Oper-ffm.jpg Die Oper Frankfurt ist das Musiktheater der Städtischen Bühnen in Frankfurt am Main. Sie zählt zu den bedeutendsten Opernbühnen in Europa und wurde 1995 und 2003 von der Zeitschrift Opernwelt als Opernhaus des Jahres ausgezeichnet.
Die Oper Frankfurt hat ihre Spielstätte am Willy-Brandt-Platz.
1700 gastierte zum ersten Mal eine französische Operntruppe in Frankfurt, die im wesentlichen Stücke von Jean-Baptiste Lully aufführte. Auch später fanden immer wieder Gastspiele statt, so 1745 durch die italienische Truppe von Petrus Mingotti, zu deren Kapellmeistern auch Christoph Willibald Gluck gehörte. Nach dem Bau des Comoedienhauses 1782 fanden hier auch Opernaufführungen statt. 1817 bis 1819 war Louis Spohr Kapellmeister am Frankfurter Theater, dessen Opern Faust und Zemire und Azor hier uraufgeführt wurden.
1880 wurde das neue, von Richard Lucae erbaute Opernhaus am ehemaligen Bockenheimer Tor eröffnet, der seitdem Opernplatz heißt. Das Gebäude ist heute heute unter dem Namen Alte Oper bundesweit bekannt. Die Oper wurde ohne öffentliche Mittel, ausschließlich aus Spendengeldern Frankfurter Bürger errichtet und bis 1912 von Intendant Emil Claar geleitet. Erster Kapellmeister war von 1892 bis 1924 Ludwig Rottenberg, unter dessen Leitung zahlreiche zeitgenössische Werke von Hans Pfitzner, Claude Debussy, Richard Strauss, Leoš Janáček, Béla Bartók und Paul Hindemith aufgeführt wurde.
1916 bis 1924 gehörte Paul Hindemith als Konzertmeister zum Frankfurter Opernhaus- und Museumsorchster. 1924 bis 1929 war Clemens Krauss Generalmusikdirektor. Sein Nachfolger war Hans Wilhelm Steinberg, der 1933 von den Nationalsozialisten aus dem Amt vertrieben wurde. Bekannte Ensemblemitglieder während der Weimarer Republik waren der Tenor Franz Völker und die Altistin Magda Spiegel, die 1944 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet wurde.
In der Frankfurter Oper wurden zahlreiche Werke moderner Komponisten uraufgeführt, darunter vier Opern von Franz Schreker und 1937 die Carmina Burana von Carl Orff.
1944 wurde die Oper im Bombenkrieg zerstört. Nach über 30 Jahren als schönste Ruine Deutschlands begann 1976 der 1981 abgeschlossene Wiederaufbau. Er wurde von einer Bürgerinitiative, der Aktionsgemeinschaft Alte Oper, unterstützt, überwiegend jedoch aus Steuermitteln finanziert. Die Alte Oper dient heute als Konzerthaus und Kongresszentrum.
Erster Opernintendant nach dem Zweiten Weltkrieg war Bruno Vondenhoff. 1951 konnte die Oper ihre neue Spielstätte im ehemaligen Schauspielhaus beziehen. Unter dem Generalmusikdirektor Georg Solti (1952–1961) rückte die Oper schnell wieder unter die ersten Häuser Europas auf. Das Ensemble wurde zu zahlreichen Auslandsgastspielen eingeladen. 1960 bis 1962 erhielt die Frankfurter Oper sieben erste Preise beim Pariser Festival „Theatre des Nations“. Während der neun Jahre unter Solti erlebte die Oper Frankfurt 35 Premieren, die von Regisseuren wie Arno Assmann, Harry Buckwitz und Leopold Lindtberg inszeniert wurde. Bekannte Sänger im Frankfurter Ensemble waren der Bassbariton Theo Adam und die Sopranistin Anni Schlemm.
