Die Ontologie (aus dem Griechischen όν als Partizip zu ειναι - „sein“ und aus λόγος - „Lehre“, „Wort“) ist eine philosophische Disziplin, die sich mit dem Sein, dem Seienden als solchem und mit den fundamentalen Typen von Entitäten (Gegenstände, Eigenschaften, Prozesse) beschäftigt.
Dabei geht es der Ontologie nur um die Klärung der Grundstrukturen des Seienden, nicht um spezielle Fragen des Seienden, wie z.B. Was ist der Mensch? oder Gibt es einen Gott? oder Hat die Welt einen Anfang? Diese wären Fragen der speziellen Metaphysik. Methodisch geht die Ontologie dabei oft den Weg über die Sprache, in der sie den Niederschlag des Wirklichen und Nichtwirklichen wiederzufinden glaubt. Diesen Weg, den schon Aristoteles in seiner Kategorienschrift gegangen ist, beschreiten beide große Ansätze der Ontologie: der realistische Ansatz und der konstruktivistische Ansatz. Der realistische Ansatz ist dabei historisch mit dem Namen Aristoteles verknüpft und nimmt an, dass die Grundstrukturen sich durch Erfahrung zeigen und in der Sprache widerspiegeln. Der konstruktivistische Ansatz ist mit dem Namen Immanuel Kant verknüpft und meint, dass die Grundstrukturen des Seienden nicht an sich gegeben sind, sondern Projektionen des Denkens über die Sprache in die Welt. Obgleich beide Positionen sich unversöhnlich gegenüberstehen, kann der beschreibende Inhalt der Ontologie bei beiden gleich sein, da es ja um die Strukturen geht, die wir kennen.
Begriffsgeschichte
Der Begriff Ontologie scheint zum ersten mal von
Rudolf Göckel (auch
Rudolf Goclenius *
1547 - †
1628) gebraucht worden zu sein. Bezeichnet wird seitdem in der Philosophie der Bereich, der sich mit dem Seienden als Seiendem beschäftigt. Obgleich der Begriff selber erst recht spät in der
Philosophiegeschichte auftaucht, wird die Problematik bereits in der Antike bei
Platon,
Aristoteles,
Plotin und den
Scholastikern als Bestandteil ihrer Metaphysik dargestellt. Gleiches gilt für die
Thomistische Philosophie, wo allerdings der Ontologie bereits die Lehre vom göttlichen Sein (allgemeine und reine Metaphysik) entgegensteht. Die Einführung des Begriffs „Ontologie“ kann als ein Abschnitt einer Entwicklung begriffen werden, wonach sich langsam die Bereiche
Theologie und
Wissenschaft als Ganzheitskonzepte der Erklärung von Welt voneinander auch begrifflich trennen.
Klassische Ontologie
Die Ontologie stellt in der klassischen (u. a. auf
Christian Wolff zurückgehenden) philosophischen Systematik einen Teil der
Metaphysik dar, nämlich die allgemeine Metaphysik (
metaphysica generalis) im Gegensatz zur speziellen Metaphysik (
metaphysica specialis), die sich mit
Gott (
Natürliche Theologie), der
Seele (
Natürliche Psychologie) und der
Welt (
Natürliche Kosmologie) beschäftigt.
Mit der speziellen Metaphysik ist der Anspruch verbunden, allein auf Vernunftbasis (also nicht-empirisch) bestimmte Bereiche von Entitäten zu untersuchen: Die natürliche Theologie steht dabei etwa im Gegensatz zu Formen der Theologie, welche sich auf die Grundlage von Offenbarungen, auf „heilige Schriften“ stützen; die natürliche Kosmologie im Gegensatz zur empirischen Physik. Typische Fragen einer speziellen Metaphysik wären etwa die Probleme, ob die Welt einen Anfang in der Zeit hat oder ob die Seele unsterblich ist.
