Orbe ist eine politische Gemeinde und Hauptort des gleichnamigen Bezirks des Kantons Waadt in der Schweiz. Der ehemalige deutsche Name Orbach wird heute nicht mehr verwendet.
Die Fläche des 12.0 km² grossen Gemeindegebiets umfasst einen Abschnitt des Waadtländer Mittellandes. Der Hauptteil des Gebietes wird von der weiten Orbeebene eingenommen, einem früher sumpfigen und häufig überschwemmten Gebiet, das heute drainiert und von den in Kanalbetten eingezwängten Flüssen Nozon, Talent und Orbe durchzogen ist. Auf dem Gemeindegebiet fliesst der Nozon in den Talent, und dieser etwas weiter nordöstlich in die Orbe. Daneben gibt es noch den Entrerocheskanal, der weiter im Nordosten Canal Oriental heisst und streckenweise die östliche Grenze des Gemeindegebietes bildet, und den Canal Occidental. Nach Westen erstreckt sich der Gemeindeboden auf die angrenzenden Hochflächen des Jurafussplateaus und erreicht auf der Höhe Les Saugettes mit 560 m ü. M. den höchsten Punkt von Orbe. Teil dieses Plateaus ist auch der Geländevorsprung, auf dem die Altstadt liegt. Unterhalb des Städtchens tritt der Fluss Orbe, der im Lauf der Jahrmillionen durch Erosion eine tiefe Kerbe in das Plateau eingeschnitten hat, in die Orbeebene hinaus. Von der Gemeindefläche entfielen 1997 17 % auf Siedlungen, 3 % auf Wald und Gehölze, 77 % auf Landwirtschaft und rund 3 % war unproduktives Land.
Zu Orbe gehören ausgedehnte neue Wohn- und Villenquartiere, die sich immer weiter nach Osten ausdehnenden Gewerbe- und Industriezonen Granges-Saint-Martin und Granges-Saint-Germain (442 m ü. M.) in der Orbeebene sowie einige Einzelhöfe. Nachbargemeinden von Orbe sind Chavornay, Arnex-sur-Orbe, Agiez, Montcherand, Valeyres-sous-Rances, Mathod, Ependes und Essert-Pittet.
| Bevölkerungsentwicklung | |
|---|---|
| Jahr | Einwohner |
| 1850 | 1923 |
| 1900 | 2080 |
| 1910 | 3234 |
| 1930 | 3422 |
| 1950 | 3565 |
| 1960 | 3824 |
| 1970 | 4522 |
| 1980 | 3985 |
| 1990 | 5084 |
| 2000 | 5139 |
Aufgrund des grossen Landwirtschaftsgebietes im Umland von Orbe spielt der primäre Sektor noch heute eine gewisse Rolle in der Erwerbsstruktur der Bevölkerung. Die Landwirtschaft vereinigt noch rund 7 % der Erwerbstätigen auf sich. Von Bedeutung sind der Ackerbau und insbesondere Gemüsekulturen. Einige kleinere Weinbaugebiete gibt es im Bereich des Städtchens sowie einen grösseren Rebhang oberhalb des Hofes La Vaux Vully. In der Orbeebene links der kanalisierten Orbe wurde 1899 die kantonale Strafanstalt Bochuz (Pénitencier de Bochuz) gegründet, die das grösste landwirtschaftliche Gut des Kantons Waadt bewirtschaftet.
Mit den verbesserten Verkehrsanbindungen entwickelte sich Orbe im Lauf des 19. Jahrhunderts zu einem Industriestandort. Zunächst siedelten sich die Mühlenwerke Rod SA an, später folgten eine Schokoladenfabrik und die Filmapparatefabrik Paillard, die von 1958 bis 1971 in Betrieb war.
Heute hat sich am Fuss des Stadthügels und in der Orbeebene ein ausgedehntes Industrie- und Gewerbequartier entwickelt. Wichtigster Betrieb ist die Schokoladenfabrik Nestlé, daneben gibt es mehrere weitere Unternehmen in der Nahrungsmittelindustrie. Die zahlreichen kleinen und mittleren Unternehmen in Orbe haben sich auf die Bereiche Landmaschinenbau, Metallbau, Feinmechanik, Gartenbau, Informatik, Telekommunikation und auf das Baugewerbe spezialisiert. Ferner gibt es in der Ebene verschiedene Einkaufszentren.
Orbe verfügt auch über ein Bezirksspital und mehrere Freizeitanlagen, darunter Tennisplätze, ein Schwimmbad und ein Campingplatz. In kultureller Hinsicht hat Orbe einen Theatersaal, einen Kinosaal und das 1878 gegründete Musée du Vieil-Orbe zu bieten.
Der direkte Anschluss an das Eisenbahnnetz erfolgte am 17. April 1894 mit der Einweihung der Stichbahn vom Bahnhof Chavornay nach Orbe (Chemin de fer Orbe-Chavornay). Für die Feinverteilung im öffentlichen Verkehr sorgen Buslinien von Orbe nach Yverdon-les-Bains, Baulmes, Vallorbe, Croy und Arnex-sur-Orbe.
