Das Osterdatum ist das Datum, auf das Ostersonntag fällt. Das Osterdatum spielt eine zentrale Rolle im Kirchenjahr bei den Christen; von ihm hängen fast alle beweglichen Feiertage ab (eine Tabelle ist dort zu finden).
Obwohl das Pessahfest der Juden nach der Bibel (2 Moses 12) am 14. Tag des ersten Monats (Nisan bei Moses Abib) zu feiern war und das jüdische Jahr mit dem ersten Frühlingsmonat begann, war die dritte Regel notwendig, da nach der Zerstörung des Tempels die Einheit Judas verloren ging und sich die Juden in alle Welt zerstreuten, woraufhin der jüdische Kalender zeitweise in Unordnung geriet. Dadurch feierten die Christen, die Ostern am Sonntag nach dem (jüdischen) 14. Nisan begingen, in manchen Jahren zweimal Ostern. Das verhinderte die dritte Regel. Der jüdische Kalender ist ein Lunisolarkalender, bei dem ein Monat mit der ersten Sichtbarkeit des Mondes (nicht unserem Neumond) beginnt. Daher liegt der 14. Nisan in der Nähe, aber nicht notwendigerweise auf dem Tag des Vollmondes.
Die für die Berechnung des Osterfestes eines bestimmten Jahres nötige Bestimmung des Frühlingsanfangs in diesem Jahr sollte bezogen auf den astronomischen Frühlingsbeginn in Alexandria, dem damals wichtigsten astronomischen Zentrum der Welt, berechnet werden. Diese Festlegung führte aber zu praktischen Schwierigkeiten.
Daher legte im Jahr 525 Dionysius Exiguus im Auftrag von Papst Johannes I. zusätzlich fest:
Aufgrund des Metonischen Zyklus, bei dem alle 19 Jahre die gleichen Mondzyklen auf das gleiche Datum fallen, gab es genau 19 Termine für den 14. Tag des Frühlingsmonats in der sich stets wiederholenden Reihenfolge:
5. April, 25. März, 13. April, 2. April, 22. März, 10. April, 30. März, 18. April, 7. April, 27. März, 15. April, 4. April, 24. März, 12. April, 1. April, 21. März, 9. April, 29. März, 17. April, 5. April, ...
Am folgenden Sonntag war das Osterfest zu begehen, wenn das jeweilige Datum selbst auf einen Sonntag fiel, erst eine Woche später. Der erste mögliche Termin für Ostersonntag war der 22. März, das letzte mögliche Datum der 25. April.
Nun war nicht nur die Länge des Sonnenjahres im Julianischen Kalender falsch, sondern auch der Metonische Zyklus nicht genau. So waren 19 Sonnenjahre etwa 1 Stunde 25 Minuten länger als die 235 Mondmonate des Metonzyklus.
Um alle zwischenzeitlich aufgelaufenen Fehler auszugleichen, ließ Papst Gregor XIII. bei seiner Kalenderreform 1582 zehn Tage ausfallen. Auf den 4. Oktober folgte sofort der 15. Oktober. Neben der bekannten Neuregelung des Schalttages wurde auch die Berechnung des 14. Tages des Frühlingsmonats reformiert. Jetzt konnte dieser nicht mehr nur auf die früheren 19 Tage fallen, sondern auf jeden Tag zwischen dem 21. März und dem 19. April. Der 19. April hätte jedoch, wenn er auf einen Sonntag fällt, ein Osterdatum vom 26. April zur Folge, was noch nie dagewesen war. Daher baute die Reformkommission eine Sonderregel ein, um ein späteres Osterdatum als den 25. April zu vermeiden, obwohl ein Ostertermin am 26. April den Festlegungen des Konzils von Nicäa nicht widersprochen hätte. Die Feier „nach dem jüdischen Passahfest“ (Regel Nr. 2 von oben) ist im gregorianischen Kalender allerdings nicht mehr sichergestellt, da auch der jüdische Kalender einen unkorrigierten Metonischen Zyklus verwendet, daher selbst ungenau ist und sich im Laufe der Jahrhunderte nach hinten verschoben hat; dies ist einer der Gründe, warum in den orthodoxen Kirchen die gregorianische Osterformel als konzilswidrig abgelehnt wird.
Auch ergeben sich aus der einheitlichen Festlegung des kalendarischen Frühlingsbeginns am 21. März sowie der Differenz zwischen astronomischem und Mondkalender-Vollmond in der Tat hin und wieder sogenannte Osterparadoxien, d.h. Jahre, in denen ein astronomisch exakt berechnetes Osterdatum auf einen anderen Tag fiele.
Die orthodoxen Kirchen (Ostkirchen) haben die Kalenderreform Papst Gregors zwar für die feststehenden Feiertage teilweise übernommen, verwenden jedoch zur Berechnung des Osterdatums und der anderen beweglichen Feiertage immer noch den julianischen Kalender und einen unkorrigierten metonischen Mondzyklus, daher weicht deren Osterfest terminlich öfters vom Osterdatum der römisch-katholischen und protestantischen Kirchen ab. Der östliche Termin kann derzeit mit dem westlichen zusammenfallen, aber auch eine, vier, oder fünf Wochen später liegen. In den kommenden Jahrhunderten wird sich die Differenz allmählich erhöhen.
Eine empirische Formel zur Berechnung des Osterdatums, die kein Nachschlagen in langen Tabellen für Epakte und Goldene Zahl mehr benötigt, wurde bereits von Carl Friedrich Gauß (siehe Gaußsche Osterformel) gefunden. Diese wird, mit Modifikationen, noch heute zur Berechnung des Osterdatums verwendet.
Für den in Deutschland veralteten Julianischen Kalender:
Für den in Deutschland offiziellen Gregorianischen Kalender rechnet man stattdessen:
Für beide Kalender:
Die neue Methode sollte ab 2001 verwendet werden, da in diesem Jahr die Osterfeste der West- und Ostkirchen zusammenfielen (15. April gregorianisch/2. April julianisch).
Aufgrund von Widerständen in den orthodoxen Kirchen – die über solche Fragen in den 1920er Jahren schon einmal bis zur Kirchenspaltung hochkochende volkstümliche Emotionen erlebt hatten – trat diese Regelung jedoch nicht in Kraft.
Siehe auch:
Christlicher Orient Osterdatum
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