Demgegenüber beschäftigt sich die allgemeine Metaphysik nicht mit einer bestimmten „Seinssphäre“, sondern mit dem Seienden im allgemeinen. In der traditionellen Ontologie steht dabei vor allem die Frage im Vordergrund, wie sich das Sein zum Seienden verhält (Martin Heidegger spricht hier von der „ontologischen Differenz“, welche für die Trennung von Existenzialität (Der Mensch als In-der-Welt-Seiender) und Kategorialität (Weltloses) steht). In der scholastischen Philosophie wurden als weiteres Lehrstück die so genannten Transzendentalien diskutiert, also solche Attribute, die jedem Seienden zukommen. Hierzu wurden gezählt: res (Ding), ens (Seiendes), unum (Eines), aliquid (Etwas), bonum (Gutes), verum (Wahres), zum Teil auch pulchrum (Schönes).
Analytische Ontologie
Fragen der Ontologie werden auch von
analytisch geschulten Philosophen behandelt. In der Anfangsphase der analytischen Ontologie wurde dabei zumeist der Ansatz verfolgt, allgemeine Strukturen der Wirklichkeit mittels Sprachanalyse zu erfassen. In den letzten Jahrzehnten verfolgt die analytische Ontologie alle Fragen, die direkt mit Strukturen und allgemeinen Eigenschaften von Wirklichkeit zusammenhängen, ohne an bestimmte Einschränkungen wie diejenige
sprachanalytischer Methodik gebunden zu sein. Die Themen neuerer analytischer Ontologie schließen weitgehend die klassischen Themen ein. Unter sie zählen unter anderem die grundlegenden
Kategorien, also solche allgemeine Begriffe wie
Ding,
Eigenschaft oder
Ereignis; ferner Begriffe wie
Teil und
Ganzes oder
(un)abhängig, die
Attribute bestimmter Entitäten sind. Dabei wird beispielsweise diskutiert, wie sich die verschiedenen Kategorien zueinander verhalten und ob sich eine Kategorie als fundamentale auszeichnen lässt. Sind einzelne Dinge etwa bloße Bündel von
Eigenschaften? Kann es allgemeine Ideen oder Eigenschaften (
Universalien) geben, die unabhängig von Dingen existieren? Braucht man eine eigene Kategorie des Ereignisses?
Auch in der analytischen Philosophie wird die Ontologie der Erkenntnistheorie (Epistemologie) entgegengestellt. Dies ermöglicht unter anderem, ontologische Fragen zu klären, ohne eine Vorentscheidung darüber zu treffen, ob die Ontologie „die Welt“ beschreibt, wie sie „an sich“ ist, oder nur, wie sie uns erscheint bzw. in unseren Theorien beschrieben wird. Bisweilen wird eine strikte Trennung zwischen Ontologie und Epistemologie auch kritisiert.
Zentrale Begriffe der Ontologie
Kategorien
Unter
Kategorien (
griech.
kategoria eigentlich „Anklage“, später „Eigenschaft“ oder „
Prädikat“) versteht man im logischen Verständnis Grundbegriffe, innerhalb der Ontologie und
Metaphysik Grundmerkmale des
Seienden. Da das Verb
kategorein ins Lateinische übersetzt
praedicare lautet, heißen Kategorien gerade auch im
Mittelalter Prädikamente.
Transzendentalien
In der mittelalterlichen
Scholastik sind
Transzendentalien (
lat.:
transcendentalia, von transcendere „übersteigen“) die Grundbegriffe, die allem Seienden als
Modi zukommen. Transzendentalien ist zum Beispiel die
Entität, da diese eine, über jede Kategorie hinausreichende, Bestimmung ist. Ein Teil einer Kategorie muss auch eine Entität sein, unabhängig der Kategorie. Somit ist eine Transzendentalie kein Einteilungsbegriff wie z.B. die Kategorie. Klassische Transzendentalien sind die Begriffe
Wahrheit (
verum) -
Einheit (
unum) -
Entität (
ens) und
Gutheit (
bonum). Diese Begriffe waren deshalb Transzendentalien, weil sie auf alles anwendbar schienen und untereinander austauschbar waren. So war alles was gut war auch wahr. Was noch für die Entität und Einheit gilt, ist in Bezug auf das Gute in der heutigen Debatte weniger klar.
