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Der Begriff der Oligodynamie geht auf den schweizer Botaniker Carl Wilhelm von Nägeli (1817 - 1891) zurück und beschreibt eine schädigende Wirkung von Metall-Kationen (positiv elektrisch geladene Metallionen) auf lebende Zellen.

Wirkungsweise


Ionen von einigen Metallen zeigen eine (mitunter nur schwache) schädigende Wirkung auf unterschiedliche Krankheitserreger, zu denen Bakterien, Viren und Pilze zu zählen sind. Die Metalle, bei denen dieser Effekt bisher beobachtet werden konnte, sind in absteigender Reihe nach Wirkung sortiert: Quecksilber, Silber, Kupfer, Zinn, Eisen, Blei und Bismut. Auch Gold und Osmium zeigen diesen Effekt. Bei den Bakterien sind die grampositiven Bakterien möglicherweise etwas empfindlicher als die gramnegativen Bakterien. Der genaue Wirkmechanismus ist noch nicht völlig verstanden, es wird eine Störung des bakteriellen Stoffwechsels beobachtet, Reaktionen mit Cytochromen sowie Komplexbildungen mit DNA und RNA. Weiterhin ist bekannt, dass Silberionen die Permeabilität von Zellmembranen beeinflussen können und dass sie an Schwefelbrücken von Eiweissen binden können und dort eine störende Wirkung auf Enzyme hervorrufen. Es wird auch eine geringe antivirale Wirkung von Metallionen auf Viren beschrieben, die jedoch auch durch Erhöhung der Ionenkonzentration kaum zu steigern ist. Es gibt ebenfalls Berichte über eine schädigende Wirkung auf Algen und Pflanzenzellen. Ein typisches Merkmal der Oligodynamie ist die relativ lange Einwirkzeit (im Stundenbereich), die benötigt wird, um die volle antimikrobielle Wirkung zu erzielen. Silberempfindliche Bakterien können mit der Zeit resistent, also unempfindlich gegen Silberionen werden. Die höchsten Silberkonzentrationen, die silberresistente Mikroorganismen tolerierten, lagen bei 10 g  /  l und dies entspricht in etwa dem 500 - fachen Wert für silberempfindliche Keime.

Anwendung


Der oligodynamische Effekt wird bei einigen Desinfektionsmitteln ausgenutzt, meist in Kombination mit Chlorverbindungen oder H2O2. Auch bei der Haltbarkeitsmachung von Trinkwasser in mobilen Wassertanks (auf Schiffen, Flugzeugen, Camping) finden sich Anwendungen der Oligodynamie. In der Medizin werden auch Katheter, Pflaster und Textilien derartig hergestellt, dass sie Silberionen abgeben können. Silberhaltige Mittel werden bei der Wundbehandlung (hauptsächlich Brandwunden) eingesetzt.

Originalarbeit Nägeli


v. Nägeli K.W. 1893. Über oligodynamische Erscheinungen in lebenden Zellen. Neue Denkschr. Allgemein. Schweiz. Gesellsch. Ges. Naturweiss. Bd XXXIII Abt 1.

Siehe auch


Kolloidales Silber, Silber, Kupfer, Desinfektion

Weblinks


Medizingeschichte | Hygiene

 

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