Die Religion der Azteken forderte, wie die meisten mittelamerikanischen Kulturen, Menschenopfer, um den Lauf der Sonne und den Fortbestand der Welt zu sichern. Der Opferkult stand im Zentrum der Religion. Die Azteken glaubten, dass das Universum aus dem Kampf zwischen Licht und Dunkelheit entstanden sei.
Je nach Gottheit wurden Krieger, Sklaven, Kinder, (später auch Konquistadoren) etc. geopfert. Meist waren es jedoch Kriegsgefangene. Auch die Opferrituale waren je nach Gottheit unterschiedlich. Viele wurden beispielsweise verbrannt, gehäutet oder mit Pfeilen durchbohrt.
Die Anzahl der geopferten Menschen ist heute nicht unumstritten. Die spanischen Missionare und Konquistadoren aus damaliger Zeit haben vermutlich die Zahlen übertrieben, um ihre Taten zu rechtfertigen. Die Schätzungen reichen weit auseinander und reichen von einigen tausend über 10.000 bis 15.000 bis hin zu 50.000 Menschen pro Jahr aus. Die deutsche Ethnologin Viola König setzt die Zahl der jährlich geopferten Menschen bei 500 bis 800 Menschen an. Einige der Nachkommen der Azteken halten sogar den ganzen Opferkult ihrer Vorfahren für eine Erfindung der spanischen Missionare. Der wohl wichtigste Vertreter dieser These ist der mexikanische Schriftsteller Xokonoschtletl Gomora. In seinem Buch "Die wahre Geschichte der Azteken" behauptet er, dass es sich bei den Opferungen um chirurgische Eingriffe handelt.
Die Spanier sahen die Opferrituale, die Religion und sogar die ganze Kultur der Azteken als Werk des Teufels an. Charles C. Mann macht in seinem Buch "1491. New revelations of the Americas before Columbus" aber den Leser darauf aufmerksam, dass die ganze Geschichte selbst von den Siegern - also von den Konquistadoren - geschrieben wurde, welche jegliches Interesse hatten, die aztekische Kultur in schlechtem Licht erscheinen zu lassen.
Die Menschenopfer waren vermutlich in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts in dem Maße eingeführt worden und hatten sich erst unter den Herrschern Axayacatl oder Auítzotl richtig behauptet. Einige Wissenschaftler sehen in dieser Entwicklung bereits ein Zeichen der Dekadenz und eines angekündigten Untergangs des Aztekenreiches, unabhängig von den Spaniern.
Immer wieder wurde berichtet, dass viele Opfer nach dem Ritual verzehrt wurden. So sollen die Überreste der Opfer des Huitzilopochtli die Treppen der Pyramide heruntergestoßen worden sein, wo das Volk die Gliedmaßen briet und aß. Heutige Forscher vermuten, dass man so den Proteinmangel ausgleichen wollte. Im Hochland gab es keine größeren Säugetiere. Zu erwähnen ist jedoch auch, dass die Berichte und Bilder meist von spanischen Missionaren und Konquistadoren stammen, die vielen indianischen Völkern den Kannibalismus zu Unrecht vorwarfen.
Im Jahre 1487 weihte der aztekische Herrscher Auítzotl den neu errichteten Templo Mayor ("Großer Tempel"), die oberste Kultsstätte der Azteken. Zuvor war ein Blumenkrieg sehr erfolgreich beendet worden. Aztekischen Berichten zufolge sollen anlässlich dieser Weihe zu Ehren von Huitzilopochtli an vier Tagen bis zu 84.400 Menschen, hauptsächlich Kriegsgefangene, aber auch Freiwillige, geopfert worden sein, und zwar eigenhändig von Auítzotl selbst. Diese Zahl ist allerdings schon rein aus logistischen Gründen kaum glaubwürdig, da dies bedeutet hätte, dass rund um die Uhr an vier Tagen hintereinander 15 Menschen pro Minute hätten getötet werden müssen. Die Forschung geht daher davon aus, dass die Zahl übertrieben wurde, um auf diese Weise den Glanz des Herrschers zu unterstreichen.
Heute sind mindestens 13 aztekische Gottheiten bekannt, die Menschenopfer forderten. Für viele Menschen war die Opferung eine Ehre. Wie die Krieger, so sollten auch die Geister der Opfer ein Teil der Sonne werden. Nach vier Jahren sollten sie dann als Kolibris wiedergeboren werden und in den Garten des Paradieses eingehen.