Individuen
In der Ontologie ist „Individuum“ ein Grundbegriff, der nicht durch andere ontologische
Begriffe definiert ist. So haben Individuen zwar
Charakteristika, man verwendet sie aber nicht zur Charakterisierung. Somit haben
Individuen keinen
prädikativen Charakter. Weiter sind Individuen dadurch charakterisiert, das sie nicht zur selben Zeit an verschiedenen Orten sein können. Weiter sind Individuen nach
Frege gesättigte
Entitäten, d.h. sie sind
Objekte, die in sich abgeschlossen sind, keiner weiteren Benennung bedürfen.
Intension und Extension
Mit dem Begriff „
Intensionen“ (auch „Begriffsinhalt“), bezeichnet man in der Ontologie Sachverhalte, prädikative
Universalien und
Universaliensingularisierungen. Er geht auf
Rudolf Carnap zurück, der die
Fregesche Unterscheidung von
Sinn und
Bedeutung übernimmt. Die Intension ist die Angabe der Merkmale, die dem Sachverhalt oder der Sache zukommen. Der Gegenbegriff hierzu ist die
Extension, die durch die Aufzählung unter den Begriff fallenden Elemente definiert wird. So ist z.B „Geige“/„Violine“ intensional identisch, da sie
semantisch, d.h. im Sinn übereinstimmen. Begriffe sind extensional identisch, wenn sie sich auf die gleiche, übergeordnete
Klasse beziehen: z.B. „Abendstern“ und „Morgenstern“, da beide Ausdrücke die
Venus bezeichnen). Demnach können verschiedene Begriffe bei verschiendener Intension, die gleiche Extension haben: „Mensch“ und „vernunftbegabtes Wesen“ (falls dies nur auf Menschen zutreffen sollte).
Mereologische Systeme
Die
Mereologie (von griech.
meros „Teil“) ist ein Teilgebiet der Ontologie und der angewandten
Logik und befasst sich mit dem Verhältnis zwischen Teil und Ganzem.
Topologische Begriffe wie „Rand“ und „Zusammenhang“ lassen sich mit mereologischen Mitteln untersuchen, woraus die
Mereotopologie entsteht. Anwendungen finden sich im Bereich der
Künstlichen Intelligenz bei der
Wissensrepräsentation.
Einzelne Ansätze
Fasst alle
Philosophen thematisieren in ihrem Werk ontologische Fragestellungen. Dies gilt für
neuzeitliche Denker wie die
Existentialisten (z.B.
Jean Paul Sartre) ebenso wie für phänomenologische Denker wie
Edmund Husserl,
Martin Heidegger oder die
analytische Philosophen wie
Willard Van Orman Quine und
Peter Frederick Strawson, für
antike Denker wie
Platon,
Aristoteles und
Plotin oder Denker des
Mittelalters wie z.B.
Thomas von Aquin. Die Fülle an ontologischem Denken hier wiederzugeben kann nur über die Form eines kurzen Abrisses einflussreicher Positionen erfolgen.
Aristoteles und Platon
Thomas von Aquin
Der Begriff des Seins bei
Thomas von Aquin lässt sich folgendermaßen darstellen: Ein Kernelement der thomistischen Ontologie ist die Lehre von der
analogia entis. Sie besagt, dass der Begriff des Seins nicht eindeutig, sondern analog ist, also das Wort „Sein“ einen unterschiedlichen Sinn besitzt, je nachdem, auf welche Gegenstände es bezogen wird. Danach hat alles, was ist, das Sein und ist durch das Sein, aber es hat das Sein in verschiedener Weise. In höchster und eigentlicher Weise kommt es nur
Gott zu: allein er
ist Sein. Alles andere Sein hat nur Teil am Sein und zwar entsprechend seinem Wesen. In allen geschaffenen Dingen muss also
Wesen (
essentia) und
Existenz (
existentia) unterschieden werden; einzig bei Gott fallen diese zusammen.
Schema-Metaphysik-Thomas.png
Auch die Unterscheidung von
Substanz und
Akzidenz ist für das System des Thomas bedeutend. Hierzu heißt es: „
Accidentis esse est inesse“, also „Für ein Akzidenz bedeutet zu sein, an etwas zu sein“. In die gleiche Richtung geht sein „
Accidens non est ens sed entis“, also „Ein Akzidenz ist kein Seiendes, sondern ein zu etwas Seiendem Gehörendes“.
