Der Orgasmus (lat. Climax) ist der Höhepunkt des sexuellen Lusterlebens.
Kurz vor dem Orgasmus steigert sich die Durchblutung der Geschlechtsorgane ins Maximum, während des Höhepunkts kommt es im Genitalbereich zu rhythmischen unwillkürlichen Muskelkontraktionen, in denen sich die sexuelle Spannung entlädt. Anschließend kommt es meist zu einer Entspannung des Genitalbereichs, oft auch des gesamten Körpers. Beim Mann kommt es in der Regel während des Orgasmus zur Ejakulation. Neben den körperlichen Reaktionen äußert sich der Orgasmus in einem meist als angenehm empfundenen individuellem Erlebnis des Rausches und der Überwältigung.
Podkowinski - La Folie.jpg Ereignis.]]
Der Orgasmus ist im Wesentlichen ein zentral-nervöser Vorgang, der von anderen Sexualfunktionen - etwa der Ejakulation, der Befruchtung oder dem Eisprung - deutlich abgegrenzt werden kann. Gut vergleichen lässt sich der sexuelle Höhepunkt mit einem „neuronalen Feuerwerk“. Ausgelöst wird dieses „Feuerwerk“ im Limbischen System, beteiligt sind vor allem bestimmte Regionen des Hypothalamus und die Amygdala. An der sexuellen Erregungssteigerung und der Auslösung des Orgasmus sind unterschiedliche Botenstoffe beteiligt, deren Zusammenspiel im einzelnen noch wenig erforscht ist: die Neurotransmitter Dopamin, Noradrenalin und Serotonin und verschiedene Hormone, besonders Androgene, endogene Opioide, aber auch andere. Feuerwerk Raketen.jpg beschrieben.]] Es kann bei diesen Vorgängen manchmal zu einer Art Übersprungsreaktion zwischen benachbarten Hirnarealen kommen. Dadurch lassen sich vermeintlich paradoxe sexuelle Reaktionen erklären, die etwa bei Schmerz- oder Angsterlebnissen auftreten können, vergl. Kapitel Orgasmen und orgasmusähnliche Erlebnisse außerhalb sexueller Handlungen.
Während der Luststeigerung bis zum Höhepunkt ist das Schmerzempfinden ebenso wie die Aktivität des Großhirns als wertende Instanz deutlich herabgesetzt. Es werden daher oftmals Reize als Stimuli empfunden, die im nicht-erregten Zustand als unangenehm empfunden und abgelehnt würden. Letzteres wird besonders in den Praktiken des BDSM genutzt.
Bekannt ist die Reaktion der Hauskatzen und ihrer wildlebenden Verwandten, die bei einer sexuellen Stimulation oft lautstark schreien. Dies kann als Zeichen eines Orgasmus gedeutet werden, ebenso häufig wird jedoch auch Schmerz als Erklärung genutzt, der durch den bedornten und mit Widerhaken besetzten Penis des Katers verursacht sein könnte. Auch bei einigen anderen Tierarten, die den Landwirbeltieren zugeordnet sind, begleiten Laute den Paarungsakt. Besonders eindrucksvoll sind die Laute der Breitrandschildkröte und des Igels, die zuweilen an menschliche Schreie oder menschliches Stöhnen erinnern. Testudo Marginata.jpg Bei verschiedenen Primaten wurden zudem Vorgänge beobachtet, die auf einen Orgasmus hindeuten, so auch beim nächsten Verwandten des Menschen, dem Schimpansen, dessen Raffinesse beim Liebesspiel in mancher Hinsicht mit der des Menschen vergleichbar ist (vergl. Bonobos) und dessen Körper sich bei der sexuellen Betätigung zuweilen in rhythmischen Zuckungen ergeht.
Neurologisch betrachtet ist ein Orgasmus bei bestimmten Wirbeltieren denkbar: Das Sexualzentrum mit dem „orgastischen Reflex“ befindet sich in den phylogenetisch älteren Teilen des Zentralnervensystems (vergl. Limbisches System, Hypothalamus, Amygdala), welche bei sämtlichen Wirbeltieren in ähnlicher Form wie beim Menschen vorhanden sind. Kommen weitere physiologische Voraussetzungen hinzu (z.B. Genitalien, die mit empfindungsreichen Nerven ausgestattet sind), könnte ein Orgasmuserleben bei der entsprechenden Tierart möglich sein.
Siehe auch Sexualpraktik: Sexuelle Praktiken bei Säugetieren
Manche Frauen können mehrere Orgasmen in Folge, so genannte „multiple Orgasmen“ erleben. Über diese Erscheinungsform gibt es anthropologische Erklärungsversuche, die von der Annahme ausgehen, dass sich frühmenschliche Weibchen von mehreren Männchen in rascher Folge begatten ließen, wobei nur die Männchen mit dem fruchtbarsten Sperma die Fortpflanzung erreichten.