Huitzilopochtli war der Sonnen- und Kriegsgott der Azteken. Damit die Sonne täglich scheint, brachte man täglich Opfer dar. Die Opferung zu Ehren Huitzilopochtlis fand gewöhnlich auf der Plattform vor dem Schrein des Gottes auf dem Tempel statt. Der Templo Mayor (Großer Tempel), die bekannteste aztekische Pyramide, war Huitzilopochtli (und Tlaloc) geweiht. Das Opfer stieg, lediglich mit einem Lendentuch bekleidet und mit roten und weißen Längsstreifen bemalt, auf die Pyramide. Vier Priester hielten das Opfer an den Gliedmaßen fest und streckten ihn auf einen Steinblock aus. Dieser Steinblock (techcatl) war ca. 50 cm hoch und bestand aus (heiligem) Vulkangestein. Ein fünfter Priester nahm ein Steinmesser, führte einen schnellen Längsschnitt über die Brust durch und durchtrennte Brustbein und Rippen. Das pulsierende Herz wurde mit einem schnellen Ruck herausgerissen und der Sonne entgegengehalten. Das Herz wurde danach meist in eine Adlerschale gelegt. Die Abbilder der Götter wurden anschließend mit dem warmen Blut getränkt. Der Körper wurde die Treppen heruntergestoßen; die Extremitäten sollen vom Volk verzehrt worden sein.
Xipe Totec war der Kriegs- und Fruchtbarkeitsgott der Azteken. Die Opferung für Xipe Totec sollte einen positiven Einfluss auf die Maisernte haben. Die Opfer, meist Kriegsgefangene, wurden an einen Pfahl gefesselt und von aztekischen Kriegern mit Pfeilen durchbohrt. Danach zog man ihnen die Haut ab, die anschließend 20 Tage vom Priester getragen wurde. Damit sollte das neue, grüne Kleid, das der Frühling der Erde bringt, symbolisiert werden. Die ausgetrocknete Haut wies noch die Noppen der Fettschicht auf und soll knackende Geräusche beim Tragen von sich gegeben haben. Die Gesichtshaut trug der Priester als Maske.
Anfang des 14. Jahrhunderts kamen die Azteken nach Colhuacan, wo der Herrscher Achitometl regierte. Er ließ die Azteken in der Nachbarschaft siedeln; die Azteken leisteten dafür Söldnerdienste und mussten Tribut zahlen. 1323 genehmigte Achitometl die Heirat zwischen seiner Tochter und dem Azteken-Häuptling. Die Azteken hießen die Tochter willkommen und opferten sie dem Xipe Totec. Als Achitometl zur Hochzeit eingeladen wurde, sah er, wie ein Priester die Haut seiner Tochter als Tanzkleid trug. Daraufhin flohen die Azteken vor Achitometls Armee zum Texcoco-See, wo sie zwei Jahre später Tenochtitlan gründeten.
Tlaloc ist der Regengott der Azteken. Die Opferungen zu Ehren des Tlaloc sollten Regen herbeiführen. Sie fanden meist im Frühling oder bei Dürreperioden statt. Geopfert wurden Kinder, da die Azteken Kindertränen mit Regentropfen verglichen. Die Kinder wurden also, auch durch Folter, zum Weinen gebracht und in Käfige gesperrt. Dort verhungerten sie entweder oder wurden später gepfählt. Viele Tränen bedeuteten dabei viel Regen. Der Große Tempel wurde Tlaloc geweiht.
Vor einigen Jahren fand man in der Nähe des Tlaloc-Tempels in Tenochtitlan (heute Mexiko-Stadt) über 30 Skelette von Kindern. Man nimmt an, dass sie Tlaloc geopfert wurden. Es ist einer der wenigen Skelettfunde von Opfern überhaupt.
Huehueteotl war der Feuergott der Azteken. Die Opfer wurden lebendig im Feuer verbrannt. Man nimmt an, dass man die Opfer vorher mit Drogen betäubte.
Teteoinnan (auch Toci) war die Mutter der Götter. Ihr zu Ehren opferte man Frauen, die gehäutet wurden.
Tlazolteotl war die Göttin der Lust und Erdmutter der Azteken. Sie brachte den Menschen aber auch Krankheiten und verursachte Krämpfe. Auch ihr opferte man Frauen, die gehäutet wurden.
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"Opferkult der Azteken".
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