Oberfell Moosrebber Denkmal.jpger erinnert ein Denkmal in dem Moselort]] Als Ortsneckname (auch Ortsneckerei, Utznamen oder niederdeutsch Terneidsnamen) bezeichnet man die scherzhafte Bezeichnung der Ortseinwohner durch die Bevölkerung benachbarter Orte. In der Regel erzählt man sich eine schwankhafte Geschichte (nicht selten aber auch mehrere, voneinander abweichende), die den Ortsnecknamen erklärt (vergleichbar einer ätiologischen Sage). Häufig ist der Ursprung des Necknamens aber nicht mehr bekannt.
Vielfach haben die Bewohner eines Ortes mehrere Necknamen. Beispielsweise heißen die Bürger von Winterbach Kloi'-Algier, Säubohne und Salathengst.
In der Ethnologie werden solche (oft gegenseitige) spöttische Beziehungen von Volksgruppen joking relationships genannt.
Die von Rommelshausen heißen Hose'flicker, angeblich weil eine Frau aus dem Ort, die eine alte Hose ihres Buben reparieren wollte, eine neue Hose gekauft hatte, um mit einem Flecken von dieser das Loch in der alten zu flicken.
Die von Oeffingen bei Fellbach nennt man Kreuzköpf, weil sie sich als Katholiken in einem ganz protestantischen Umland häufig bekreuzigen. (Der Spottname wurde häufig für Katholiken gebraucht, während die Protestanten als "Lutherböcke" beschimpft wurden).
Die Stuttgarter kennt man als Stäffelesrutscher, weil die hügelige Lage vieler Stadtteile viele Treppen (Staffeln, in mundartlicher Diminutiv-Form Stäffele) erfordert.
Die Esslinger werden als Zwieblinger bezeichnet. Der Sage nach besuchte der Teufel im Mittelalter den Esslinger Markt. Er verlangte einen Apfel, die Marktfrau erkannte ihn aber trotz seiner Verkleidung am Pferdefuß und am Schwefelgeruch. Listig gab sie ihm eine Zwiebelknolle anstatt des gewünschten Apfels. Der Teufel biss herzhaft zu und schrie: "Das sollen eure Äpfel sein! Spott über euch Esslinger. Zwiebel sind es, scharfe Zwiebel. Deshalb sollt ihr künftig nicht mehr Esslinger heißen, sondern Zwiebel!" Die Fasnetsgesellschaft Esslingens heisst Die Zwieblinger, alljährlich wird das Zwiebelfest gefeiert und es werden Bonbons und eine Likörsorte mit dem Namen Esslinger Zwiebel vertrieben.
Die Bewohner der Ortschaft Betzenweiler im Landkreis Biberach werden als "Schtoischweizer" bezeichnet. Während der Pest sind fast alle Einwohner des Dorfes umgekommen. Die Neuansiedelung erfolgte durch Schweizer. "Schtoi" kommt von Stein am Rhein.
Die Wildberger werden Kröpf genannt, was mit dem kalkhaltigen Wasser und den entsprechend vielen Kröpfen zu tun hat.
Die Freiburger heißen in der badischen Mundart Bobbele bzw. Bobbili.
Die Pforzheimer werden Seggel genannt, was in Pforzheim kein Schimpfwort ist. "Halbseggel" dagegen ist eine Beleidigung für einen Pforzheimer.
In der Kurpfalz werden z. B. die Wieslocher Stehkrägen genannt, weil sie als Bewohner einer größeren Stadt der Landbevölkerung gegenüber sehr arrogant und überheblich auftraten, die Nußlocher nennt man Mondspritzer, weil sie angeblich versuchten, mit Löschspritzen der Feuerwehr den Vollmond, den sie für einen Wald- oder Hausbrand hielten, zu „löschen“.
Weitere Namen: Sankt Leon: Fräsch (Frösche), Walldorf: Schdäisch (Störche), Schatthausen: Esel, Sandhausen: Grauthaawelschisser (Krautstrunkscheißer).
Die Einwohner der Ortschaft Neunkirchen am Brand in der Nähe von Erlangen werden als Kaffeebeidel (Kaffeebeutel) oder Pflasterscheißer bezeichnet. Bamberger werden auch Zwiebeltreter, Hetzleser "Hunnen" genannt. Die Zeller heißen Wolkenstierer, weil sie angeblich in einer Trockenzeit mit Stöcken die Wolken zum Abregnen bringen wollten.