Forschungsergebnisse aus dem Jahre 1995 von Robin Baker und Mark Bellis, Evolutionsbiologen an der Universität Manchester, scheinen diese Annahme zu bestätigen: Es wurde beobachtet und dokumentiert, wie sich die Samenfäden verschiedener Männer gegenseitig vernichteten. Die Spermien des Mannes sind, ähnlich wie die bestimmter Tierarten, entgegen der allgemein herrschenden Ansicht nicht alle für die Möglichkeit einer Verschmelzung mit der Eizelle vorgesehen - tatsächlich ist nur ein relativ geringer Anteil dafür ausgerüstet, die anderen Spermien haben diese Ausrüstung nicht. Ein Teil dieser nicht befruchtungsfähigen Spermien kann durch bestimmte an der Oberfläche befindliche Substanzen fremde Spermien abtöten, wieder Andere wirken durch ihre Dicke und ihre besondere Form als mechanische Barriere, die nachfolgenden fremden Spermien den Weg zur Eizelle erschwert (vergl. Artikel Spermienkonkurrenz). Das Forscherteam geht aufgrund seiner Beobachtungen und Laboranalysen davon aus, dass es sich um evolutionsbedingte Mechanismen zur Abwehr von Konkurrenten handelt. Sperm-egg.jpg Kritiker stellen diese These jedoch in Frage: Die vermeintliche Abwehrreaktion sei vermutlich eher eine irrtümlich eingeleitete Befruchtungsreaktion. Sie sind der Ansicht, dass das zerstörende Phänomen wahrscheinlich eher ein Hinweis darauf ist, dass allein das Aufeinandertreffen des Spermiums mit einem fremden Gameten (hier des fremden Spermiums) ausreicht, um die Befruchtungsreaktion auszulösen. Zudem spräche der äußere Aufbau der Spermien gegen einen speziell zur Abwehr von Konkurrenten angelegten Mechanismus, da er sich beim Menschen und den unterschiedlichsten spermienproduzierenden Tierarten einheitlich gestalte, sowohl bei den polygamen wie bei den vorrangig monogamen Arten.
Das beschriebene anthropologische Erklärungsmodell über frühmenschliches Paarungsverhalten erscheint allein durch die oben genannten Ergebnisse noch nicht bestätigt. Weitreichendere Untersuchungen sowie vergleichende Studien bei Tieren liegen bisher nicht vor.
Die Partnerbindung ihrerseits begünstigt durch die umstandslosere Möglichkeit zum wiederholten Geschlechtsverkehr die Fortpflanzung und stellte zudem eine geeignete Basis dar, um den Nachwuchs optimal zu versorgen, zu schützen und zu erziehen.
In diesem Zusammenhang betrachten Anthropologen auch die durchschnittlich längere Vorlaufzeit des Orgasmus der Frau als ein wichtiges Selektionsinstrument für die Partnerwahl: Indem sich der Partner um die sexuelle Befriedigung der Frau bemühe, zeige er wertvolle Eigenschaften wie Empathie, Leistungsbereitschaft und Geduld, die von wesentlicher Bedeutung für eine Bindung und zur gemeinsamen Aufzucht von Kindern seien.
Andererseits ermöglicht die Kreativität beim Erlangen von sexuellen Höhepunkten die Loslösung vom bloßen Akt der Vermehrung und eröffnet andere, nicht ursächlich der Fortpflanzung dienende Sexualpraktiken und alternative Formen der Partnerschaft, etwa gleichgeschlechtliche Beziehungen oder die so genannte offene Beziehung.
Evolutionsbiologen erforschen die stammesgeschichtlichen Ursachen des Handelns. Sie führen evolutionäre Neuerwerbungen oftmals darauf zurück, dass hierdurch der Überlebenswert und die Vermehrungsrate einer Art erhöht wird. Aus diesem Betrachtungswinkel ist es eine sinnvolle Einrichtung, dass Mann und Frau sexuelle Interaktionen wegen der damit verbundenen äußerst angenehmen Gefühlszustände möglichst gern und häufig wiederholen. Im Laufe der Evolution sei es - durch Selektion begünstigt - daher genetisch zu entsprechenden biologischen und neurologischen Veränderungen gekommen, aus denen etwa die Orgasmusfähigkeit resultiere.
Evolutionsbiologen gehen davon aus, dass Erlebnis- und Verhaltensweisen stets im obigen Sinne genetisch beeinflusst sind, so auch die menschliche Sexualität. Daher sehen sie auch etwa homosexuelle Beziehungen als Abkömmlinge der im Dienste der Arterhaltung durch Selektion bevorteilten Partnerbindung an. Darüber, ob sich die gleichgeschlechtliche Partnerbindung parallel oder in Folge der gegengeschlechtlichen entwickelt hat, herrscht keine Einigkeit. Die ursächlichen Betrachtungsweisen widersprechen nicht der Anschauung, dass Sex - aus der Perspektive des Individuums betrachtet - um seiner selbst willen praktiziert wird.
Siehe auch Proximate und ultimate Ursachen von Verhalten.
Ein weiteres Phänomen sind die „Wechseljahreskinder“, die in der Menopause der Frau entstehen können. Hier fördern möglicherweise die Hormonausschüttungen beim Orgasmus die zeitweilige Restabilisierung des Hormonhaushaltes.
Der weibliche Körper verfügt vermutlich über Mechanismen, die in enger Verbindung mit dem Orgasmus stehen, die imstande sind, in Zeiten eingeschränkter oder bedrohter Fortpflanzungsmöglichkeiten die Befruchtung besonders zu begünstigen und zu unterstützen.
Männer wie Frauen haben individuelle Vorlieben hinsichtlich sexueller Stimulationen und können auf verschiedene Weisen Orgasmen erleben - ein gesunder Mensch zeit seines Lebens. Laut Angaben einiger Wissenschaftler besteht ein Zusammenhang zwischen weiblicher wie männlicher Orgasmusfähigkeit, auch der männlichen Potenz, und einer gut trainierten Beckenbodenmuskulatur, insbesondere des PC-Muskels.
Studien zeigen, dass sich bei beiden Geschlechtern nach dem Orgasmus eine erhöhte Anzahl von Immunglobulinen in Blut und Speichel nachweisen lässt (möglicherweise um Fremdkeimen von einem etwaigen Partner zu begegnen), zudem führe er durch die Ausschüttung des Hormons Oxytocin zu einem tieferen Nachtschlaf und allgemein zu einer vermehrten Entspannung, was die Regeneration des Körpers erhöhe und dem Alterungsprozess entgegenwirke. Deutliche Unterschiede zeigten sich jedoch hinsichtlich der Wirkung auf die körperliche Kondition: Während sich der Orgasmus bei der Frau durch eine erhöhte Testosteronausschüttung positiv auf die Fitness auswirke, drossele er beim Mann hingegen den Spiegel dieses Leistungshormons, was zu einem kurzfristigen Abfall der sportlichen Leistungsfähigkeit führe.
