Aff ciwl orient express4 jw.jpg Der Orient-Express war ein Luxuszug der Compagnie Internationale des Wagons-Lits (kurz: CIWL; deutsch: Internationale Schlafwagen-Gesellschaft), der von Paris und Calais über Wien nach Budapest und Warna in Bulgarien und schließlich bis Konstantinopel (dem heutigen Istanbul) fuhr und dabei verschiedene Kurswagen mitführte. Die Fahrtroute wurde im Laufe der Zeit mehrfach verändert.
Bekannt wurde der Orient-Express nicht durch seinen Luxus und sein exquisites Publikum aus dem europäischen Hoch- und Finanzadel, sondern durch andere spektakuläre Vorfälle. 1891 brachte der griechische Räuber Athanos den Zug zum Entgleisen, entführte vier Männer und ließ diese erst nach einer Geldzahlung frei. Wenige Jahre später wurde ein Gesandter der französischen Regierung in seinem Abteil umgebracht. Selbst 1950, als der Zug längst zum normalen D-Zug degradiert worden war, wurde ein US-Militärattaché von Ostblock-Agenten überfallen und beraubt.
Nach dem Kriegsende wurde der Express als „train de luxe militaire“ eingeordnet und war für Militärs und Politiker reserviert. Für Zivilreisende wurde am 15. April 1919 der "Simplon-Orient-Express" eingerichtet, der über die Schweiz, den Simplon-Tunnel, Mailand, Triest, Zagreb bis Istanbul fuhr.
Als 1920 wieder normale Reisende einsteigen durften, hieß der Zug „Paris-Wien-Prag-Warschau-Express“. Der Grund dieser Routenänderung war, dass in Ungarn der Kommunist Béla Kun ein Terrorregime errichtet hatte und deshalb dieses Land gemieden werden sollte. Aber schon 1921 fuhr der Zug wieder als Orient-Express, allerdings nur noch bis Bukarest.
Als Reaktion auf die Ruhrbesetzung durch französische Truppen im Januar 1923 verweigerte die Deutsche Reichsbahn allen französischen Zügen, darunter auch dem Orient-Express, die Fahrt durch Deutschland. Deshalb richtete die CIWL am 3. November 1924 den Suisse-Arlberg-Vienne-Express ein, der an deutschem Hoheitsgebiet vorbei von Paris über Zürich nach Wien verkehrte.
Bis zum Frühjahr 1940 fuhr der Orient-Express wie der Simplon-Orient als Luxuszug.
Im Jahre 1961 beschloss die Internationale Fahrplankonferenz IFK, den Zug zu streichen. Der Zug endete daraufhin in Wien. Erst ab 1964 ging es wieder über den Eisernen Vorhang hinweg bis Budapest, später wieder bis Bukarest.
Mitte der 1980er Jahre wurde aus dem Orient-Express ein gewöhnlicher Nachtzug zwischen Budapest und Paris Est. Bis in die 1990er Jahre führte dieser Zug zusätzlich noch Kurswagen aus Bukarest sowie zeitweilig einen Speisewagen zwischen Wien und Salzburg. Gegen Ende der 1990er Jahre wurde dann der Abschnitt Budapest - Wien eingestellt. Die Kurswagen wurden zu einem eigenen Zug umgewandelt, mit der Bezeichnung "Dacia-Express" versehen und der Speisewagen zwischen Salzburg und Wien wurde eingestellt. Seit ungefähr 2001 fährt der Zug unter der Bezeichnung EN 262/263 "Orient-Express" zwischen Wien und Paris. Seit Dezember 2003 ist der Nachtzug die einzige Direkt-Verbindung zwischen Paris und Wien, da der EuroCity 64/65 "Mozart", der dazugehörige Tagesreisezug (betrieben durch die ÖBB), im Abschnitt München - Paris gestrichen und durch einen DB-InterCity ersetzt wurde.
Mehrere historische Zuggarnituren, die in Sonderfahrten eingesetzt werden, haben Namen, die vom Orient-Express abgeleitet sind, auch wenn ihr Wagenmaterial großteils nicht im Orient-Express, sondern in anderen Zügen der CIWL eingesetzt wurde. Ihr Wagenmaterial besteht großteils aus CIWL-Stahlwagen der 1920er und 1930er Jahre, das teilweise technisch den heutigen Bedürfnissen angepasst wurde.
Ab Anfang der 1970er Jahre sammelte der Schweizer Unternehmer Alby Glatt historische Wagen der CIWL und restaurierte sie, 1976 begann der Einsatz mit einer Reise nach Istanbul. 1993 übernahm das Reisebüro Mittelthurgau die Wagen und setzte sie zusammen mit den Aussichtswagen des TEE Rheingold, zwei Wagen aus dem Rheingold von 1928 und einem umgebauten französischen Speisewagen ein. Die Schlafwagen wurden umgespurt und auf dem russischen Breitspurnetz unter anderem auf der Transsibirischen Eisenbahn eingesetzt. Nach der Insolvenz des Reisebüro Mittelthurgau übernahm die Transeurop Eisenbahn AG in Basel den Betrieb des Zuges. Neben Tagesfahrten werden Reisen von Deutschland nach Istanbul sowie weiterhin auf der Transsibirischen Eisenbahn angeboten.
1977 begann der amerikanisch-britische Touristikunternehmer James B. Sherwood, historische Wagen der CIWL und der British Pullman Company zu erwerben und aufwendig zu restaurieren. Der Venice Simplon-Orient-Express (VSOE) wurde erstmals 1982 eingesetzt. In Großbritannien verkehren britische Pullmanwagen im Tagesverkehr, die Reisenden fahren im Schiff über den Ärmelkanal und reisen auf dem Kontinent auf verschiedenen Strecken in CIWL-Schlafwagen der Typen Lx und S weiter. Der Zug wird als erstklassiger Luxuszug betrieben. Die Flotte des VSOE besteht aus ca. 35 historischen Wagen. darunter auch Speise-, Bar- und Servicewagen.
2003 bis 2006 wurden die kontinentalen Wagen des VSOE modernisiert und erhielten unter anderem moderne Drehgestelle von Bombardier sowie neue Klimaanlagen. Seitdem sind die Wagen für 160 km/h zugelassen.
Die CIWL betreibt seit 2003 sieben ihrer historischen Speisewagen und Pullman-Wagen selbst und setzt diese überwiegend in Tagesfahrten in Frankreich ein oder vermietet sie an Reisegruppen.
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