Die Einwohner Sonnebergs im Thüringer Wald sind in Oberfranken und Südthüringen seit mehreren Generationen als Sumbarcher Säu bekannt. Ein echter Sumbarcher hat nichts gegen diesen Namen einzuwenden. In einem Schiedsspruch anlässlich eines Nachbarschaftsstreits in den 1960er Jahren wurde das Wort Sau im Unterschied zum herabsetzenden Schimpfwort "Schwein" als nicht beleidigend, sondern als ortsübliche Anrede unter Sonnebergern beurteilt.
Die Bewohner Uettingens im Landkreis Würzburg werden Schneesenger genannt. Böse Zungen behaupten, die Uettinger würden heimlich ihren Schnee verbrennen bzw. versengen. Als Beweis dafür gilt die Tatsache, dass in Uettingen der Schnee tatsächlich früher geschmolzen ist als in den Nachbargemeinden.
Würzburg: Meescheißer (Mainscheißer)
Helmstadt: Blöhmäüser
Greußenheim: Zwiewldrader (Zwiebeltreter)
Die Oberfeller Moosrebber waren im Kriegsjahr 1917 beim Laubsammeln besonders fleißig.
Die Becherbacher werden von den Einwohnern der umliegenden Dörfer als „Becherbacher Raben“ bezeichnet. Die benachbarten Nußbacher sagen (heute nur noch als Witz), die Becherbacher würden zur Erntezeit Kartoffeln von Nußbacher Feldern stehlen. Eine andere Begründung für den Spitznamen ist, dass es in Becherbach viele Krähen, im Volksmund Raben, gibt.
An der Mosel gibt es u. a. die folgenden Namen:
Klüsserath: Hohnen (Hähne)
Leiwen: Stallessen (Stallknechte, Stallbewohner?) Als der Tross der erobernden Römer die Gegend des heutigen Leiwen erreichte, ließ der Kommandierende alle Fuß- und Geschlechtskranken rechts raustreten und beschied sie mit den Worten: „Hier lasst uns unsere Ställe bauen!“ Schaengelbrunnen.jpg | Ensch: Tubes
Lahnstein : Barreschesser (hochdeutsch = "Bahren scheißer") um das Wasser der Lahn nicht zu verschmutzen haben die Lahnsteiner in Bahren "geschissen" und diese außerhalb des Ortes geleert.
Koblenz: Schängel In französischer Besatzungszeit (1794-1814) entstandener Begriff vom französischen Namen Jean (in Koblenzer Mundart damals Schang ausgesprochen) abgeleitet. Gemeint waren damit ursprünglich die von den Franzosen abstammenden Kinder deutscher Mütter. Über die Zeit entwickelte sich hieraus schließlich Schängel.
Trier: Pfeifen
Waldesch: Heckeböck
Rhens: Ochsen
Brey: Vögel
Spay: Boxelöfter (Oberspay)
Herrensohr (Ortsteil von Dudweiler) wird auch als Kaltnaggisch bezeichnet. Der Name entspringt der Tatsache, daß zum Aufbau der Bergbaukolonie um 1850, der Wald abgeholzt werden musste und somit alles kalt und nackt ("naggisch") wurde.
Jägersfreude (Ortsteil von Dudweiler) hat den Beinamen Blechhammer bzw. Bleschhamma, da um 1750 ein Platinenhammerwerk im Ort ansässig war. Streng genommen war Blechhammer sogar der erste Name, Jägersfreude kam erst um 1766 auf.
Ursprünglich meist höchst abfällig gemeint, wurden die Ortsnecknamen im 20. Jahrhundert häufig von den so Verspotteten selbst aufgegriffen und mit Stolz als Teil ihrer Identität betrachtet, was man als Strategie des Stigma-Managements bezeichnen könnte (zur Theorie siehe den Nachweis unter Die Sieben Schwaben). Es handelt sich um Geusen-Wörter.
Dazu ein aufschlussreiches Zitat aus einer lokalen Website: Die in Herrensohr geborenen Bürger sprechen mit einer Art Nationalstolz von ihrem Geburtsort „KALTNAGGISCH“. Dieser Uzname, der früher - zumal auf Seiten der Dudweilerer als „KALTNAGGISCH - ARSCH PLACKISCH“ - nur allzu gerne geringschätzig verwendet wurde, ist heute so etwas wie ein Ehrentitel geworden. Quellenangabe (Tippfehler der Vorlage korrigiert)
Das Wechselspiel von positivem Selbstbild und Negativ-Stereotyp wird von dem Umstand gut illustriert, dass sich die „eingefleischten“ Fellbacher stolz Moiekäfer (Maikäfer) nennen, während sie Neubürger abfällig als "Engerlinge" bezeichnen.
Gelegentlich sind den Ortsnecknamen moderne Denkmal-Skulpturen gewidmet (etwa den Moosrebbern von Oberfell an der Mosel, siehe dort Näheres).
Thuerer Somporsch.jpger Somporsch]]
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