Wurde nach Masters und Johnson der männliche Orgasmus noch mit der Ejakulation gleichgesetzt, so gilt heute als erwiesen, dass es sich hierbei um zwei unterschiedliche neurophysiologische Vorgänge handelt, die zwar meistens, jedoch nicht immer parallel ablaufen. Ebenso sagen die Ejakulationsstärke und die Spermamenge nichts über den Orgasmus aus, entgegen der noch immer weit verbreiteten Ansicht, Männer würden durch die Ejakulation höchsten sexuellen Genuss und Befriedigung erlangen. In diesem Kontext wird die Orgasmusfähigkeit des Mannes vielfach unterschätzt und an den falschen Bedingungen gemessen. NAMA Phallus ailé.jpg umgeben von drei Vulven, Archäologisches Nationalmuseum (Athen), Teller um 450 v. Chr.]]
Im Unterschied zu vielen Frauen können die meisten Männer beim Vaginalverkehr ohne explizite zusätzliche Stimulationen einen Orgasmus erleben. Männer brauchen normalerweise eine längere Erholungsphase als Frauen, um die sexuelle Spannung für einen weiteren Orgasmus aufzubauen (vergl. Refraktärphase), während manche Frauen zu multiplen Orgasmen fähig sind. Durch ein gezieltes Training des PC-Muskels im Beckenbodenbereich können laut Anweisungen in unterschiedlichen Ratgebern auch Männer die Fähigkeit steigern oder erlangen, mehrere Höhepunkte in kurzen Abständen hintereinander zu erleben. Die zunächst kurzen Erholungspausen würden dabei von Höhepunkt zu Höhepunkt immer länger, was beim multiplen Orgasmus der Frauen nicht zutreffen muss. Bei einem wiederholten Samenerguss verringert sich die Menge des Ejakulats, da die Hoden eine gewisse Zeit brauchen, um erneut Samenfäden und Samenflüssigkeit zu produzieren und die sogenannten akzessorischen Geschlechtsdrüsen nur eine stetig verringerte Menge Sekret nachliefern können.
Manche Männer können durch eine (rektale) Stimulation der Prostata einen Orgasmus erleben, der sich in der Art des Erlebens von einem Orgasmus, der durch die Reizung des Penis hervorgerufen wird, unterscheidet. Besonders unter Homosexuellen sind dahingehende Stimulationen sehr verbreitet, vergl. Analsex.
Der speziell auf die Ejakulation bezogene Spruch „Nach 1.000 Schuss ist Schluss“ ist Unsinn; Sperma wird normalerweise ab der Pubertät ein Leben lang gebildet. Eine regelmäßige sexuelle Befriedigung ist beim Mann aus medizinischer Sicht sogar für die Vorbeugung von Prostatabeschwerden sinnvoll. Die Ejakulation von befruchtungsfähigem Sperma ist keine Voraussetzung für den Orgasmus, was bei einer Sterilisation von Belang ist. Die Spermien sind ein ausschließlich unter Laborbedingungen messbarer und subjektiv nicht feststellbarer Mengenanteil des Ejakulats, der individuell und je nach Situation erheblich schwanken kann.
Einer gemeinsamen Laborstudie von Schweizer und US-Forschern zufolge wird beim Orgasmus durch Geschlechtsverkehr die vierfache Menge des Hormons Prolactin ausgeschüttet wie beim Orgasmus durch Masturbation. Alle Testpersonen hatten sich zunächst erotische Filme angeschaut und danach den Orgasmus herbeigeführt. Die Forscher sehen in dem auch für sie überraschenden Befund eine physiologische Bestätigung dafür, dass der Orgasmus mit einem Partner häufig als befriedigender erlebt wird als ein solo erzeugter.
Da die Scheidenwand fast keine Nerven aufweist, kommen viele Frauen nur dann zum Orgasmus, wenn bestimmte Lustzentren, z. B. die Klitoris, der G-Punkt, der A-Punkt oder andere, stimuliert werden.
In vielen allgemeinen und in einigen älteren wissenschaftlichen Publikationen wird unterschieden zwischen einem „klitoralen“ und einem „vaginalen Orgasmus“, wobei letzterer oftmals als erfüllender oder gar als höhere Stufe propagiert wird. Einige Wissenschaftler gehen jedoch davon aus, dass in Wahrheit jeder weibliche Orgasmus von der Klitoris, dem bei der Frau nervenreichsten Zentrum sexueller Erregung, ausgeht: Nach neueren Erkenntnissen ist die Klitoris ein weitaus größeres Organ als allgemein angenommen und publiziert, tatsächlich beträgt ihre Länge ca. elf Zentimeter und ihre Nervenenden reichen bis in die Vagina und in die Schenkel hinein. Die allgemein als Klitoris erachtete außen sichtbare Klitorisspitze ist also lediglich ein Teil des Organs. Somit könne der Orgasmus durch vielfältigere Weise als bisher angenommen klitoral ausgelöst werden, etwa auch durch eine vaginale Stimulation. Die oft anzutreffende Unterscheidung in klitorale und vaginale Orgasmen beruht ihrer Ansicht nach auf der gängigen Fehleinschätzung über die Größe der Klitoris.
