OCT, Abkürzung für Optical Coherence Tomography , ist ein Untersuchungsverfahren, bei dem zeitlich inkohärentes Licht mit Hilfe eines Interferometers zur Entfernungsmessung reflektiver Materialien eingesetzt wird. Das entsprechende akustische Verfahren ist die Ultraschalldiagnostik (Sonografie).
Die Interferenz der Signale (optische Kreuzkorrelation) aus beiden Armen ergibt ein Muster, aus dem man die relative optische Weglänge innerhalb eines A-Scans (einzelnes Tiefensignal) herauslesen kann. In den eindimensionalen Rasterverfahren wird der Strahl dann transversal in einer oder zwei Richtungen geführt, womit sich ein flächiger B-Scan oder ein dreidimensionales Tomogramm (C-Scan) aufnehmen lässt. Strahltaille_axiale-transversaleAuflösung.png
Die herausragende Eigenschaft der OCT ist die Entkoppelung der transversalen von der longitudinalen Auflösung. In der konventionellen Lichtmikroskopie hängt sowohl die axiale Auflösung (in der Tiefe) als auch die transversale (seitliche) Auflösung von der Fokussierung des Lichtstrahles ab. Der Parameter für die Fokussierbarkeit ist die Numerische Apertur. Bei der OCT ist die Auflösung nur durch die Bandbreite des verwendeten Lichtes begrenzt. D.h. hohe Auflösung – kleine Details können aufgelöst werden – wird mit großen Bandbreiten (weiten Spektren) erreicht.
Der Haupteinsatz liegt derzeit bei der Untersuchung des Augenhintergrundes, bzw. des hinteren Augenabschnittes, da konkurrierende Technologien wie z.B. das Konfokalmikroskop die feine Schichtstruktur der ca. 250–300 µm dicken Netzhaut aufgrund der geringen Pupillengröße und des großen Abstandes von Hornhaut zur Netzhaut nur unzureichend abbilden können. Andere Verfahren wiederum eignen sich nicht aufgrund ihrer hohen Belastung des menschlichen Auges, bzw. werden vom Glaskörper des Auges zu stark beeinträchtigt (z.B. hochauflösendes Ultraschall). Gerade hier ist das berührungslose Messen ein unschätzbarer Vorteil, da damit Infektionsrisiken und die psychische Belastung weitgehend vermieden werden.
Folgende Formel (hergeleitet aus dem Fourierverhältnis zwischen Korrelationsbreite und spektraler Breite, gemessen bei voller Breite auf halber Höhe) erlaubt es bei einem Spektrum gaußscher Form die zugehörige axiale Auflösung zu berechnen:
= axiale Auflösung
= zentrale Wellenlänge
= volle spektrale Bandbreite bei halber Höhe des Spektrums (FWHM) Annahme: gaußförmiges Spektrum
Die Dispersion im menschlichen Gewebe, und vor allem im Glaskörper des Auges zerstört die Kohärenz der beiden Arme. Geschicktes Ausbalanzieren der Dispersion in beiden Armen ermöglicht aber ein Restituieren der Kohärenz. Die Präzision der ultrahochauflösenden OCT haben zu einem Umdenken in der Augenheilkunde geführt, da Augenärzte plötzlich Informationen erhalten können, die sie nur aus dem Lehrbuch kannten. Dies ermöglicht bereits kleinste Veränderungen in Frühstadien zu erkennen, was mit anderen Methoden nur schwer oder gar nicht möglich war.
Neueste Entwicklungen der nichtlinearen Optik erlauben Lichtquellen für andere Wellenlängenregionen und mit noch größerer Bandbreite zu entwickeln (siehe Bild).
Die Fourier-Transformation arbeitet allerdings im komplexen Zahlenraum, deshalb sind beide Verfahren nur gleichwertig, wenn die komplexwertigen Funktionen bekannt sind. Das endgültige Messsignal soll aber den zeitlichen Verlauf der Reflektivität (=Absolutbetrag der Intensität in der Zeit) wiedergeben, weshalb es bei Intensitätsaufnahmen in der Frequenzdomäne und dem Fehlen der komplexwertigen Information zu Doppeldeutigkeiten kommt. Das Ergebnis ist das "Umklappen des Bildes" beim konventionellen FD-Verfahren. Da der imaginäre Anteil einer Funktion aber einem Phasensprung um 90° entspricht, kann man durch zusätzliche Messung mit einem um 90° in der Laufzeit (also einem Viertel der Wellenlänge) verschobenen Referenzarm die komplexwertige Funktion herstellen und damit die vollständige zeitliche Funktion rekonstruieren.