Eine weitere wichtige Unterscheidung ist die von Materie und Form. Einzeldinge entstehen dadurch, dass die Materie durch die Form bestimmt wird (siehe Hylemorphismus). Die Grundformen Raum und Zeit haften untrennbar an der Materie. Die höchste Form ist Gott als Verursacher (causa efficiens) und als Endzweck (causa finalis) der Welt. Die ungeformte Urmaterie, d.h. der erste Stoff, ist die materia prima.
Um die mit dem Werden der Dinge zusammenhängenden Probleme zu lösen, greift Thomas auf die von Aristoteles geprägten Begriffe Akt und Potenz zurück, siehe dazu auch den Artikel Akt-Potenz. Weil es in Gott keine (substanzielle) Veränderung gibt, ist er actus purus, also „reine Wirklichkeit“.
Georg Wilhelm Friedrich Hegel
Georg Wilhelm Friedrich Hegel geht davon aus, dass im
Erkenntnisprozess das Denken in der Beziehung zum Gegenstand erst seine Bestimmung erfährt und steht damit im Gegensatz zu
Immanuel Kant, der das Denken unabhängig vom Erkenntnisgegenstand sieht. Denken und Gegenstand sind damit nicht mehr eigenständige
Entitäten.
In diesem Sinne verbindet Hegel die realistische und konstruktivistische Ontologie.
Edmund Husserl
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Edmund Husserl spricht in seinen
Ideen zu einer reinen Phänomenologie und phänomenologischen Philosophie (
auch Ideen I) von
Noesis und
Noema als Grundmomente der Gegenstandskonstitution und somit als Grenze des Sagbaren (
siehe auch Ludwig Wittgenstein). So ist z.B das Noema der
Wahrnehmung eines Baumes das „Baumwahrgenommene“. Dieses unterscheidet sich aber nun fundamental von dem Baum, der z.B. verbrennen kann, während die Baumwahrnehmung dieses nicht kann, da sie keine realen Eigenschaften besitzt. Allerdings besitzt die Baumwahrnehmung ihre eigene gegenständliche Sinnhaftigkeit: z.B. Bäume können wachsen, sind anzufassen etc. Der Baum wird also als
etwas aufgefasst, das so und so strukturiert ist. Das wir etwas als etwas
vermeinen, ist der zentrale Gedanken Husserls, die sogenannte
Intentionalität. Diese Thematik lässt sich vielleicht am Beispiel von
Vexierbildern am besten
analog verdeutlichen. (siehe als Beispiel die nebenstehenden Vexierbild).
Ähnlich wie beim Vexierbild ist der Stoff (griech. hyle) unserer Wahrnehmung erst durch den intentionalen Akt als z.B. real, phantasiert, geträumt usw. gemeint. Was bedeutet, wir legen der Hyle einen Sinn bei. Nun bekommen nach Husserl z.B. die Gegenstände der Biologie ebenfalls einen Sinn beigelegt, z.B. bewegt sich von selbst und reproduziert sich. Die dahinter stehende Sinnhaftigkeit ist die sogenannte materielle Ontologie, die Husserl auch als regionale Ontologie bezeichnet. Nach Husserl sind diese regionalen Ontologien die Grundlage für die Wissenschaften, konstituieren sie doch erst den Gegenstandsinn der Themen der einzelnen Wissenschaften.
Nicolai Hartmann
Hartmann versucht einen Neubeginn der Ontologie durch eine strenge
empirische Grundlage. Damit lehnt er die Ontologie als Wesenlehre (s. Husserl) ab und verzichtet auf jeden
metaphysischen Anspruch. Im Gegensatz zur traditionellen Ontologie, die in der
essentia die formgebende Kraft der Dinge sah, nimmt er das empirische Wissen als Grundlage, welches gewissermaßen der
Wirklichkeit die Strukturen abliest. Hartmann vertritt hiermit eine realistische Position. Es geht um das Erfassen von etwas, was vor und unabhängig einer
Erkenntnis besteht. Hartman unterscheiden hier zwei Seinsweisen: das reale Sein und das ideale Sein. Das reale Sein ist dabei wiederum in vier Seinschichten oder Stufen geteilt: das Psychisch-materielle, das Organische, das Seelische und das Geistige, die nicht auf eine der niedrigeren Stufen zurückgeführt werden können.