Klimt Mulher sentada.jpg „Mulher sentada“, 1913. Selbsterkundung kann die Orgasmusfähigkeit erhöhen und ist eine wichtige Voraussetzung zur sexuellen Entfaltung.]] Die Orgasmusfähigkeit von Frauen nimmt mit zunehmendem Alter und zunehmender sexueller Erfahrung zu. Frauen lernen oft erst mit der Zeit, durch welche Stimulationen sie am besten zum Orgasmus kommen und gewinnen mit dem Heranwachsen und mit zunehmender Erfahrung mehr und mehr Selbstbewusstsein, was hilft, die eigenen sexuellen Wünsche zu vertreten. Mit zunehmender Erfahrung können feine Abstufungen in den Stimulationsmöglichkeiten und im Empfinden erprobt werden, was das sexuelle Erlebnispotential erweitern kann.
Über die eigene Einflussnahme hinaus unterliegt die Empfindungsfähigkeit und die Lokalisierung der Empfindungen individuellen und lebenszyklischen Schwankungen, die hormonell wie anatomisch bedingt sind. So berichten manche Frauen nach der ersten (Vaginal-) Geburt von einer Zunahme des sexuellen Genusses und intensiveren Empfindungen im Bereich der vorderen Scheidenwand, der Umgebung des G-Punkts. Einigen Angaben zufolge kann mit zunehmender Erfahrung und durch eine gezielte Reizung auch die weibliche Vorsteherdrüse (Prostata feminina oder Gräfenberg-Zone, kurz G-Punkt) aus dem umliegenden Vaginal-Gewebe stärker hervortreten, was bei der vaginalen Stimulation das sexuelle Lustempfinden steigern und leichter einen Orgasmus bescheren könne.
Vor dem und vor allem während des Orgasmus werden in der Vagina Sexualsekrete abgesondert, die beim Liebesakt die Gleitwirkung verstärken und durch ihre Eigenschaften die Befruchtung fördern können. Wenn etwa das Sperma zu dickflüssig oder dessen Menge zu klein ist, sind die bei sexueller Erregung gebildeten Vaginalsekrete ab einer gewissen Menge imstande, die verminderte Mobilität der Spermien zu verbessern. Zudem beeinflussen sie das Basen-Säuren-Verhältnis in der Vagina: Die Vaginalflora hat normalerweise einen sauren pH-Wert, während Spermien eine leicht alkalische Umgebung brauchen. Die weiblichen Sexualsekrete können für eine kurze Zeit den pH-Wert in der Vagina erhöhen - und damit wahrscheinlich die Überlebensfähigkeit der Spermien.
Laut Erfahrungsberichten kann es bei einigen Frauen während des Orgasmus zu einer Ejakulation kommen, vergl. Weibliche Ejakulation. Dabei werde stoßweise ein klares Sekret aus dem G-Punkt-Drüsenzentrum abgesondert.
Franz von Stuck 005.jpg, „Fangspiel“ (Faun und Nymphe), um 1904. Durch spielerische Handlungen kann das sexuelle Erleben erweitert und intensiviert werden.]] Wie häufig und durch welche Stimulationen ein Mensch Orgasmen erleben kann, sagt wenig über seine sexuelle Genussfähigkeit aus. Sie hängt vielmehr von der Tiefe seiner Hingabe, seiner Fähigkeit zur Überwindung der Selbstkontrolle und seinem Selbstwertgefühl ab. Die Bezeichnung Liebesspiel kommt von Spiel als Tätigkeit zum Selbstzweck aus purem Genuss. Diese Einstellung beinhaltet oft eine größere sexuelle Erfüllung als die leistungsorientierte Orgasmusjagd (vergl. Kapitel: Der vorgetäuschte Orgasmus). Die Intensität des weiblichen Orgasmus lässt sich laut unterschiedlichen Erfahrungsberichten mit der „Raffinesse“ des Liebesspiels steigern, etwa durch kurzfristige Intensitätsänderungen der Berührungen, mehrfache Stimulationen wie gleichzeitige Berührungen von Klitoris und Brüsten, Mund oder Analregion sowie einer spielerischen „Inszenierung“, etwa durch das Einnehmen einer aktiven, passiven oder imaginären Rolle oder durch Verbinden der Augen. Darauf zu warten oder sich unter Druck zu setzen wird hingegen als hinderlich beschrieben.
Männer lernen mit zunehmender Erfahrung, wie sie ihren Orgasmus und die Ejakulation durch Selbstbeherrschung und -disziplin besser kontrollieren können. Hierbei entwickeln sie vor allem die Fähigkeit, den Orgasmus willentlich hinauszuzögern, was häufig den sexuellen Genuss erhöht und zu einem intensiveren Höhepunkt führt. Ebenso kann die Partnerin oder der Partner durch einen Intensitätswechsel der Stimulationen den Zeitpunkt des männlichen Orgasmus mit steuern.
Eine Verfeinerung des Liebesspiels stellt das bewusste Hinauszögern des Orgasmus durch wiederholtes Unterbrechen der Stimulation bei fortgeschrittener Erregung dar. Diese Erkenntnis begründet die Sexualtechniken des hinduistischen Tantras, wobei sich der Orgasmus hier nicht in einer explosiven Entladung der sexuellen Energie äußert, sondern mit bestimmten Atemtechniken in andere Erlebnisformen transformiert wird, die sich in einem ganzkörperlichen Talorgasmus und lang anhaltenden Zustand hoher Ekstase äußern. Kamasutra5.jpg Auch Teile der heute im Westen populären altindischen Schriften des Kamasutras zeugen bereits von einer frühen Auseinandersetzung mit Techniken, die eine Steigerung des sexuellen Genusses erzielen sollen, überdies setzen sie einen bemerkenswerten Kontrapunkt zum heute in Indien verbreiteten eher prüden Umgang mit der Sexualität.
