Als Ostalpen bezeichnet man den Teil der Alpen östlich einer gedachten Linie vom Bodensee entlang des Rheins über den Splügenpass zum Comer See und dem Lago Maggiore. Sie sind im Vergleich zu den Westalpen niedriger und "sanfter", mit niedrigeren Übergängen (Pässen). Die Ostalpen durchziehen ganz Österreich - von Vorarlberg bis hin zum Burgenland. Im Gegensatz zu den Westalpen schließen die Ostalpen keine autochthonen Massen ein; sie sind ein Decken- und Faltgebirge, in dem westalpine Decken nur randlich und in geologischen Fenstern hervortreten.
Drei Deckensysteme werden über den breiten Rand der Böhmischen Masse nach Norden geschoben:
Die Sandsteinzone, auch Flyschzone genannt, besteht aus Gesteinen der Kreidezeit und des Alttertiärs. Sie erhebt sich deutlich über das Alpenvorland. Die Sandsteinzone ist schmal, verbreitert sich nur im Wiener- und Bregenzerwald und ist ungefähr 1000 m hoch. Es gibt zwar weit höhere Berge im Bregenzerwald - doch diese bestehen aus Kalkstein. Die Zone besteht aus wenig widerstandsfähigen Gesteinen wie Sandstein, Mergel und Tonschiefer. Sie bilden die Rücken und Kuppen; und im Westen auch Schneiden. Diese Rücken, Kuppen, etc. tragen vorwiegend Laubmischwälder und Wiesen. Die dicke, lehmige Verwitterungsdecke neigt zu Rutschungen und begünstigt durch den raschen Abfluss die Entstehung von Hochwässern.
Die Kalkvoralpen bestehen aus Dolomiten und Kalken und sind ein Mittelgebirge mit Schneiden, Kegeln und Stöcken, welche bis zu 1600 m hoch werden können. Die nördlichen Kalkalpen sind vorwiegend von Fichtenmischwäldern bedeckt. Im Kalk entstehen Karsterscheinungen. Der wasserundurchlässige Dolomit hingegen ist stark zertalt, mit brüchigen Felsbildungen und Schutthalden aus feinem Grus versehen. In den Kalkvoralpen gibt es einzelne höhere Erhebungen wie den Ötscher oder das Sengsengebirge. Ihre Zuordnung zu den Voralpen oder den Kalkhochalpen ist jedoch strittig.
Etwas südlich der Kalkvoralpen erstrecken sich die felsigen Kalkhochalpen, die vorwiegend aus Kalken (im Westen Wettersteinkalk, im Osten Dachsteinkalk) sowie Dolomiten bestehen. Vom Wilden Kaiser gegen Westen bestehen sie vorwiegend aus wasserarmen Ketten, die steil geschichtet und mit Waldfluchten versehen sind. Außerdem sind die Kalkhochalpen mit Graten, Spitzen, Türmen, tief eingefressenen Karen und mächtigen Schutthalden versehen. Der Kettencharakter, der in den westlicheren Kalkhochalpen überwiegt, ist in den Lechtaler Alpen (mit dem höchsten Berg der Nordalpen), dem Wettersteingebirge und dem Karwendelgebirge besonders ausgeprägt. Vom Zahmen Kaiser gegen Osten finden sich Kalkstöcke mit verkarsteten, wasserlosen, öden Hochflächen mit Karrenfeldern und Dolinen. Darauf wachsen weite Bestände von Legföhren (Latschen). Zwischen den Kalkplateaus liegt ein weitmaschiges Flussnetz in tiefen Tälern und Schluchten. Die Hochflächen zeigen eine buckelige, kuppige Altlandschaft (im Osten auch "Raxlandschaft" genannt) und konservieren des flachere Relief der tertiären Alpen, das infolge der Verkarstung bei und nach Hebung des Gebirges nicht zerschnitten, jedoch eiszeitlich überformt wurde. Die östlichen Kalkhochalpen weisen Plateaucharakter auf. Viele Höhlen sind als Reste ehemaliger unterirdischer Entwässerung übrig geblieben. An der Basis der Kalkberge befinden sich Salz- und Gipslager, sowie Quellhorizonte (Karstquellen) über Schiefern.
