Die Marienburg ist eine Ordensburg in Malbork (Marienburg) bei Danzig im heutigen Polen. Die Burg war der Hauptsitz des Deutschen Ordens. Man versichert glaubwürdig, dass es sich um den größten Backsteinbau Europas handelt. Marienburg_2004_Panorama.jpg
Marienburg1.jpg Entsprechend ihrem Zweck sind die Gebäude des Mittel- und des Hochschlosses als Konventsburgen, d.h. als Stützpunkt und Unterkunft der großen Zahl der Ordensritter und dienenden Brüder gebaut. Der zuerst fertig gestellte Nordflügel des Hochschlosses hatte folgerichtig auch die Funktion eines Dormitoriums (Schlafsaal).
Der Nordflügel mit Kirche und Kapitelsaal des Hochschlosses wurden bis 1280 vollendet. Hochmeister Dietrich von Altenburg ließ die Kirche Sankt Marien anbauen. An der Außenwand der Kirche befindet sich das farbiges Glasmosaik "Unserer Lieben Frau".
Die neue Funktion als Residenz machte es notwendig, die Burg den Repräsentationsbedürfnissen der Hochmeister anzupassen. Unter Luther von Braunschweig wurde das Schloss ausgebaut. Für die stark zunehmende Anzahl der Ordensbrüder wurden weitere Funktionsbauten errichtet. Die Vorburg war ab 1309 in Ansätzen vorhanden. In der St. Lorenz-Kapelle, einem bescheidenen Bau mit Flachdecke, an die Außenmauer der Vorburg gelehnt, fanden die Gottesdienste für die Halbbrüder des Deutschritterordens und für die dienenden Schwestern statt. Die Kapelle enthielt eines der größten Meisterwerke der Malerei des 14. Jahrhunderts in den Ordenslanden, den Altar aus dem Ordensschloss Graudenz. Hochmeister Dietrich von Altenburg ließ das Komturhaus bauen und eine Pfahlbrücke über den Fluss schlagen.
Den bedeutendsten Bau des Schlosses stellt der Hochmeisterpalast dar. Begonnen wahrscheinlich schon 1305, wurde er in seiner baulichen Hülle 1393, wahrscheinlich nach Plänen des Koblenzer Baumeisters Nikolaus Felleisen, vollendet. Unter dem Hochmeister Konrad von Jungingen wurden dann auch die künstlerischen Arbeiten im Inneren 1399 fertig gestellt. Der in Form eines Wohnturmes errichtete Bau weist neben den gotischen auch Elemente der frühen italienischen Renaissance auf und stellt eine architektonische Besonderheit dar. Der schönste Raum des Palastes ist der Sommerremter (Remter hießen früher die Speisesäle in Klöstern), dessen Sterngewölbe von einem einzigen schlanken Granitpfeiler getragen wird. Diesem Pfeiler soll die Steinkugel gegolten haben, die über dem großen Kamin eingemauert ist. Sie stammt von der Belagerung durch Jagiello im Jahr 1410. Die Glasfenster von 1822 bis 1826 zeigen Szenen aus der Ordensgeschichte. Ähnlich dem Sommerremter trägt auch das Gewölbe des kleinen Winterremters nur eine einzige Säule. Hier gibt es als Wandmalereien die Hochmeisterbilder des Malers Peter vom Anfang des 15. Jahrhunderts. Der große Remter, 30 Meter lang, hat leichte Sterngewölbe, von drei schlanken roten Granitpfeilern getragen. In den hohen Spitzbogenfenstern befinden sich Glasmalereien von Lauterbach aus dem Jahr 1908.
Eine Verstärkung der Verteidigungsanlagen wurde unter Heinrich von Plauen in der Mitte des 15. Jahrhunderts (Plauener Wall) durchgeführt. Es besteht seit dieser Zeit ein kompliziertes Mauer-Graben-Zwinger-System mit teilweise vierfachem Mauerring. Im nördlichen und östlichen Vorfeld wurden durch die Schweden 1656-59 Verteidigungswälle erbaut.
Im Zuge seiner Ostexpansion sicherte der Deutsche Orden die eroberten Gebiete durch den Bau von Burgen. So entstand in der Zeit zwischen 1270 bis 1300 am Ufer des Nogat, eines Mündungsarms der Weichsel, die Marienburg, erbaut vom Orden der Brüder vom Deutschen Haus St. Marien und ihnen zu Ehren benannt.
