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Oradour-sur-Glane ist ein französischer Ort 200 Kilometer nordöstlich von Bordeaux und liegt im Limousin.

Das Massaker von Oradour


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Bekannt wurde der Ort durch das Massaker von Oradour am 10. Juni 1944, bei dem während eines Einsatzes einer Kompanie der SS-Panzer-Divisision „Das Reich“ im Zuge befohlener Partisanenbekämpfung der ganze Ort zerstört und fast alle Einwohner ermordet wurden.

Am Nachmittag umstellten die SS-Leute die Gebäude und trieben mehr als 400 Frauen und Männer sowie 207 Kinder auf dem Marktplatz zusammen. Obersturmbannführer Adolf Diekmann hatte den Befehl des Regimentskommandeurs, 30 Geiseln vom Bürgermeister des Ortes benennen zu lassen, um diese gegen seinen Freund, Sturmbannführer Helmut Kämpfe, kurz zuvor von der Résistance gefangen genommen, auszutauschen. Adolf Diekmann befahl jedoch, den Ort niederzubrennen und ohne Ausnahme alle Personen zu töten. Der Chef der 3. Kompanie, Otto Kahn, sagte nach dem Krieg in einem Dortmunder Gerichtsverfahren aus: „Diekmann eröffnete mir, dass als Befehl die Niederbrennung und Vernichtung des Dorfes Oradour eingegangen sei, was ich auszuführen hätte.geschichtsthemen.de: Das SS-Masaker von Oradour-sur-Glane; Abgerufen am 10. Juni 2006.

Die SS-Leute teilten daraufhin die Menge auf dem Marktplatz in Männer, Frauen und Kinder auf. Die Frauen und Kinder wurden in die Kirche getrieben. Die SS-Leute zündeten daraufhin die steinerne Kirche, deren Ruine heute noch erhalten ist, an und sprengten den Kirchturm, der in das Kirchenschiff einschlug, warfen Handgranaten und schossen wahllos in die Menge. Die ca. 200 Männer, die zuvor in Garagen und Scheunen gebracht wurden waren, wurden danach erschossen.

An diesem Tag starben 642 Menschen in Oradour, von denen nur noch 52 zu identifizieren waren. Unter den Toten befanden sich 207 Kinder und 254 Frauen. Nur 6 Menschen überlebten dieses Massaker. Einer der Entkommenen berichtete:

Mein linker Arm und meine Haare haben schon gebrannt. Es war ein furchtbarer Schmerz, deshalb musste ich aus der Scheune hinaus Dann haben wir uns in der Scheune dahinter versteckt. Da kamen zwei SS-Leute herein. Einer stieg auf eine Leiter und hat das Stroh dort mit Streichhölzern angesteckt *" target="_blank" >Ich bin dann weitergelaufen in Richtung Friedhof und von dort in die Felder. Sie haben mich nicht entdeckt. Von dort sah ich, dass alle Häuser in Flammen standen. Ganz Oradour brannte.geschichtsthemen.de: [http://www.geschichtsthemen.de/oradour.htm Das SS-Masaker von Oradour-sur-Glane; Abgerufen am 10. Juni 2006.

Strafverfolgung, Prozess und Gedenken


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Diekmanns Vorgesetzter, Standartenführer Stadler ließ gegen ihn gerichtliche Ermittlungen einleiten, auch Generalfeldmarschall Erwin Rommel, der deutsche Kommandant in Limoges General Gleiniger und die Regierung in Vichy protestierten gegen die Bluttat. Diekmann jedoch blieben Folgen erspart. Er fiel wenige Tage später an der Invasions-Front. Auch ein Großteil der 3. Kompanie, die das Massaker begangen hatte, wurde wenige Tage später aufgerieben. Hitler hatte außerdem ein Gerichtsverfahren untersagt.

1953 konnten nur noch 65 Täter angeklagt werden, der Rest war entweder im restlichen Verlauf des Zweiten Weltkrieges gefallen oder konnte nicht mehr festgestellt werden. Lediglich 21 Angeklagte, 7 Deutsche und 14 Elsässer, waren im Prozess anwesend, die Übrigen waren entweder nicht auffindbar oder wurden von der Bundesregierung nicht ausgeliefert. Da das französische Parlament ein Gesetz erließ, welches die gemeinsame Anklage von Franzosen und Deutschen verbot, wurden die Urteile für die beiden Gruppen getrennt verkündet. Zwei der Angeklagten, darunter der Divisionskommandeur Heinz Lammerding wurden zum Tode, 18 zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Das Urteil sorgte im Elsass für so große Unruhen, dass das französische Parlament ein Amnestiegesetz erließ. Das Urteil gegen die Elsässer wurde dadurch komplett aufgehoben. Die Urteile gegen die Deutschen wurden in Haftstrafen umgewandelt und die Verurteilten, nach Verhandlungen mit der BRD, an diese übergeben.

Anfang der 1980er Jahre wurde in der DDR der ehemalige SS-Obersturmführer Heinz Barth aufgespürt. Barth war in Oradour Führer des Ersten Zuges des Panzergrenadierregiments „Der Führer“. 45 Soldaten waren ihm unterstellt, denen er u. a. den Befehl gab, 20 Männer, die in einer Garage eingesperrt waren, zu erschießen. Ihm wurde 1983 vor dem Ersten Strafsenat des Stadtgerichts Berlin der Prozess gemacht. Barth wurde zu lebenslänglicher Haft verurteilt. 1997 wurde er im wiedervereinten Deutschland aus dem Gefängnis entlassen.

Nach dem Krieg wurde ein neuer Ort neben dem alten, zerstörten aufgebaut. Den Überresten des alten Dorfes ist heute eine Mahn- und Gedenkstätte mit einem Dokumentationszentrum, dem Centre de la mémoire d´Oradour, angeschlossen.

Politische Instrumentalisierungen des Massakers


Spätestens seit dem französischen Prozess von 1953 wird das Massaker von Oradour von deutschen und französischen Rechtsextremisten propagandistisch bearbeitet. Übereinstimmende wesentliche Punkte der Propaganda sind die nicht weiter untersuchte Behauptung, dass in der Kirche Sprengstoff des französischen Widerstandes, wie in anderen Orten damals ebenfalls, gelagert habe und dessen Explosion die Toten verursacht habe, sowie dass die Akten darüber durch Geheimhaltung und Sperrfristen noch heute der Geschichtsforschung entzogen bleiben. Die Tatsache, dass kein behaupteter Täter in Frankreich für Oradour bestraft wurde, wird ebenfalls von Rechtsextremisten besonders herausgestellt.

Literatur


  • Lea Rosh, Günther Schwarberg Der letzte Tag von Oradour, Steidl Taschenbuch Nr. 5, ISBN 3-88243-092-3
  • Martin Graf & Florence Hervé Oradour. Regards au-dela de l'oubli - Blicke gegen das Vergessen Essen: Klartext, 2002, ISBN 3-88474-265-5
  • Claudia Moisel Frankreich und die deutschen Kriegsverbrecher. Politik und Praxis der Strafverfolgung nach dem 2. Weltkrieg Göttingen: Wallstein, 2004
  • Guy Pauchou, Pierre Masfrand: Oradour-sur-Glane vision d'épouvante, éd. Charles-Lavauzelle & Cie

Weblinks


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Anmerkungen und Quellen


Ort im Limousin | Massaker | Geisterstadt | Kriegsverbrechen | Kriegsverbrechen des Nationalsozialismus

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