In Hinduismus und Buddhismus steht jedoch nicht die Verstärkung des sexuellen Lusterlebnisses im Mittelpunkt, sie ist lediglich ein Nebenprodukt der spirituellen Handlung. Die sexuellen Techniken des Tantras bezwecken nach traditioneller hinduistischer Auffassung vielmehr, eine Nähe zu den Göttern, insbesondere der Doppelgottheit Shiva/Shakti herzustellen und durch das orgastische Erleben einer Auflösung der Ich-Grenzen selbst zu dieser zu werden, bzw. nach der Auffassung des tantrischen Buddhismus die Erfahrung der Einheit von Glückseligkeit und Leerheit. Nach Auffassung einzelner Tantriker handelt es sich bei dieser Erfahrung um ein besonderes Samadhi, das durch andere Meditationsmethoden nicht oder nur wesentlich schwieriger erreichbar ist. Die Bereitschaft zur Selbstaufgabe begünstigt hierbei vermutlich die Erlebnistiefe - und umgekehrt.
Als Anorgasmie, manchmal auch als "Orgasmushemmung", wird eine Orgasmusstörung bei Frauen wie Männern bezeichnet, die durch ein oftmaliges oder andauerndes Fehlen eines sexuellen Höhepunktes bei ungestörter Erregungsphase definiert ist.
Diese ist bei Frauen häufiger als bei Männern festzustellen: Nur etwa ein Drittel der sexuell aktiven Frauen berichtet von regelmäßigen Orgasmen. 5 bis 10% geben an, noch niemals einen Orgasmus gehabt zu haben.
Bei Männern muss eine Anorgasmie bzw. im weiteren Sinn die Orgasmusstörung von einer Ejakulationsstörung im engeren bzw. einer erektilen Dysfunktion im weiteren Sinne abgegrenzt werden.
Anorgasmie kann auch durch die Einnahme eines Antidepressivums ausgelöst werden.
Neben der ungewollten gibt es auch die gewollte Anorgasmie, bei der einem der Partner bewusst die sexuelle Befriedigung verwehrt wird. Siehe Never-Inside, Peniskäfig.
Während es bei der ärztlichen Behandlung von Männern mit Orgasmusproblemen üblich ist, sowohl psychische als auch physische Faktoren zu berücksichtigen, richtet sich die Ursachenforschung und Behandlung von Frauen, die unter ähnlichen Schwierigkeiten leiden, nach wie vor stark auf den psychischen Bereich. Selbst in den zahlreichen Fällen, in denen durch diese Handhabe keine Besserung eintritt, wird häufig nicht umfassender nachgeforscht, die Betroffenen finden keine adäquate Hilfe. In Wirklichkeit ist die Fachwelt häufig ratlos, da die Anatomie und die Funktionen der weiblichen Geschlechtsorgane noch immer nicht hinreichend erforscht sind. Das zeigt sich etwa darin, dass bei Operationen häufig unnötig Nerven oder Blutgefäße verletzt werden, die, wie sich oft zu spät zeigt, für das weibliche Lusterleben von Bedeutung sind. Erst im Jahr 1998 sorgte eine neue Entdeckung der Urologin Helen O’Conell in der Fachwelt für Furore: die Klitoris liegt zum größten Teil unter Gewebe verborgen und ist mehr als doppelt so groß wie bisher angenommen wurde, vergl. Kapitel Neuere Forschungsergebnisse. Aufgrund der Forschungs- und Behandlungsdefizite wurde - ebenfalls gegen Ende der 90er Jahre - die International Society for the Study of Woman’s Sexual Health gegründet, eine Organisation, die sich eingehend der Erforschung der körperlichen Ursachen der sexuellen Dysfunktion bei Frauen widmet.
Die bisher vorliegenden neuesten Studien zeigen, dass eine Orgasmuslosigkeit bei Männern und Frauen oftmals sehr ähnliche Ursachen hat. Sie reichen etwa von psychischen Faktoren (vergl. Sexualangst) über krankheits-, unfall- oder operationsbedingte Schädigungen der Nerven oder der Kapillargefäße (Risikofaktoren können hier bestimmte Erkrankungen, etwa Diabetes, Multiple Sklerose, sein) bis hin zu Durchblutungsstörungen, etwa bedingt durch Bluthochdruck, Arteriosklerose oder Rauchen. Neueste Diagnoseverfahren- und Geräte ermöglichen mittlerweile auch bei den Patientinnen eine präzisere Erforschung und Eingrenzung der körperlichen Ursachen. So erzeugt ein Stab, der in die Vagina eingeführt wird, der Genito-Sensory-Analyzer, unterschiedliche Temperatur- und Vibrationsreize, deren Wahrnehmung die Patientin per Knopfdruck anzeigt, wodurch Rückschlüsse auf eine etwaige Nervenschädigung ermöglicht werden. Andere Geräte messen Feuchtigkeit oder Durchblutungsintensität der Genitalien.
Auch in der Therapie zieht die Berücksichtigung körperlicher Ursachen bei Frauen langsam nach. Neueste Studien haben gezeigt, dass geringe Mengen des „männlichen Hormons“ Testosteron für das weibliche Lustempfinden wichtig sind. Wird ein Mangel als Ursache festgestellt, kann das Hormon ersetzt werden, etwa durch ein hormonhaltiges Gel, das im Bereich der Klitoris aufgetragen wird. Ist eine Mangeldurchblutung der Kapillargefäße die Ursache der Störung, kann es laut Dr. Johannes Siewers (einem der wenigen Sexualmediziner in Deutschland, die die aktuellen Erkenntnisse und Methoden bereits in der gynäkologischen Praxis nutzen) auch bei Frauen sinnvoll sein, den Einsatz von Viagra zu testen. Wie für betreffende Männer schon länger erhältlich, gibt es inzwischen auch für Frauen eine so genannte Vakuumpumpe (vergl. Penispumpe), die an den äußeren Genitalien angesetzt wird und durch Sogwirkung die Gefäße trainiert.