Während der Orden in Osteuropa militärische Erfolge hatte, musste er im Heiligen Land Rückschläge hinnehmen. So fiel dort 1271 seine Hauptfestung Montfort. Diese politische Lage veranlasste den Deutschen Orden, seinen Hauptsitz von Venedig nach Marienburg zu verlegen.
Die Burg war als Sitz des Komturs gedacht. Seit Hochmeister Siegfried von Feuchtwangen 1309 den Hochmeistersitz des Ordens von Venedig nach Marienburg verlegt hatte, fanden hier die großen Kapitel des Gesamtordens statt, an denen auch Deutschmeister und Meister in Livland teilnahmen und auf denen die Hochmeister und die fünf Gebietiger des Ordens gewählt wurden. Noch Heinrich von Plauen konnte die Burg nach der verlorenen Schlacht bei Tannenberg im Jahre 1410 in der Schlacht um die Marienburg erfolgreich verteidigen. Aber nach der Verteidigung von 1454 musste der Hochmeister Ludwig von Erlichshausen, da er in Geldschwierigkeiten war, die Burg 1455 an seine Söldner verpfänden. Diese verkauften sie dann direkt an den polnischen König.
Am 7. Juni 1457 zog der König von Polen in das Schloss ein und der Hochmeister flüchtete nach Königsberg. Im Zweiten Frieden von Thorn kamen Stadt und Burg endgültig zu Polen. Der Ordensstaat wurde in das weltliche Herzogtum Preußen unter polnischer Lehnsherrschaft umgewandelt und der Hochmeister Albrecht I. residierte ab dem 9. Mai 1525 als Herzog von Preußen in Königsberg.
Während des Dreißigjährigen Krieges 1626 und 1629 sowie im Schwedisch-Polnischen Krieg von 1656 bis 1660 wurde die Burg von den Schweden besetzt. Ab 1773 gehörte die Burg zur Provinz Westpreußen des Königreiches Preußen. Unter dem Oberpräsidenten Heinrich Theodor von Schön wurde sie umfassend restauriert; dieser bekam dafür von König Friedrich Wilhelm IV. den Ehrentitel „Burggraf von Marienburg“ verliehen.
Durch die moderne Nutzung (etwa den Einbau einer Kaserne) wurden viele Elemente der mittelalterlichen Architektur zerstört, und es gab für das Hochschloss sogar Abrisspläne (zugunsten eines modernen Magazinbaus). Dagegen wandten sich u. a. Friedrich Gilly und Friedrich Frick, die ab 1794 Ansichten der Marienburg veröffentlichten. 1803 rief der Dichter Max von Schenkendorf zur Rettung der Marienburg auf. 1804 verbot König Friedrich Wilhelm III. weitere Abrissarbeiten. An den ab 1817 stattfindenden Restaurierungsmaßnahmen war auch Karl Friedrich Schinkel beteiligt. 1819 reiste er im Auftrage Staatskanzler Hardenbergs, der das Hardenbergfenster im Großen Remter stiftete, zur Marienburg.
Marienburg_(1890-1900).jpg Schon während des Deutschen Kaiserreichs spielte die Burg unter der Regierung von Kaiser Wilhelm II. eine wichtige Rolle in der nationalen Identität.
Später ideologisierte der Nationalsozialismus den Deutschen Orden und damit auch die Marienburg, ähnlich wie das Tannenberg-Denkmal. Die NSDAP und SS bzw. ihre Funktionäre nutzten sie häufig für Tagungen, Feierlichkeiten und Aufmärsche. Ab 1934 wurde mit dem Bau eines großen Amphitheaters auf der Ostseite der Burg begonnen. Es gab auch Planungen für den Neubau einer "NS-Ordensburg" nordöstlich der mittelalterlichen Anlage, die aber nicht mehr verwirklicht wurden.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Burg zu 60 Prozent zerstört. Danach fiel sie an Polen und wurde vom polnischen Staat wieder aufgebaut. Seit einigen Jahren ist auch die Marienkirche wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Diese wurde nicht renoviert, sondern bisher nur gegen Einsturz gesichert; das Ausmaß der Zerstörung wird so auf eindringliche Weise dokumentiert.
Die Marienburg ist heute einer der wichtigsten Anziehungspunkte für Touristen in Polen; sie wird überwiegend als Museum genutzt. Seit 1998 zählt die Marienburg zum Weltkulturerbe der UNESCO.
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