Oracle Corporation * ist einer der größten Softwarehersteller weltweit mit Hauptsitz in Redwood Shores (Silicon Valley, Kalifornien). Bekanntestes und erfolgreichstes Produkt des Unternehmens ist das Datenbankmanagementsystem Oracle Database, welches üblicherweise mit dem Namen Oracle in Verbindung gebracht wird.
Gegründet wurde das Unternehmen von Lawrence J. Ellison (Larry Ellison), der durch eine theoretische Arbeit von Edgar F. Codd über relationale Datenbanken inspiriert wurde. Er versuchte, ein zu IBMs System R Database kompatibles System zu schaffen, und gründete 1977 das Unternehmen Software Development Laboratories. Hier entstand dann die erste Version des Datenbanksystems, welches - ebenfalls Oracle genannt - von Ellison bis 1979 für die CIA entwickelt wurde. Erst 1983 wurde das Unternehmen selbst auch in Oracle umbenannt, nachdem es 4 Jahre lang Relational Software, Inc. (RSI) hieß.
Oracle beschäftigt mehr als 50.000 Mitarbeiter in 145 Ländern. Allein in Deutschland gibt es 8 Geschäftsstellen. Der Hauptsitz der deutschen Niederlassung liegt in München. Oracle produziert und vertreibt neben dem Datenbankprodukt Oracle Database, die Oracle Applications, die Oracle Fusion Middleware und den Oracle Application Server.
Im Markt für Unternehmenslösungen (Package Applications) ist Oracle mit der E-Business Suite, Oracle's PeopleSoft Enterprise, JD Edwards EnterpriseOne, JD Edwards World und Siebel Systems vertreten.
Die Produktliste des Herstellers ist, aufgrund der Übernahme von PeopleSoft, Siebel und anderen, sehr lang (Quelle: //www.oracle.com/products/product_list.html).
Als eine der marktstrategischen Hauptaufgaben wird von Oracle's Führungsebene derzeit (2006) eine Konsolidierung der Produktlinien angesehen.
Derzeit versucht Oracle, mit seiner E-Business Suite und der Collaboration Suite im Bereich ERP-Software bzw. Groupware Fuß zu fassen, wo SAP (mySAP, R/3), Microsoft und IBM (Lotus) etabliert sind. Ferner positioniert sich Oracle mit dem Oracle Application Server und zahlreichen Zusatzprodukten gegen SUN iPlanet, IBM WebSphere und BEA WebLogic. Eine Ausweitung des Geschäftsfeldes scheint notwendig, weil der Markt für relationale Datenbanken weitgehend ausgereizt erscheint.
Oracle übernahm am 13. Dezember 2004 seinen langjährigen Rivalen PeopleSoft in einer feindlichen Übernahme für 10,3 Mrd. US-Dollar und stärkte damit seinen Bereich betriebswirtschaftliche Standardsoftware. Trotz der Übernahme liegt Oracle in diesem Bereich (22 % Marktanteil, Stand: 2004) hinter dem Konkurrenten SAP (40 % Marktanteil, Stand: 2004). Es ist derzeit noch offen, ob Oracle die vier ähnlichen Produkte (Oracle E-Business Suite, PeopleSoft, JD Edwards Enterprise One, JD Edwards World) erfolgreich zu einem Produkt verschmelzen kann. Unter dem Namen "Fusion" haben die Arbeiten an einer übergreifenden Produktplattform begonnen, die diese Angebote vereinen soll. Diese "Fusion Application Suite" soll 2008 auf dem Markt verfügbar sein.
Am 12. September 2005 verkündete Oracle, dass es den CRM-Anbieter Siebel für 5,85 Milliarden Dollar übernehmen werde. Die Übernahme wurde im ersten Quartal 2006 abgeschlossen.
Im Oktober 2005 stellte Oracle eine für private und kommerzielle Nutzung kostenlose Datenbankversion unter dem Namen "10g Express Edition" vor.
Im Februar 2006 wurden Übernahmeangebote an die Open-Source Unternehmen JBoss und MySQL bekannt, und nachdem JBoss von Redhat gekauft wurde, erwägt Oracle nun, eine eigene von redhat abgeleitete Distribution als zertifizierte Basis für Datenbankserver zu veröffentlichen.