Siehe auch: Asexualität
Manche Gelähmte benutzen ein Reizgerät, den sogenannte Brindley-Stimulator. Dieses Gerät besteht aus zwei Teilen, ein Kontakt wird unter die Haut implantiert und mittels im Körper verlegten Elektroden mit dem abgeschnittenen Teil des Rückenmarks verbunden, der für die Kontrolle der Unterleibsfunktionen zuständig ist. Das Hauptgerät kann individuell eingestellt werden und wird bei Bedarf von außen an den Kontakt gehalten. Die Stimulation äußert sich in einer starken Vibration des gesamten Unterleibes, die in der Regel Blase und Darm stimulieren soll, um die Entleerung zu fördern, aber auch in der Sexualität genutzt wird, um Erektionen oder anderweitige sexuelle Stimulation hervorzurufen. Der ausgelöste Orgasmus ist nicht mit dem gewöhnlichen genitalen Orgasmen zu vergleichen, ist aber laut Aussage der von Querschnittslähmung Betroffenen nicht weniger befriedigend.
Interessant ist eine Studie, welche von Dr. R. Richter, dem leitenden Urologen am Zentrum für Rückenmarkverletzte in Halle, in einem Brief an die Arbeitsgemeinschaft Spina Bifida und Hydrocephalus e.V. (ASbH e.V.) veröffentlich worden ist, in welcher querschnittsgelähmte Frauen trotz totaler primärer Gefühllosigkeit, Penetration durchaus wahrnehmen können. Ob dies durch eine Reizweiterleitung durch die Stimulation der Gebärmutter oder auf anderem Wege passiert, ist jedoch noch nicht geklärt.
Nachforschungen zeigen, dass ab dem 15. Jahrhundert die manuelle Auslösung des weiblichen Orgasmus, der damals als „hysterische Krise“ verkannt wurde (von griechisch hystera: Gebärmutter), zum ärztlichen Behandlungsrepertoire gehörte und rege Anwendung bei den in Europa weit verbreiteten „hysterischen Leiden“ fand, zu denen etwa nervöse Kopfschmerzen und „allgemeine Unleidlichkeit“ gehörten (vergl. Kapitel Rollenklischees und Artikel Hysterie). Im 19. Jahrhundert starb diese Behandlungsmethode nach und nach aus, weil spezielle Geräte für die häusliche Selbstbehandlung aufkamen: Vorläufermodelle der Vibratoren, die heute in zahlreichen Varianten als Sexspielzeug dienen.
Im Widerspruch dazu belegen andere Quellen, dass der weibliche Orgasmus in der medizinischen Fachliteratur des 19. Jahrhunderts häufige Erwähnung fand und damals irrtümlich als eine Voraussetzung zur Befruchtung galt.
Veränderte Moralansprüche, die Erfahrungen des Ersten und Zweiten Weltkrieges, der schwindende Einfluss der Kirchen und bessere wissenschaftliche Untersuchungs- und Forschungsmethoden ermöglichten es, die Sexualität, ihre Ausdrucksformen und ihre Auswirkungen auf Körper, Geist und Seele enttabuisiert und rational analysieren und untersuchen zu können und somit zunehmend „Licht in das Dunkel des Orgasmus´“ zu bringen:
In der heutigen Zeit ist der Markt und sind diverse Medien überschwemmt mit pornografischen Darstellungen in Worten und weit mehr noch in Bildern, die den Leser oder Betrachter allerdings oft nur oberflächlich berühren. Seltener finden sich literarische oder bildnerische Darstellungen, deren Erlebnisqualität über ein nahezu immer gleiches Schema hinaus geht. Meist wird stattdessen versucht, durch die Darstellung immer neuer sexueller Superlative und Sensationen das Interesse zu gewinnen. Der Moment der Ekstase in seinem Zauber und seiner Einzigartigkeit wird nur selten thematisiert. Dabei können erotische Darstellungen und Beschreibungen und selbst Pornografie weitaus mehr Würze und Lebendigkeit beinhalten wie auch Subtiles zum Wirken bringen - das zeigen einige der nachfolgenden Beispiele.
Eine jahrhundertewährende Reglementierung und Unterdrückung der Sexualität hat sich in unserer Zeit der sexuellen Aufklärung geradezu ins Gegenteil entwickelt. Der Orgasmus wird häufig als höchstes Ziel des sexuellen Aktes betrachtet, das es unter allen Umständen zu erreichen gilt. Männer und Frauen fühlen sich daher häufig zum Orgasmus verpflichtet. Diese oft unbewusste und leistungsorientierte Haltung ist dem Erleben eines Orgasmus abträglich - es stört die natürliche Neugier, Kreativität und Freude, die das Wesen des Spiels ausmachen, das das Liebesspiel eigentlich ist. Die Angst vor dem „Versagen“ wird geschürt und genutzt durch die Vermarktung der Sexualität, etwa durch Ratgeber und Hilfsmittel, die sexuelle „Leistungsfähigkeit“ und Orgasmen der Superlative versprechen. Deshalb fühlen sich Frauen und Männer, die seltener oder bisher noch nie einen Orgasmus erlebten, oft sexuell minderwertig und haben Angst davor, dahingehend „entlarvt“ zu werden.
Als Reaktion auf diesen Leistungsdruck haben viele Menschen beim Geschlechtsakt schon einmal oder mehrfach einen Orgasmus simuliert, manche tun es regelmäßig. Die Einen spielen ihrem Partner aus Angst, möglicherweise als unvollkommen gelten zu können, einen Orgasmus vor, Andere wollen das Selbstbewusstsein des Partners stärken und wiederum ihn nicht als „Versager“ dastehen lassen. Manche fühlen sich durch die leistungsbetonten Bemühungen des Partners unter Druck gesetzt und wollen mit der Täuschung eine Entspannung der anstrengenden Interaktion herbeiführen. Die Gründe sind mannigfaltig und können bis zur Furcht vor dem Verlassenwerden durch den möglicherweise enttäuschten Partner reichen. Der vorgetäuschte Orgasmus, auch „vorgespielter Orgasmus“ oder „Orgasmuslüge“ genannt, gehört deshalb in den Bereich der Notlüge.
