Die Orientierungsstufe ist ursprünglich eine eigene Schulform für die Klassenstufen 5 und 6. Die Orientierungsstufe ist heute meistens keine eigene Schulart mehr, sondern einer anderen organisatorisch zugeordnet.
Charakteristisch für die Orientierungsstufe ist, dass ein Übergang nach der 6. Klasse ins Gymnasium möglich ist. Oftmals wurden zusätzliche Gymnasialklassen eingerichtet, die nach der 4. Klasse begannen.
Die systematische Schülerbeobachtung wurde mit Einführung der Orientierungsstufe als neues Element eingeführt.In Niedersachsen wurde für diese Aufgabe ein Schülerbeobachtungsbogen entwickelt. Ein Grund hierfür war wiederum das Lernen der Schülerinnen und Schüler individuell fördern zu können. Ein weiterer Grund war die bessere Beratung der Erziehungsberechtigten bei der Schullaufbahnentscheidung.
In Niedersachsen wurde die Orientierungsstufe zuerst 1972 an einigen Standorten, später flächendeckend eingeführt und 2004 wieder abgeschafft.
In Bremen gingen bis 1977 alle Grundschulen bis zur 6. Klasse, die weiterführenden Schulen begannen ab Klasse 7, Gymnasialklassen zusätzlich ab Klasse 5. 1977 wurde die Orientierungsstufe flächendeckend eingeführt und 2005 wieder abgeschafft. Seit 2005 bestehen Grundschulen bis zur 6. Klasse nur an fünf Standorten, die weiterführenden Schulen beginnen mit Klasse 5.
In Nordrhein-Westfalen wurde die Orientierungsstufe nicht eingeführt. Die Klassen 5 und 6 werden schulformabhängig als Erprobungsstufen an Haupt-, Realschulen und dem Gymnasium geführt. Häufig wird der Begriff Orientierungsstufe synonym verwandt.
In Berlin und Brandenburg geht die Grundschule bis zur 6. Klasse. Nur wenige Gymnasien beginnen als Ausnahme in Klasse 5.
In Hamburg gab es 1972 erste Versuche der Orientierungsstufe mit 9 Standorten. Im Jahre 2002 gab es nur noch 2 Standorte.
In Bayern fand bis 1999 die Selektion zum Gymnasium nach der 4., zur Realschule aber erst nach der 6. Klasse statt. In den Klassen 5 und 6 wurden alle Schüler, die nicht aufs Gymnasium gingen, gemeinsam in der Hauptschule unterrichtet. In der 7. Klasse konnten diese auf eine Realschule, nicht jedoch aufs Gymnasium wechseln. Seit 1999 beginnt auch die Realschule in Klasse 5. Als Ausnahme existiert in München-Neuperlach seit 1973 eine Schule als Orientierungsstufe.
In Hessen gibt es an allen Gesamtschulen und zusätzlich an einigen Haupt- und Realschulen eine "Förderstufe", die in etwa der Orientierungsstufe entspricht, ohne dass jedoch dieser Name verwendet wird.
In Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und dem Saarland wird der Begriff "Orientierungsstufe" heute für die Klassen 5 und 6 innerhalb des gegliederten Schulwesens verwendet.
(Beispiel: Niedersachsen bis 2004) Ursprünglich fand in der 6. Klasse in den Fächern Englisch und Mathematik eine Differenzierung in A-, B- und C-Kurse statt, später dann auf I-Niveau bzw. II-Niveau. Dies gab bereits ersten Aufschluss über die Fähigkeiten der Schüler und der daraus resultierenden Empfehlung für die weiterführenden Schulen. Außerdem wurde der Unterricht in den Kursen speziell auf das Lernverhalten der Schüler zugeschnitten. So entsprachen die Anforderungen in A-Kursen etwa denen eines Gymnasiums, in B-Kursen der Realschule und in der C-Kursen der Hauptschule. Nach der 6. Klasse erhielten die Schüler eine Empfehlung für die weiterführenden Schulen, welche allerdings nicht bindend war.
Bereits 1959 veröffentlichte der Deutsche Ausschuß für das Erziehungs- und Bildungswesen einen "Rahmenplan zur Umgestaltung und Vereinheitlichung des öffentlichen Schulwesens", in dem er die Einführung einer "Förderstufe" in den Klassen 5 und 6 empfahl (das Wort "Orientierungsstufe" gab es damals noch nicht).
In den 60er Jahren wuchs die Kritik am Schulsystem jedoch immer mehr. Empirische Untersuchungen hatte bewiesen, dass sowohl in der Begabtenförderung als auch in der Prognosen für die weiterführenden Schulen viele Mängel entstanden waren. Begabte erhielten nicht die nötige Förderung, was vor allem in Zeiten des erhöhten Wissenschaftlerbedarfs bedenklich schien. Die Prognosen welche Schüler nach der Grundschule auf die weiterführenden Schulen selektierten erwiesen sich ebenfalls als mangelhaft. Hinzu kamen neue wissenschaftliche Erkenntnisse zum Lernen und zur Unterrichtsdidaktik, die grundlegende Änderungen nahelegten.
Im "Bildungsgesamtplan" der Bund-Länder-Kommission von 1973 wurde somit die bundesweite Einführung der Orientierungsstufe empfohlen. Allerdings war schon damals klar, dass diese Empfehlung nicht bundesweit umgesetzt werden würde, da sich die fünf damals von der CDU/CSU regierten Bundesländer dagegen aussprachen.
In der Folgezeit wurde die Orientierungsstufe in SPD-regierten Ländern eingeführt, etwa 1977 in Bremen.
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