Ideales Sein sind bei Hartmann
mathematische Formen und z.B.
ethische Werte. Nicolai Hartmanns ontologisches Schichtenmodell gerät dabei an der Stelle in die Kritik, wo er von dem
unintelligiblen Rest spricht. Gemeint ist damit die nicht zur völligen Aufklärung bringende Vielschichtigkeit der Welt. Damit aber versperrt er sich jeder möglichen
monistischen Lösung.
Martin Heidegger
Martin Heideggers gesamtes Werk ist bestimmt von der Frage nach dem
Sinn von Sein, also der Frage nachdem, was wir meinen, wenn wir sagen „ich bin, es ist, etc“. Insbesondere in seinem ersten Hauptwerk
Sein und Zeit ist dieses Problem zentraler Bestandteil seines Fragens. Nach Heidegger ist die Frage nach dem Sinn von Sein selber in der Geschichte der Metaphysik in Vergessenheit geraten (
Seinsvergessenheit). Zwar habe
Aristoteles in seiner
Metaphysik eine Kategorisierung der verschiedenen
Seinsregionen des
Seienden geliefert indem er die unabhängige
Substanz von der abhängigen
Akzidenz unterscheidet,die Frage nach dem Sinn von Sein selber habe er aber nicht gestellt. Hier sieht Heidegger die Ursache dafür, dass die Frage nach dem Sinn von Sein, hinter die Frage nach dem Seienden gerückt ist. Diese Thematik durchzieht seiner Meinung nach die gesamte
Philosophiegeschichte (
siehe auch ontologische Differenz). Dem setzt Heidegger nun seine
Fundamentalontologie entgegen. Heideggers Ansatz soll diese Frage nun neu stellen. Um jedoch diese Frage zu stellen, so seine Analyse der Fragestruktur in Sein und Zeit, bedarf neben dem Gefragten und Erfragten noch ein Befragtes. Das Befragte wird aber dahingehend ausgesucht, dass es auch die Antwort gegen könnte. Das einzige Wesen, aber welches diese Frage überhaupt stellen und beantworten kann, aber ist der Mensch,
dem Sein, dem es in seinem Sein um sein Sein selber geht (so in
Sein und Zeit). Dem Vorwurf, es handele sich bei seinem Ansatz um eine
Anthropologie setzt sich Heidegger zur Wehr, da es ihm um eine Klärung des Sinns von Sein geht durch den Durchgang durch die
Befragung des Menschen. Gleichsam wird Heidegger diesen Vorwurf
Jean Paul Sartre seinerseits machen.
Jean Paul Sartre
Jean Paul Sartres Hauptwerk
Das Sein und das Nichts hat den Untertitel „Versuch einer phänomenologischen Ontologie“. Der Untertitel zeigt den Anspruch des Werkes,
Phänomenologie und Ontologie zu verbinden. Sartres Vorgehen ist dabei von einer „regressiven Analyse“ gekennzeichnet, die von der phänomenologischen Betrachtung einzelner
Phänomene, z.B.
Sprache,
Angst,
Freiheit etc. nach deren allgemeinen, ihnen zugrundeliegendenen notwendigen Strukturen fragt:
Was muss der Mensch sein, dass er Angst haben kann? Im Grunde ist die Betrachtung in
Das Sein und das Nichts die Darstellung komplexer menschlicher Strukturen, als Ausdruck eines Seins, das einen besonderen Bezug zum
Nichts hat, daher der Name des Werkes. Sartre unterscheidet hier zwischen dem menschlichen
Sein, als einem Sein, das nicht ist, was es ist und das ist, was es nicht ist (
für sich sein) und dem Sein, was ist, was es ist (
an sich sein). Der beeindruckende Aspekt dieses Denkens für die
anthropologische Betrachtung des Menschen liegt darin, dass Sartre den Menschen nicht als
Komposition verschiedener Handlungen oder Eigenschaften denkt, sondern als eine
Totalität: jede Handlung, jede Bewegung ist Ausdruck eines Gesamten, führt auf ein Ganzes zurück und enthüllt die Totalität des Seins des Einzelnen.
