Oscar Arnulfo Romero y Galdamez (* 15. August 1917 in Ciudad Barrios, San Salvador, † 24. März 1980 (ermordet) in San Salvador) war katholischer Erzbischof in El Salvador.
1943 begann Oscar Romero den kirchlichen Dienst in seiner Heimat. Er wurde 1970 zum Weihbischof in der Erzdiözese San Salvador ernannt und 1974 zum Bischof der Diözese Santiago de Maria. 1977 wurde er zum Erzbischof von San Salvador berufen. War er ursprünglich von einer aufrichtigen, aber unpolitischen Frömmigkeit geprägt, begann sich seine Position zu wandeln, als er in Santiago de Maria wieder mit der bitterarmen und unterdrückten Bevölkerung in Kontakt kam. Ein entscheidendes Erlebnis war die Ermordung des für Gerechtigkeit engagierten Priesters Rutilio Grande, eines Freundes Romeros, wenige Wochen nach dessen Amtsantritt als Erzbischof. Romero setzte sich jetzt mit Nachdruck für Gerechtigkeit ein, ohne Rücksicht auf die Gefahr, der er sich selbst aussetzte. In einem Brief an den damaligen US-Präsidenten Jimmy Carter bat er die US-Regierung darum, keine Militärhilfe für das Militär in El Salvador zu gewähren.
Bei einem Zusammentreffen in Rom entgegnete Papst Johannes Paul II. Romero, dass dieser sich vor dem Kommunismus hüten solle. Oscar Romero erwiderte, dass der Kommunismus in El Salvador nicht mit dem Kommunismus in Polen vergleichbar sei. Der Papst dachte kurz nach, wiederholte aber schließlich seine Aussage, wonach sich Romero vor dem Kommunismus hüten solle. Später soll Romero gesagt haben: "Der Papst versteht mich nicht; ich werde wahrscheinlich nicht mehr nach Rom kommen".
In seinen Predigten betonte Romero unter anderem, dass Armut nicht durch Gott bestimmt sei.
Wegen seines Kampfes gegen die Unterdrückung der Bevölkerung, für soziale und politische Reformen und gegen die Verbrechen der Militärdiktatur wurde er am 24. März 1980 während einer Eucharistiefeier in der Kapelle des Krebshospitals der Karmelitinnen am Altar ermordet. Es existiert eine Tonbandaufnahme seiner letzten Stunde.
In seiner letzten Predigt in der Kathedrale von San Salvador sagte er: "Kein Soldat ist verpflichtet, einem Befehl zu gehorchen, der wider das Gesetz Gottes gerichtet ist. (...) Ich bitte euch, ich flehe euch an, ich befehle euch im Namen Gottes - hört auf mit der Unterdrückung!" (Apostelgeschichte 5,29)
Der Mord an ihm war der Auftakt eines Bürgerkrieges in El Salvador, der in 12 Jahren mehr als 75.000 Menschenleben forderte; unter ihnen waren 70.000 Zivilisten. Bereits bei der Begräbnisfeier für ihn, bei der etwa eine Million Menschen teilnahmen, wurde ein Massaker mit 40 Toten an den Teilnehmenden veranstaltet.
Einige Augenzeugen verschwanden spurlos, andere, wie zum Beispiel der Untersuchungsrichter des Mordfalles, der nach einem Mordversuch schließlich nach Nicaragua floh, wurden eingeschüchtert, wieder andere flohen aus El Salvador und gingen ins Exil.
Bei seinen Mördern wurden Unterlagen und ein Notizbuch gefunden, in denen Todeslisten und Preislisten für Morde vorhanden sind: für den Mord an einem Bauern erhielten Todesschützen der Todesschwadrone 5000 Colón, für einen Professor oder Intellektuellen 10.000 Colón und für den Mord an einem Priester 25.000 Colón.
Die Todesschwadrone sollten eine Revolution durch die Ausschaltung der geistigen Elite und möglicher Führungspersönlichkeiten verhindern. Da die Anführer meist aus der Mittelschicht kamen, die breite Masse aber Campesinos, also Bauern waren, sollte dadurch ein Lenken des Widerstandes unmöglich gemacht werden. Diese Taktik wurde unter anderem auch von den "Military Advisors", Militärberatern aus den USA, vorgeschlagen und im Bürgerkrieg mitgeplant. So wurden von Hubschaubern aus über San Salvador Zettel mit dem Slogan "Sei ein Patriot - Töte einen Priester" abgeworfen.
Die Namen der Mörder Romeros sind inzwischen durch den Untersuchungsbericht der Vereinten Nationen aus dem Jahre 1993 bekannt. Auftraggeber war der in den USA ausgebildete Major Roberto D'Aubuisson. Er war stellvertretender Geheimdienstchef und Drahtzieher der Todesschwadronen, später gründete er die Partei Republikanische Nationalistische Allianz (ARENA), die seit 1989 bis heute in El Salvador regiert. 2004 wurde Alvaro Saravia, rechte Hand von D'Aubuisson, in einem Zivilprozess in Kalifornien in Abwesenheit als einer der Drahtzieher des Mordes an Romero schuldig gesprochen. Der lange Zeitraum der Untersuchung lässt vermuten, dass die Untersuchung vielfach behindert wurde.
In El Salvador, aber zum Beispiel auch in Deutschland ist Erzbischof Oscar A. Romero unvergessen, wie zuletzt im Umfeld des 25. Jahrestages seiner Ermordung deutlich wurde. In einigen Kreisen der katholischen Gemeinde wird der Wunsch geäußert, dass ein Seligsprechungsprozess für Oscar Romero begonnen werde. Diesem Wunsch ist der Vatikan bisher nicht nachgekommen.
Die Katholische Männerbewegung Österreichs (KMBÖ) verleiht seit 1980 einen mit € 10.000,-- dotierten "Erzbischof - Romero - Anerkennungspreis". Durch die Vergabe dieses Preises wird das gesellschaftspolitische und soziale Engagement des/der Preisträgers/in anerkannt und gestärkt. Die KMBÖ drückt mit der Verleihung ihre Solidarität mit dem/der Preisträger/in aus.
Siehe auch: Befreiungstheologie
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