Einer möglichen Übernahme von Novell, dem Besitzer von Suse Linux erteilte Ellison eine Absage, weil das durch die Verflechtung von Novell mit IBM Oracle „bei einer Übernahme in eine sehr unkomfortable Situation bringen *“.
Hauptkonkurrent im Marktsegment für Unternehmenslösungen ist SAP. Das Marktsegment Unternehmensberatung wird von Oracle derzeit (2006) nur wenig bedient, hier wird der Wettbewerb von IBM angeführt.
Lizenzpreise und Supportkosten für Software wie Oracle Database Server oder Oracle Application Server sind für kleinere Unternehmen ein nicht vernachlässigbarer Kostenfaktor. Oracle unterteilt seine Produktpalette daher in verschiedene Editionen. Eine kostenlose Express Edition, eine günstige Standard Edition und eine umfangreiche und für mittlere und große Unternehmen konzipierte Enterprise Edition. Bei Unternehmen, die den Aufwand für Software-Lizenzen eher nicht als Investition in substantielle Produktionsfaktoren ansehen, besteht Neigung, auf Produkte mit niedrigeren oder entfallenden Lizenzpreisen auszuweichen. Oracle setzt jedoch hier auf die Tatsache, dass die Lizenzpreise bei den Gesamtkosten einer Unternehmenslösung vernachlässigbar sind. Gravierender wirken sich die jährlichen Kosten für einen hochwertigen Support und die Betriebsführungskosten aus. Große Unternehmen erhalten von Oracle Unternehmenslizenzen. Damit schrumpfen die jährlichen Lizenz- und Supportkosten in Summe pro Server meist unter die Supportkosten von freier Datenbanksoftware wie etwa MySQL.
Im Marktsegment für relationale Datenbanken, bei denen Daten in Tabellen abgelegt und mit der Abfragesprache SQL abgefragt werden können, steht Oracle hauptsächlich mit Open-Source-Datenbanken und Anbietern kommerzieller Datenbank-Server-Lösungen im Wettbewerb, wie Sybase, Informix und DB2. Auf Microsoft Windows erreicht der Microsoft SQL Server große Verbreitung, der in vielen Teilen dem bekannten Produkt Microsoft Access ähnlich ist. Oracle positioniert sich im XML-Datenbank Bereich einerseits durch native Unterstützung des XMLTYPE Datentyps und der Abfragesprache XQuery der W3C im Oracle Database Server, andererseits bietet Oracle nach der Übernahme von Sleepycat hierfür nun auch eine spezielle Version der Berkeley DB an.
Auf den immer populärer werdenden quelloffenen und kostenlosen Betriebssystemen, wie etwa Linux und Solaris, erreichen Open-Source Produkte, wie MySQL und PostgreSQL große Verbreitung.
Die Open-Source Produkte der Community und Massenmarktprodukte wie der SQL Server oder Access von Microsoft sind zwar in der Leistungsfähigkeit und Skalierbarkeit verschieden von der Oracle-Datenbank, genügen aber für Anwendungen vollauf, bei denen die in Rechenzentren und professionellen EDV-Bereichen geforderte unbedingte Datensicherheit, die Hersteller-Gewährleistung und die Betriebsführungsfähigkeit zweitrangig ist.
Um mit kleinen und leichtgewichtigen Lösungen im Massenmarkt eine weitere Verbreitung von Oracle Technologie zu erreichen, beteiligt sich das Unternehmen stark in zahlreichen Open-Source Projekten und ist stark an einer Übernahme der Rechte am kommerziellen Produktzweig von MySQL interessiert. Mit der Oracle Express Edition steht das Datenbank-Produkt Oracle Server unter gewissen Auflagen zur freien Benutzung zur Verfügung.
Oracle setzt in seiner gesamten Produktpalette traditionell auf die Verwendung offener Standards und auf Plattformen wie Unix und Java. Der Hersteller setzt ferner traditionell auf Plattformunabhängigkeit und erreicht es, dass Oracle-Datenbanken auf allen Plattformen zueinander kompatibel sind und mit wenigen Sekunden Downtime einen Plattformwechsel ermöglichen. Wegen der Verbreitung von Microsoft Windows ist Oracle auch auf dieser Plattform mit allen neuen Produkten vertreten.
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