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Opioide (von lat. „opium-ähnlich“) sind Arzneimittel der Gruppe der Mittel gegen den Schmerz (Analgetika).

Der Name der Stoffgruppe leitet sich vom natürlichen Stoffgemisch Opium ab, dessen Bestandteile Opiate genannt werden, worunter unter anderem Morphin ist.

Die meisten Opiate interagieren mit den Opioidrezeptoren. Als Opioide werden generell alle Stoffe bezeichnet, die als Liganden an den Opioidrezeptoren wirken, worunter auch Substanzen sind, die nicht den natürlichen Opiaten angehören, wie zum Beispiel das Methadon, sowie körpereigene Opiode.

Opioide werden als Analgetika eingesetzt. Sie sind aber auch als Suchtmittel von Bedeutung. Sie unterliegen dem Betäubungs- (Deutschland) bzw. Suchtmittelgesetz (Österreich).

Wirkungsweise


Die Gruppe der Opioide ist eine chemisch heterogene Untergruppe der Analgetika:
Sie entfalten ihre Eigenschaften durch Wechselwirkung mit speziellen Rezeptoren (molekularen Bindungs-Orten) auf der Oberfläche der Nervenzellen und anderen Arten von Zellen im ganzen Körper, die Opioidrezeptoren genannt werden.

Die körpereigenen Liganden der Opioidrezeptoren sind endogene Peptide (Enkephaline und Endorphine), die in der Stressantwort von Bedeutung sind. Die Opioiderezeptoren kommen am häufigsten im Gehirn am Boden des 4. Ventrikels vor. Sie sind zudem in der Peripherie, unter anderem im Darm zu finden.

Beispielhaft für ein Opioid mit Wirkung ausschließlich außerhalb des Gehirns ist Loperamid, ein Mittel gegen Durchfall (Diarrhoe). Es überwindet die Blut-Hirn-Schranke normalerweise nicht und kann deshalb nicht im Gehirn, sondern nur im Körper wirken. Es bewirkt eine Verlangsamung der Darmmotorik.

Opioide entfalten im Gegensatz zu den Nichtopioid-Analgetika ihre analgetische Wirkung vorrangig im zentralen Nervensystem (ZNS).

Rezeptoren

Es werden mehrere unterschiedliche Typen und Subtypen der Opioidrezeptoren unterschieden

(Mü2)
Opioidrezeptoren

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Typ Lokalisation Wirkung
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μ1 (Mü1) und μ2 Gehirn Analgesie, Atemdepression, Herz-Kreislauf-Wirkungen
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μ2 spinal Analgesie, Magen-Darm-Wirkung, Euphorie, Sucht
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μ peripher Analgesie, Magen-Darm-Wirkung, Juckreiz
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κ (Kappa) Gehirn, spinal Analgesie, Sedierung, Dysphorie
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δ (Delta) Gehirn, spinal, peripher Magen-Darm-Wirkung, Modulierende Wirkung
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bisher nicht identifizierter Rezeptor Miosis, Übelkeit, Erbrechen

Agonisten und Antagonisten

Die einzelnen Substanzen haben unterschiedliche Affinitäten zu den einzelnen Rezeptortypen und können dort Wirkungen auslösen oder sie blockieren. Manche Opioide wirken dabei spezifisch nur auf einen einzigen Rezeptortyp, manche unspezifisch auf mehrere oder alle.

Falls eine Substanz beim Andocken eine aktivierende Wirkung am Rezeptor auslöst, spricht man von einem Opioidagonisten. So sind z. B. Morphium und Heroin reine μ-Agonisten und bewirken somit ausgeprägte Schmerzstillung aber auch Atemdepression.

Opioidantagonisten docken zwar ebenfalls am Rezeptor an, lösen ihn aber nicht aus - er wird "verstopft" und steht für das Andocken von Agonisten zeitweise nicht zur Verfügung. Daher können Antagonisten Wirkungen von Agonisten blockieren oder deren Wirkung aufheben. So hebt beispielsweise Naloxon die Wirkung von Morphium und Heroin auf. Dieser Umstand wird in der Notfallmedizin bei der Behandlung von Opioidüberdosierungen (z. B. Heroinüberdosis bei Abhängigen) genutzt.

Substanzen


mit Agonisten antagonistisch!
intravenöse Opioide

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relative Potenz Wirkdauer Rezeptorspezifikation Bemerkung
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Morphin 1 3 Std. rein μ-Agonist
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Fentanyl 100-300 30 min μ-Agonist
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Alfentanil 40-50 7-10 min μ-Agonist
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Remifentanil 200 1 min (8 min *) μ-Agonist Aufgrund der kurzen Wirkdauer gilt Remifentanil als sehr gut steuerbar. Es wird deshalb im Rahmen der TIVA bevorzugt eingesetzt. Da die Wirkung rasch nach dem Ende der Infusion sistiert, müssen Überlegungen zur postoperativen Schmerzbekämpfung angestellt werden. Ggf. ist schon vor der Narkoseausleitung die Applikation eines länger wirksamen Opioids notwendig oder Remifentanil wird unter streng kontrollierten Bedingungen in minimaler Dosierung weiter gegeben. Bei gering invasiven Eingriffen reicht häufig die Gabe eines potenten Nichtopioid-Analgetikums.
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Sufentanil 1000-1500 μ-Agonist
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Buprenorphin 40-50 1-1,5 partieller μ-Agonist, κ-Antagonist wirkt bei alleiniger Gabe schmerzstillend, in Kombination
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Naloxon 30-45 min reiner Antagonist (μ, κ, δ)

Legalität


Opioide Schmerzmittel, die nicht dem Betäubungsmittelgesetz unterliegen:

  • Tramadol (als einziges Opioid nicht im BtMG aufgeführt)
  • Tilidin mit Naloxon = Valoron N® (nur in Kombination mit 8 Gew.-% Naloxon ausgenommen. Injektionslösungen unterliegen dem BtMG)
  • Dextropropoxyphen (nur bis 135mg pro abgeteilter Form, sofern in der Zubereitung kein weiterer Stoff aus den Anlagen I-III enthalten ist)
  • Nalbuphin (analgetische Potenz: 0,5-0,6, also stärker als z.B. Pethidin aber leicht schwächer als Piritramid, unterliegt aufgrund der Wirkungsweise als µ-Antagonist nicht dem BtMG, Einsatz vor allem im Rettungsdienst z.B. in Großbritannien)

Opioide Schmerzmittel, die dem BtMG unterliegen:

Entzug


Als Entzugserscheinungen unmittelbar nach dem Absetzen aller Opiate und sonstiger Medikamente können Unruhe, unbegründetes Schmerzempfinden, Depressionen, Erbrechen und Magenkrämpfe, Durchfall, Erschöpfung oder grippeähnliche Zeichen auftreten. Krampfanfälle treten im Opioidentzug nicht auf.

Der Entzug von Opioiden gehört zu den langwierigsten überhaupt. So können bei vorhergegangenem stark regelmäßigem Konsum noch ein Jahr später Nachwirkungen wie Schlafstörungen oder Albträume auftreten, die jedoch mit der Zeit in Häufigkeit und Stärke abnehmen.

Siehe auch Körperlicher Entzug

Quellen


  1. Pichlmayr I.:Intravenöse Narkotika und Anästhesieadjuvantien; in Pichlmayr, Jaeger: Kompendium Anästhesiologie; ecomed, 2004 ISBN 3-609-71360-7

Siehe auch


Opioid | Intensivmedizin

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