- | Time Domain (TD) | Frequency Domain (FD) | - | Tiefenscan | sequentiell (time encoded) | simultan (spatially encoded) | sequentiell time encoded | simultan spatially encoded | - | Aufwand | mechanisch hoch | elektronisch + optisch hoch | optisch + Nachverarbeitung hoch | optisch + Nachverarbeitung hoch | - | Lichtquelle | breitbandig | breitbandig | veränderliche Wellenlänge | breitbandig | - | Interferometer | Strahlteiler | aufgeweiteter Messstrahl | Strahlteiler | Strahlteiler | - | Scanner | verschiebbarer Referenzarmspiegel | statisch | statisch | statisch | - | Detektor | einfach, hochempfindlich (Diode) | Feld (Dioden, CCD oder CMOS line-array) | einfach, hochempfindlich (Diode) | komplex, Prisma oder Gitter + Feld | - | eindimensionale OCT | - | systematische Bezeichnung | 1D-teTD OCT | 1D-seTD OCT | 1D-teFD OCT | 1D-seFD OCT | - | alternative Bezeichnung | scanning TD OCT | - | swept source OCT, spectral Domain OCT | Frequency Domain OCT, Fourier (Transform) OCT, spectral Domain OCT | - | 2D OCT | - | systematische Bezeichnung | 2D-teTD OCT | 2D-seTD OCT | 2D-teFD OCT | 2D-seFD OCT | - | alternative Bezeichnung | - | - | - | parallel spectral Domain OCT | - | Parallelisierbarkeit | einfach | mittel | einfach | schwer | - | 2D-Orientierung | en-face (normal zum Strahl) | Querschnitt (eine Achse in Strahlrichtung) | en-face | Querschnitt | - | 3D OCT | - | systematische Bezeichnung | 3D-teTD OCT | 3D-seTD OCT | 3D-teFD OCT | 3D-seFD OCT | - | alternative Bezeichnung | en-face OCT, full field/frame OCT | time encoded Frequency Domain OCT | - | - | - | Parallelisierbarkeit | einfach | - | einfach | extrem komplex | - | Holografische Abbildung | - | systematische Bezeichnung | holo-teTD OCT | holo-teFD OCT | - | alternative Bezeichnung | holographic OCT | holographic teFD OCT |
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Die Verfahren unterscheiden sich in ihrer Abbildungsqualität und Anwendbarkeit, bedingt durch die Verwendung verschiedener Komponenten. Speziell die FD-Verfahren haben den Vorteil kein Licht zu vergeuden und besitzen eine vielfach höhere Empfindlichkeit. Das Ziel ist eine hohe Sensitivität, bei Einsatz möglichst weniger beweglicher Komponenten und damit eine hohe Geschwindigkeit (z.B. 3D-teFD und holographische Verfahren). Andererseits ist die Phasenkohärenz besser bei den potenziell langsameren Verfahren. Darüberhinaus sind kommt es auf die Ausrichtung der Rastermethode und deren Rasterdichte an - so wird in geschichteten biologischen Geweben üblicherweise eine hohe Rasterdichte im Tiefenquerschnitt gewünscht, die von den schnellen, einfachen on-face Methoden nur schwer geliefert wird.
Aufgrund der hohen Selektivität des Wirkungsprinzipes können sehr kleine Signale (unterhalb von Nanowatt) detektiert und einer bestimmten Tiefe zugeordnet werden,bei geringen Eingangsleistungen. Damit eignet sich dieses Verfahren auch gut um lichtempfindliche Gewebe zu untersuchen.
Der Einsatz von OCT wird durch die wellenlängenabhängige Eindringtiefe elektromagnetischer Strahlung in das Untersuchungsobjekt sowie durch die bandbreitenabhängige Auflösung beschränkt. Hochentwickelte Breitband-Laser ermöglichen seit 1996 (Nature – April 2001 Volume 7 Number 4 pp. 502–507) die Entwicklung der UHR-OCT (UltraHigh Resolution OCT), die die Tiefenauflösung von zig Mikrometern (µm) bis zu Bruchteilen von Mikrometern vorangetrieben hat. Subzelluläre Strukturen in menschlichen Krebszellen können auf diese Weise dargestellt werden.
Optik | Medizintechnik | Tomografie | Mikroskopie
Optical coherence tomography | Tomografia ottica a coerenza di fase
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"Optische Kohärenztomographie".
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