Ernst Bloch
Ausgehend von der
Prozesshaftigkeit der
Materie (vgl. auch
Hegel) hat der
marxistische Philosoph
Ernst Bloch eine
Ontologie des Noch-Nicht-Seins entwickelt. Das Sein ist bei ihm die Erfüllung des Wesens des Seienden, sein Zu-Sich-Selbst-Kommen, wobei dieses Selbst nicht vorher schon feststeht, sondern erst „herausprozessiert“ werden muss. Die Erfüllung einer Einheit des Seienden mit seinem inneren Wesen, seinem Sein, steht aber noch aus. Es ist nur indirekt als
utopischer „Vor-schein“ und
Tendenz in der Gegenwart anwesend und tritt als „Noch-Nicht-Bewusstes“ in Erscheinung. Sein ist also immer nur Noch-Nicht-Sein, das heißt stets auf eine Zukunft der Erfüllung hin gerichtet, welche die Ursache des Werdens überhaupt ist. Materie ist „Materie nach vorwärts“, weil sie nach dem „vollen Sein“ drängt. Dieses volle Sein versteht Bloch stets geschichtlich und materialistisch als „goldenes Zeitalter“, das im weitesten Sinne ein
kommunistisches Zeitalter ist.
Willard Van Orman Quine
Willard Van Orman Quine ist ein Vertreter der analytischen Tradition und hat sich besonders mit dem Problem der Frage nach den Identitätsbedingungen für Entitäten der verschiedenen Kategorien beschäftigt. Die Frage lautet: Wie sind die Exemplare A und B der Kategorie X miteinander identisch bzw. wann unterschieden? Quines Antwort hierauf ist der berühmte Ausspruch „No entity without identity“. Ausgedrückt wird hier die Ansicht, dass wenn man eine Entität annimmt, man auch sagen können muss, wann Exemplare dieser Art auch identisch sind.
Siehe auch
Literatur
- Thomas von Aquin: Über Seiendes und Wesenheit. De ente et essentia Lateinisch-Deutsch, mit Einleitung, Übersetzung und Kommentar herausgegeben von Horst Seidl, Meiner, Hamburg, 1988, ISBN 3-7873-0771-0
- Willard Van Orman Quine: Ontologische Relativität und andere Schriften, Klostermann, Frankfurt/M., 2003, ISBN 3-465-03251-9
- Ernst Bloch: Tübinger Einleitung in die Philosophie, Frankfurt a.M.: Suhrkamp, neue erweiterte Ausgabe (!) 1970 (identisch mit Gesamtausgabe Band 13)
- Uwe Meixner: Einführung in die Ontologie, Wissenschaftl. Buchges., Darmstadt, 2004, ISBN 3-534-15458-4
- Edmund Runggaldier, Christian Kanzian: Grundprobleme der analytischen Ontologie, Schöningh, Paderborn, 1998, ISBN 3-506-99493-X
- Benjamin Schnieder: Substanzen und (ihre) Eigenschaften. Eine Studie zur analytischen Ontologie, De Gruyter, Berlin, 2004, ISBN 3-11-018155-X
- Béla Weissmahr: Ontologie, Kohlhammer, Stuttgart, 1991, ISBN 3-17-011775-0
- Mario Bunge, Martin Mahner: Über die Natur der Dinge, Hirzel-Verlag, Stuttgart, 2004, ISBN 3-7776-1321-5
- Hans Burkhardt / Barry Smith (Hrsg.): Handbook of Metaphysics and Ontology,Philosophica Analytica, München, 1991, ISBN 3-88405-080-X
- Friedo Ricken (Hrsg.): Lexikon der Erkenntnistheorie und Metaphysik, Beck, München, 1984, ISBN 3-406-09288-8
- Bernhard Lakebrink: Hegels dialektische Ontologie und die thomistische Analektik, Henn, Düsseldorf, 1955
- Georg Lukács: Ontologie - Marx. Zur Ontologie des gesellschaftlichen Seins. Die Ontologischen Grundprinzipien bei Marx, 1972
- Fernand van Steenberghen: Ontologie, Benziger, Einsiedeln, 1953
- Heinrich Rombach: Substanz, System, Struktur. Die Ontologie des Funktionalismus und der philosophische Hintergrund der modernen Wissenschaft, Alber, München, 1981 ISBN 3-495-47130-8
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