Die Zentralalpen sind reich an Quellen, Bächen und Karseen; im Westen auch an Gletschern. Bedeutende Unterschiede in Höhe und Formbild zwischen Westen und Osten. Im Westen befindet sich die stark zerschnitte Silvrettagruppe mit schroffen "Hörnern"; die massigen, asymmetrischen Ötztaler und die Stubaier Alpen mit langen Seitenkämmen nach Norden sind stark vergletschert; Wildspitze (zweithöchster Berg Österreichs); Weißkugel und Zuckerhütl (nach Firnbedeckung benannt). Östlich der Brennerfurche befinden sich fiederförmig angeordnete, langgestreckte Ketten und werden wegen der Vergletscherungen auch "Keesberge" als bezeichnet: Zillertaler Alpen, Hohe Tauern. Ebenso sind den westlichen Zentralalpen (bis zum Katschberg) Pyramidengipfel, weite Firnfelder, die von Felsgraten getrennt werden; tiefer unten Kare mit Seen, z.T. weite Karplatten; in Talanfänge reichende Gletscherzungen; tiefe, stufen- und wasserreiche Trogtäler; ausgedehnte Almmatten, Lärchen- und Fichtenwälder gemeinsam. Die östlichen Zentralalpen sind niedgriger und in mehrere Kämme aufgeteilt. Dazwischen befinden sich auch Senkungsfelder. Die Niederen Tauern sind heute unvergletschert, doch mit Karen und Karseen, Graten und Pyramidengipfeln (besonders im widerstandsfähigen Granitgneis) versehen. Südlich der Mur-Mürz-Furche überwiegen trotz Höhen über 2000 m die Mittelgebirgsformen: breite Rücken sind vermutliche Reste eines tertiären Flachreliefs und zeigen nur stellenweise Karbildungen. Ebenso sind mehr Matten- als Felsregionen und weite Fichtenwälder zu finden. Die Gurktaler Alpen werden im Südwestteil ihrer Formen wegen "Nockberge" genannt. Die Steirischen Randgebirge umfassen im Halbkreis die Grazer Bucht und endet an der ungarischen Grenze in waldbedeckten Mittelgebirgsspornen. Inselgebirge (Leithagebirge und Hainburger Berge) bilden eine Brücke zu den Karpaten.
Die Zuordnung in Nord-, Zentral- und Südalpen stützt sich auf die bereits genannten großen Längstalzüge. Diese folgen zwar oft den Gesteinsgrenzen, durchschneiden aber stellenweise die Zonen. Daher ist die Zuordnung bei manchen Gruppen umstritten.
Die wichtigste Verbindung durch die Alpen ist der Schräge Durchgang (Wiener Becken - Semmering - Mürztal - Murtal - Neumarkter Sattel - Klagenfurter Becken - Gailtal - Kanaltal (Gailitztal - Talwasserscheide von Tarvis - Fellatal).
Das größte inneralpine Senkungsfeld ist das Klagenfurter Becken, welches von stehengebliebnen Pfeilern des Grundgebirges, tertiären Konglomeratrücken, Moränen und Schotterfeldern des eiszeitlichen Draugletschers erfüllt ist. Es ist ebenso reich an Seen (Kärntner Seen) und Mooren.
In Osttirol und Kärnten stimmen Deckengliederung und diese Gesteinszonen nicht überein. Die Gailtaler Alpen liegen nördlich der „alpin-dinarischen Narbe“, bestehen aber aus Kalkgestein und werden daher meist zur südlichen Kalkzone (und damit zu den Südalpen) gerechnet. Die Südliche Schieferzone wird in den Karnischen Alpen im Norden und Süden von Zügen der südlichen Kalkzone eingefasst. Im Westen Österreichs befindet sich eine auffällige S-förmige Krümmung der Gesteinszonen. Die kristalline Zone streicht in der Silvretta von Süden heran und biegt dann gegen Osten. Das Kalkgebirge des Rätikons liegt südlich der großen Längstalflucht. Das Etschtal südlich von Bozen ist dem Gesteinsstreichen nach ein Längstal.
Der höchste Berg der Ostalpen ist der Piz Bernina, mit 4052 Metern der einzige Viertausender der Ostalpen.
Teile der Ostalpen liegen in
In den Ostalpen werden die vorwiegend kristallinen Zentralalpen (Rätische Alpen, Bernina, Ortlergruppe, Ötztaler Alpen, Zillertaler Alpen, Hohe und Niedere Tauern und Lavanttaler oder Norische Alpen) durch große Tälerlinien von den Nördlichen Kalkalpen und den Südlichen Kalkalpen getrennt.
Die Nördlichen Kalkalpen umfassen (von West nach Ost) den Bregenzerwald, das Rätikon, das Lechquellengebirge, die Allgäuer, Lechtaler und Ammergauer Alpen, das Wettersteingebirge, das Karwendel- und das Rofangebirge, die Bayerischen Voralpen, das Kaisergebirge, die Berchtesgadener Alpen, das Salzkammergut sowie die Niederösterreichischen Kalkalpen.
Die Südlichen Kalkalpen bestehen (von West nach Ost) aus den Bergamasker Alpen, Trienter Alpen, Dolomiten, Karnischen und Julischen Alpen sowie den Karawanken.
Alpen | Gebirge in Deutschland | Geographie (Schweiz) | Gebirge in Italien | Gebirge in Slowenien | Geographie (Österreich)
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Ostalpen".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world