OpenType ist eine von Microsoft und Adobe entwickelte Computer-Schrifttechnik, welche die herkömmlichen Schriftformate TrueType- und PostScript in gleicher Weise um wichtige neue Möglichkeiten ergänzt. Im Wesentlichen handelt es sich um Tabellen, in denen Ersetzungen von Glyphen sowie die Positionierung von Glyphen zueinander festgelegt wird.
OpenType-Schriftdateien im TrueType-Format haben die Dateiendung .ttf, solche im PostScript-CFF-Format .otf. Im Unterschied zu PostScript-Fonts bestehen OT-Fonts immer nur aus einer Datei.
Wenn auch bislang eine volle Unterstützung von OpenType-Features auf keiner Plattform zu finden ist, funktionieren die Schriften im Allgemeinen wenigstens als Unicode-Schriften, die einen Zeichensatz von maximal 65536 Glyphen umfassen können, wie schon neuere Versionen von TrueType und Postscript (CFF-Format). Hierbei erlauben Schriften, die intern im TrueType-Format gespeichert sind, auch die Zuweisung mehrerer Codes zu der selben Glyphe, z. B. als A (U+0041), Alpha (U+0391) und kyrillisches A (U+0491).
Einige Beispiele für OpenType-Features
Ligaturen
Sonderformen für Großschreibung
OpenType_sprachspezifische_Varianten.png
Sprachspezifische Varianten
Weitere Varianten
Während es sich bei den Beispielen lediglich um typographische Varianten handelt, gibt es viele Situationen, in denen der Einsatz einer sogenannten „Smartfont“-Technik, wie sie durch das OpenType-Format möglich wird, zur Erstellung von Texten unerlässlich ist. Fast alle von der Brahmi-Schrift abgeleiteten Schriftsysteme wie z.B. Devanagari, Tibetisch, Khmer und Tamilisch kennen komplexe Regeln für den Einsatz stellungsbedingter Buchstabenformen und Ligaturen. Urdu kann mit verbundenen Buchstaben wortweise von rechts oben nach links unten geschrieben werden. Auch die korrekte Platzierung diakritischer Zeichen sowie deren theoretisch unbegrenzte Stapelung über und unter Buchstaben wird mit OpenType ermöglicht. Durch die technischen Möglichkeiten des OpenType-Formats erhält nicht zuletzt der Schriftentwickler einen erheblich erweiterten Gestaltungsspielraum.
Die meisten namhaften Anbieter haben ihre Schriften schon weitgehend auf das OpenType-Format umgestellt. Die Unterstützung der OpenType-Möglichkeiten aktueller Anwendungsprogramme aber lässt derzeit (Januar 2006) noch viele Wünsche offen. Microsoft Office unterstützt insbesondere die Features für sogenannte komplexe Schriftsysteme, bidirektionales Schreiben, und für die lateinische Schrift immerhin die korrekte Diakritika-Platzierung. Ersetzungen von Zeichen wie in den oben gezeigten Beispielen bieten unter Windows und Mac OS X professionelle Programme von Adobe und das Programm QuarkXPress 7; in Microsoft Word wird jedoch das fi beim Schreiben nicht automatisch durch die fi-Ligatur ersetzt.
OpenType ist zwar ein eingetragenes Warenzeichen von Microsoft, die Technik aber darf uneingeschränkt auf andere Betriebssysteme übertragen werden. So unterstützt Apples Mac OS X neben PostScript und TrueType auch OpenType Fonts, und das leicht portierbare Open-Source-Projekt FreeType eröffnet Entwicklern die Möglichkeit, vollen Zugriff auf die OpenType-Features von Schriften zu nehmen und diese in ihre Programme zu integrieren. Hiervon profitieren in zunehmendem Maße Desktop-Publishing-Programme von Adobe und QuarkXPress sowie Linux-Anwendungen. Weiterhin kann OpenType-Unterstützung mit den Programmbibliotheken ICU (International Components for Unicode), Qt und Pango, einem Nebenprodukt von GTK und GNOME in Anwendungen eingebunden werden.
Außer OpenType gibt es zwei weitere Schrifttechniken, die für ähnliche erweiterte typographische Möglichkeiten konzipiert sind. Ihnen gemeinsam ist, dass sie außer Tabellen auch regelrechte Programme benutzen, und dass bislang für keine von ihnen komfortable Werkzeuge für Schriftentwickler existieren. Auch ihre Unterstützung durch Anwendungssoftware ist derzeit noch wesentlich dürftiger als die für OpenType.
AAT (Apple Advanced Typography), die älteste Smartfont-Technik, ist OpenType bezüglich der typographischen Möglichkeiten überlegen. Hinsichtlich der Vielsprachigkeit aber hat OpenType eindeutig die Nase vorn. Aus urheberrechtlichen Gründen darf AAT nicht ohne weiteres auf andere Plattformen übertragen werden.
Graphite, ein Open-Source-Projekt von SIL, wurde entwickelt für die Darstellung von Minderheitensprachen unter Windows. Für noch nicht in Unicode genormte Zeichen ist man nicht selten auf die sogenannte „Private Use Area“ (U+E000 – U+F8FF) als Zwischenlösung angewiesen. Die dort kodierten Zeichen sind in Unicode als Buchstaben klassifiziert (Lo = Letter, other). Anders als OpenType gestattet Graphite (wie auch AAT) eine abweichende Behandlung von PUA-Zeichen, beispielsweise als Diakritika. Für Graphite steht Worldpad, ein einfacher Texteditor zur Verfügung. SILA, ein um Graphite erweiterter Mozilla-Browser ist in Arbeit. Sehr frühe Versionen können getestet werden. Unter Linux steht eine Alpha-Version von OpenOffice.org mit Graphite-Unterstützung zur Verfügung. Eine spätere Portierung nach Windows ist geplant. Graphite wird von der UNESCO unterstützt.
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