Der Olympiapark in München ist der Veranstaltungsort der XX. Olympischen Sommerspiele 1972 und befindet sich auf dem Oberwiesenfeld. Bis heute ist er Austragungsort für sportliche Veranstaltungen sowie Veranstaltungsort für kulturelle, gesellschaftliche oder religöse / weltanschauliche Veranstaltungen beziehungsweise Gottesdienste. Verwaltet wird der Olympiapark durch die Olympiapark München GmbH, einer hundertprozentigen Beteiligungsgesellschaft der Landeshauptstadt München. Olympiamarke.jpg
Die Bezeichnung Olympiapark für das Gesamtgelände hat sich im alltagsprachlichen sowie in Folge dessen im halbamtlichen Gebrauch durchgesetzt. Ein amtlicher Name für das Gesamtgebiet existiert nicht, vielmehr wird hier in den vier verschiedenen Bereichen unterschieden:
Das Gesamtgebiet wird im Osten durch die Lerchenauer Straße, im Norden durch die Moosacher Straße begrenzt, im Westen bilden die Landshuter Allee bis zum Willi-Gebhard-Ufer die Grenze. Dort nach Osten verschoben bildet der Spiridon-Louis-Ring ab Willi-Gebhard-Ufer Richtung Süden, und dann der Rudi-Harbig-Weg zur Ackermannstraße die Westgrenze. Die Südgrenze des Gebietes verläuft erst die Ackermannstraße entlang und anschließend um die Kleingartenanlage herum zur Winzererstraße. Schließlich schließt die Winzererstraße bis zur Lerchenauer Straße das letzte Stück der Ostgrenze. Der Mittlerer Ring / Georg-Brauchle-Ring teilt das Gelände in zwei Hälften: Olympisches Dorf und Olympia Pressestadt sind nördlich, Olympiagelände und Olympiapark südlich des Georg-Brauchle-Ringes.
Nachdem 1966 das Internationale Olympisches Komitee die Spiele an München vergab, wurden die Pläne für die städtbauliche Neuordnung des Oberwiesenfeldes konkret. Nachdem der Flugbetrieb 1939 vom bis dahin als Flugplatz genutzten Oberwiesenfeld in den damals neu eröffneten Flughafen München-Riem verlegt wurde, lag das Gebiet brach. Denn nach den NS-Plänen für den Ausbau Münchens zur Hauptstadt der Bewegung sollte hier der zentrale Schlachthof und Großmarkt entstehen. Der Zweite Weltkrieg verhinderte jedoch seine Umsetzung. Nach 1945 blieb das Oberwiesenfeld Brachland, es wurde einer der beiden großen Trümmerberge aufgetürmt. Von einzelnen Infrastrukturprojekten wie dem Eisstadion am Oberwiesenfeld abgesehen, blieb das Oberwiesenfeld Strukturentwicklungsgebiet. Insofern war hier für den Bau olympischer Stätten ein idealer Ort.
Als Konzept wurde „Olympische Spiele im Grünen“ gewählt, gleichzeitig wollte man sich an den Idealen der Demokratie orientieren. Damit sollten Optimismus in die Zukunft, damals gekoppelt mit einer positiven Einstellung zur Technik und Erinnerung an die Vergangenheit integriert werden. Hierdurch wollte sich München positiv von den Olympischen Spielen in Berlin 1936 abheben. Das Architektenbüro um Günther Behnisch und Partner entwickelte den Gesamtentwurf für das Sport- und Erholungsgebiet, das von 1968 bis 1972 errichtet wurde. Die Gesamtkosten betrugen 1,35 Milliarden DM.
Der Name „Olympiapark“ selbst stammt von der städtischen „Verwaltungskommission für die Benennung von Bahnhöfen an den U- und S-Bahnstrecken im Stadtbereich“, die am 3. November 1969 die Bezeichnung „Olympiapark“ für den heutigen U-Bahnhof Olympiazentrum (U3) vorschlug. Sie begründete diese Namensnennung damit, dass die Bezeichnung „Olympiapark“ dem Leitgedanken „Olympische Spiele im Grünen“ Rechnung trüge und gleichzeitig auf die zentrale Funktion des U-Bahnhofs hinweise, der in Verbindung mit dem darüberliegenden Busbahnhof die Bedienung aller Sportstätten und des gesamten Bereiches verbunden sei. Der Begriff fand daher schnell Eingang in den halbamtlichen Sprachgebrauch und somit in die Presse-Berichterstattung, die damit in den meisten Fällen das Gesamtgebiet im Sinne der Verwaltungskommission meint. Für den U-Bahnhof setzte er sich jedoch nicht durch.
