, zu der auch die Protestanten des neuen Stadtteils Scharnhauser Park gehören. Die Kirchengemeinden in Nellingen und Scharnhausen gehörten früher zum
Dekanat Esslingen, die beiden anderen (Ruit und Kemnat) zum Dekanat Stuttgart-Degerloch. In den
1970er Jahren wurden alle fünf Kirchengemeinden im Stadtgebiet Ostfilderns dem neu gegründeten Dekanat Bernhausen der
Evangelischen Landeskirche in Württemberg zugeordnet.
Katholiken gibt es in Ostfildern erst wieder seit dem 20. Jahrhundert. In allen Stadtteilen wurden katholische Kirchen erbaut. In Kemnat entstand 1956 die Kirche St. Maria Königin. In Ruit wurde 1959/60 die katholische Kirche zur Hl. Monika gebaut, die 1972 zur Pfarrei erhoben wurde. Beide Gemeinden gehören zum Dekanat Stuttgart-Filder des Bistums Rottenburg-Stuttgart.
In Nellingen wurde 1959 die Kirche zur Heiligsten Dreifaltigkeit erbaut, die 1961 zur Pfarrei erhoben wurde. Zur Gemeinde gehören auch die Stadtteile Scharnhausen und Scharnhauser Partk, doch gibt es in Scharnhausen seit 1965/65 eine eigene Kirche, die zunächst zur Pfarrei der Nachbargemeinde Neuhausen auf den Fildern gehörte. Die Kirchengemeinde Nellingen gehört zum Dekanat Esslingen-Nürtingen des Bistums Rottenburg-Stuttgart.
Neben den beiden großen Kirchen gibt es in Ostfildern auch Freikirchen und Gemeinden, darunter die Evangelisch-methodistische Kirche (Versöhnungskirche) und die Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten, deren Süddeutscher Verband hier seinen Sitz hat. Auch die Neuapostolische Kirche ist in Ostfildern vertreten.
Einwohnerentwicklung
Die Zahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter (nur
Hauptwohnsitze).
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¹ Volkszählungsergebnis
Politik
Bürgermeister
An der Spitze der Stadt steht der von der Bevölkerung auf acht Jahre gewählte Oberbürgermeister. Er ist auch Vorsitzender des ebenfalls von der Bevölkerung auf fünf Jahre gewählten
Gemeinderats. Er hat als allgemeinen Stellvertreter einen 1. Beigeordneten mit der Amtsbezeichnung Erster Bürgermeister und einen weiteren Beigeordneten mit der Amtsbezeichnung Bürgermeister.
Stadtoberhäupter seit Bildung der Stadt 1975:
- 1975: Richard Schall, Amtsverweser
- 1975 - 1997: Gerhard Koch, Bürgermeister, ab 1. Juli 1976 Oberbürgermeister
- 1997 - 2005: Herbert Rösch, Oberbürgermeister
- 2005 - : Christof Bolay, seit April 2005
Gemeinderat
Die
Kommunalwahl am 13. Juni 2004 ergab folgende Sitzverteilung:
| FW | 31,0 % | +1,2 | 8 Sitze | ±0
|
| CDU | 30,7 % | -2,6 | 8 Sitze | -1
|
| SPD | 19,9 % | -4,3 | 5 Sitze | -1
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| Die Grünen | 14,8 % | +2,2 | 4 Sitze | +1
|
| REP | 3,6 % | +3,6 | 1 Sitz | +1
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Wappen
Das
Wappen der Stadt Ostfildern zeigt in von Silber und Rot geviertem Schild ein vierspeichiges, achtschaufliges, in den silbernen Feldern grün und in den roten Feldern golden tingiertes Mühlrad. Die Stadt
flagge ist grün-weiß. Wappen und Flagge wurden durch das
Regierungspräsidium Stuttgart am 23. November
1976 verliehen.
Der gevierte Schild war das Wappen der Herren von Nellingen, das später auch die gleichnamige Gemeinde und der heutige Hauptort der Stadt Ostfildern führte. Zur Vogtei Nellingen gehörten auch die Orte Ruit und Scharnhausen. Das Mühlrad entstammt dem Kemnater Wappen, und die Farbgebung wurde dem Ruiter Wappen entlehnt. Im Körschtal gab es früher viele Mühlen; das Mühlrad soll die landwirtschaftliche Vergangenheit der heutigen Stadt symbolisieren.
Städtepartnerschaften
Ostfildern unterhält mit folgenden Städten eine
Städtepartnerschaft:
Freundschaften bestehen mit
Scharnhaeuser-park-2002.jpg
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Museen
- Städtische Galerie Ostfildern im Stadthaus
Bauwerke
Ostfildern hat wenig historische Bauten. Im Stadtteil Nellingen sind noch einige Bauten des Klosterhofs erhalten und zwar die im 16. Jh. erbaute
Propstei (eines der
Wahrzeichen der Stadt), das Alte Pfarrhaus von 1565 oder der Fruchtkasten mit Staffelgiebel. Die benachbarte evangelische Kirche ist die ehemalige Propsteikirche. Erhalten blieb der spätromanische achteckige Turm mit Zeltdach. Das Schiff wurde
1777 neu erbaut. In den anderen Stadtteilen wurden die alten Kirchen in den
1950er und
1960er Jahren abgebrochen und durch Neubauten ersetzt und zwar in Kemnat
1963 (der Vorgängerbau stammte aus dem
13. Jahrhundert), in Ruit ebenfalls 1963 und in Scharnhausen bereits
1952/53. Hier gibt es aber noch ein Schloss, das
1784 im Auftrag von Herzog Carl Eugen von Württemberg als Lustschloss errichtet wurde.