Auch sogenannte Stricher und Callboys, die sich auf homosexuellen Kontakt spezialisiert haben, täuschen ihren Kunden zuweilen einen Orgasmus vor. Bei weiblichen Prostituierten gehört das mehr oder weniger theatralische Vortäuschen eines Orgasmus zum Standardrepertoire.
Nach einer Emnid-Umfrage im Auftrag der Frauenzeitschrift Marie Claire haben 20 Prozent der deutschen Frauen und 41 Prozent der deutschen Männer ihrem Partner noch nie einen Orgasmus vorgetäuscht. 54 Prozent der Interviewten fanden, dass Sex auch ohne Orgasmus befriedigend sein könne, jede zweite befragte Person meinte, dass der Orgasmus generell viel zu wichtig genommen werde. Für 28 Prozent der Frauen und 42 Prozent der Männer sei er das Schönste am Sex.
Die Gründe der männlichen Orgasmuslüge sind oft ähnlich den weiblichen, weichen aber manchmal etwas ab. So wollen manche Männer nicht zeigen, wenn plötzlich der Wunsch nach Entspannung größer wird als der sexuelle Trieb. Durch das Orgasmus-Vortäuschen wird hier der Druck einer vermeintlichen Rechtfertigung gegenüber der Partnerin verhindert. Häufiger als bei Frauen ist für Männer die Befürchtung der Motor, der Partnerin nicht ausreichend das Gefühl geben zu können, dass sie begehrenswert ist, wenn der eigene Orgasmus ausbleibt.
Frauen hingegen täuschen manchmal einen Orgasmus vor, wenn sie den Partner zur Ejakulation animieren wollen - entweder um einen als anstrengend empfundenen Geschlechtsakt auf subtile Weise zum Abschluss zu bringen oder aber um durch die kurzfristige Zunahme der Reizung auch selbst in den Genuss eines echten Orgasmus zu kommen. Ein gelegentliches Vorspielen des Höhepunkts kann für ein Paar also in manchen Fällen bereichernd sein. Simuliert die Frau den Höhepunkt regelmäßig und erlebt hingegen nie einen echten Orgasmus, kann das zu einem großen Problem werden: Die Frau kann sich nicht mehr outen und befindet sich in einem Teufelskreis.
Das Erkennen eines vorgetäuschten Höhepunkts ist bei Frauen naturgemäß schwieriger als bei Männern. Es gibt Studien, die davon ausgehen, dass unter Einberechnung der Dunkelziffer über 90 % aller Frauen einmal oder mehrmals einen Orgasmus vorgetäuscht haben. Es ist für Männer unmöglich, einen unechten Orgasmus zu erkennen. Es gibt aber Hinweise auf einen echten Orgasmus, welche für die Frau schwierig zu kopieren sind: Muskelzuckungen im Vaginalbereich, harte Brustwarzen und manche Frauen bekommen während des Höhepunkts eine rötliche Farbe im Gesicht. Je besser sich ein Liebespaar kennt, desto schwieriger wird es logischerweise für die Frau, einen vorgetäuschten Orgasmus unentdeckt zu lassen, sofern sie zwischendurch echte Orgasmen mit ihrem Partner erlebt und den Orgasmus nicht schon immer vortäuscht.
Die Tatsache, dass Männer im allgemeinen abstreiten, ihnen könne jemals eine Frau einen Orgasmus vortäuschen, wurde schon in Filmen thematisiert. So wird Billy Crystal von Meg Ryan im Film "Harry und Sally" in einer gerne zitierten Szene im Restaurant ein Orgasmus vorgespielt.
Nach Schriften des tibetischen Buddhismus durchläuft der Mensch im Orgasmus dieselben Bewusstseinsphasen wie während des Sterbens. Spezielle Atem- und Konzentrationstechniken sollen helfen bestimmt Zustände auch völlig unabhängig von einer sexuellen Erregung zu vertiefen.
Manche Forscher sehen auch in den neurobiologischen Prozessen beim Orgasmus eine Parallele zu den Nahtoderlebnissen, bei denen Menschen im Angesicht einer tödlichen Gefahr oder auf der Schwelle zum Tod vorübergehend „aus ihrem Körper getreten“ oder „in ein helles glücksbringendes Licht“ eingetaucht seien.
Die französische Umschreibung für den Orgasmus La petite mort, „der kleine Tod“, spiegelt die Assoziation Orgasmus und Tod sprachlich wieder. In Dichtkunst und Literatur finden sich ebenfalls solche Entsprechungen, vergl. Kapitel Kunst und Literatur.
Siehe auch Trance, Erleuchtung, Entrückung.
Möglicherweise sind die Gründe für die als selbstverständlich hingenommene Orgasmuslosigkeit der Frau in der veralteten Rollenverteilung der Geschlechter und in tradierten sexuellen Vorstellungen zu finden, die sich u. a. im Ausdruck Eheliche Pflicht widerspiegeln, der lange gebräuchlich war und sogar als Begründung für die ungleiche juristische Bewertung ehelicher und außerehelicher Vergewaltigungen diente. Lange sollten Frauen keinen Spaß an der körperlichen Liebe haben, stattdessen wurde von ihnen Fügsamkeit erwartet, was unterbewusst bis heute nachwirkt (vergl. Abschnitt weiter unten). Umfragen bei homosexuellen Frauen haben ergeben, dass sie häufiger Orgasmen erleben, und dass der Orgasmus selbstverständlicher zum Liebesspiel gehört, als bei Frauen mit heterosexuellen Partnern. Diese Ergebnisse unterstützen die These der fortbestehenden unbewussten Rollenkonformität.