Der Olympiapark ist für den Individualverkehr durch den Mittlerer Ring gut angeschlossen. Das Olympische Dorf selbst ist verkehrsberuhigt.
Im Öffentlichen Personennahverkehr leistet die U-Bahn mit der Olympialinie U3 die Haupterschließungsarbeit. Von der Münchner Freiheit verbindet sie den Olympiapark mit Schwabing und der Innenstadt. Ab 2007 wird die U3 verlängert und erschließt mit den Bahnhöfen Oberwiesenfeld am nördlichen Ende des Olympischen Dorfes und Olympia-Einkaufszentrum weitere Teile des Olympiaparks. Die Weiterführung bis Moosach, wo Anschluss an die S-Bahn-Linie S1 besteht, soll bis Ende 2011 realisiert werden. Am U-Bahnhof Olympiazentrum ist eine zentrale Haltestelle für MVG-Buslinien eingerichtet. Der südliche Teil des Olympiaparks wird außerdem durch die Trambahn-Linien 12 und 21 erschlossen, die wegen ihrer Entfernung zum nördlichen Teil des Olympiaparks hauptsächlich nur für das Tollwood-Festival interessant sind. Während des Tollwood wird die sogenannte Ackermannschleife genutzt.
Zwischen 1972 und 1988 existierte noch der S-Bahnhof Olympiastadion, der bei Großereignissen angefahren wurde. Derzeit (2006) ist der Bahnhof noch erhalten und verfällt immer weiter, im Zuge des Transrapid-Baus zum Flughafen soll der Bahnhof abgerissen werden.
Das Olympiagelände ist südlich des Georg-Bauchle-Rings und nördlich des Olympiasees gelegen; es ist damit der flächenmäßig kleinste Bereich im Gesamtgebiet Olympiapark. Es beinhaltet folgende Wettkampfstätten:
Das zentrale Stadion, errichtet 1968-1972, wurde von der Architektengemeinschaft Behnisch und Partner entworfen. Es gilt als das Stadion in der Bundesrepublik mit den meisten veranstalteten nationalen und internationalen Wettkämpfen. Ursprünglich für 80.000 Zuschauer errichtet wurde Ende der 1990er Jahre die Zuschauerzahl aus Sicherheitsgründen auf etwa 69.000 Zuschauer verringert. Nach dem Ende der Olympischen Spiele wurde das Olympiastadion vor allem für Fußballbegegnungen verwendet. Der FC Bayern München und phasenweise auch der TSV 1860 München hatten hier ihr Heimatstadion. Seit der Eröffnung der Allianz Arena 2005 finden fast nur noch kulturelle oder religiöse Veranstaltungen statt.
Als einzige vorolympische Sportstätte wurde das Olympia-Eisportzentrum als Eisstadion am Oberwiesenfeld 1966/67 nach Plänen von Rolf Schütze errichtet und 1972 auf 7000 Zuschauerplätze erweitert. 1969 war das Eistadion Austragungsort für die Tischtennis-Weltmeisterschaften und wurde während der Olympischen Sommerspiele 1972 für die Boxveranstaltungen genutzt. 1983 wurde die Freieisfläche überdacht und schließlich 1991 das Zentrum um eine Trainingshalle ergänzt, die zur Zeit auch für Publikumslauf und Short-Track verwendet wird. Hier ist das Zentrum des Münchner Eishockys, vor allem des EHC München, angesiedelt. Das Olympia-Eissportzentrum gilt als einer der größten Eislaufzentren in Europa und ist mit einer wettkampffähigen Eisfläche von 60 x 30 m das bundesdeutsche Leistungszentrum für Eiskunstlauf.
Die Eislaufzelt ist seit der Saison 2004/05 geschlossen und wird zur Zeit als SoccaFive Arena (Hallenfußball) vermarktet.
Auf dem Oberwiesenfeld wurde 1965 bis 1968 der Olympiaturm nach Plänen von Sebastian Rosenthal in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bundespost durch das Baureferat der Landeshauptstadt München errichtet. Der seit 2005 291,28 Meter hohe Fernsehturm ist also vorolympisch und wurde nachträglich zum Wahrzeichen des Olympiaparks. (Technik-)Optimismus und Pressefreiheit sollen durch den Turm symbolisiert werden, was das Konzept eines an den Idealen der Demokratie orientierten Spiele unterstreicht. Im Olympiaturm ist auf 200 Meter Höhe das Rockmuseum Munich eingerichtet.
Muenchen olympisches dorf.jpg Das Olympische Dorf, ursprünglich aus Olympisches Männerdorf und Olympisches Frauendorf bestehend, kann heute in zwei Einheiten untergliedert werden: Im Süden eine Bungalow-Kette und im Norden das eigentliche Dorf.