An neueren Bauwerken ist insbesondere die 1995 eingeweihte Körschtalbrücke zu nennen, die im Zuge der Ortsumgehung von Nellingen das Tal der Körsch überquert.
Regelmäßige Veranstaltungen
- Juni: Backhäuslesfest in Nellingen
- August: Flammende Sterne (seit 2003)
- Oktober: Ruiter Kirbe, Kemnater Kirbe und Nellinger Kirbe
- Dezember: Weihnachtsmärkte in Nellingen (seit 1981), Ruit (seit 1985) und Scharnhausen (seit 1996)
Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr
Im Süden des Stadtgebiets führt die
Bundesautobahn A8 Stuttgart-Ulm vorbei. Über die Anschlussstelle Esslingen ist die Stadt direkt angebunden.
Seit 2000 hat Ostfildern einen Stadtbahnanschluss nach Stuttgart. Die Linie U7 der Stuttgarter Straßenbahnen AG führt von der Station Killesberg Messe über Hauptbahnhof und Fernsehturm durch die Stadtteile Ruit und Scharnhauser Park nach Nellingen. Montags bis Freitags verkehrt alle 20 Minuten auch die U8 bis Vaihingen. Ferner gibt es innerhalb des Stadtgebiets mehrere Buslinien, die den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) bedienen. Alle Linien sind zu einheitlichen Preisen innerhalb des Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) zu benutzen.
Von 1926 bis 1978 war Nellingen durch die Straßenbahn Esslingen - Nellingen - Denkendorf mit der Kreisstadt per Schiene verbunden.
Medien
Über das Tagesgeschehen Ostfilderns berichten als
Tageszeitungen die
Eßlinger Zeitung, die
Stuttgarter Zeitung und die
Stuttgarter Nachrichten.
Ansässige Unternehmen
Wirtschaftliche Bedeutung hat Ostfildern vor allem als Druck- und Verlagsstadt. Seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts hat sich der Wirtschaftsstandort Ostfildern zu einem Schwerpunkt des Druck- und Verlagswesens in der Region entwickelt. Namhafte Unternehmen wie z.B. Baedeker-Verlag, Dr. Cantz´sche Druckerei, Jan-Thorbecke-Verlag,
MairDumont-Verlag (mit
Falk-Verlag), Schwabenverlag, Verlag Deutscher Drucker, Verlagsgruppe Fink, Hatje Cantz Verlag, Merkur-Druck Mayer haben ihren Sitz in Ostfildern.
Um die Großunternehmen der Druckindustrie hat sich ein „Cluster“ von innovativen Betrieben der Medienbranche angesiedelt. Viele davon haben sich in der Mediafaktur Filder zusammengeschlossen, dem hier gegründeten Innovations- und Kompetenzzentrum Medien der Region Stuttgart. Der Verband Druck und Medien Baden-Württemberg und das Bildungswerk der Druckindustrie haben ihren Sitz in Ostfildern.
Darüber hinaus ist der Maschinenbau auch in Ostfildern, wie in der gesamten Region, stark vertreten.
In Ostfildern ist mit Klein und Hummel eines der führenden Unternehmen für gehobenes Studio-Equipment ansässig.
Ebenso ist die Messtechnik-Branche in der Region führend.
Novotechnik, mit Firmensitz in Ostfildern, ist wegweisend in der Weiterentwicklung der Messtechnik.
Öffentliche Einrichtungen
Ostfildern hat ein
Notariat.
Bildung
In Ostfildern gibt es zwei
Gymnasien (Heinrich-Heine- und Otto-Hahn-Gymnasium), eine
Realschule (Riegelhofschule Realschule Nellingen), zwei Grund- und
Hauptschulen mit Werkrealschule (Erich-Kästner-Schule Nellingen und Schule im Park Scharnhauser Park), eine
Förderschule (Lindenschule Parksiedlung) sowie
Grundschulen in den Stadtteilen Ruit (Schillerschule und Justinus-Kerner-Schule), Nellingen (Klosterhofschule), Parksiedlung (Lindenschule), Kemnat (Pfingstweideschule) und Scharnhausen (Wasenäckerschule).
Persönlichkeiten
Ehrenbürger
Die Stadt Ostfildern hat bislang noch kein
Ehrenbürgerrecht verliehen. Lediglich die ehemalige Gemeinde Scharnhausen hat 2 Personen das Ehrenbürgerrecht verliehen, und zwar:
Söhne und Töchter der Stadt
- 1739, 25. November in Scharnhausen, Philipp Matthäus Hahn, † 2. Mai 1790 in Echterdingen, Pfarrer und Mechaniker
- 1787, 4. Februar in Scharnhausen, Karl Christian Wagenmann, Chemiker und Fabrikant
- 1980, 9. Februar in Ruit, Cassandra Steen, Deutsche Soulsängerin
- 1981, 21. Juli in Ruit, Stefan Schumacher, Radrennfahrer
Literatur
Landesarchivdirektion Baden-Württemberg (Hrsg.):
Das Land Baden-Württemberg - Amtlich Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III Regierungsbezirk Stuttgart, Region Mittlerer Neckar. Stuttgart, 1978
Weblinks
Landkreis Esslingen | Ort in Baden-Württemberg
Ostfildern | Ostfildern