1960 erhielt endlich auch das Schauspiel Frankfurt, das bis dahin auf verschiedene Provisorien angewiesen war, eine neue Spielstätte. Sie wurde unmittelbar neben der Oper Frankfurt errichtet. 1960 bis 1962 wurde die Jugendstilfassade des ehemaligen Schauspielhauses abgetragen und eine 120 Meter lange Glasfassade für die neue „Theaterdoppelanlage“ errichtet, hinter der das gemeinsame Foyer der Städtischen Bühnen lag. Marc Chagall (1887–1985) malte 1959 im Auftrag der Stadt für das Foyer das Gemälde "Commedia dell'Arte". Unter der Decke des Foyers hängt – über die ganze Breite des Gebäudes – die Plastik "Goldwolken" des ungarischen Künstlers Zoltan Kemeny (1907–1965). 1963 wurde das Haus fertig gestellt.
Unter dem Nachfolger Soltis, Lovro von Matačić (1961–66), konnte die Oper Frankfurt ihr Niveau halten. Das Repertoire umfasste in den sechziger Jahren ca. 30 Inszenierungen, die überwiegend von bekannten Regisseuren wie Walter Felsenstein, Bohumil Herlischka, Otto Schenk und Wieland Wagner stammten.
Nach einem zweijährigen Interregnum unter Theodore Bloomfield führte ab 1968 der neue Generalmusikdirektor Christoph von Dohnányi die Oper wieder zu international anerkannten Erfolgen. Das Ensemble wurde verjüngt. Solisten wie June Card, Anja Silja, William Cochran und Manfred Schenk prägten die Neuinszenierungen. Nach dem Weggang Dohnányis übernahm 1977 bis 1987 Michael Gielen die Leitung der Oper. Seine kühnen, ästhetisch und kulturpolitisch provozierenden Inszenierungen, die in Verbindung mit dem Dramaturgen Klaus Zehelein und Regisseuren wie Ruth Berghaus und Hans Neuenfels entstanden, fanden bei der Kritik Zuspruch, spalteten aber zuweilen das Frankfurter Publikum und sogar das Ensemble. Am Ende der Ära Gielen überwog jedoch die Anerkennung: Erstmals nach dem Krieg gelang unter Gielens Leitung in Frankfurt die Inszenierung eines kompletten Ring des Nibelungen. In die Ära Gielen fielen die deutsche Erstaufführung von Luigi Nonos Al gran sole carico d'amore und die Uraufführung von Hans Zehnders Stephen Climax.
Nachfolger Gielens wurde 1987 Gary Bertini. Bereits kurz nach seinem Amtsantritt brannte am 12. November 1987 die Frankfurter Oper durch Brandstiftung vollkommen aus. Obwohl man umgehend den Wiederaufbau begann, konnte das Haus erst am 6. April 1991 wieder eröffnet werden. Bertini verließ Frankfurt bereits 1991 wieder, so dass fast seine ganze Amtszeit von Provisorien geprägt war. Die Oper spielte damals im Schauspielhaus, während das Schauspiel in das Bockenheimer Depot auswich. Trotzdem kam es auch unter Bertini zu einer Uraufführung in Frankfurt, nämlich John Cages Europeras.
Von 1993 bis 1997 war Sylvain Cambreling Generalmusikdirektor und Intendant der Oper Frankfurt. In diese Zeit fallen zahlreiche bedeutende Inszenierungen von Regisseuren wie Peter Mussbach (Wozzeck, Don Giovanni, Le nozze di Figaro), Herbert Wernicke (Der Ring des Nibelungen) und Christoph Marthaler (Fidelio). 1994 wurde zum zweiten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg ein vollständiger Ring des Nibelungen inszeniert. Unter Cambrelings Leitung wurde die Oper Frankfurt 1995 erstmals zum Opernhaus des Jahres gewählt. Trotzdem fällt in diese Zeit auch ein Niedergang, der sich in rückläufigen Budgets, Aufführungs- und Zuschauerzahlen äußert.
Seit 1999 ist Paolo Carignani Generalmusikdirektor in Frankfurt. Mit zahlreichen Neuinszenierungen, darunter auch selten gespielte Werke, konnte die Frankfurter Oper ihr hohes Niveau trotz jährlich sinkender Budgets halten. In der Saison 2002/2003 wurde die Oper, die seit 2002 von Intendant Bernd Löbe geleitet wird, zum zweiten Mal „Opernhaus des Jahres“. Nachfolger Carignanis, dessen Vertrag 2008 ausläuft, wird Sebastian Weigle.
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