Die Olympia-Pressestadt liegt westlich des Gesamtgeländes Olympiapark zwischen Landshuter Allee im Osten und Riesstraße im Westen. Zentrum war das Gebäude Riesstraße 50.
Der südlich des Olympiageländes anschließende Olympiapark nimmt in mehrerer Hinsicht eine Sonderstellung ein. Das Konzept der „Olympischen Spiele im Grünen“ hatte zur Folge, dass die Architektur der Bauten vom Standpunkt der Grünanlagen bestimmt wurde. Um die Verschmelzung der Bauten mit dem Olympiapark zu unterstützen wurden zum Beispiel die Sitze im Olympiastadion in verschiedenen Grünstufen hergestellt, um die Verschmelzung des Olympiastadions mit dem Park vom Olympiaberg aus zu unterstützen.
Gleichzeitig markiert der Olympiapark einen großen Wendepunkt in der Münchner Gartenkunst dar. Der leitende Kassler Landschaftsarchitekt Günther Grzimek stellte den Olympiapark in den Kontext des gesellschaftlichen Umbruchs der 1960er Jahre. Das Motto der „Besitzergreifung des Rasens“ drückt die Aneignung durch die Bevölkerung als emanzipatorischen Prozess aus. Der Park wird zum Ort gesellschaftlicher Freiheit. Damit orientiert sich Günther Grzimek ebenfalls am Ideal der Demokratie.
Statt Freiräume für Privilegierte wollte Grzimek die optimale Grünversorgung für alle realisieren, gleichzeitig jedoch Ansprüche an Gestaltung und Ökologie stellen. Die Benutzbarkeit der städtischen Freiflächen sollte im Vordergrund stehen, und nicht eine abstrakte Idee. Diese exisiterte dennoch: Der Olympiapark sollte Stadt und Umland mit dem Olympischen Bauten verbinden. Der Olympiaberg leistet diese Aufgabe.
Mit 160 Hektar gehört der Olympiapark zu den größten Grünanlagen Münchens.
Das 1972 errichte Carillon ist eines von fünf Carillons in Bayern.
Charakteristisch für den Olympiapark ist die Zeltdachkonstruktion, die zur ihrer Errichtung als eine optische und statische Sensation galt. Die 74.800 m² große, auf 58 Stahlmasten hängende und aus lichtdurchlässigen Acrylglasplatten bestehende Konstruktion überspannt das Olympiastadion, die Olympiahalle und die Olympia-Schwimmhalle. Die sehr leicht wirkende Zeltdachkonstruktion steht symbolisch für das Flüchtige und Wandelbare in unserer Welt.
Fritz Auer, Mitglied des Architekturbüro Behnisch und Partner in Stuttgart, konstruierte das Zeltdach nach Vorbild des Zeltdaches für den Deutschen Pavllion bei der Weltausstellung 1967 in Montréal, das nach Plänen von Frei Otto errichtet wurde. Dieses Zeltdach gilt als ausschlaggebener Grund für den Sieg beim Ideenwettbewerb für das Münchner Olympiagelände. Die eingereichten Skizzen beeindruckten, obwohl deren statische Realisierbarkeit völlig ungeklärt war. Nach dem Gewinn des Wettbewerbs holte Günter Behnisch Frei Otto ins Team, um die anspruchsvolle Aufgabe bewältigen zu können. Neben Fritz Auer waren noch Frei Otto als Tragwerksplaner, der Bauingenieur Jörg Schlaich, Mitarbeiter von Fritz Leonhardt an der Ausführungsplanung und Bauüberwachung beteiligt.
Ursprünglich sollte die Konstuktion nach den Olympischen Spielen abgebaut werden. Das Echo der Weltpresse, die hier den Charakter der "leichten Spiele" am besten wiederspiegeln sah, verhinderte eine Demontage. Ende der 1990er Jahre wurde das Zeltdach generalsaniert. Seitdem ist der alte, lichtdurchlässige Eindruck wieder vorhanden.
Der Bereich über das Olympiastadion kann im Rahmen von geführten Touren ("roof top tour") in den Sommermonaten bestiegen werden.
Zum architektonischen Gesamtensamble gehören auch das BMW-Hochhaus und das BMW-Museum, die nach Plänen von Karl Schwanzer errichtet worden sind. Sie sind jedoch nicht Teil des Olympiaparks, sondern gehören bereits zu Milbertshofen. Im Frühjahr 2006 hat im Olympiapark auch ein Sealife-Aquarium eröffnet.
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