Ende des 3. Jahrhunderts wurden der Gutshof und die Siedlung wahrscheinlich aufgrund der ersten Germaneneinfälle verlassen. Während aus der frühen Burgunderzeit nichts bekannt ist, wurde Orbe spätestens im 9. Jahrhundert burgundisches Königsgut. Unterhalb des Burghügels entwickelte sich im 10. Jahrhundert die neue Siedlung, die zunächst als villa Tabernis, 1049 als vicus Urbensis erwähnt wird. Später entstand auch auf dem Burghügel eine Siedlung. Seit 1255 gehörte die Herrschaft Orbe den Herren von Montfaucon. Zwischen 1270 und 1300 wurde die an die Burg angrenzende Siedlung befestigt und mit dem Marktrecht ausgestattet. 1404 erhielt die Stadt Orbe weitgehende Freiheiten, wurde aber nur drei Jahre später durch einen Stadtbrand schwer beschädigt.
Im Lauf des 15. Jahrhunderts ging die Herrschaft über Orbe an das Haus Chalon über, das aus dem Burgund stammte. Deswegen eroberten die Eidgenossen im Rahmen der Burgunderkriege die Stadt und zerstörten das Schloss. Im Vertrag von Freiburg wurde die Stadt Orbe zusammen mit dem Herrschaftsgebiet Echallens 1476 unter die gemeinsame Verwaltung von Freiburg, Bern und den sieben anderen Orten gestellt. Im Vertrag von Beromünster 1484 löste Bern die Rechte dieser sieben Orte auf die gemeinsame Herrschaft durch eine Entschädigungszahlung heraus. Fortan stand die Vogtei Orbe-Echallens unter der gemeinsamen Verwaltung von Bern und Freiburg. Die Stadt Orbe bildete dabei eine Exklave des Herrschaftsgebietes, dessen Mittelpunkt sich in der Region Echallens befand. Im Fünfjahresturnus stellten Bern oder Freiburg den Vogt, der seinen Sitz in Echallens hatte. Aufgrund des anfänglichen Widerstandes des katholischen Freiburg, wurde die Reformation erst 1554 in Orbe eingeführt.
Nach dem Zusammenbruch des Ancien régime gehörte Orbe von 1798 bis 1803 während der Helvetik zum Kanton Léman, der anschliessend mit der Inkraftsetzung der Mediationsverfassung im Kanton Waadt aufging. Seit 1798 ist es Bezirkshauptort des neuen Bezirks Orbe, der aus der Stadt Orbe und aus Teilen der Vogteien Yverdon und Romainmôtier geschaffen wurde.
Das mittelalterliche Städtchen besass einst sechs verschiedene Kirchen; heute sind jedoch nur noch drei Gotteshäuser vorhanden. Nachdem der Brand von 1407 die frühere Stadtkirche zerstört hatte, wurde die heute reformierte Kirche Notre-Dame errichtet, die ein bedeutendes Bauwerk des spätgotischen Flamboyantstils darstellt. Der Kirchturm entstand durch Umbau und Vergrösserung eines ehemaligen Turms in der Ringmauer der Stadt. Er diente in der Folgezeit gleichzeitig als Glockenturm und als Wehrturm und wurde deshalb mit den für waadtländische Kirchen typischen vier Echauguetten (erkerartige Wachtürmchen an dem Hauptturm) ausgestattet. Das dreischiffige Langhaus wurde von 1521 bis 1525 umgebaut und 1687-90 wurden die ehemaligen Seitenkapellen auf der Nord- respektive auf der Südseite miteinander vereinigt, so dass zwei zusätzliche Seitenschiffe entstanden. Im Innern sind Reste von Malereien aus dem 15. Jahrhundert erhalten. Die Besonderheit dieser Kirche machen die teilweise skurrilen Figuren und die Kurvenrippen der Sterngewölbe aus, die sich von der Gewölbedecke lösen und in einem hängenden Schlussstein enden (insbesondere an der Südostecke des Langhauses).
Das im 13. Jahrhundert erbaute Schloss wurde 1475 von den Eidgenossen weitgehend zerstört. Heute sind nur noch der runde Bergfried (1255-59) und ein viereckiger Turm der Umfassungsmauer erhalten. Die ehemalige Stadtmauer wurde im 17. Jahrhundert abgetragen, wobei in der Nähe der Schule noch ein Rundturm stehen blieb.
Am Hauptplatz (Place du Marché) befindet sich das Hôtel de Ville (Rathaus), ein zweigeschossiger Bau über Arkaden, der 1540 errichtet wurde. Die Fassade wurde 1786-89 nach Plänen des Architekten César Gasquet im klassischen französischen Stil gestaltet. Davor steht ein Brunnen mit einer Bannerträgerfigur von 1543.
Die historische Altstadt mit zahlreichen Bürger- und Patrizierhäusern aus dem 16. bis 19. Jahrhundert weist weitere bedeutende Bauten auf. Dazu gehören das Hôtel des Deux Poissons (ein ehemaliges Klarissenkloster, das 1426 gegründet, im 16. Jahrhundert neu erbaut und später barockisiert wurde), das Haus Grandjean von 1781, das Priorat von 1756-60 (diente früher als Scheune des Klosters Romainmôtier) und das Alte Spital von 1778.
Nördlich der Stadt bei Boscéaz sind die im römischen Gutshof gefundenen Mosaiken der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Die aus der Zeit um 200 bis 230 nach Christus stammenden Mosaiken zählen zu den bedeutendsten nördlich der Alpen. Die Darstellungen umfassen römische Gottheiten, Tiere, Wagen, Labyrinthe sowie geometrischen Dekor.
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