Seit Mitte des 20. Jahrhunderts wurde das Recht der Frau auf ihre eigene Sexualität von feministischen Bewegungen immer stärker vertreten und eingefordert. In den 1950er Jahren erfasste und erforschte der weltberühmte Zoologe und Sexualforscher Kinsey in seinem Buch Das geheime Leben der Frauen das Thema und machte es zum Gegenstand der öffentlichen Auseinandersetzung. Bis dahin war der weibliche Orgasmus ein Mythos, wenn nicht sogar ein Tabu. In den 1970er und 1980er Jahren machte die Sexualforscherin und Feministin Shere Hite mit den Hite-Reports Furore, in denen sie weibliche und männliche Stereotypen im sexuellen Rollenverhalten entlarvte. Mit ihren Veröffentlichungen gelang es ihr insbesondere, ein größeres allgemeines Interesse für die Sexualität der Frau und den weiblichen Orgasmus zu wecken, und somit einen Beitrag zu größerem gesellschaftlichen Respekt vor der Frau zu leisten.
In vielen Kulturen wurde - und wird zum Teil noch heute - der weibliche Körper aufgrund seiner besonderen Funktionen als unheimlich betrachtet bis hin zu der Ansicht, er sei von Grunde auf pathogen, schwach oder minderwertig (vergl. Artikel Wahnsinn - körperliche Ursachen und Artikel Hysterie). Diese Betrachtungsweisen wurden etwa in vergangenen Zeiten der heutigen westlichen Industrienationen vertreten (vergl. Kapitel Mythen und Erkenntnisse - Mittelalter bis Neuzeit). Sie hatten mitunter grausame Konsequenzen: Teilweise wurde „hysterischen“ Frauen die Gebärmutter entfernt; bei manchen angeblich von Hysterie oder Masturbation betroffenen Frauen wurde eine operative Verstümmelung der Genitalien vorgenommen (vergl. Beschneidung weiblicher Genitalien - Klitorisamputation und Masturbation). Diese Tatsache und besonders, dass die Genitalverstümmelung als „medizinische Praxis“ in einigen Fällen auch im deutschsprachigen Raum Anwendung fand, ist allgemein wenig bekannt und wenig publiziert. M. Hulverscheidt (siehe Literaturliste) wies für den Zeitraum von ca. 1815 bis 1915 etwa 100 Fälle in medizinischen Publikationen nach, die tatsächliche Anzahl Betroffener könnte höher liegen.
Fernab unserer Breiten sind uns die Konsequenzen geläufiger, zu denen manche Betrachtungsweisen der weiblichen Körperfunktionen - insbesondere des weiblichen Orgasmus - und die damit verbundene Bewertung der Frau führen können:
Besonders in einigen Ländern Afrikas wird die sexuelle Lust der Frau, da sie einen Teil zur weiblichen Autonomie beiträgt, als eine Bedrohung für die in den betreffenden Kulturen patriarchisch strukturierte Gemeinschaft angesehen. Um die Frau dieses zentralen Bereichs der Selbstbestimmung zu berauben, wurde und werden dort vielerorts bereits junge Mädchen etwaiger sexueller Intentionen beraubt, indem systematisch ihre Genitalien verstümmelt werden. Weltweit kämpfen Menschenrechtsorganisationen gegen dieses Verbrechen (vergl. Artikel Verstümmelung weiblicher Genitalien).
Hier sind die sowohl bei Männern wie Frauen gelegentlich auftretenden Orgasmen im Schlaf zu nennen, die vorwiegend während des Nachtschlafes auftreten können. Meist sind diese von sexuellen Träumen oder Empfindungen begleitet. Bei heranwachsenden männlichen Jugendlichen ab der Pubertät und erwachsenen Männern werden diese mit einer Ejakulation verbundenen Ereignisse als Pollutionen bezeichnet.
Ein Orgasmus kann mitunter fernab von sexuellen Gedanken oder einer entsprechender Betätigung in geistigen oder körperlichen Extremsituationen auftreten, verursacht etwa durch exzessives Beten oder Hungern, extreme körperliche Betätigung (vergl. Leistungssport), körperlichen Schmerz (auch außerhalb sexuell betonter S/M-Praktiken), eine massive Angst- oder Bedrohungssituation oder durch Gewalterlebnisse bei Opfern oder Tätern. Der Orgasmus könnte hierbei die Funktion haben, eine Überreizung des Nervensystems abzubauen und einer weiteren Überreizung durch den kurzfristigen „Ausstieg“ aus der überfordernden Situation vorzubeugen. Neurologisch könnte das Phänomen durch die unmittelbare Nachbarschaft entsprechender Hirnareale begründbar sein (vergl. Hintergründe und anthropologische Theorien). In der Folge solcher zunächst paradox erscheinenden Erlebnisse kann es zu einer Erotisierung der auslösenden Ereignisse kommen, was jedoch nicht zwangsläufig als angenehm erlebt wird und mitunter die Folge einer Traumatisierung sein kann. Aus Richard von Krafft-Ebings Psychopathia sexualis von 1912:
Das Orgasmusgefühl ist eng verwandt mit anderen ekstatischen Zuständen, zu den etwa verschiedenartige Rauschzustände sowie intensive Glückserlebnisse zählen, aber auch Amok oder Gewaltexzesse. Die ähnlichen Empfindungen könnten mit der Ausschüttung von Endorphinen zusammenhängen, die das neuroendokrine System des Zwischenhirns freisetzt.
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